Review: Messerschmitt Bf 109-K von Flight Replicas


Flight Replicas haben ein Faible für alte Flugzeuge. Kürzlich haben sie sich an das meistgebaute Flugzeug der Welt gemacht: Die Messerschmitt Bf 109. Um genau zu sein, haben sie sich an die letzte Version dieser Legende versucht. Holger Kistermann hat den Ritt auf der „K“-Version gewagt.

 

Der erste Eindruck

„Mit der rechten Hand den Anlasser ziehen, während mit der linken Hand am Primer gepumpt wird.“ So einfach liest sich der elementare Teil des Anlassvorgangs im echten Flugzeugführerhandbuch der Bf 109 K. Mit nur einer Hand „im“  Bildschirm gestaltet sich das aber verdammt schwierig. Deswegen hat der Designer den Anlass-Vorgang im FSX abgekürzt. Das ist auch gut so, denn das Cockpit „meiner“ Bf 109 hat nur wenige Mouse-Over-Hilfen und einige Schalter sind an den neuralgischen Stellen unbeschriftet.

Doch geht es nicht auch anders? Ich nutze ich die Zeit zur gründlichen Inspektion des virtuellen Cockpits. Vielleicht ist ja einer der wenigen notwendigen Schalter zum Starten des Motors nur durch eine Strebe verdeckt? Und so vollziehe ich, dem TrackIR sei Dank, einen wahren Eiertanz vor dem Bildschirm. Den Motor bekomme ich zwar tatsächlich nur mit dem im Handbuch genannten Workaround zum Laufen, dafür weiß ich aber jetzt, dass das Cockpit wirklich sehr detailreich modelliert worden ist. Die dreidimensionalen Instrumente vermitteln einen ebenso authentischen Eindruck wie die typisch grauen Texturen.

 

Ein Streber ist die Bf 109 von Flight Replicas übrigens nicht – sie spielt nicht in der Liga wie beispielsweise die Pendants aus dem Hause A2A Simulations mit den Accu-Pack-Erweiterungen. Man hat aber sofort das Gefühl, eine solide Arbeit auf dem Bildschirm zu haben, die viele Details in sich birgt und die Zeit verlangt, sich mit ihr auseinander zu setzen. Diese Messerschmitt ist kein Addon, das man ohne Studium des Handbuchs aus dem Hangar rollen sollte. Es wäre schade um die Erfahrungen, die man mit dem Oldtimer sammeln kann.

 

Das sagt der Hersteller

Dass ihre Bf 109 eine realistische Anlass-Sequenz habe. Dass die Flugdynamiken authentisch seien. Und das, neben sehr vielen anderen weiteren Features, eine umfangreiche Systemsimulation mit kollimierten Visier, Fahrwerk-Notentriegelung, funktionierendem Vorflügel-System („Slats“) und weiteren Funktionen vorliegt.

 

 

 

 

Das ist mir aufgefallen

Vor dem ersten Flug muss der FSX in Sachen Luftfahrzeug –> Realismus-Einstellungen vernünftig konfiguriert werden, sofern das nicht bereits der Fall ist. Idealerweise deaktiviert man die Ruder-Synchronisation und aktiviert den Gyro-Drift (Drehmoment), um die Flugdynamiken des Jagdflugzeugs voll auskosten zu können.

Diese Bf 109 lässt sich tatsächlich so performant fliegen, wie es das reale Vorbild tat: Die zu erzielenden Geschwindigkeiten und Steigraten stimmen mit den Leistungsdaten in unterschiedlichen Flughöhen größtenteils überein. Das passt!

Damalige Piloten auf der Messerschmitt – mit einem noch lebenden konnte ich mich im Vorfeld zu dieser Rezension auch unterhalten – schimpften über das anfällige Fahrwerk, dessen Spur zu sehr an der Flügelwurzel zentriert ist und nach außen in die Tragflächen einfährt. Starts und Landungen bei Seitenwind waren stets eine enorme Herausforderung, weil die Maschine zu kippen drohte. Der Motor machte auch Probleme – gerade bei den leistungsgesteigerten Varianten ab der G-Serie war das Drehmoment derart hoch, dass man Mühe hatte, mit dem Seitenruder beim Start dagegen zu halten. Die meisten Unfälle lassen mit diesem Flugzeug lassen sich auf diese Problematik zurückführen – insbesondere in Kombination mit einer starken Seitenwindkomponente beim Start.

