Review: Carenado Dornier Do 228-100 HD Series (FSX, P3D)

do228-018Carenado liefert zuverlässig – seit vielen Jahren. Und zwar immer wieder auch Modelle, deren reale Vorbilder eine Umsetzung im Simulationsbetrieb mehr als verdient haben. Wie ihre Do 228 aussieht erfahrt ihr unter

Die Do 228

Die Dornier 228 ist so ein Flieger. Von 1981 bis 1998 im bayerischen Oberpfaffenhofen von den Dornier-Werken und ab 1986 in Lizenz bei Hindustan Aeronautics gefertigt, dient der 15- Sitzer weltweit bei Regionalairlines wie auch bei Behörden und dem Militär. Der Flieger hat sich so bewährt, dass er seit 2009 von der RUAG Aviation in der modernisierten Version Do 228 NG wieder aufgelegt wurde.Die Do 228 gilt als sehr robustes, zuverlässiges Turboprop-Muster mit STOL-Eigenschaften. Durch seine Ausstattung ist es von Infrastruktur am Boden unabhängig und kommt daher bevorzugt in abgelegenen und wenig entwickelten Regionen zum Einsatz.

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In Deutschland bediente die LGW mit der Do 228 einige Strecken im Inselverkehr, beispielsweise bis 2009 nach Sylt.

Umsetzung im Simulator

Kauf, Download und Installation gelingen völlig problemlos. Mitgeliefert werden etliche pdf- Dateien mit so hilfreichen Dingen wie Checklisten, Performance Tabellen, Einstellungstipps und mehr. Leider fehlt ein klassisches Manual, das den Nutzer an das Produkt heranführt und die zahlreichen Informationshappen der einzelnen Dokumente sinnvoll verknüpft. Schade! Immerhin gibt es ein Tutorial-Video, das den Triebwerkstart erläutert.

Auf ein klassisches 2D-Panel wird verzichtet. Es lassen sich aber die wichtigsten Instrumente und Menüs als Pop-up-Fenster einblenden. Was die grafische Umsetzung angeht, möchte ich die Bilder für sich sprechen lassen. Aus meiner Sicht gibt es hier absolut nichts zu mäkeln. Auch der Sound überzeugt.

Das Thema ‚Systeme‘ möchte ich nur am Rande streifen, denn auch das reale Vorbild ist keine 747. Die Anzeigen und Bedienelemente für Hydraulik, Elektrik und Klimaanlage wirken glaubwürdig umgesetzt und zeigen zumindest oberflächlich betrachtet keine groben Schnitzer.

Die Umsetzung der Turbopropantriebe zeigt leider die bekannten Grenzen der Plattformen FSX und P3D auf. Systemfreaks sollten hier nicht allzu viel erwarten. Das kann man Carenado aber nicht alleine anlasten. Und mal ehrlich: eine Umsetzung wie bei der Majestic Dash-8 habe ich hier jetzt auch nicht erwartet.

Im Flugbetrieb

Beladung und Betankung erfolgen über das Default-Menü. Der Flieger lässt sich über ein Popup-Panel entweder als ‚cold and dark‘ oder ‚ready for taxi‘ schnell konfigurieren. Die Checklisten helfen beim Hochfahren der Systeme, und es sind schon ein paar Aktionen nötig, um sicher in die Luft zu kommen.

Händisch bewegt, lässt sich die Maschine gut steuern und liefert mit beachtlichen Leistungsreserven und hoher Wendigkeit ein glaubwürdiges Abbild vom realen Vorbild. Die analogen Anzeigen sind gut lesbar und reagieren (mit Ausnahme der Triebwerke) recht akkurat.

Etwas Enttäuschung macht sich breit, als ich mich der Flugführung zuwende. Der als ‚authentisch‘ beworbene Autopilot samt Flight Director ist nur alter Wein in neuen Schläuchen – dahinter liegt die Funktionalität des Default-Gauge aus dem FSX. Differenzierte vertikale Modi wie ‚altitude change/IAS hold‘ haben bei mir nicht funktioniert.

Das mitgelieferte GPS/GNS Garmin 530 erkennt geladene Flugpläne und importiert diese. Ebenso verhält sich das FMS. Leider bleibt auch hier beider die Funktionalität zumindest für den Rezensenten derartig hinter den Erfordernissen für zuverlässigen Betrieb zurück, dass ich auf derartige ‚Unterstützung‘ verzichte und mein EFB von aivlasoft für die weitere Flugplanung nutze.

