Review: Airport auf dem Land – ENGM Oslo Gardermoen Airport

Der Airport mit den IATA- und ICAO-Kennungen OSL sowie ENGM liegt gut 50 Kilometer nordöstlich von Oslo in einem flachen, ländlichen Gebiet.

Auf dem Gelände bestand ab 1740 – zunächst mit Zelten, ab 1860 mit festen Häusern – eine Kaserne mit Exerzierplatz des norwegischen Heeres. Das erste Flugzeug landete 1912. Die Deutsche Wehrmacht baute hier während des Zweiten Weltkrieges zwei sich kreuzende 2.000-Meter-Bahnen und Hangars.

Nach dem Krieg wurde der Platz weiterhin militärisch durch die norwegische Luftwaffe „Luftforsvaret“ mit Kampfjets und Transportern fast aller Generationen, von Beginn des Kalten Kriegs an gerechnet, genutzt. Bis heute verfügt die „Luftforsvaret“ über eine Station am Platz: Die 335. Skvadron fliegt mit Lockheed C-130 „Hercules“.

Der Weg zum Hauptstadtflughafen

Parallel dazu errichtete Braathens SAFE 1946 eine erste Werfthalle. Gardermoen wurde zum Ersatzflughafen des damaligen Hauptstadtflughafens Fornebu (er lag nur gut sieben Kilometer westlich des Zentrums am Lysakerfjord) und wurde hauptsächlich für Trainingsflüge und von der Allgemeinen Luftfahrt genutzt. Ab 1972 wechselten erste Airlines wegen Kapazitätsengpässen, fehlenden Ausbauoptionen und aufkommendem Lärmschutz von Fornebu nach Gardermoen. Ab 1983 wurden die Beschränkungen verstärkt, sodass auch die bisher in Fornebu verbliebenen SAS und Braathens nach Gardermoen umzogen. 1985 wurde die Nord-Süd-Bahn (die heutige 01L/19R) auf 3.050 Meter verlängert. Im gleichen Jahr wurde klar, dass ab 1988 alle Airlines von Fornebu nach Gardermoen umziehen müssten.

Nachdem zwei weitere Standorte in Hobøl und Hurum für einen neuen internationalen Hauptstadtflughafen vor allem wegen des dort oft zu schlechten Wetters endgültig abgelehnt wurden, wurde 1992 eine Bau- und Betreibergesellschaft für die Errichtung und den Betrieb des „modernen“ Gardermoen gegründet.

Die Bauarbeiten, die den Airport und die (Schnell-)Bahnstrecke umfassten, begannen 1994. Gerechnet wurde mit 13.000 (!) Mannjahren Arbeit. 220 Unternehmen aller benötigten Gewerke wurden unter Vertrag genommen. Am 7. Oktober 1998 zogen 300 Arbeitnehmer und 500 LKW-Ladungen mit Equipment von Fornebu nach Gardermoen um. Der neue Airport wurde einschließlich der neu erbauten Westbahn 01R/19L am 8. Oktober 1998 unter dem Namen „Gardermoen“ eröffnet. Fornebu wurde am selben Tag geschlossen.

Bahnen und Technik

Die Asphaltpisten 01L/19R (3.600 mal 45 Meter) und 01R/19L (2.950 mal 45 Meter) ermöglichen 80 Flugbewegungen pro Stunde. Pläne für einen Ausbau gibt es derzeit nicht.

Der Abstand der Pisten zueinander beträgt 2.090 Meter – von daher ist voneinander unabhängiger, gleichzeitiger Betrieb möglich. Das ist der Grund, dass auf Anflugkarten keine „Simultananflüge“ mit einem großen, soliden Richtungspfeil auf die Zielbahn und einem kleineren, transparenten Richtungspfeil auf die Parallelbahn gezeigt werden:

© Jeppesen – zur Verfügung gestellt durch Navigraph

Die „Zweiteilung“ des Platzes verdeutlicht die Bodenkarte von eAIP Norge farblich unterlegt. Die Bahnen wurden wie folgt ausgestattet:

