Rowsfire existiert seit 2018 und entstand – wie so viele Erfolgsgeschichten – aus einer persönlichen Notlage: Der Gründer suchte vergeblich nach hochwertiger, aber bezahlbarer Hardware für sein eigenes A320-Homecockpit. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Hongkong, wird jedoch von einem Briten geleitet und greift auf ein Team zurück, das über die ganze Welt verteilt ist.

Mittlerweile ist das Sortiment beachtlich gewachsen und deckt fast alles ab: Von G1000- und MFD-Panels über EFIS-, RMP- und ATC-Einheiten bis hin zu verschiedenen Overhead-Panels für Airbus und Boeing.
Ich muss gestehen, dass Rowsfire bis vor wenigen Monaten komplett an mir vorbeigegangen ist – ein echtes Versäumnis! Umso mehr freue ich mich, dass mir die Firma freundlicherweise das ‚Rowsfire A107 A320pro/A320 MAX Light Overhead Panel (OVH)-V3.12‘ für einen Test zur Verfügung gestellt hat.
Schon beim Auspacken beeindruckt das Gerät durch seine massive Haptik. Das Gehäuse aus Aluminium sorgt in Verbindung mit den elektronischen Bauteilen und der Acrylfront für ein stattliches Gesamtgewicht von 1 kg. Angesichts der kompakten Maße von 26 × 21 × 3 cm wirkt das Overhead-Panel dadurch ausgesprochen wertig.
Die klare Acrylfront ist mit einem weißen Aufdruck versehen und wird durch eine Schutzfolie geschützt. Ich habe diese vorerst nicht entfernt, gehe jedoch davon aus, dass sie mit der Zeit unansehnlich wird oder sich löst – spätestens dann sollte man sie abziehen.
Aufgrund der kompakten, rechteckigen Bauform ist die Anordnung der Bedienelemente auf diesem Overhead-Panel anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig, stellt jedoch insgesamt kein Hindernis für die Bedienung dar.
Auf der Rückseite befinden sich der USB-Anschluss und vier VESA-Bohrungen für die Montage. Eine alternative Halterung, etwa für die Nutzung direkt auf dem Tisch, ist im Lieferumfang nicht enthalten und herstellerseitig offenbar auch nicht vorgesehen
Inbetriebnahme
Bei der Inbetriebnahme gab es kleine Hürden: Die beiliegende Anleitung verweist auf eine ‚Rowsfire App‘, die jedoch für dieses Modell offenbar noch nicht bereitsteht. Nach der Installation konnte die Software das Gerät jedenfalls nicht finden. Daher griff ich auf die zweite Option zurück: MobiFlight. Meine letzten Erfahrungen damit liegen zwar Jahre zurück – damals, zu den Anfängen des MSFS 2020, bot es deutlich mehr Freiheiten für Peripherie als der Simulator selbst –, doch im Vergleich zur heutigen Plug-and-Play-Konkurrenz wirkt dieser manuelle Weg fast schon wie eine kleine Zeitreise.
Dabei musste ich feststellen, dass MobiFlight mittlerweile viele Versionssprünge gemacht und sich optisch wie funktional stark gewandelt hat. Eine gewisse Einarbeitungszeit war also unumgänglich. Erschwerend kam hinzu, dass die beiliegende Anleitung von Rowsfire hier wenig hilfreich ist. Es kostete mich einige Zeit, die korrekten Download-Quellen für die Dateien zu finden. Besonders überrascht hat mich, dass das Gerät erst über MobiFlight mit der passenden Firmware bespielt werden musste – ich war fälschlicherweise davon ausgegangen, dass das Panel bereits ab Werk einsatzbereit geliefert wird.
Erst als ich auf einen Blogartikel des Herstellers stieß, wurde mir die eigentliche Ursache für die Verbindungsprobleme bewusst: Software-Konflikte. Damit das Einspielen der Firmware über MobiFlight reibungslos funktioniert, müssen die Hintergrund-Apps anderer Hardware-Hersteller komplett beendet werden. In meinem Fall blockierten die Programme der Konkurrenz den Zugriff auf das Gerät. Erst nach dem Schließen dieser Apps ließ sich die Firmware endlich aufspielen. (https://rowsfire.com/blogs/product/when-the-rowsfire-a107-v3-won-t-connect-a-real-case-revealing-the-hidden-cause).
Nach der erfolgreichen Firmware-Installation war das weitere Vorgehen unkompliziert. Mithilfe der offiziellen Projektdatei von Rowsfire ließ sich das Panel schnell in MobiFlight einbinden und in Betrieb nehmen. Erfreulicherweise beschränkt sich der Software-Konflikt nur auf den Flash-Vorgang: Im regulären Betrieb können die Treiber-Apps der anderen Geräte parallel zu MobiFlight laufen, sodass die restliche Hardware-Peripherie nicht beeinträchtigt wird.
Dies ist der aktuelle Stand zum Zeitpunkt meines Berichts. Sobald die hauseigene Rowsfire-App die Version 3.1 dieses Panels unterstützt, wird die Inbetriebnahme sicher deutlich einfacher.
Flugbetrieb
Die Haptik des Overhead-Panels unterstreicht die robuste Bauweise: Die Druckknöpfe sind großzügig dimensioniert und bieten einen angenehm festen Widerstand, der ein versehentliches Betätigen verhindert. Im gelungenen Kontrast dazu stehen die metallenen Kippschalter, die trotz ihrer stabilen Ausführung besonders leichtgängig und präzise reagieren. Ein kleiner Wermutstropfen ist das Finish der Drehschalter, das – wie auf den Bildern erkennbar – optisch nicht zu 100 % perfekt gelungen ist. Das sind jedoch Nuancen, die keinerlei Einfluss auf die einwandfreie Funktion des Geräts haben.
