Review: Drzewiecki Design Ronald Reagan Washington National + Washington Landmarks (MSFS)

Wo der Anacostia River in den Potomac mündet, wo sich ein Baudenkmal an das andere reiht, wo ganze Viertel Geschichte atmen, da ist die Macht allgegenwärtig. Nein, hier geht es nicht um Star Wars – sondern um das politische Epizentrum der Vereinigten Staaten: Um Washington D.C.!

Vor etwas mehr als zehn Jahren hatte ich die schöne Gelegenheit, während meiner Ausbildung für zwei Monate dort zu leben und zu arbeiten. Meine Unterkunft lag unweit des Kapitols und damit war jeder Weg zur Arbeit und zurück ein Streifzug durch das Herz dieser beeindruckenden Stadt.

Umso mehr freut es mich, dank des MSFS zumindest digital immer mal wieder dort vorbeizuschauen. Das polnische Entwicklerteam rund um Stanislaw Drzewiecki hat erheblich dazu beigetragen, das wahre Gesicht Washingtons in den Simulator zu bringen – besonders in der Anfangszeit des MSFS bot die virtuelle Hauptstadt kein schönes Abbild des Originals. Kein Wunder also, dass Drzewiecki Design für dieses Gebiet eines der ersten Landmark-Pakete veröffentlichte – und seit kurzem gibt es nun eine detaillierte Umsetzung des Inlandsflughafens Ronald Reagan Washington National Airport. Grund genug also, beides gemeinsam unter die Lupe zu nehmen und zu sehen, ob der gute Ruf von Drzewiecki auch im neuen Sim bestehen bleibt.

Ein Review, zwei Produkte?

Eines vorweg: Es mag ein wenig ungewöhnlich sein, zwei verschiedene Produkte in einem Test zu beschreiben. In erster Linie geht es hier auch um den Flughafen, denn dieser ist die jüngere der beiden Szenerien. Allerdings ergänzen die Landmarks den Airport ungemein; schließlich liegen beide überarbeiteten Bereiche dicht beieinander und im An- und Abflug sind die Landmarks eine erhebliche Erweiterung für das Gefühl, wirklich “dort” zu sein. Ganz abgesehen davon sind beide Addons vom gleichen Hersteller.

Getestet wird hier KDCA in der Auslieferungsversion; die Landmarks in der Version 1.1.

Das reale Vorbild

Gegründet wenige Jahre nach der Geburt der USA Ende des 18. Jahrhunderts genießt die Hauptstadt bis heute einen Sonderstatus: Sie liegt in keinem der fünfzig Bundesstaaten, sondern im gewissermaßen autonomen District of Columbia. Nicht nur verwaltungstechnisch, auch sonst unterscheidet sich die Stadt mit ihrer für Verhältnisse amerikanischer Metropolen überschaubarer Einwohnerzahl von rund 700.000 Bewohner vom Rest der USA. Waffe zu tragen ist hier Zivilisten streng untersagt, bei Wahlen wird fast ausschließlich für die Demokratische Partei gestimmt und die zahlreichen Botschaften, internationalen Think-Tanks und Institutionen prägen Washington deutlich kosmopolitisch. Stichwort Politik: Daran kommt man hier nicht vorbei. Die Stadt ist bekanntlich Sitz der Regierung; 1600 Pennsylvania Avenue eine der berühmtesten Adressen der Welt – auch bekannt als das Weiße Haus. Zahlreiche Ministerien verteilen sich auf das Stadtgebiet, ebenso Einrichtungen wie die FBI-Zentrale oder der Oberste Gerichtshof.

Wer von innerhalb der USA per Flugzeug nach Washington reist, wird mit großer Wahrscheinlichkeit am Ronald Reagan Washington National Airport landen (Icao-Code: KDCA). Der Flughafen, der gerade einmal fünf Kilometer vom Stadtzentrum der US-amerikanischen Hauptstadt entfernt liegt, trägt seit 1998 den Namen des vierzigsten Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wie der weitere Bestandteil der offiziellen Bezeichnung verrät gibt es fast ausschließlich nationale, also inländische Verbindungen von und nach KDCA. Wenn Flüge aus internationalen Destinationen eintreffen – etwa einige wenige aus unter anderem Kanada und gelegentlich Irland – dann nur von Flughäfen, an denen die Zoll- und Einreisekontrollen bereits erfolgt sind. Denn eine eigene Abfertigung dieser Art gibt es am Washington National Airport nicht. Eine weitere Besonderheit betrifft eine staatliche Anordnung, bis auf eine Ausnahme von in der Regel 24 Flugbewegungen am Tag, nur Flüge zuzulassen, deren Strecke maximal 1250 Meilen beträgt. Da so kaum bis keine Langstreckenflugzeuge KDCA ansteuern, soll so die Lärmbelästigung des sehr stadtnahen Flughafens reduziert werden.