BahnILSVORRNPALSSFLTDZPAPI
01LCAT IIIBjajaCalvert High (HIALS-II)jajalinks
01RCAT IIIBjaCalvert High (HIALS-II)jajalinks
19LCAT IIIBjaCalvert High (HIALS-II)jajalinks
19RCAT IIIBjajaCalvert High (HIALS-II)jajalinks

Das DVOR/DME GARDERMOEN GRM 115,95 MHz steht direkt westlich der 01L. Das Drehfunkfeuer hat keine Funktion für untere oder obere Luftstraßen der Region sowie An- oder Abflugstrecken. Es dient lediglich als Airport-„Locator“ und Nichtpräzisions-Anflughilfe für die oben genannten 01L und 19R.

Terminal und Infrastruktur

Das Terminal umfasst 265.000 m², bestehend aus Zentralbereich, „West Wing“, „East Wing“ sowie dem „South Pier“ südlich des „West Wing“. Am Terminal wurden 53 Parkpositionen errichtet, zwölf davon ohne Jetways. Der „South Pier“ verfügt über acht Parkplätze ohne Passagierbrücken. Abgesetzt vom Terminal gibt es zwölf weitere Parkpositionen.

Auf dem Frachtgelände wurden sechs Parkplätze ausgewiesen, auf dem der Allgemeinen Luftfahrt westlich der 01L 20 und auf dem militärischen Apron acht. Für die Werftbetriebe von SAS stehen Abstellplätze bereit. An allen Positionen des Terminals wurden elektronisch-optische Einrollhilfen (Visual Docking Guidance Systems – VDGS) des Typs Safedock T1 von ADB Safegate aufgebaut, welche seit 2017 im Einsatz sind. Ausnahme ist Position 79, an der ein moderneres, Mitte 2022 vorgestelltes Safedock Flex steht:

© ADB Safegate http://adbsafegate.com

Für den Airbus A380 können wie beim realen Vorbild die Parkpositionen 52, 80, 171L, 201L, 203L genutzt werden, für die Antonov AN-124 die 201L, 203L oder nach Rücksprache mit der Luftwaffe der militärische Apron sowie für die Boeing 747-8i die 52, 80, 171L, 201L, 203L und ebenfalls nach Rücksprache mit der „Luftforsvaret“ der militärische Apron.

Besonderheiten: Release Points und Anbindung

Ein Alleinstellungsmerkmal des Airports sind „Release Points“: Die auf der Bodenkarte als Pfeile (eAIP Norge) oder Kreise (Jeppesen) mit Nummern dargestellten Punkte markieren die Stellen, wo die Fahrer der Push-Back-Trucks die von ihnen bewegten Maschinen so abstellen, damit diese so schnell als möglich abrollen können:

: © Jeppesen – zur Verfügung gestellt durch Navigraph

Aktuelle Satellitenbilder zeigen die „Release Points“ in Form von zwei weißen Strichen quer zu den gelben Rollwegmarkierungen an den Taxiways D, K2, N, R und Q (hier gibt es zusätzlich je eine orange und blaue Rollweglinie).

Erreicht werden kann der Airport mit Fahrzeugen via den Europastraßen E16 und E6, den Hochgeschwindigkeitszügen namens „Flytoget“ der „Gardermobane“ sowie Regionalzügen von Oslo aus. Der Bahnhof befindet sich oberirdisch direkt südwestlich des Terminals. Die zweigleisige Strecke wird unter dem Terminal und dem Apron hindurchgeführt und kommt außerhalb des Flughafen-Perimeters wieder an das Tageslicht. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke endet im rund 15 Kilometer nordöstlich des Airports gelegenen Eidsvoll. In Betrieb genommen wurde die Linie am Tag der Eröffnung des Flughafens. Auf der Landseite wurden rund 11.500 Parkplätze errichtet. Mehrere Mietwagenanbieter sind vor Ort tätig.