Merkwürdig war jedoch folgendes Verhalten: Sobald die APU bereits lief und ich die externe Stromversorgung (External Power) ausschaltete, erlosch die komplette Hintergrundbeleuchtung des Panels (siehe Video). Dies scheint ein Bug in der Logik zu sein, der hoffentlich mit einem der nächsten Updates behoben wird.
Für meinen Test kam wie gewohnt der MSFS 2024 in Kombination mit dem Fenix A320 zum Einsatz. Laut Hersteller ist das Panel zudem voll kompatibel mit dem FlyByWire A320; die entsprechenden MobiFlight-Konfigurationsdateien werden hierfür direkt angeboten. Für den Inibuilds A350 besteht eine partielle Kompatibilität, während für den FSLabs A320 ausdrücklich keine Unterstützung angeboten wird.
Preislich liegt das Overhead-Panel im Shop des Herstellers bei 379,99 USD, wobei der Versand bereits im Preis enthalten ist.
Ein wichtiger Praxistipp: Der „Cold & Dark“-Check
Ein entscheidender Punkt bei der Nutzung externer Overhead Panels ist die Synchronisation zwischen dem physischen Panel und dem Simulator. Ich musste feststellen – und das gilt für dieses Panel ebenso wie für Produkte anderer Hersteller –, dass man das Flugzeug am Ende einer Session unbedingt über das Hardware-Panel in den Cold & Dark-Zustand versetzen sollte.
Was tun bei asynchronen Schalterstellungen?
Wer die Simulation einfach beendet, während am Panel noch Schalter (z. B. für die Batterie oder die Lichter) aktiviert sind, wird beim nächsten Start im Simulator ein Problem haben: Die Software startet im kalten Zustand, aber die physischen Schalter am Panel stehen noch auf „On“. Diese Diskrepanz führt dazu, dass die Schalterstellungen nicht mit dem virtuellen Cockpit übereinstimmen. Ein konsequentes „Power-Down“ am Ende jedes Fluges direkt über das Overhead ist also Pflicht für ein reibungsloses Erlebnis.
Sollte es doch einmal vorkommen, dass die Schalter am Panel nicht mit dem Zustand im Simulator übereinstimmen (weil man beispielsweise den Flug abrupt beendet hat), hilft nur ein manueller Abgleich: Bevor man die Batterie im Simulator einschaltet, sollte man physisch am Panel alle Schalter nacheinander in die korrekte Position bringen (meistens alles auf „Off“ bzw. „Auto“). Erst wenn die Hardware und das virtuelle Cockpit wieder die gleiche „Sprache“ sprechen, ist ein reibungsloser Startup ohne Fehlermeldungen möglich.
Fazit
Das Overhead Panel an sich wird ja in der Praxis überwiegend insbesondere am Anfang und am Ende eines jeden Fluges bedient und es ist meine Fesstellung das man, nachdem man eins hat, es man nicht mehr missen möchte. So auch hier.
Betrachtet man das Gesamtpaket, so ist das Rowsfire A107 V3.12 ein echtes Statement in Sachen Materialqualität. Für einen Preis von 379,99 USD inkl. Versand erhält man ein Gehäuse aus echtem Aluminium, das mit seiner massiven Haptik und einem Gewicht von einem Kilogramm sofort überzeugt. Die mechanische Rückmeldung der Druckknöpfe und Kippschalter ist hervorragend und vermittelt genau das robuste Gefühl, das man im virtuellen Cockpit sucht. Auch wenn das Finish der Drehschalter optisch leichte Abstriche macht, beeinträchtigt dies die solide Funktion in keiner Weise.
Ein deutlicher Nachteil für Nutzer ohne festes Rig ist jedoch die eingeschränkte Montage: Das Panel ist ausschließlich für den Betrieb an einer VESA-Halterung vorgesehen. Da ab Werk keine Tischhalterung mitgeliefert wird und eine solche auch nicht vorgesehen ist, müssen sich Schreibtisch-Piloten hier mit einer eigenen Bastellösung behelfen.
Zudem bleibt die Inbetriebnahme derzeit die größte Hürde. Wer eine reine Plug-and-Play-Lösung erwartet, wird enttäuscht: Die Abhängigkeit von MobiFlight, die unzureichende Dokumentation und die notwendigen Workarounds bei Software-Konflikten erfordern Geduld. Hier liegt das größte Potenzial für die Zukunft, falls die angekündigte herstellereigene App die Einrichtung vereinfacht.
Mein Urteil: Wer über eine VESA-Halterung verfügt und bereit ist, die Zeit in eine einmalige, etwas knifflige Konfiguration zu investieren, bekommt ein haptisch erstklassiges Overhead-Panel zu einem sehr fairen Preis. Es wertet den Flugbetrieb im Fenix A320 spürbar auf und ist eine klare Empfehlung für Sim-Piloten, die Wert auf hochwertige Materialien und eine kompakte Bauweise legen.
Hersteller Website: https://rowsfire.com/
Zum Bestellen hier: https://rowsfire.com/products/rowsfire-a107-a320pro-a320-max-light-overhead-panel-ovh-presale
