Flugbericht! Das heißt wir nehmen uns ein bestimmtes Flugzeug, heute die iFly 737MAX im MSFS2024, vor und führen einen möglichst realistischen Flug durch, während wir das Add-On bewerten. Fliegt mit!
Ein grauer Februarmorgen legt sich über den Hunsrück. Tiefhängende Wolken liegen wie ein schwerer Vorhang über der Fläche, der Wind weht über das Vorfeld, und feiner Regen zeichnet sich auf den Cockpitscheiben ab. Der Flughafen Frankfurt-Hahn ist kein Ort für große Inszenierungen oder beeindruckende architektonische Bauten. Er ist funktional, effizient, pragmatisch, weshalb er seit Jahren ein typisches Terrain für Ryanair-Operationen, sowie diverse Cargo Airlines ist.
Unser heutiger Umlauf führt als FR5705 von Hahn nach Kerry im Südwesten Irlands. Etwas mehr als 800 nautische Meilen liegen vor uns, geplant sind um die zwei Stunden Blockzeit. Geflogen wird mit einer Boeing 737 8 MAX, im Simulator umgesetzt von iFly. Der Flug bietet ideale Voraussetzungen, um das Add-on unter realistischen Linienbedingungen zu testen.
Bereits beim Studieren des Operational Flight Plans (OFP) entsteht ein stimmiges Bild. Off Block ist 1005 Zulu geplant, Airborne 1025, Landung in Kerry um 1228. Der Cost Index liegt bei 27, was eine ausgewogene Mischung aus Effizienz und Geschwindigkeit verspricht. Der geplante Block Fuel beträgt etwas mehr als 8000KG, gegebenenfalls nehmen wir noch einen kleinen Extrazuschlag mit. Als Alternate ist Flughafen Dublin vorgesehen, eine logische Wahl angesichts der geografischen Lage, als auch den operativen Aspekten. Immerhin hat Ryanair hier eine große Basis, mit Wartung, Personal und Co.
Das Wetter in Hahn zeigt sich wenig einladend. Das METAR meldet Wind aus 250 Grad mit 15 Knoten, Böen bis 25, leichte Niederschläge und eine geschlossene Wolkendecke bei 600 Fuß. Klassisches IFR Wetter, nichts Dramatisches, aber auch kein Postkartenmotiv. In Kerry hingegen sind die Bedingungen freundlicher. Vereinzelte Wolken um 3000 Fuß, gute Sicht, moderater Wind. Ein typischer Wintertag in Irland, frisch, aber definitiv fliegbar.
Ein realistischer Blick auf die Operation
Bevor wir in die Technik eintauchen, lohnt ein kurzer Blick auf die operative Realität eines solchen Fluges. Eine Ryanair 737 MAX 8 ist in einer High-Density-Configuration unterwegs und bietet bis zu 197 Sitzplätze. Zum jetzigen Zeitpunkt kann das die iFly 737MAX mit ihrer Kabine noch nicht abbilden, dies soll aber in einem zukünftigen Update folgen (wir berichten) Nichtsdestotrotz bietet die Lackierung von Creator valexyo einen Mod, welcher (zumindest visuell) die Business Class gegen weitere Economysitze austauscht.
Unser Zero Fuel Weight liegt heute im Bereich von gut 63 Tonnen. Mit dem geplanten Block Fuel ergibt sich ein Abfluggewicht jenseits der 70 Tonnen. Das ist für die MAX absolut im grünen Bereich, hat aber natürlich Einfluss auf Performance, Rotationsverhalten und Landedistanz.
Ryanair ist bekannt für kurze Turnaround-Zeiten. In Hahn sind 25 bis 30 Minuten Bodenzeit realistisch. Das setzt voraus, dass Boarding, Catering, Reinigung und Beladung parallel bzw. eng getaktet stattfinden. Im Simulator kann man diesen Zeitdruck zumindest gedanklich mitnehmen. Man merkt schnell, dass eine stabile Systemumsetzung essenziell ist. Ein Add-on, das nach jedem Umlauf neu geladen werden muss, da sonst Bugs oder ähnliches enstehen, würde hier schnell nerven. Die iFly MAX zeigt sich in dieser Hinsicht erfreulich robust.

Walkaround und erster Eindruck
Noch bevor wir das Cockpit betreten, lohnt sich der Blick auf das Flugzeug von außen. Hier wird sofort klar, dass iFly bei der Modellierung keine halben Sachen gemacht hat. Die 737 MAX wirkt in ihrer charakteristischen Silhouette überzeugend proportioniert. Die LEAP 1B Triebwerke hängen deutlich weiter vorne und höher als bei der NG, inklusive der abgeflachten Unterseite der Cowlings. Alles wirkt sehr stimmig.