11 Airlines bedienen derzeit laut „eeob Fluginformationen“ (https://eeob.ch) rund 150 Flugziele in mehr als 46 Ländern; täglich heben rund 210 Maschinen ab. Betreiber Avinor (www.avinor.no) meldet für 2025 folgende Zahlen:

  • Passagiere: 27.072.860
  • Frachttonnage: 189.133
  • Flüge: 224.416

Kunstwerke

Der Airport wurde mit mehreren Kunstwerken diverser Künstler ausgestattet: Im Terminal gibt es eine Dauerausstellung mit Werken von Edvard Munch sowie Skulpturen von Per Inge Bjørlo. Rechts neben dem Terminal steht „Utkast“ von Kåre Groven, Zitat „die silhouettierte Skulptur einer Person, die im Begriff ist, ein Papierflugzeug namens ‚Utkast‘ zu werfen“. Das Kunstwerk wurde 1987 erschaffen und am Flughafen Fornebu aufgestellt. Nach dessen Schließung wurde es nach Gardermoen gebracht. An der Kreuzung der E6 mit der E16 steht seit 2000 der 45 Meter hohe „The Peace Star“ (Friedensstern) von Vebjørn Sand, der die Supernova 1604 – auch „Kepler’s Supernova“ genannt – in Form eines „Ikosaeders“ andeutet, ein Polyeder mit zwanzig Seitenflächen. Es wurde der Nobelpreisverleihung im Jahr 1999 gewidmet.

Informationen & Kultur

Rennstrecke: Östlich der 19R befindet sich der Gardermoen Raceway (www.ndrg.no) mit Gokart-Bahn und rund 1.200 Meter langer Speedstrecke.Star“ von Vebjørn Sand, ein geometrischer Ikosaeder, der an die Supernova von 1604 erinnert.

Wikipedia (DE): Flughafen Oslo-Gardermoen

Wikipedia (EN): Oslo Airport, Gardermoen

Luftfahrtmuseum: Westlich der 01L steht das norwegische Militärluftfahrtmuseum „Forsvarets Flysamling Gardermoen“ (www.forsvarshistoriskmuseum.no).


Simulation

Erstmals brachte Aerosoft (https://aerosoft.com) Oslo-Gardermoen im Jahr 2004 als Teil der Scandinavian Airport 1 für den FS 2004, gemacht von Sim-Wings, in einer Pappschachtel heraus. 2010 veröffentlichte Aerosoft eine Plastikbox für FS X und im Dezember 2013 für FS X, FSX:SE und Prepar3D (P3D) v3 als Mega Airport Oslo v2 ebenfalls in einer Plastikbox. Das Add-On wurde später zum P3D v4 und v5 kompatibel gemacht. Im Mai 2017 folgte aus demselben Haus eine Umsetzung für X-Plane 10 und 11. Im Dezember 2022 veröffentlichte JustSim seine Version für den MSFS 2020 und im Juni 2023 die für den P3D v5.

Im März 2023 war es an der Reihe von Orbx, eine Umsetzung von Finn Hansen und Jakub Lukaszewski zu veröffentlichen. Ende April 2024 wurde von Aerosoft eine Umsetzung des Platzes von Jo Erlend Sund für den MSFS 2020 und 2024 präsentiert. Am 7. März 2026 stellte Orbx die aktualisierte Szenerie, die auf der Umsetzung für den MSFS 2020 basiert, von Finn Hansen und Jakub Lukaszewski für den MSFS 2024 vor. Fliegen wir hin…

Diese Szenerie ist für Neukunden hier für rund 18 Euro zu haben: Orbx ENGM Oslo-Gardermoen MSFS 2024

Käufer der Vorgängerversion erhalten den überarbeiteten Airport kostenlos. Für Download und Installation ist Orbx Central erforderlich.

Der Airport passt sich grenzenlos in seine Umgebung ein. Nach Vergleichen mit aktuellen Satellitenbildern sind auf der Luft- und Landseite alle Gebäude, Pisten, Rollwege und Vorfelder plausibel texturiert am korrekten Platz vorhanden. Die beiden oben erwähnten Kunstwerke wurden ebenfalls umgesetzt. Die Pisten, Rollwege und Apron wurden dem Vorbild entsprechend markiert und mit Hinweisschildern versehen.