Kauf und Installation

Wie bei eigentlich allen Szenerien aus dem Hause Drzewiecki Design ist die größte Hürde vor dem Kauf, den Namen des Entwicklers korrekt bei Google einzugeben. Danach bieten eigentlich fast alle gängigen Verkaufsplattformen die Addons von “DD” an – so auch Simmarket. Dort ist KDCA für rund 19 Euro, das Landmark-Paket für gut 18 Euro zu erhalten. Für den Flughafen müssen 640 MB Daten geladen werden, die nach der Installation auf 1,83 GB anwachsen. Fast gleich so viel Platz auf der Platte belegen die Landmarks, für die zuvor ein 1 GB großes Pack gesogen werden muss.

Beide Szenerien lassen sich einfach über das heruntergeladene Installationsprogramm in den Simulator bringen. Angenehm: Es wird nicht nach einem Produkt-Key oder einer sonstigen Aktivierung gefragt. Das Programm findet selbstständig den Community-Ordner. Laden, Installieren, Fliegen – es kann so einfach sein. Wobei, soo einfach auch wieder nicht – einerseits würde ich schon gerne gefragt, wohin installiert werden soll, da ich einen Addon-Manager nutze. Und andererseits triggern beide Setups meinen Antivirenscanner. Nicht, dass ich hier kein Vertrauen hätte – nur lassen sich beide Installationen nicht durchführen, solange das Virenprogramm aktiviert ist. Das kann man Drzewiecki kaum ankreiden, man sollte es nur wissen.

Bonus bei der Installation der Landmarks: Zum Pack gehören leicht überarbeitete Versionen von KADW Joint Base Andrews, KCGS College Park Airport, KVKX Potomac Airfield und W32 Washington Executive Airport. Die Flugplätze sind ein nettes Goodie – allerdings weißt DD darauf hin, dass es sich dabei um eine Art Beta handelt; so sind einige Taxiways doppelt, was auf Probleme mit dem SDK zurückgeführt wird.

KDCA: Der erste Eindruck

Grau ist alle Theorie, also ab auf den Airport. Ich parke eine CRJ 700 auf Position 60 und stelle fest, dass Grau auch die zunächst dominante Farbe des Flughafens ist. Aber Beton ist eben kein Farbenfest. Das Areal wirkt nicht spektakulär, aber sehr gut umgesetzt. An den Gates ist der Boden verwaschen und geschwärzt vom Gummiabrieb. Die Markierungen sind klar und deutlich, wirken aber nicht aufgesetzt und vom Layout aus stimmig. Gelegentlich sind die größeren Taxiway-Beschriftungen jedoch etwas verpixelt, doch das lässt sich verschmerzen. Ein wenig Abnutzung stünde jedoch auch den Beschriftungen an mancher Stelle noch besser.

Dominiert wird der Flughafen von den sehr ansehnlichen Terminals B und C, über denen der charakteristische Tower thront und die mit ihrer großflächigen Glasfassade einen guten Blick ins Innere ermöglichen. Hinter den Streben und Fenstern ist schon Schönes zu erahnen, aber dazu später.

Erst noch einmal auf dem Vorfeld umschauen – hier gibt es viele schöne Details. Markierungen wie “Fire Lane” sorgen ebenso für eine tolle Atmosphäre wie passende Fahrzeuge. So fahren Busse in Farben des Flughafens umher, ebenso welche von Airlines wie US Airways – dass die natürlich auch bei Static Aircrafts in Lackierung von American Airlines halten, geschenkt. Besonders gut haben mir einige kleine Animationen gefallen. So konnte ich einen Marshaller oder Techniker entdecken, der das Bugfahrwerk eines Flugzeugs untersucht und abschließend den Daumen nach oben zeigt – thumbs up für solche Dinge, die Leben auf den Airport bringen.