Die Oberflächen sind detailliert texturiert. Panel Lines, Nietenreihen, Antennen und Sensoren sind sauber umgesetzt. Besonders bei diffusem Morgenlicht entfalten die PBR Effekte ihre Wirkung. Das Flugzeug reflektiert das Umgebungslicht realistisch, ohne künstlich zu glänzen. Dank des MSFS2024-Walkaround Modus entsteht das Gefühl, kein reines 3D-Modell vor sich zu haben, sondern eine echte Maschine im täglichen Einsatz. Einziges Manko: teils (zB im Fahrwerksschacht) wirkt alles dann doch etwas zu sauber. Ja, es ist eine neue MAX, dennoch könnte der Flieger durch kleine Abnutzungsspuren noch etwas lebhafter wirken.
Cockpit, Kabine und Systemstart
Beim Betreten des Cockpits setzt sich dieser Eindruck fort. Die Umsetzung ist außergewöhnlich gut. Texturen sind scharf, Beschriftungen klar lesbar, Materialien wirken glaubwürdig. Die MAX typische Kombination aus klassischem 737 Layout und modernen großformatigen Displays ist stimmig umgesetzt. Schalter besitzen Tiefe, das Overhead Panel wirkt plastisch und nicht wie eine flache Textur.
Auch die Kabine ist bemerkenswert detailliert. Die Sky Interior Anmutung mit geschwungenen Linien und moderner Beleuchtung wurde überzeugend eingefangen. Selbst wenn man den Flug hauptsächlich aus der Cockpitperspektive erlebt, trägt diese Detailtiefe zur Gesamtimmersion bei. Das wichtigste Feature, eine funktionale Toilette, ist natürlich auch inkludiert 😉
Nach dem Einschalten der Batterien beginnt das Hochfahren der Systeme. IRS Alignment benötigt seine Zeit, was realistisch simuliert ist. Der SimBrief Import funktioniert problemlos. Die Route und weitere Daten werden korrekt übernommen. Es folgt die Eingabe der Performancedaten, die berechneten V Speeds erscheinen plausibel für das geplante Gewicht.
Auch das EFB erfüllt seine Aufgaben zuverlässig. Payload und Fuel lassen sich anpassen, Türen und Ground Services steuern. Die Benutzeroberfläche ist funktional, aber etwas nüchtern gestaltet, ganz gemäß dem originalen Boeing EFB. Es bedarf sicherlich etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Sobald das jedoch geschehen ist, kommt man schnell und sicher durch die Menüs. Laut Entwickler ist ein Update mit iPad ähnlichem Layout geplant, was die Bedienung sicherlich angenehmer machen dürfte.
Ein Anzeigen des vollständigen Simbrief OFPs im EFB wäre auch noch wünschenswert und könnte auch durch das Service Pack Update hinzukommen.
Taxi und Start in Hahn
Pushback erfolgt pünktlich. Engine 2 wird gestartet, gefolgt von Engine 1. Das Sounddesign ist solide. Die LEAP Triebwerke klingen glaubwürdig, auch wenn sie nicht ganz die Tiefe (gemessen natürlich an meinem subjektiven Eindruck) eines Fenix Soundssets erreichen. Dennoch entsteht eine überzeugende akustische Atmosphäre.
Beim Taxi zeigt die iFly MAX ihre große Stärke im Handling. Das Flugzeug fühlt sich schwer und dennoch kontrollierbar an. Das Nosewheel reagiert präzise, ohne überempfindlich zu sein. Gerade auf einem etwas engeren Vorfeld ist ein realistisches und präzises Rollverhalten entscheidend, und hier liefert die Simulation ab.
Auf Runway 21 werden die Triebwerke auf Takeoff Thrust gebracht. Die Beschleunigung wirkt kraftvoll, aber nicht unrealistisch aggressiv. Bei VR erfolgt eine saubere Rotation. Der Übergang in den Steigflug fühlt sich natürlich an. Kein abruptes Pitch-Verhalten, kein übertriebenes Aufbäumen, es geht einfach stetig nach oben.
Auch bei höheren Geschwindigkeiten und eingezogenem Fahrwerk, bereitet es mir viel Spaß die Maschine per Hand zu fliegen. Der Autopilot muss also noch etwas auf seinen Einsatz warten 😉
Steigflug und Cruise
Der weitere Steigflug durch die geschlossene Wolkendecke erfolgt vollständig im Instrumentenflug. LNAV und VNAV arbeiten sauber. Ein kleiner VNAV-Aussetzer bleibt die einzige Auffälligkeit. Nach kurzer manueller Korrektur läuft aber alles stabil weiter.
Im Reiseflug auf FL380 zeigt sich die Effizienz der MAX. Mit Mach 0.79 und ordentlichem Rückenwind erreichen wir beeindruckende Groundspeeds. Regälmäßige FuelChecks zeigen, dass der Treibstoffverbrauch nahe an den Planwerten liegt liegt. Autopilot und Flight Director arbeiten präzise, ganz ohne unruhige Korrekturen.
