Es ist erstaunlich, wie ein Stück Hardware, das Jahre gebraucht hat, um den Massenmarkt zu erreichen, sich im Handumdrehen als absolut unverzichtbar erweist! Vorab: Die Immersion bei der Flugvorbereitung und beim System-Management hebt die Simulation auf ein völlig neues Level. Für echte Airbus-Enthusiasten ist dieses Panel das fehlende Puzzleteil im Setup.

Es ist inzwischen bekannt das mich die WingFlex Produkte ziemlich begeistern, in der Vergangenheit habe ich bereits eniges dazu geschrieben: WingFlex Cube Combo + Console, Wingflex A320 MCDU und Wingflex A320 Combo (FCU & EFIS R+L).
Das Gerät wurde mir vom Hersteller zur Verfügung gestellt und getestet habe ich es im MSFS2024 mit der Fenix 320.
Heute im Fokus: das WingFlex A320 Overhead Panel. Ein Kunststoffblock mit den Maßen von etwa 35 x 40 cm zum Preis von 599,00 USD. Dieser Block ist vollgepackt mit Schaltern, Druck- und Drehknöpfen sowie Licht – unglaublich viel Licht!

Erster Eindruck und Montage
Mein erster Eindruck beim Auspacken war jedoch etwas ernüchternd: Alles fühlte sich ein wenig instabil an, fast schon zerbrechlich – besonders die Switches im unteren Bereich für die Innen- und Außenbeleuchtung. In der Praxis stellte sich dies jedoch schnell als unerheblich heraus.
Was die Aufstellung betrifft, gibt es zwei unkomplizierte Möglichkeiten:
- Tisch-Modus: Direkt auf dem Schreibtisch dank des integrierten, ausziehbaren Gestells auf der Rückseite.
- VESA-Halterung: Über vier genormte Schraubpunkte lässt sich das Panel sicher an einem Monitorarm o. Ä. befestigen.

Ich habe mich für die VESA-Option entschieden. Erstens fehlte mir der Platz auf dem Schreibtisch, zweitens war ohnehin ein dualer Monitorarm vorhanden und drittens fühlt sich diese Positionierung am realistischsten an. Die Verbindung zum PC sowie die Stromversorgung erfolgen simpel über das mitgelieferte 5V-Netzteil und ein USB-Kabel (USB-A auf USB-Typ-B).
Funktionsumfang und Software
Das Panel beinhaltet alle Bedienelemente, die im täglichen Flugbetrieb tatsächlich benötigt werden. Um den Platz optimal zu nutzen, befinden sich einige Elemente nicht exakt an der Originalposition – so liegen die „Calls“-Druckknöpfe (Kabinen-Pings) beispielsweise auf der rechten Seite. Daran gewöhnt man sich jedoch sehr schnell.
Ein Highlight ist die Dome-Beleuchtung, die an beiden Seiten des Panels unübersehbar ist. Sie wird korrekt über den Dome-Schalter bedient und lässt sich in zwei Stufen (Dim und Brt) regeln. Das eignet sich hervorragend als stimmungsvolle Zimmerbeleuchtung während der Flugvorbereitungen.

Ein zweites Beleuchtungs-Highlight – oder vielleicht eher ein cleveres Gimmick – ist die Darstellung der Außenbeleuchtung Elemente auf der Rückseite des Panels. Das sorgt für etwas Showeffekt besonders zu den Abendstunden.
In der zugehörigen WinBridge-Begleit-App lässt sich die Lichtintensität flexibel regulieren oder die Beleuchtung bei Bedarf komplett abschalten.
Zudem kann dort festgelegt werden, ob der Schalter für die Scheibenwischer lediglich den linken oder beide Wischer gleichzeitig ansteuert.

Ein weiteres interessantes Detail ist der auf der rechten Seite befindliche RAIN RPLNT-Druckknopf. Im realen Flugbetrieb sprüht dieser – bei Maschinen, die mit einem solchen System ausgestattet sind – eine Chemikalie von außen auf die Scheiben, die das Regenwasser abperlen lässt. In der WinBridge Software lässt sich dieser Knopf jedoch mit einer alternativen Funktion belegen. Welche Optionen hier aktuell zur Verfügung stehen, könnt ihr auf dem Bild sehen.