Außen hui, innen huier

Apropos lebendig – Drzewiecki Design ist es gelungen, KDCA nicht als sterilen Flughafen darzustellen, den man einen Tag nach dem Ende der Menschheit besucht. Wo an vielen Airports postapokalyptische Stimmung aufkommt, ist diese Szenerie eine angenehme Abwechslung. Durch die Fensterfassade der beiden ineinander übergehenden Hauptterminals sind zahlreiche Passagiere zu entdecken, die über die Korridore huschen, am Kiosk etwas kaufen oder auf den Bänken auf das Boarding warten. Das “Huschen” ist hierbei allerdings statisch zu verstehen – ob aus Mangel an Möglichkeit oder um FPS-freundlich zu bleiben, sind die Menschen in den Gebäude nicht animiert, aber ihre Posen deuten Leben immerhin an.

Es mag ketzerisch klingen, wenn ich sage, dass ich mich bislang eigentlich immer gefragt habe, welchen Sinn es hat, wenn Szenerie-Entwickler viel Arbeit ins Innere von Flughäfen stecken. Als Pilot sehe ich davon aus dem Flugzeug ja kaum was und bislang wird der Gang in den Feierabend vom Gate zum Hotel (noch?) nicht simuliert.

Da ich aber aus dem Flieger am Gate ins Terminal blicken und dort die liebevolle Innenausstattung schon erahnen kann, geht es mit der Drohnenkamera des Sims rein in die Gebäude (und weil das für den Testbericht sein muss.) Und was soll ich sagen? Es macht wirklich große Freude, die Terminals so zu erkunden.

Die bereits angesprochenen Passagiere gehen über schmuck polierte Böden, die mit Verzierungen und Mosaiken versehen sind. Von der Decke baumelt eine große US-Flagge, Absperrbänder weisen den Weg zu Sicherheitsscannern. Im Check-In-Bereich sind die Schalter lokal üblicher Airlines wie Delta, American, Air Canada oder Alaska Airlines auszumachen – und wer da nicht hingehen möchte, könnte es an den Self-Check-In-Automaten versuchen. Wirklich beeindruckend sind auch die animierten Rolltreppen. Und nicht zuletzt unterscheiden sich sogar die Sitzmöbel in den verschiedenen Wartebereichen.

Wenn es überhaupt etwas zu mosern gibt, dann die Qualität einzelner Texturen. Das ist definitiv nicht kriegsentscheidend, aber nicht ganz schlüssig. So ist der Übersichtsplan des Airports gut zu erkennen, die Digitalanzeige darüber jedoch völlig unleserlich. Die vielen – übrigens korrekten – Ladenlokale sind nur durch “aufgeklebte” Fotografien dargestellt, was perspektivisch einfach nicht passt. Aber hier besinne ich mich auf meine eingangs erklärte Ansicht, dass ich auch dann sehr gut fliegen kann, wenn nicht jeder Kleiderständer im Klamottenladen modelliert ist.

Abseits der Terminals

Nicht nur innerhalb der Gebäude, auch abseits davon und vom Hauptgeschehen an den Gates hat Drzewiecki Design überwiegend gut gearbeitet. Tritt man aus dem Hauptgebäude auf die Straße, führt der Weg vorbei an parkenden Fahrzeugen zum kleinen Bahnhof der Metro Washington. Züge der Blue und Yellow Line verkehren im Minutentakt – und das ist wörtlich gemeint. Zwar gibt es auch im Stadtgebiet dank der Washington Landmarks an manchen Stelle Züge der U-/S-Bahn zu sehen. Hier am KDCA fahren sie aber auch tatsächlich, halten an der Station und fahren nach kurzem Aufenthalt weiter – schön gemacht!