Die drei unterschiedlichen Arten von Jetways – wo vorhanden mit transparenten Scheiben – wurden animiert. Sie docken an das eigene und an AI-Flugzeuge an. Die aufgestellten VDGS stammen von Nool. Das kostenlose Plugin für MSFS 2020 und MSFS 2024 ist zur Funktion der Einrollhilfen erforderlich.

Auf dem Apron fahren einige Fahrzeuge umher. Das Terminal wurde sehenswert möbliert. Das gilt auch für die Landseite mit der Zufahrt, dem terrassenartig angelegten Parkhaus und dem 91 Meter hohen Tower, der im Jahr 1997 mit dem norwegischen Architekturpreis „Betongtavlen“ ausgezeichnet wurde. Der Bahnhof ist vorhanden. Dort steht ein detailliertes Modell eines Zuges des Typs „Norges Statsbaner (NSB) Class 74“ von Stadler Rail auf Basis des „Flirt“, der von und bis hier als VY Express der norwegischen Staatsbahn von Oslos Sentralstasjon (Hauptbahnhof) aus verkehrt.

Die zuvor erwähnten „Release Points“ werden in der Szenerie ebenso gezeigt wie die beiden Kunstwerke „Utkast“:

und „The Peace Star“:

rofil für GSX Pro

Finn Hansen liefert kein Profil für GSX Pro mit. Er empfiehlt dieses hier von „Aanerud“: https://flightsim.to/addon/50334/gsx-profile-orbx-oslo-gardermoen-engm. „Northwind“ hat ebenfalls eines eingestellt.

Erkannte Probleme

  1. Die Laufblitzlichter („Rabbits“) der Anflugbefeuerungen aller Bahnen fehlen.
  2. Züge der Gardermobane fahren nur im Nordwesten des Platzes.
  3. Zwei der vier Gleise am Flughafenbahnhof werden von einer Bodentextur überlagert.
  4. Es gibt so gut wie keine Nachtbeleuchtung auf den Aprons, was vor allem am Terminal auffällt.
  5. Vor den zwei unspektakulären Feuerwachen stehen keine Löschfahrzeuge.
  6. Am südlichen Teil des Gardermoen Raceway gibt es keine Gebäude.

Die Kritikpunkte sind bis auf die Nachtbeleuchtung eher Geschmackssache als „richtig wichtig“. Die Designer wurden dennoch informiert und wollen sich mindestens um die „Erhellung“ des Platzes kümmern.

Fazit


Gut gemacht, Finn und Jakub… Gardermoen ist ansehnlich gelungen mit vielen interessanten, gut gemachten Einzelheiten. Das Bestandskunden den Platz kostenfrei erhalten, ist Orbx positiv anzurechnen. Die für Neukunden fälligen 18 Euro sind für einen Airport dieser (großen) Größe mehr als fair!

Bert Groner …im März 2026

Airportvergleich: Aerosoft vs. Orbx

Bevor Fragen aufkommen: Die Airports von Sund sowie Hansen und Lukaszewski sind mit einem „Abstand von wenigen Millimetern“ auf Augenhöhe. Die KI von Google und einige Diskutanten bei www.flightsimulator.com sind sich dennoch darin einig, dass die Szenerie von Sund etwas besser ist.

Persönlich bewerte ich die Szenerie von Jo Erlend Sund genauso: Manche Details wurden besser herausgearbeitet, die beiden Kunstwerke sind ebenfalls vorhanden, die Nachtbeleuchtung ist ausreichend hell, es gibt durchgängigen Bahnverkehr (mit deutlich gröber aufgelösten Zügen) ohne Verdeckung der Gleise, vor beiden Feuerwachen stehen Löschfahrzeuge und auf dem militärischen Apron Flugzeuge.

Von „JBXProfiles“ gibt es ein Profil für GSX Pro unter https://flightsim.to/addon/73455/aerosoft-engm-oslo-gardermoen-gsx-profile. Außerdem hat die Szenerie einen Konfigurator, mit dem einige Dinge ein- oder ausgeschaltet werden können. Die „Rabbits“ fehlen leider auch bei diesem Airport. Jo Erlend Sund möchte das auf Nachfrage mit einem in Arbeit befindlichen Update beheben. Das Safegate Flex soll damit an Position 79 installiert werden.


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