Wir überfliegen den Ärmelkanal und haben etwas Zeit uns zurückzulehnen. Es bietet sich an, nochmals einen genaueren Blick in die Kabine zu werfen. Neben funktionalen Sonnenblenden und beweglichen Overhead-Bins ist auch das Flight Attendant Panel vollständig modelliert. Zugegebenermaßen wird dies mittlerweile durch iniBuilds und PMDG zum Branchenstandard, es ist dennoch bemerkenswert, dass iFly dies schon vor langer Zeit umgesetzt hat. Doch nun wieder auf ins Cockpit – die grüne Insel, auch bekannt als Irland, rückt näher.
Sinkflug und Anflug auf Kerry
Der Top of Descent wird sauber berechnet. VNAV führt die Maschine stabil nach unten. Beim Briefing für Runway 26 in Kerry spielt die Bahnlänge von rund 2000 Metern eine Rolle. Mit unserem Landegewicht von knapp unter 66 Tonnen bleiben ausreichende Reserven, dennoch ist ein stabiler Anflug mit anschließender sauberen Landung Pflicht, sonst droht schnell ein Durchstartmaneuver.
Im Endanflug zeigt sich erneut die großartig abgestimmte Flugphysik. Während der Boden immer näher rückt, wird auch der Wind etwas stärker. Genauer gesagt herrscht Seitenwind und das nicht allzu schwach. Klappen sind unten, das Fahrwerk ausgefahren, doch der Anflug gefällt mir trotzdem nicht, denn der Flieger ist nicht gut ausgerichtet und dazu noch instabil durch den starken Wind…
Es wird „Go-Around!“ ausgerufen und die Triebwerksleistung fährt wieder hoch. Toller Sound, aber jetzt gibt es andere Dinge, die meine Konzentration erfordern. Ich bringe den Flieger wieder in einen stabilen Climb und fahre auch Fahrwerk und Klappen teilweise ein. Dazu gibt es eine Meldung an den Tower über unser Vorgehen.
Also noch einmal das Ganze: Wir reihen uns wieder in den Anflug ein, diesmal mit der Erkenntnis, dass der Wind stärker ist als gedacht und höchste Aufmerksamkeit erfordert. Und dieses Mal klappt auch alles: Bei fünfzig Fuß geht es über die Schwelle und daraufhin folgt zwar keine butterweiche, aber eine sichere Landung. Spoiler fahren hoch und die Autobrake greift dazu. Das Bremsen klappt wie geplant und in meinem Kopf ertönt bereits der bekannte Jingle („Thank you for flying Ryanair…“)
Ankunft und Gesamtfazit
Nach dem Rollen zur Parkposition und dem Shutdown bleibt ein sehr positives Gesamtbild. Die iFly 737 MAX 8 überzeugt nicht nur optisch, sondern vor allem im täglichen Einsatz.
Die Außen- und Innenmodellierung ist auf sehr hohem Niveau. Das Cockpit gehört zu den besten Umsetzungen in dieser Klasse. Die Kabine ist außergewöhnlich gut gestaltet. Das Handling am Boden und in der Luft ist hervorragend. Die Sounds sind solide und immersiv. Die Systemlogik arbeitet zuverlässig und bietet alles für einen gewöhnlichen A nach B Flug. Gegebenfalls bräuchte das VNAV noch an so mancher Stelle kleine Korrekturen und eine CPDLC bzw. ACARS Einbindung wäre ebenfalls erfreulich. Doch grundsätzlich hat iFly bereits gute Arbeit geleistet. Denn auch das EFB ist funktional, wenn auch (optisch) noch ausbaufähig.
So auch die Performance, welche nicht zu wünschen übrigließ. Ein vergleichbarer PMDG oder Fenix Flieger mag zwar an der ein oder anderen Stelle noch etwas „runder“ laufen, im Großen und Ganzen hat auch iFly gut abgeliefert. Besonders unter Berücksichtigung des Fakts, dass das Add-On für den MSFS2024 noch als „Experimental“ deklariert ist, gibt es hier nichts zu beanstanden.
Kurz und knapp: Klare Empfehlung für alle Freunde der 737-Familie.
Und nach dem großen Update: Sicherlich ein Must-Have für alle Airlinerpiloten!
Disclaimer: Natürlich basieren meine Erfahrungen mit dem Add-On nicht nur auf diesem hier präsentierten Flug. Zur Bewertung wurden Eindrücke mehrerer Tests einbezogen.
Anhang
Add-Ons
Die iFly 737 MAX kann zum Preis von rund 70 USD (ca. 60 Euro) im Flight1 Webshop erworben werden.

Danke an Flight1 für das Bereitstellen eines Testexemplars!
Szenerien
EDFH FRANKFURT HAHN AIRPORT MSFS24/20 von MM Simulations
nicht im Flugbericht genutzt, aber für diesen Umlauf empfehlenswert: KERRY EIKY MSFS24/20 von iniBuilds
Livery
Ryanair Pack von Creator valexyo
Jetzt ist noch eure Meinung gefragt! Nicht nur zur iFly737 MAX, sondern auch gerne zum Format solcher Artikel – lieber reine Reviews oder Flugbericht oder doch eine Mischung wie in diesem Beitrag? Schreibt’s uns in die Kommentare, wir freuen uns.