Wer ohne abzuheben hoch hinaus möchte, kann einen Besuch im Tower abstatten. Der Kontrollturm ist nicht nur von außen gut und klar erkennbar modelliert, auch dem wichtigen Gebäude wurde ein Innenleben inklusive Personal spendiert. Die Scheiben sind leicht getönt und auf den Monitoren ist neben einer Flugplatzübersicht ein Screen mit Schutzmaßnahmen vor Covid19 zu erkennen. Nicht schön, auch hier daran erinnert zu werden, aber ein nettes Gimmick. Hoffentlich können wir bald das Update ohne Corona laden – hoffentlich…

Wieder auf dem Boden machen wir einen Abstecher zum General Aviation Terminal im Süden des Gesamtareals. Schön, dass ein Hangar offen steht. So bietet sich ein Blick auf die Static B737 im Inneren und vor allem die Deckenkonstruktion. Hier ist gefühlt jeder Stahlträger wiedergegeben, in der Ecke stehen Kartons, Kisten und Pylonen. Erneut ein Beispiel für Details, die man bei üblichen An- und Abflügen nicht wahrnehmen würde. Weniger zu übersehen sind ein Jet der US Küstenwache sowie Rettungshubschrauber. Wenn Helis im MSFS irgendwann etabliert sind, kann man hoffentlich von hier auch zu einer Hubschrauber-Mission starten.

Eine letzte zu erwähnende Kleinigkeit sind hunderte Fahrzeugmodelle auf den Parkplätzen, die vom Rand des Vorfelds zu erkennen sind. Wo viele andere Anbieter hier vielleicht nur auf Bodentexturen gesetzt hätten, parkt Drzewiecki Low-Poly-Modelle. Schadet wohl nicht der FPS, erfreut aber das Auge.

Es werde Nacht

Das Produkt bewirbt Drzewiecki Design mit “epic night lighting” und “dynamic lighting”. Also Sonne ausknipsen und prüfen! Ein definitiver A-ha-Effekt stellt sich ein: Das ist um Längen schöner als die Standard-Beleuchtung. Was aber nicht so schön ist: Der Übergang von gering dargestellter zu detaillierter Beleuchtung ist sehr abrupt – komme ich dem zuvor nur schwach illuminierten Hauptterminal näher, ploppt die wohlgemerkt sehr schöne Beleuchtung regelrecht auf.

Generell gilt aber auch in der Dunkelheit: “DDs” KDCA ist einfach schön anzuschauen. Parkdecks in der Umgebung geben typisch funzeliges oranges Licht ab, der Tower hat einen markanten roten Glanz und vor allem das Hauptgebäude strahlt auch in der Nacht mit besonderem Charme. Ob von der Straße oder vom Rollfeld aus, es ist einfach hübsch, durch die Fensterfassade ins erleuchtete Innere zu schauen. Wieder lohnt eine Kamerafahrt ins Gebäude, denn Lampen, Displays und Anzeigen funkeln im spiegelnden Boden – selbst die zuvor gescholtenen Laden-Texturen sind emersiv, wodurch Logos und Schriften erleuchtet sind.

Auch die Landelichter, Rollfeldbeleuchtung und Taxilights wirken solide und überzeugend, wenngleich auch ein wenig wie Standard. Was mich aber doch irritiert, sind die unbeleuchteten Taxiways-Signs. Bei Nacht verpasst man so leicht die ein oder andere Abzweigung. Da nutzen auch eingeschaltete Turnoff-Lights wenig. Ich bin nur Simmer, kein Pilot – aber das kann so eigentlich nicht richtig sein.

Was gibt’s zu meckern?

Womit wir auch nahtlos zu der Frage kommen, welche Fehler oder Kritikpunkte es aus meiner Sicht gibt. Kurz gesagt: nur wenige und vor allem keine gravierenden. In erster Linie sind es kleinere Details, die wohl mit kleinen Updates behoben werden könnten. So steht etwa auf allen Tafeln der Metro-Station “Renald Reagan Washington National Airport” – was Ronald wohl dazu sagen würde, wenn er noch könnte?

Auf den Rasenflächen zwischen Run- und Taxiways gibt es Ansätze von volumetric gras, also 3D-Gras. So richtig überzeugt mich das aber nicht – wirkt wie nichts Halbes und nichts Ganzes.

Wirklich schade aber finde ich, dass es keine gut aufgelösten Orthos rund um den Flughafen gibt. Das merkt man etwa auf dem schmalen Stück zwischen Metrostation und Hauptgebäude – beide sind ja wie erwähnt schön dargestellt, doch dazwischen klafft unschöner Pixelbrei am Boden. Gleiches gilt für die Ränder des Hauptareals – hier landet man recht schnell nach der Runway in ähnlichem Gematsche. Wahrscheinlich waren keine guten Satellitenaufnahmen zu erwerben oder sie sind schlicht zu teuer – schade ist es schon, da es auffällt.