Hier gibt es also noch sehr viel Luft nach oben. Immerhin sind Payware-Lösungen verfügbar, die auch vom Hersteller selbst unterstützt werden. Für beide Plattformen steht das GTN 750 von Flight1 zur Verfügung. Das Garmin GNS 530 vor Reality XP läuft nur im FSX. Für echte Fans der Maschine ist das eine Überlegung wert, denn im aktuellen Ausbauzustand macht das Fliegen mit FD/AP oder das FMC keine rechte Freude.

Fazit

Es steht Carenado drauf, es ist Carenado drin. Ein klassisches ‚nice to have‘, aber kein Meilenstein-Produkt. Ob dafür der Preis von aktuell € 43,91 quer über alle Plattformen angemessen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Die Chilenen liefern sortentypische Standardkost. Liebhaber händischen Fliegens im VFR- Betrieb und speziell in der Buschfliegerei kann das durchaus zufriedenstellen.

Die ‘höheren Weihen’ des Simulationsbetriebes mit Airline-Ops, ausgebufften IFR- Procedures oder regelkonformem Onlinefliegen müssen dem Produkt jedoch bis auf weiteres versagt bleiben.

Abhilfe kann hier aktuell nur schaffen, wer sich ein Add-on zum Add-on gönnt und die fehlende Präzision des Produktes mit einem tiefen Griff in den Geldbeutel auszugleichen bereit ist. Es sei denn, Carenado bekennt sich endlich zu einer langfristigen Produktpflege und schiebt entsprechende Updates nach.

Informationen

Stärken Schwächen
  • ein Preis für alle Plattformen
  • guter Sound und Grafik
  • glaubwürdige Flugeigenschaften
  • Flugführung unausgereift (FD/AP, GPS/GNS, FMC)
  • Kein Handbuch oder Tutorialflug
Informationen Testsystem
  • Intel Core i5, 3.4 Ghz
  • nVidia GTX 470, 1 Gb
  • Windows 7×64, 8 Gb Hauptspeicher
  • 32″ Monitor

Stefan Benzinger

9 Comments
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Schöner Testbericht und toll, mal wieder etwas von Stefan zu lesen. 🙂

Gerne doch 😉 und danke für Dein feedback, Frank.

Leider wurde der Hauptfehler nicht erkannt.Das ist eine Do 228-100!Von der wurden nur sehr wenige gebaut!!Fast alle verfügbaren Lackierungen gehören aber zu Do 228-200;201K;212.
Schade das Carenado da nicht gut recherchiert hat.
LG Achim

Okay, danke für den Hinweis. Das ist sicher ein Manko, aber unter Würdigung der genannten Schwächen des Produktes aus meiner Sicht als Reviewer eher zu vernachlässigen als manch anderes Defizit.

ich kann als real Do228-200 Pilot folgendes dazu beitragen: Der AP arbeitet im Altitude selected Mode einwandfrei. Die Steig-/Sinkrate wird mit den up/down Knöpfen auf max 1000ft/min eingestellt ( da ja ohne Druckkabine). Der Hdg und NAV Modus funktioniert ebenfalls bestens.
Was mir gar nicht gefällt ist das Anlassen der Triebwerke. Wirklich grottig wie die Engines innerhalb von 2 Sekunden hochspulen.
Das Flugverhalten ist m.E. nach super.

Wenn man nichts selbst programmiert, sondern dies MS überlässt braucht man sich da halt nicht wundern. 😉

Das selbst zu programmieren ist ein hoher Aufwand. Es ist wirtschaftlich eine sehr vernünftige Entscheidung, das nicht zu tun…so schade es auch ist.

Ich sehe das genauso. Wir sprechen hier in erster Linie von einem FLUG-Simulator, nicht von einem virtuellen Prüfstand für Turboprop-Antriebe. Natürlich wäre mehr Realitätsnähe schön. Aber die Grundversäumnisse betreffend Turboprop-Antriebe liegen im FSX bzw. P3D. Ich halte es für wesentlich wichtiger, dass das Modell Flugvergnügen bietet. Und das tut es.

Danke dafür!