Im FSX ist das Drehmoment durchaus zu spüren. Es ist eine tolle Erfahrung, solch ein drehmomentstarkes Flugzeug im Simulator zu fliegen! Gedanklich mache ich drei Kreuze, als ich die 109 halbwegs gerade in die Luft bekommen habe. Die Zeit nach dem Abheben vergeht wie im sprichwörtlichen Fluge: Die Messerschmitt ist verdammt schnell – und sie ist trotzdem sehr wendig. Das ist praktisch in allen Flughöhen und Geschwindigkeiten der Fall, genauso wie es Captain Eric Brown, seines Zeichens Testpilot der RAF, der nach dem Krieg die erbeuteten deutschen Flugzeuge fliegen durfte, in seinem Buch “Berühmte Flugzeuge der Luftwaffe 1939 – 1945” es beschreibt.

 

Das muss man wissen

Das Handbuch ist in englischer Sprache verfasst, die Beschriftung im Cockpit in deutscher Sprache. Feine Unterschiede in der Übersetzung können zu Verwirrung führen. Deswegen ist eine gewisse Sicherheit in der Fachterminologie von Nöten.

[SCM]actwin,16,16,2587,1587;Microsoft Flight Simulator Xfsx07.08.2012 , 20:33:15

 

Das werde ich nicht vergessen

Wie toll dreidimensionale Instrumente aussehen können, wenn sie von einem fähigen Programmierer mit Blick für Grafik designt werden. Es ist absolut zweitrangig, dass diese 109 sogar schießen kann. Weil dieses Feature jedoch dem Prinzip eines zivilen Flugsimulators widerspricht, habe ich es noch nicht einmal getestet. Online-Spieler, die ihre fliegerischen Fähigkeiten im Duell zwischen P-47, P-51 und Bf 109K messen möchten, werden dank akkurater Flugdynamiken sehr viel Spaß haben. Nicht zuletzt die performance-schonende Programmierung und der damit einhergehende flüssige Flugspaß haben mich davon absehen lassen, die Bf 109 nach diesem Test wieder aus dem FSX zu deinstallieren.

 

Möglichkeit zum Kauf

Wer zuschlagen mag, kann die Messerschmitt im simMarket für 29,16 € erwerben.

 

 

15 Comments
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danke für den (kurzen) Test, Holger. Ich hatte mich gerade so schön eingelesen – aber dann war schon Schluss. 😉

Da hat sich wohl jemand die Autogramme von Spiegel Online zum Vorbild genommen 😉

Hallo Oli,
hallo Doug,

genau – und vielen Dank, dass Ihr die Rezension gelesen habt (wenigstens zwei Leser, juhu). Es ging uns darum, die Rezensionen
a) schneller produzieren zu können und sie
b) besser lesbar zu machen.

Wir haben uns tatsächlich an den Autogrammen von Spiegel Online orientiert. Ich finde es klasse, wie es die Redaktion geschafft hat, etwas derart Komplexes, wie ein ganzes Auto, auf 600 Zeichen herunter zu brechen und trotzdem einen leicht lesbaren und informativen Text abzuliefern.

Wir meinen, dass viele Addons gar kein komplexes Review benötigen. Wir glauben, dass viele Leserinnen und Leser schnell rezipieren möchten, was auf den Produktseiten im Download-Markt bzw. auf den Beschreibungen der Boxen verschwiegen wird. Einen Roman braucht es oft nicht. Wie gesagt: Meinen wir…

Natürlich gibt es auch große und komplexe Addons, die wir mit großem Aufwand rezensieren möchten. Beispielsweise die in Arbeit befindlichen Airbusse, neue PMDG-Produkte, innovative Szenerien oder mächtige Tools. Solche Produkte kann man einfach nicht mit 600 Zeichen beschreiben. Und deswegen möchten wir für solche Produkte weiterhin Rezensionen im Interview-Stil anbieten wie bei den mehrteiligen 737 NG-Rezensionen. Oder es schreibt eben ein Redakteur an einer Rezension im bekannten Stil.

Seid Ihr der Meinung, dass Ihr durch diese Rezension so umfassend über das Produkt informiert wurdet, dass Ihr eine Kaufentscheidung (egal, ob positiv oder negativ) treffen konntet? Ich habe auch noch eine andere Rezension zu FSDGs Sharm El-Sheikh fertig. Dann werdet Ihr sehen, wie so etwas bei einer Szenerie aussieht. Und mein Kollege Stefan hat ja kürzlich das Buch von Tim Rommen ähnlich rezensiert.

Ich bin gespannt!