Gute Ergänzung: Washington Landmarks

Wie zu Beginn erwähnt, bietet es sich an, zusätzlich zum Flughafen auch die Washington Landmarks genauer zu betrachten. Drzewiecki Design hat das Paket bereits im zweiten Monat nach Veröffentlichung des MSFS herausgebracht. Dass das so schnell ging, liegt sicher auch daran, dass der Entwickler auch für X-Plane und FSX/P3D ein solches Landmarks-Pack bereits im Angebot hatte.

Dass es sehr früh verfügbar war, hat mich sehr gefreut, da ich von der Repräsentation Washingtons im MSFS ab Haus mehr als enttäuscht war. Das ist sicher auch damit zu erklären, dass Bing Maps, aus denen der Sim seine Daten zieht, keine Photogrammetrie für die US-Hauptstadt liefern. Für mich persönlich ist diese Technik aber DAS Instrument des MSFS wenn es um ein genaues Abbild der Welt geht. Manche sehen das anders und schimpfen über die unschönen Texturen und Strukturen – jeder wie er mag. Jedoch hatte Asobo zu Beginn nicht einmal die markantesten Gebäude der Stadt im Angebot. Das Capitol etwa war ein hässliches generic building, das aussah wie eine große graue Lagerhalle.

Nach der Veröffentlichung der Landmarks von Drzewiecki, die inzwischen ein Update mit weiteren Gebäuden auf die Version 1.1 erfahren haben, folgte allerdings das World Update des Simulators für die USA. Seitdem sind die wichtigsten Bauwerke auch Teil des MSFS – und es stellt sich die Frage, ob man das Landmarks-Pack dann überhaupt noch braucht.

Ich für meinen Teil nehme die Antwort gleich vorweg und sage: Ja! Wobei “brauchen” natürlich nicht ganz so eng zu sehen ist. Für diesen Test habe ich die Landmarks zunächst wieder deaktiviert, um einen Vorher-Nachher-Vergleich anstellen zu können. Und der fällt eindeutig pro Drzewiecki aus.

Die Versionen mancher Gebäude wie etwa des Pentagons oder des Washington Monuments unterscheiden sich wenig. Allerdings wirken die Asobo-Landmarks steriler und künstlicher. Das Standard-Capitol hat viel zu blaue Dächer und steuert man von Westen aus über die National Mall darauf zu, stehen zwei generic buildings unerklärlicher Weise dort, wo eigentlich ein großer Springbrunnen ist. Bei Drzewiecki gibt es den Brunnen, wenngleich die Reiterstatue an dieser Stelle nur ein 2D-Denkmal aus zwei Texturen ist, und kein vollwertiges Modell – dennoch sieht das besser aus. Und da wir gerade über die Mall sprechen – dieser kilometerlange Grünstreifen wird von diversen Museen gesäumt. Bei “DD” sind sie allesamt da; Asobo platziert hier nur Standardgebäude.

Den größten Unterschied aber sieht man im Vergleich der Varianten des Weißen Hauses. Nach dem World Update ist das zwar auch vorhanden. Aber es erschließt sich mir nicht, warum man ein Modell wählt, bei dem zwar der zentrale Gebäudeteil recht gut wiedergegeben wird, aber die Seitenflügel wieder wie Schuhkartons aussehen. Dabei ziert den sogenannten West Wing bekanntermaßen das Büro des US-Präsidenten, das Oval Office. Die markante Rundung, die es in der Fassade bewirkt, ist schlicht nicht zu sehen.

Drzewiecki hingegen haut bei der Zentrale der Macht so richtig auf den Putz. Auf dem Rasen steht der Regierungshubschrauber Marine One und wer mit der Kamera ins Gebäude “geht”, wird mit einer unheimlich schönen Umsetzung des Oval Office belohnt. Dort sind nicht nur die wichtigsten Möbel an ihrem Platz, nein, sogar US-Präsident Joe Biden, seine Vize Kamala Harris und Bidens Frau Jill stehen dort um den massiven Schreibtisch “Resolute Desk” herum. Übrigens: Das tun sie erst seit dem jüngsten Update; zuvor regierte auch im Sim die Twitterkanone Donald T.