Der Drehregler für die Hintergrundbeleuchtung (OVHD INTG LT) aller Elemente ist wie beim Original voll funktionsfähig und synchronisiert sich direkt mit dem Flugsimulator. Im folgenden Clip seht ihr, wie nah am Original die Startsequenz funktioniert; sogar die Fire-Tests lassen sich absolut realitätsnah durchführen.
Am Ende fügt sich alles zu einem extrem immersiven Gesamtergebnis zusammen, das ich nicht mehr missen möchte! Die Tage der mühsamen Mausklickerei sind endgültig vorbei. Zusammen mit der restlichen Hardware (MCDU, EFIS, RMP, AP, ECAM) reduziert sich die Arbeit mit der Maus auf ein absolutes Minimum.
Fazit: Ein Game-Changer für das Home-Cockpit?
Das WingFlex A320 Overhead Panel ist ein Paradebeispiel dafür, dass man Hardware nicht nur nach dem ersten haptischen Eindruck beurteilen sollte. Ja, beim Auspacken mag das geringe Gewicht und das „plastiklastige“ Gefühl der Schalter kurz Skepsis hervorrufen – doch sobald das Panel montiert ist und die ersten Lichter im Cockpit erwachen, ist diese Skepsis wie weggeblasen.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis
Mit 599,00 USD ist das Panel definitiv eine Investition. Vergleicht man es jedoch mit professionellen Repliken, die oft das Doppelte oder Dreifache kosten, besetzt WingFlex hier eine extrem spannende Marktlücke. Man bekommt ein funktional fast vollständiges Overhead, das ohne komplizierte Konfiguration sofort einsatzbereit ist.
Immersion und Workflow
Der größte Gewinn ist zweifellos die Immersion. Das A320-Feeling entsteht nicht durch das Betrachten eines Bildschirms, sondern durch den Griff über den Kopf. Die Synergie zwischen der Hardware und der WinBridge-Software ist beeindruckend:
- Realitätsnähe: Die Startsequenzen und Fire-Tests fühlen sich „echt“ an.
- Flexibilität: Dass Funktionen wie der Rain Replent-Button sinnvoll umbelegt werden können, zeigt, dass hier von Simmern für Simmer entwickelt wurde.
- Ergonomie: Die Befreiung von der Maus ist der entscheidende Schritt weg vom „Computerspiel“ hin zur Flugsimulation.
Für wen ist es geeignet?
Wer nur gelegentlich eine Runde dreht, wird den Preis scheuen. Doch für ambitionierte A320-Piloten, die Wert auf einen flüssigen Workflow (MCDU, EFIS und nun das Overhead) legen, ist dieses Panel das fehlende Puzzleteil. Die kleinen Abweichungen vom Original-Layout fallen im Eifer des Gefechts kaum ins Gewicht und sind ein fairer Kompromiss für die kompakte Bauweise.
Mein abschließendes Urteil: Trotz des anfangs etwas „flimsigen“ Gefühls überzeugt das WingFlex Overhead in der täglichen Praxis auf ganzer Linie. Es ist robust genug für den harten Simulations-Alltag und hebt das Flugerlebnis auf ein völlig neues Level. Wer einmal das Licht im dunklen Zimmer über den echten Dome-Switch eingeschaltet hat, wird – genau wie ich – nie wieder zur Maus greifen wollen.
Ein absolutes Must-have für jeden Airbus-Enthusiasten!
Auf einen Blick: Pro & Contra
| Pro | Contra |
| Enormer Immersions-Boost: Endlich kein Mausklicken mehr über dem Kopf. | Haptik zu Beginn: Wirkt beim ersten Anfassen etwas „plastikhaft“. |
| Plug & Play: Einfacher Anschluss via USB und 5V-Netzteil. | Layout-Abweichungen: Manche Knöpfe (z. B. Calls) sitzen nicht originalgetreu. |
| Clevere Features: Dome-Light als Zimmerlicht und Fire-Tests sind voll funktionsfähig. | Preis: Mit 599 USD eine beachtliche Investition für das Home-Cockpit. |
| Vielseitige Montage: VESA-kompatibel oder einfach zum Aufstellen auf den Tisch. | |
| WinBridge-Software: Erlaubt nützliche Umbelegungen (z. B. Rain-Rplnt-Button). |
Bezugsquelle (offizielle Hersteller-Website): https://wingflex.com/index.php?id=2394

