Review: Elgato StreamDeck (XL) – mit AAO Plugin

 

In diesem Review wird das Elgato StreamDeck vorgestellt und wie wir es für die Flugsimulation nutzen können.

Dazu vorab der Hinweis, dass ich mir das Gerät privat gekauft habe, keinerlei Verbindungen zu Elgato habe und Elgato weder von diesem Review in Kenntnis gesetzt wurde, noch darauf Einfluss hat. Ebenso verweisen wir auf keinen speziellen Shop, außer der Herstellerseite selbst, da jeder Interessierte sicherlich seine eigene Lieblingsquelle hat, bei der er sich das Produkt kaufen kann.

Abgesehen von der Hardware gehe ich aber noch auf LORBYs AxisAndOHs (AAO) ein, dessen Plugin für das StreamDeck entwickelt wurde. AAO ist u.a. auf simMarket erhältlich, nicht zwingend zum Betrieb mit dem Flusi und dem StreamDeck notwendig, aber sehr empfohlen. Dazu aber weiter unten mehr.

 

Was ist das überhaupt für ein Gerät?

Beim StreamDeck (SD) handelt es sich um Gerät mit interaktiven Buttons, also Drucktastern, welches originär für Streamer entwickelt wurde, also für Leute, die Videocontent fürs Netz generieren und dazu in der Regel die Hände frei haben müssen, weil sie irgendwas präsentieren, zwischen Programmen hin- und herschalten müssen, Lautstärke oder Helligkeit regeln usw. Und da man während des Streams dann nicht langwierig auf die Tastatur glotzen kann und sich unzählige Tastenkürzel merken und suchen will, liefert Elgato hier die Lösung: ein Device, welches frei belegbare Tasten liefert, welche mit (animierten) Hintergrundbildern belegt werden, um schnell und intuitiv die gewünschte Aktion ausführen zu können.

Es gibt das StreamDeck in 3 Varianten:

einmal als Mini mit 6 Tasten

©Elgato
Quelle: https://developer.elgato.com/documentation/stream-deck/sdk/overview/

 

dann mit 15 Tasten

©Elgato
Quelle: https://developer.elgato.com/documentation/stream-deck/sdk/overview/

 

und das StreamDeck XL mit 32 Buttons

©Elgato
Quelle: https://developer.elgato.com/documentation/stream-deck/sdk/overview/

 

Um das StreamDeck XL geht es hier heute ausschließlich. Ich würde für die Flugsimulation auch keinesfalls weniger Tasten empfehlen.

Wie man auf den Bildern sieht, werden die Geräte bereits mit einem Halter geliefert, welcher mittels Magnetismus das StreamDeck völlig solide hält. Der Halter ist unten gummiert und sorgt somit für rutschfesten Stand auf dem Schreibtisch. Die magnetische Halterung ist insofern durchdacht, da sich so das Gerät einfach aus der Halterung nehmen lässt und man es ggf. in die Hand nehmen oder es flach auf den Tisch legen kann.

Die Größe des StreamDeck XL ist 182 x 34 x 112 mm (L x H x B) ohne den Standfuß.

Jede der Tasten hat 72×72 Pixel Auflösung. Technisch verbergen sich dahinter allerdings keine einzelnen LCD Bildschirme, wie eigentlich überall angegeben wird. Ein wenig genauere Recherche ergibt, dass sich dahinter ein einziger Bildschirm befindet, die Tasten mittels einer darauf liegende Sensormatte erkannt werden.

 

Wer braucht sowas?

Brauchen tut es natürlich keiner, äusserlich auferlegte Kaufzwänge gibt es bisher in der Flugsimulation noch nicht (wobei man ab und an den Eindruck bekommen könnte). Innerlich hat dieses Gerät aber einen erheblichen Kaufzwang in mir ausgelöst. Warum das so ist, will ich hier kurz erläutern, dabei aber erstmal etliche Jahre zurück gehen.

Im Lauf meiner “Flusikarriere” habe ich irgendwann angefangen, mir kleine Schaltpults zu bauen. Angefangen damit, dass ich mir 8 Schalter und ein kleines Plastikgehäuse bei Conrad bestellt habe um die Lichter im virtuellen Cockpit zu schalten. Irgendwann kam dann ein Saitek Switch Panel dazu, dann ein VRInsight MCP Combo und letztlich ein größeres, selbstgebautes Schaltpult, von dem es leider nur dies eine schlechte Bild gibt:

 

Im Herbst 2020 tauschte ich dann den auf dem Bild sichtbaren CH Throttle Quadrant gegen einen Honeycomb Bravo Throttle (Review dazu hier) und aus Platzgründen verschwand erstmal die selbstgebaute Schaltkonsole. Zum Bravo Throttle Quadranten gesellte sich noch der Honeycomb Alpha Yoke dazu und am Ende die Erkenntnis, dass ich keinen Platz mehr auf meinem Schreibtisch habe.