Drzewiecki Design hat auch den Hauptteil der Innenstadt mit den passenden Gebäuden versehen, darunter auch das berühmte Watergate-Hotel. Downtown mit seinen relativ unspektakulären Bürohäusern ist sicher für die Wenigsten von Interesse. Besondere Bauten aber wie der große Bahnhof Union Station, das Denkmal für die Toten der beiden Weltkriege und vor allem die des Nachts schön erleuchtete Washington Cathedral sind aber alleine schon deswegen eine große Bereicherung, weil im Standard-MSFS an Stelle dieser Gebäude gar nichts steht, nicht einmal generic. Stattdessen zeigen die Bodentexturen ein schwaches Abbild der Originale.

Stichwort Texturen: Hier kommen wir zum einzigen Manko aus meiner Sicht. Denn es passt nicht ganz zusammen, dass das Oval Office so detailreich umgesetzt wurde, welches ich aber von keinem Fluggerät der Welt aus sehen kann – die Texturen mancher Denkmäler, wie etwa beim Jefferson Memorial, dafür aber mitunter extrem unscharf bis unkenntlich sind. Auch hier kann man natürlich mit Recht argumentieren, dass ich das eh nicht wirklich sehen kann, wenn ich mit 100kts in einer Cessna über die National Mall zische (was in der Realität übrigens strengstens verboten wäre). Dennoch trübt es für mich deshalb den Eindruck, weil der Entwickler es ja geradezu darauf anlegt, dass man Streifzüge nur mittels der Drohnenkamera des Sim unternimmt. Und dann merke ich es eben doch.

Fazit

Absolut perfekt bis in die letzte Pore ist eben kein Addon. Aber diese Umsetzung Washingtons mit beiden Szenerien kommt definitiv nahe ran. Mir als Ex-Kurzzeit-Washingtonian war es eine helle Freude, so viele Dinge wirklich optisch wiederzuerkennen und abzufliegen. Auch wer keinen Bezug zur Stadt hat, bekommt hier einen guten Eindruck von ihr und hat mit KDCA zudem ein Flughafen, von dem sich große Teile der USA ansteuern lassen und an dem – in normalen Zeiten – reger Betrieb herrscht. Das beste Erlebnis vermittelt übrigens der “river visual”: Dieser Anflug auf Rwy 19 führt aus Sicherheitsgründen nicht direkt über die Stadt, sondern entlang des Potomac River. Fliegerisch spannend, da er mit einer Rechtskurve kurz vor der Landebahn endet und optisch eine Freude, da man auf linker Seite alle wichtigen Bauten der Stadt erspähen kann.

Ende des “River Visual” auf Rwy 19

Die Performance ist tatsächlich wie vom Entwickler versprochen trotz der vielen Details sehr gut. Lediglich beim Anflug auf die 01 hatte ich gut zwei Meilen vor dem Threshold in der Aerosoft CRJ einige wenige kurze Ruckler – dann aber fing sich der Rechner und die Landung glückte störungsfrei. Diese Kombination aus Fest für die Augen bei gut spielbarer Leistung stellt eine absolute Kaufempfehlung dar. Einzig die fehlenden Orthos rund um den Flughafen und auch in der Stadt sehr unscharfen Bodentexturen trüben den Spaß ein ganz kleines Bisschen.

Wenn einige der wenigen wirklichen Fehler wie etwa der nicht beleuchteten Taxiway-Signs künftig noch behoben werden, ist Drzewiecki Design mit Washington ein wirklich großer Wurf gelungen.

Informationen

Pro Contra
  • Sehr detaillierter Airport
  • Beeindruckende Innenausstattung
  • Tolle Optik und Nachtbeleuchtung
  • Große Bereicherung der Stadt (Landmarks)
  • Gute Performance
  • Taxiway-Signs nachts nicht beleuchtet
  • Keine wirklichen Orthos, matschige Texturen am Rand des Airports und in den Straßen (Landmarks)
Informationen Testsystem
  • Entwickler: Drzewiecki Design
  • Preis: ca. 19€ (Airport), 18€ (Landmarks)
  • Kauf: simMarket 
  • AMD Ryzen 5 1500X Quadcore, 3,5 GHz
  • GeForce GTX 1050 Ti, 4 Gb
  • Windows 10×64, 32 Gb Hauptspeicher

 

Patrick T.