Danke für den Bericht, aber eine Frage stelle ich mir noch: Wurde es zur Verfügung gestellt oder mit dem eigenen Geld gekauft?
Habs gerade noch im Text ergänzt: ‚Das Gerät wurde mir vom Hersteller zur Verfügung gestellt und getestet habe ich es im MSFS2024 mit der Fenix 320.‘
eine Bestellung ist auf deren Amazon Store ist auch möglich. Somit fallen keine weiteren Steuern und Zölle an!
Ist bekannt, ob es gleichzeitig mit der FCU etc. von Winctrl (ex-Winwing) betrieben werden kann? Eigentlich müsste das mangels Überschneidungen doch separat laufen, oder?
Ja, das ist kein Problem. Beide respektiven Apps, also WinBridge von Wingflex und die WINCTRL App müssen gleichzeitig laufen und jede für sich erkennt und steuert ihre Geräte, Du kannst sogar je Hersteller eine FCU oder die MCDU parallel am laufen haben.
Top, danke!
Ich kann die Aussagen voll und ganz teilen. Ich habe das Overhead Panel seit ca. 4 Wochen im Einsatz. Wichtig ist, dass man darauf achtet, die Knöpfe nicht gedrückt zu lassen. Das heißt, die meisten Knöpfe bleiben in einer Stellung stehen. Bat 1 kann beispielsweise beim Starten schon auf „On” stehen, wenn man beim letzten Flug vergessen hat, ihn auf „Off” zu stellen. Die Knöpfe bleiben auch in einer eingerasteten Stellung. Darauf muss man sehr achten, sonst fragt man sich, was am Simulator oder dem Overhead kaputt ist. Ein Pre Start Check ist jetzt wirklich wichtig.
Stimmt, das wollte ich dazu schreiben, habe es am Ende vergessen! Man sollte tatsächlich, wie im realen Flieger nach dem letzten Flug, das Flugzeug in den ‚cold‘ Zustand setzen, d.h. alles auschalten. Sonst ist, wie du es richtig sagst, beim nächsten hochfahren des Simulators, so, das es lauter Error-Meldungen gibt, solange nicht alle Schalter am Overhead in der meist Off Stellung sind.
Ich hab zwar „nur“ das Rowsfire A107, aber es ist schon eine schöne Sache, wenn man nicht ständig hoch scrollen muss.
Oder so Kleinigkeiten wie: Du bist oben auf Flichtlevel und siehts dir von unten deinen Airbus an und schaltest die Landingscheinwerfer „halb“ ein, so dass der Scheinwerfer wirklich auf deinem Bildschirm runter klappt 🙂 Pure Begeisterung… Würde man niemals sehen können, wenn man in der Innenansicht „rumscrollt“.
Wäre schön, wenn WinCTRL sowas auch auf den Markt bringen würde. Dann müsste man nicht mehrere „Hilfsprogramme“ parallel laufen haben. Für mein Rowsfire brauch ich z.b. FSUIPC und Mobiflight zusätzlich. (Ich weiß, es gibt da eine neue App, aber da ist mein A103 noch nicht drin integriert und so muss ich bei der herkömmlichen Variante bleiben)
Guten Abend, wisst ihr ob das mit dem FSLabs im MSFS2024 kompatibel ist?
Danke für den Bericht, Miguel!
Ich denke auch darüber nach, mir dieses Gerät zuzulegen. Ich habe nur Sorge, dass das Teil etwas wackelig ist, wenn man einen Knopf drückt? Benutzt jemand das Panel mit dem Tischarm von WingFlex? Irgendwie sieht die Konstruktion so aus, als wenn sie nachgeben würde wenn man Knöpfe bedient oder zumindest wackelt.
Danke!
Ein leichtes Wackeln ist vorhanden, ja. Um dies zu verhindern, wäre ein fester Einbaurahmen nötig. Für 99,9 % unserer Use-Cases ist das jedoch unrealistisch: Wer diesen Aufwand betreibt, baut meist schon ein komplettes Home-Cockpit und würde aus Gründen der Originaltreue wahrscheinlich zu einer High-End-Replik greifen. In so einem Szenario spielt man schlichtweg in einer anderen Liga.
Die tatsächlich wichtige Frage bei allen Overhead-Lösungen (für „modulare Simmer“, die ihre Cockpitteile wieder abbauen und verstauen) ist das Gewicht des Teils. Wenn moderat, kann man es auf einem längeren, stabilen Monitorarm befestigen. Meine VRInsight OVH für A320 und B737 haben 3kg bzw. 7kg und das geht sehr gut. Viel mehr würde ich aber nicht empfehlen, weil die Hebelgesetze…
Das hier besprochene Produkt dürfte unter dieser Schwelle liegen. Und ja, so ein Teil liefert unglaublich Immersion.
Ja, das Teil wiegt wenig, vielleicht max 1,5 bis 2 kg geschätzt.. ich habe es nicht gewogen.