Da ich diesen aber noch anderweitig nutzen möchte/muss/will, ging mir das Hin- und Hergebaue des Yokes – so toll wie er eigentlich ist – und die ganzen Schalter irgendwann auf den Keks. Zudem – ein für mich nicht zu vernachlässigender Grund – war ich immer unzufrieden damit, dass ich zwar eine große Schaltkonsole hatte, die aber irgendwie nie so 100% auf den jeweiligen Flugzeugtyp passte. Mal waren es zuviele, mal zuwenige Schalter, mal hätte ich Taster gebraucht, mal Drehknöpfe.

Als ich dann zufällig über das StreamDeck gestolpert bin, dachte ich mir schon, dass dies das Ende meiner Platz- und Schalterprobleme sein könnte. Der Betrieb seit einigen Monaten bestätigt dies für mich.

 

Was kann das StreamDeck?

Kurz gesagt, kann man über jeden der Taster eine Aktion auslösen lassen. Seien es nun Tastendrücke und -kombinationen, öffnen von Programmen, öffnen mehrerer Programme oder eine Kombination aus allem – und noch einiges mehr.

 

Die beiden Bilder zeigen einen Ausschnitt der mitgelieferten Elgato Software. Dort sieht man obige grundlegende Funktionen. Interessant wird das ganze aber vor allem durch Plugins.

Ob Spotify, Twitch, Musik- oder Videobearbeitung, Zoomkonferenzen usw., die Entwicklergemeinde bietet so ziemlich für jeden Wunsch das passende Plugin. Das liegt nicht zuletzt an der hervorragenden Dokumentation von Elgato und der offenen Struktur, die diese Plugins ermöglicht. Mindestens ein Plugin ist für uns für die Flugsimulation sehr wichtig, aber dazu gleich mehr.

Zunächst noch kurz zur Arbeitsweise des StreamDecks. Mittels der Elgato Software lässt sich das Ganze live konfigurieren, man sieht alle Änderungen direkt auf dem StreamDeck selbst. Es lassen sich Ordner anlegen und Profile erstellen, sodass es eine unbegrenzte Anzahl an Anwendungsmöglichkeiten gibt. Und man somit das StreamDeck nicht nur auf den Flusi begrenzt ist, sondern auch für andere Spiele und Programme nützlich sein kann.

Man kann Bilder auf die Buttons legen, sogar Animationen, Schriftart und -größe bestimmen, Programme starten, Websites öffnen und jeden Button an eine beliebige Stelle schieben.

Das wäre es in Kürze, was das StreamDeck als Grundfunktion mitbringt. Nun bleibt der Spaß und Anwendungsfall für den Sim aber recht begrenzt, wenn man sich mit den Tastenkürzeln zufrieden geben müsste, die man mit dem SD schicken kann. Zum einen ist damit bei weitem nicht alles abgedeckt, was man erreichen will, man denke da nur an systemtiefe Flieger. Zum anderen würde es aber auch bedeuten, dass die Anwendung, der Flusi, immer im Vordergrund sein müsste, wenn ein Tastenkürzel gesendet wird. Nun kommt das Plugin (auf der Seite mittig) der Software AxisUndOHs (AAO) ins Spiel, das Oliver Binder in den letzten Wochen kurzerhand auf meine Bitte hin extrem weiterentwickelt hat. Großen Dank dafür an dieser Stelle!

 

AxisUndOHs und das StreamDeck

AAO ist kurz gesagt eine (bessere) Alternative zu FSUIPC. Es geht darum, mit externer Hardware Dinge im Sim anzusteuern, die mit Bordmitteln nicht mehr möglich sind. FSUIPC hat mit Erscheinen des MSFS sich allerdings nicht so umfänglich weiterentwickelt wie AAO, das mittlerweile in der Lage ist, sämtliche Variablen zu senden und zu lesen, also L:, H: oder K: Variablen. All diese sind extrem wichtig, wenn man irgendwie auf die grundlegenden Funktionen des Sims zugreifen will und noch viel wichtiger, wenn man Addons ansteuern will.

So kann ich mit meinem MCP Combo II (Boeing) komplett den Autopiloten und noch viel mehr steuern. Ebenso gibt es eine Inkludierung von MIDI Geräten, wie z.B. des Behringer X-Touch Mini, der für uns Flugsimulanten interessant ist und eine Menge (Dreh-)knöpfe liefert. Saitek Mulit-, Radio- und Switchpanels werden unterstützt. “Nebenbei” stellt AAO auch noch Desktop- und Web- FIPs zur Verfügung, also jede Menge Fluginstrumente, die auf dem Desktop oder über Netzwerk im Browser dargestellt werden können.

