Review: Wilco Towersim

Immer wieder einmal gibt es eine Umsetzung des Arbeitsplatzes der Fluglotsen und doch setzt sich kein Programm so recht durch. So hat sich das eingespielte Team Feelthere und Wilco Publishing nun auch an der virtuellen Umsetzung des Fluglotsen-Arbeitsplatzes gewagt. Um konkreter zu werden – es geht um Towersim und damit den Arbeitsplatz des Tower-Lotsen, der die Flugzeuge zum Rollen zur Startbahn freigibt, als auch zur Parkposition und eben auch die Starts und Landungen regelt. Wie die Umsetzung gelungen ist, hat sich Frank Schmidt angeschaut und berichtet unter “mehr“, wie es ihm als Towerlotse gefallen hat.

Review: Wilco Tower Simulator

Die Addon-Entwicklerschmiede „FeelThere” und der Publisher „Wilco Publishing” sind seit Jahren ein eingespieltes Team und haben in der Vergangenheit schon zahlreiche, Erfolg versprechende Addons für den Flightsimulator entwickelt.

Das jüngste gemeinsame Projekt verzichtet erstmalig auf die Basis des Microsoft Flightsimulators, der „Tower Simulator” ist eine eigenständig programmierte Simulation, die zum Betrieb lediglich ein Windows-Betriebssystem benötigt.

Was wird hier eigentlich simuliert?

Wer gedanklich schon davon träumt, zahlreiche Flugzeuge am Himmel mit Funksprüchen zurück zur Erde zu geleiten, Vektoren, Headings und Holdings vergeben möchte, der braucht jetzt gar nicht weiter lesen, denn all dies bietet der Tower Simulator nicht! Er ist vielmehr genau das, was sein Name schon sagt – er simuliert den Job eines Towerlotsen. Und dieser bekommt die Flugzeuge von einem anderen Radar-Lotsen so übergeben, dass sich die Flugzeuge schon im direkten Landeanflug befinden. Ebenso übergibt er sie direkt nach dem Start, sodass er sich nach dem Abheben nicht weiter um sie kümmern muss.

Der Towerlotse ist vielmehr dafür zuständig, die Bewegungen am Boden zu koordinieren. Dies kann mitunter aber genauso anspruchsvoll sein wie der Job eines Approach- oder Center-Controllers. Was sich auf einem kleinen Provinzflughafen noch recht einfach anhört, kann auf einem Großflughafen wie Chicago O’Hare schon verdammt stressig werden.

Installation

Gar nicht stressig hingegen ist die Installation von Tower Simulator. Mir stand für diesen Test die englische Download-Version 1.0 zur Verfügung. Die ca. 300 MB große Setup-Datei verlangt lediglich nach der Eingabe des Registrierungsschlüssels, danach kann der Tower Simulator in ein beliebiges Verzeichnis installiert werden. Als Betriebssystem kann sowohl Windows XP als auch Windows Vista dienen, beides hingegen lt. Herstellerangaben nur in der 32-Bit-Version. Da mein Vista eine 64-Bit-Version ist, habe ich es vorsichtshalber unter Windows XP installiert, was erwartungsgemäß problemlos funktioniert hat.

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Noch bevor mich mein Review-Exemplar erreichte, konnte ich in diversen Foren nachlesen, dass der Tower Simulator über kein Anti-Aliasing bei der Darstellung der Vorfeldansicht verfügt. Das stimmt so aber nicht. Das Handbuch gibt ganz klar darüber Auskunft, dass die Einstellungen für Anti-Aliasing an der Hardware bzw. am Grafiktreiber direkt einzustellen sind. Das ist mitunter nicht immer ganz so einfach, aber es geht. Besitzer einer modernen Nvidia-Grafikkarte, die versuchen, dieser für den FS2004 derartige Funktionen zu entlocken, wissen wovon ich rede.

Ob diese Vorgehensweise nun besonders anwenderfreundlich ist, lasse ich mal dahingestellt sein. Fakt ist jedenfalls, dass mit meinen nHancer-Einstellungen für den FS2004 auch der Tower Simulator ein sauberes Bild ohne Treppeneffekt abliefert.

Was bietet der Tower Simulator?

Nach einem Doppelklick auf das Desktop-Icon gelangt man zunächst in das Hauptmenü. Im Menü „Settings” können neben den üblichen Einstellmöglichkeiten bzgl. Bildschirmauflösung und Soundwiedergabe noch einige optische Gimmicks reduziert oder abgeschaltet werden, um die Bildwiederholrate zu steigern. Das betrifft beispielsweise die Darstellung der Bäume und die des Straßenverkehrs, ähnlich wie wir es auch vom Flight Simulator her kennen. Ebenso ist es möglich, die Tastenkürzel für die einzelnen Befehle neu zu definieren. Als letzter Punkt können Layouts gewählt oder erstellt werden, welche die Verteilung der einzelnen Fenster auf dem Monitor beinhalten.

