Review: PAD-Labs / Aerosoft Genf Professional (P3D v4)

Die Schweiz ist ein hochpreisiges Land. Ein Restaurantbesuch, gerade in Genf, endet in der Regel nicht unter 27,95 Euro, das sind heute 30,58 Franken. Genauso viel kostet euch die aktuelle Umsetzung des Genfer Flughafens von PAD-Labs (publiziert von Aerosoft). Also verzichten wir heute mal auf das Käsefondue und fliegen stattdessen nach Genf.

Genf, das ist seit einigen Jahren mein Lieblingsflughafen. Klein, kompakt, kurze Wege (außer zu den Satelliten-Terminals, da läuft man ein wenig), exzellent mit Bus und Bahn an die Stadt angebunden, und für den ÖPNV gibt es sogar noch ein kostenloses Ticket für Ankommende. Der 5er-Expressbus fährt etwa 10 Minuten in die erweiterte Innenstadt, zum Hauptbahnhof geht es mit nahezu jedem Zug noch schneller. Und – in Genf gibt es eine Sicherheitskontrolle, bei der keine Computer und Flüssigkeiten mehr ausgepackt werden müssen, super.

Und da also Genf und sein Flughafen in den letzten Jahren mein “zweites Zuhause” geworden ist, nutze ich die Gelegenheit, nach fast neun Monaten mal wieder ein Review für simFlight zu schreiben.

Das Vorbild: Der Flughafen Genf LSGG

Die Wurzeln des Genfer Flughafens gehen bis zum Jahr 1911 zurück. Er liegt an der Südspitze des Genfer Sees, nördlich der Stadt Genf, auf dem Gelände der Gemeinden Le Grand-Saconnex und Cointrin (daher auch der alte Name Genf-Cointrin, der sich noch in der FS Dreamteam-Umsetzung findet). Als Besonderheit gibt es einen französischen Sektor, der infolge eines Gebietstauschs mit Frankreich entstanden ist: Hier konnten französische Bürger ein- und auschecken, ohne formal die Schweiz zu betreten und damit Waren verzollen zu müssen. Für den Personenverkehr ist das bedeutungslos, seit die Schweiz 2008 dem Schengen-Abkommen beigetreten ist.

Genf verfügt über zwei Terminals, von denen T2 aber nur für Charterflüge im Winter genutzt wird, alles andere wird über die Flugsteige A bis D sowie den französischen Bereich F abgewickelt. Flugziele sind viele Flughäfen in Europa, in Deutschland beispielsweise Frankfurt, München mit Lufthansa, Düsseldorf mit EuroWings/GermanWings (in der Regel mit Dash 8Q400 von LGW), Berlin mit EasyJet, und es gibt auch einige Interkontinental-Verbindungen, zum Beispiel nach Dubai mit Boeing 777,  nach New York mit A330, und sicher noch einige andere Verbindungen. Dafür verfügt LSGG über eine 3,9 km lange Bahn auf etwa 1500 Fuß Höhe über dem Meeresspiegel. Zusätzlich gibt es eine kleine Graspiste, die zwar als geschlossen beschrieben wird, aber noch über PAPI-Beleuchtung verfügt.

Ein wahrer Mega-Airport ist Genf nicht, bedeutend aber vor allem durch die vielen internationalen Organisationen, allen voran der größte Standort der Vereinten Nationen (vor New York, Wien und Bonn) im ehemaligen Völkerbund-Palast (leider leider gibt es dafür im Standard-Simulator kein Modell).

Besonders interessant wird der Flughafen durch die Geographie: eingebettet in die Alpenlandschaft und mit direkter Sicht auf den Montblanc sind die Anflüge in “echt” eine Augenweide.

Das verspricht der Hersteller

Aerosoft verspricht im Wesentlichen eine Umsetzung nach dem Stand der Technik, mit 30 cm pro Pixel Luftbild, animiertem Vorfeldvekehr, animierte RADAR-Antennen und dergleichen, Steuerung der Lichter über die DynamicDisplayEngine (die mir bisher auch unbekannt war), Kompatibilität mit Switzerland Professional (habe ich nicht, kann ich daher nicht prüfen), sowie eine Optimierung für gute Ablaufgeschwindigkeit (was im Umkehrschluss bedeutet: keine Detaillierung des Inneren von Gebäuden, keine transparenten Glasscheiben und dergleichen). Eine Modellierung des direkten Umfeldes des Flughafens gibt es nicht.