 

AAO braucht durch die Komplexität eine gewisse Einarbeitung, gerade der Umstieg von FSUIPC ist hart, da einige Dinge grundlegend anders funktionieren. Im Endeffekt – hat man sich mal eingearbeitet – dann aber leichter und flexibler von der Hand gehen. Ein weiterer, großer Vorteil ist der Entwickler Oliver Binder, der extrem guten Support leistet.

Ein weiterer, großer Vorteil ist die Möglichkeit, dass AAO Scripte und Profile exportiert und importiert werden können, so dass nicht jeder für sich in den Tiefen der Möglichkeiten von AAO herumgraben muss, sondern schlicht und einfach mit wenigen Mausklicks Zuweisungen importiert.

 

Speziell das StreamDeck Plugin von AAO interessiert uns aber. Denn das macht das StreamDeck erst zu dem nützlichen Gerät, welches es meiner Meinung nach für einige Flugsimulanten sein kann. Installiert wird das Plugin simpel über einen Doppelklick und dann bekommt man in der StreamDeck Software diverse Arten von Buttons, die man je nach Verwendungszweck auswählt und auf einen der SD Buttons zieht.

Nun können diverse Variablen des Sims gelesen, aber auch darüber angesteuert werden. Dies in Kombination mit Bildern, die man je nach Schaltzustand vergeben kann, ergibt sich quasi ein hochflexibles Swtchpanel, dass sich je nach Flugzeugtyp ändert und anpassen lässt.

Die jüngste Neuerung seitens AAO Plugin sind kleine Gauges, die die kleinen LCD Bildschirme des SD dazu nutzen, diverse Werte auszugeben und grafisch darzustellen.

Da nun aller Text nicht ausreicht, um jede Einzelheit zu erklären, versuche ich mit folgendem Video einen weiteren Einblick in die Arbeitsweise und Möglichkeiten des StreamDecks zu geben. Ich bitte die schlechte Qualität zu entschuldigen, aber das StreamDeck zu filmen ist sehr schwierig.

 

Zu Beginn sieht man meinen “Homescreen”, von dem ich in alle meine Flugzeugprofile einsteige. Danach sieht man die diversen Profile mit den unterschiedlichen Buttons und zum Ende noch eine “Kollektion” der bisherigen Gauges, die ich erstellt habe.

 

FAZIT

Für den Anwendungsfall, dass man seine realen Knöpfe auf dem Schreibtisch reduzieren will/muss bietet das Elgato StreamDeck die größtmögliche Variabilität für Flugsimulanten. Allerdings lässt es sich nur wirklich sinnvoll mit Plugins betreiben, die es aber glücklicherweise gibt.

“Negativ” fällt mir nur auf, dass die Tasten ab und an keinen guten Druckpunkt haben. Wenn man nicht ganz gerade drückt, grade so aus dem Augenwinkel heraus, dann kann es sein, dass sie nicht auslöst. Das ist aber selten und man drückt dann halt nochmal genauer. Zudem sind die Mini-LCDs der Tasten nicht 100% farbtreu so kommt bspw. Magenta nicht original rüber. Aber auch da muss man genau hingucken.

 

PRO

  • Hohe Flexibilität
  • LCD Buttons haben gute Auflösung
  • Wertige Verarbeitung
  • Sehr gute Software mit gutem SDK
  • Plugins möglich und verfügbar

 

CONTRA

  • Hoher Preis von ca. 220 bis 250€
  • Druckpunkt der Tasten teils (sehr selten) schwammig, hackelig
  • Farbtreue der LCDs teils nicht ganz korrekt.

 

Der Vollständigkeit halber sei noch darauf hingewiesen, dass es auch Apps für Android und IPhone von Elgato gibt, die das StreamDeck dann aufs Tablet, bzw. Handy bringen. Dies jedoch nur als Abomodell mit zusätzlichen Kosten.

Und es gibt einen Konkurrenten, das Loupedeck, das ich aber nicht ansatzweise beurteilen kann. Es sei hier nur erwähnt.

Update: in einer früheren Version des Artikels wurde behauptet, dass das StreamDeck über einzelne LCD Bildschirme verfügt. Dem ist nicht so, wie uns ein Leser mitteilt. Die entsprechende Stelle im Artikel wurde korrigiert.

1 Kommentar
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen

Toller Review, vielen Dank, Günther.

Ich habe das XL bislang mit vJoy und Linda genutzt (was auch eine sehr gute Lösung darstellt), aber nichts von dem Plug-In von AAO gewusst.

Das werde ich jetzt doch mal testen müssen …

Grüße
Torsten