4 Comments
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Für mich ist KDCA und im Prinzip fast alle Produkte von Drzewiecki die absolute Messlatte. Was die Jungs da abliefern ist schon State of the Art. Dieser Airport ist dermaßen beeindruckend und auch entsprechend “den Preis wert”, das ich da mit ziemlich kritischem Blick auf solche Veröffentlichungen wie EDDB schaue. KDCA “lebt” und in jeder Ecke ist Gewusel und etwas zu sehen. Das Innere ist einfach nur bombastisch, auch wenn man ja fliegen soll.
Aus meiner Sicht ist dieser Airport absolute Oberklasse, dazu noch fair bepreist und die Jungs kümmern sich auch immer zügig um den Support, falls Asobo mal wieder ein Update rausbringt und etwas in Chicago, oder Washington nicht mehr so passt.
Schade das es für Deutschland nicht solche detailverliebten Airports gibt. Stattdessen kommt ein BER heraus, der leer und ohne irgendwelchen Spielereien daherkommt und deutlich teurer ist. Das kann ich aber wirklich nur beurteilen, aus Videos und einigen Statements anderer Simmer. Scheit ja auch zufriedene User geben. Vielleicht ist in Berlin ja auch wirklich nicht so viel los. Lassen wir mal die Preisfrage außen vor, dann sind die Sachen von den polnischen Entwicklern für mich immer ein Mehrwert, insbesondere bei den Frames sind bei mir kaum Einschläge zu verzeichnen. KDCA ist wirklich ein Airport, den man bedenkenlos kaufen kann, wenn man in der Region öfter mal unterwegs ist. Hierbei finde ich den Test von Simflight gut, denn das ultimative Erlebnis hat man bei KDCA im Zusammenspiel mit den Landmarks. Die passen absolut hervorragend zusammen.

Danke für das sehr gelungene und informative Review!

@Olaf: Zustimmung!

Lieber Olaf,

ich gebe Dir Recht, dass die Jungs von Drzewiecki mit DCA ein absolutes Topprodukt veröffentlicht haben. Ich finde es allerdings fraglich, ein Produkt anhand von Videos (Videos im engeren Sinne, keine Reviews –> da gibt es nämlich bislang keine qualitativ hochwertigen) und Statements anderer Simmer zu beurteilen.

Tja, ich schaue aber auch genau auf die Produktvideos. Außer Flugzeugen und wenigen Aufnahmen von der tatsächlichen Szenerie sieht man da nicht viel. Das ist bei EDDT ganz anders. Wie gesagt, der Airport mag ja super sein, aber in diesem Fall warte ich noch. EDDB gehört ja leider nun auch nicht zu den architektonisch schönsten Flughäfen, da können die Szenerie Designer nichts dafür, aber um die eine, oder andere Langweiligkeit zu kaschieren hätte ich einiges an “Leben” implementiert. Ansätze scheinen ja da zu sein. Aber was ich sehe ist etwas leblos. Dazu gehört in der Tat nicht die Nachtbeleuchtung, die scheint wirklich gut zu sein. Ich gehöre aber auch nicht zu der Gruppe Simmer die einfach mal so 20 Piepen rausschmeißt und wenn’s einem nicht zusagt, dann is auch egal. Gerade wegen der Anzahl der mittlerweile verfügbaren Add-On`s und der Preisspanne, schaue ich mir immer sehr genau die Videos und die Rezensionen an. Nachdem ich KDCA im Video gesehen hatte, brauchte ich nicht lange überlegen. Deshalb: Ich will hier kein Add-On runtermachen und ich weiß auch wieviel Arbeit in so etwas steckt, aber man will ja auch mein Geld und da muss man mir schon etwas bieten.
Und hier mal ein CRJ und da mal ein KDCA und ganz Nordamerika von ORBX…… Das gibt irgendwann Erklärungsbedarf bei der Finanzministerin. 😉 Ich bin mir aber sicher, sollte es Defizite geben, werden Sascha & Co. nachliefern, bzw. patchen. Wie gesagt, ich will es nicht schlecht machen und deshalb habe ich ja auch geschrieben, dass ich mich am Werbefilmchen orientiert habe.