Kauf, Installation und erster Eindruck

Genf gibt es im simMarket und bei Aerosoft direkt zum Download für 27,95 Euro, und pünktlich zum Weihnachtsgeschäft auch als Box für knappe 30 Euro. Enthalten sind aktuelle und umfangreiche Charts, die sich mit dem Aerosoft-Navdata-Pro-Viewer (lokal, ganz ohne Anmeldung) anzeigen lassen, ein knappes Handbuch mit einigen Zeilen zum Flughafen und zu den Einrichtungen, sowie ein Config-Tool, mit dem sich im Wesentlichen der dynamische Vorfeldverkehr und die SODE-Jetways ein- und ausschalten (dann: Jetways mit Ctrl-J steuerbar) lassen. Die Installation verläuft unaufgeregt über die Eingabe von Registrierungsnummer und EMail-Adresse.

Also los, ab ins Cockpit einer Dash 8Q400, die am Flugsteigbereich D steht – dem einzigen Satellitenterminal ohne Jetways, an dem die Flüge aus Düsseldorf in der Regel ankommen. Das Gebäude ist insgesamt gut getroffen, nicht absurd detailliert (mit Schildern und dergleichen), und eben ohne transparente Glasfronten.

Performanceprobleme finde ich keine – nicht mit PMDG- oder iFly-Großflugzeugen, und schon gar nicht mit der kleinen Dash. Auf dem Weg zur Bahn für eine kleine Runde über den Genfer See: Die Bodentexturen sind gut getroffen, nur der Grasbereich, auch direkt an der Bahn, ist leider etwas verschwommen.

Nach dem Start in Richtung See geht’s über den Flughafen zurück zum ILS-Anflug auf die Bahn 04. Auch hier –  keine Performance-Probleme. Leider, leider, ist Genf von Microsoft nicht mit viel Liebe zum Detail nachgebaut, eigentlich gibt es nur die Fontaine an der Südspitze des Sees und etwas generische Gebäude. Das fällt hier wegen der harten Grenze zwischen Flughafen (und Messe) und der Default-Gegend besonders auf.

Der erste Eindruck in der Zusammenfassung: Detaillierung der Bereiche, die aus dem Flugzeugcockpit sichtbar sind gut, leider sind die Grastexturen etwas verwaschen. Keine Glaseffekte oder Einblicke ins Terminal. Harte Kante zwischen Flughafenmodell (gut detailliert) und Standardlandschaft (trotz Orbx open LC und Vektor ziemlich karg). Performance überhaupt kein Problem.

Luftseite

Genug erster Eindruck, schauen wir uns im Detail mal den Bereich des Flughafens an, der aus dem Cockpit sichtbar ist. Das sind in erster Linie die Satellitenterminals, der Hauptterminal sowie die Gebäude in diesem Bereich. Hier eine Übersicht des Terminalbereichs:

Hier ein Satellit im Detail.

Toll ist, dass es Visual Docking Guidance Systeme gibt, die auch funktionieren. Statische Flugzeuge sind auch zu sehen. Die Jetways sehen schön aus (ich muss aber zugeben, dass ich mich an die Jetways in Genf nicht erinnern kann – eine kurze Zeit lang ist GermanWings dort zwar mit A319 hingeflogen, aber das ist lange her).

Bei meiner Installation waren – ohne Auswahl von SODE Jetways im Config-Tool – die Jetways zunächst doppelt zu sehen, leicht versetzt, und nur eines der jeweils zwei Exemplare bewegte sich per Ctrl+J. Umstellen auf SODE hat diesen Fehler aber dann beseitigt.

Die Luftseite ist nicht besonders zugestellt mit “Kram”, aber es flitzen ständig irgendwelche Fahrzeuge herum, die den Flughafen belebt wirken lassen (sie lassen sich selbstverständlich über das Konfig-Tool abschalten).

Außerhalb des Kernbereichs gibt es weitere Highlights der Modellierung; der Teststand für die Triebwerke sieht gut aus.

Landseite

Die Landseite ist sehr gemischt: Es gibt Highlights (Dachterasse des Restaurants, Schranken an der Zufahrt, Easyjet-Gebäude und eigentlich alles im südlichen Bereich), aber auch Hausmannskost, wie die Busstation am Ausgang des Flughafenbahnhofs. Nun, die sieht man aber eigentlich nicht aus dem Flugzeug, daher ist das nicht so schlimm.