Viele Grüße
Holger

Hallo Holger,

das neue Konzept gefällt mir sehr gut! Im Internet haben länger Texte auch auf mich meistens eher eine abschreckende Wirkung 😉

Daher finde ich solche ein kurzes und prägnantes Review sehr gut. Zumal man nicht das Gefühl hat, dass irgendein Bereich ausgelassen wurde.

Und wenn es dadurch nun sogar noch häufiger Reviews auf eurer Seite zu lesen gibt, umso besser 🙂

N’Abend Holger,

“es kommt nicht auf die Länge an. Die Technik ist entscheidend.” 🙂 Im übertragenen Sinne: macht bitte ruhig weiter so! Ich freue mich auf weitere “Höhepunkte”.

Oft braucht es nicht viele Worte. Ich find’s klasse!

… kann mich nur anschließen, bitte mehr davon in dieser Art!

Gruß und DANKE für`s Review !

Lowpull

Trotzdem bleiben Fragen offen. Was ist mit dem Sound? Wird ein standard Extra-Sound verwendet oder kommt das Ding mit Originalgeräuschen? Ist ein nicht unerheblicher Teil, wird nur leider oft vernachlässigt.

Stimmt. Darsuf bin ich nicht eingegangen. Was aber leine Absicht war, sondern an meiner Vergesslichkeit. Du siehst aber, dass der Sound keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Sprich, er ist so gut, wie man es von einem Payware-Addon erwartet, bietet aber keine darüber hinausgehende Aha-Momente, wie es bspw. bei den Accu-Packs von A2A der Fall ist. Schade, und das kann man nicht den Entwicklern anlasten, ist, dass das reale Vorbild einen Reihenmotor on V-Form hat und daher wesentlich heller klingt als bspw. ein Sternmotor.

Das war von mir auch kein Vorwurf. Zum einen wolte ich die Diskussion hier auf das eigentliche Produkt lenken, zum anderen kenne ich den beeindruckenden Sound einer vorbeifliegenden Me 109. zwar nur von Band, aber immerhin.Und das will man dann auch hören. 🙂

Zum Konzept der Kurzreviews:

Perfekt!
Ich mus gestehen, so ich Reviews mag, aber letztlich überfliege ich die Texte und Ende dann schnell beim Fazit.

Die hier angebotene Länge reicht völlig zu einer Kaufentscheidung!
Und da ihr ja versprochen habt, dass es für die Top-Addons weiterhin ausführliche Rezensionen gibt, ist das genau das, was ich haben will: die lese ich nämlich immer Wort für Wort durch!

Danke

Kann mich da nur anschließen – ich werde das Produkt zwar nicht kaufen, da es nicht in meine Sammlung passt – liegt also nicht am Review. Scrolle meistens eh runter bis zum eigentlichen Fazit, wo dann in kurzer und prägnanter Weise Vor- und Nachteile genannt werden. Das reicht mir völlig aus – dazu noch ein paar aussgekräftige Screens (also nicht 20 die immer das Gleiche zeigen) und ich kann mir ein Bild machen!
Vielen Dank für eure Mühen!

für bestimmte Addons – wie oben erwähnt – völlig ausreichend! Danke!

Danke für Euer Feedback!

Diese Bf 109K “Kurfürst” hat eine Reihe von Eigenheiten, die sich aus ihrer Geschichte erklären lassen. Das “wacklige Fahrwerk hatte auch diese Version, aber das Spornrad-Fahrwerk war einziehbar, und das ‘Fahrwerks-Bein länger… jedenfalls wenn die Original-Teile verwendet wurden. Mitunter haben es Fertigungs-Englpässe bewirkt, das Bauteile der Bf 109G-10 und G-14 in der Bf 109K verbaut wurden. Fazit. “Die” Bf 109K sollte man mit Vorsicht genießen. Die Flugeiogentschaften entsprechen in der Tat dem, was man erwarten konnte. Was die Optik außen angeht, freut es mich,. das die Designer offensichtlich sich Gedanken um die Wahl der Farben und gemacht und die Änderung der Tarnbestimmungen vom August 1944 beachtet haben. Das Cockpit gefällt mir gut. Es gibt dieses leise Unbehagen wieder, die trotz Galland-Haube in Bezug auf die Sicht nach hinten aufkommen, wenn man das Original sieht.

Es ist kein schlechtes Modell. Ehrlich gesagt vermisse ich aber so ein “Werstatt-Modul” wie es bei A2A-Flugzeugen verfügbar ist.