Toll geworden ist das Messegelände Palexpo direkt am Frachtbereich. Auch der Beleuchtungseffekt bei Nacht ist gut getroffen.

Randbereiche

Außerhalb des Kernbereichs, wenn man am Zaun entlangläuft (oder fährt oder “slew”t, oder so) finden sich noch ein paar schöne Details, zum Beispiel der Traktor, der den Tankwagen zieht, die Wetterstationen und Wachtürme. Alles nicht ganz unwichtig, denn genau hier fährt der Flughafenbus vorbei, der Genfbesucher erkennt einiges wieder.

Nicht ganz unwichtig für eine solche Diplomatenstadt ist das General-Aviation-Terminal mit der Graspiste (nicht mehr in Nutzung). Es ist nachvollziehbar modelliert (ich kenne es natürlich nicht selbst).

Auch der Straßentunnel aus Frankreich hat es ins Modell geschafft, und am südlichen Ende der Bahn finden sich Masten, die wohl Oberleitungen der Eisenbahn darstellen sollen.

Jahreszeiten

Ganz überwiegend passt die Farbgebung des Flughafengeländes gut zur Umgebung. Allein im Februar ist in Genf schon Frühling, und im Dezember, da ist sich die Gegend nicht einig, wo genau Schnee liegen soll.

Update 1.01

Gerade, als dieses Review eigentlich fertig war, flatterte das Update 1.01 ins Haus, mit der prominentesten Änderung, dass es nun im direkten Flughafenumfeld Fototexturen und Autogen gibt. Grund genug, da nochmal drüberzuschauen:

Das wirkt schon etwas besser als vorher, weil es keine abrupten Übergänge gibt; je nach Ortsteil reicht die Fototextur sogar einige Kilometer nach draußen. Auf die Klasse zum Bespiel der Köln-Umsetzung hebt es die Szenerie aber nicht; lediglich die Übergänge sind kaschiert.

Die übrigen Bilder im Review (außerhalb dieses Abschnitts) sind mit Version 1.0 entstanden.

Fazit

Genf Professional ist eine grundsätzlich brauchbare Umsetzung des Flughafens LSGG: die vom Cockpit aus sichtbaren Bereiche sind gut modelliert, die Performance ist gut, dafür gibt es keine durchsichtigen Glasflächen. Bereiche, die beim besten Willen nicht vom Flieger sichtbar sind, sind weniger detailliert. Kleine Fehler bei den Jetways bei der Erstinstallation finde ich nicht wirklich dramatisch.

Was mit leider fehlt, sind ein paar Gebäude, vielleicht ein Luftbild von Genf, denn der Flughafen ist so stadtnah, dass die karge Stadt schon eher negativ auffällt. Und das bringt uns zurück zur Preisdiskussion: Genf wird zum gleichen Preis wie Aerosoft’s Köln angeboten, aber da gibt es schon einen deutlichen Qualitätsunterschied (dort gibt es nämlich zum Beispiel ein Luftbild für den gesamten Großraum Köln).

Genf kann ich empfehlen für alle, die den Flughafen noch nicht im Prepar3d v4 haben und die einen Bezug zu Genf haben. Guten Flug!

Pro Contra
  • Performance gut (Bildwiederholrate)
  • Modellierung solide
  • Flughafen in toller Landschaft
  • Leider keine Fototextur für die direkte Umgebung des Platzes (doch, mit Update 1.01)
  • Glasfronten sehen etwas unnatürlich aus
Informationen Testsystem
  • Entwickler: PAD-Labs & Aerosoft
  • Preis: 27,95 €
  • Kauf: simMarket
  • Intel Core i5 3570K, 4.5 Ghz
  • GeForce GTX 1080, 8 Gb
  • Windows 10×64, 16 Gb Hauptspeicher
  • Intel SSD
  • Oculus Rift CV1
  • Prepar3D V4.5, FTX Trees HD, openLC Europe, FTX Global, FS Global 2010

Dr. Patrick Seiniger

2 Comments
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Vielen Dank für das Review. Genf als Ziel- bzw. Startpunkt für Feierabendflüge oder kurze Hüpfer aus Zeitmangel ist bestimmt eine Reise wert.
Mal schauen, ob es Xmas-Angebote auf für Genf gibt.

Ein gutes Review, danke dafür.

Spiegelt auch meine Erfahrung wieder, kann man ruhigen Gewissens empfehlen den Airport!
Und es gibt auch schon ein Update 1.011 🙂