Unter dem Menüpunkt „Information” lassen sich verschiedene User-Profile erstellen. Hier wird anschließend zu jedem Namen der Zeitraum festgehalten, wie lange der User vor dem Schirm gesessen hat und was ihm dabei für Fehler unterlaufen sind.

Außerdem gibt es noch einige Basisinformationen zu den einzelnen Flugzeugtypen, die einem auf dem Vorfeld oder dem Radarschirm begegnen können.

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Im „Main”-Menü kann man schließlich auswählen, auf welchem Flughafen man denn gerne sein Glück als Tower-Lotse versuchen möchte. Die folgenden Airports stehen zur Auswahl:

  • Orange County, CA USA KSNA

  • Chicago O’hare, IL USA KORD

  • Princess Juliana St-Maarten TNCM

  • Paris, Charles de Gaulle France LFPG

  • München Germany EDDM

Hat man sich für einen dieser Airports entschieden, muss noch die aktive Runway gewählt werden, was bei größeren Airports auch mehr als eine sein kann. Ebenso kann man wählen, welche Tageszeit simuliert werden soll und was für Wetterbedingungen (klarer Himmel, Regen, Schnee oder Nebel) vorherrschen sollen. Ein Druck auf den „Start”-Button lädt anschließend das gewählte Szenario.

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Am Ort des Geschehens

Nach einer längeren Ladezeit öffnen sich neben der Bildschirm füllenden Außenansicht noch vier weitere Fenster, die nach und nach etwa die Hälfte der Außenansicht verdecken. Sie beinhalten das Bodenradar, das Tower-Radar, das Board mit den Flight-Strips sowie die Eingabezentrale, mit deren Hilfe die Befehle an die einzelnen Flugzeuge gesendet werden. Dem Reflex, diese Fenster zunächst zu schließen, sollte man tunlichst widerstehen, denn laut Handbuch lassen sich diese Fenster zwar schließen, aber nicht wieder öffnen. Hierfür müsste die Simulation abgebrochen und neu gestartet werden. Somit sind die Buttons zum Schließen der Fenster komplett sinnfrei, wer sie dennoch betätigt, wird per Sicherheitsabfrage wenigstens daran gehindert, dieses nur aus Versehen zu tun.

Glücklicherweise lassen sich die Fenster nach Belieben skalieren und verschieben. Auch das Auslagern auf einen zweiten Monitor ist möglich. Meiner Meinung nach die einzig vernünftige Möglichkeit, denn die Fenster behindern ansonsten derartig die Sicht, dass es keinen Spaß macht, die Flugzeuge in der Vorfeldansicht zu verfolgen. Der Towersimulator unterstützt zwar das TripleHead2Go von Matrox, aber ich denke nur die wenigsten werden auf eine derart opulente Hardwareausstattung zurückgreifen können. Ein zweiter Monitor hingegen ist fast schon Pflicht, damit diese Simulation vernünftig betrieben werden kann.

Enttäuschend ist die Unterstützung von TrackIR. Diese funktioniert zwar generell, ist aber nicht mit der Funktionsweise im Flight Simulator vergleichbar, wo sich der Bildausschnitt simultan mit der Kopfbewegung verschiebt. Im Towersimulator hat man vielmehr das Gefühl durch Drehung des Kopfes einen imaginären Schalter am Bildschirmrand zu betätigen, der den Ausschnitt dann in diese Richtung verschiebt. Hat man zudem die vier zusätzlichen Fenster auf einen zweiten Bildschirm ausgelagert, verstellt man bei jedem Blick dorthin zwangsläufig den Blickwinkel. Nach einer kurzen Testphase habe ich mich gegen die Verwendung des TrackIR im Towersimulator entschieden.

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Zur ersten Eingewöhnung habe ich mir den Princess Juliana Airport auf der Insel St. Maarten ausgewählt. Der Flugplatz auf den Niederländischen Antillen verfügt nur über eine Piste und hat ein übersichtliches Vorfeld mit nicht allzu vielen Gates. Nach kurzer Zeit erscheinen zwei Flight-Strips in der Sektion „Departures” und ein Blick auf das Vorfeld zeigt mir, dass sich hier gerade ein Flugzeug für den Abflug bereit macht.

Man erkennst es daran, dass ein Push-Back-Truck zunächst seitlich durch das Flugzeug hindurch an den Bug fährt, das Flugzeug dann um 180 Grad dreht und schließlich zum Rollen wieder freigibt. Nun ja, nicht ganz realistisch, aber egal. Es passt zum restlichen Eindruck der Szenerie, die große Mühe hat, die Qualitätsmerkmale des FSX-Standard-Airports von St. Maarten zu erreichen. Um es gleich vorweg zu nehmen, von allen 5 wählbaren Airports ist der von St. Maarten noch der Schönste. Hier weiß wenigstens die Wasserdarstellung zu gefallen. Die Wolken- und Wetterdarstellung ist bei allen Plätzen recht ansprechend gelöst, die Bodentexturen, 3D-Gebäude, Autos und Flugzeuge sind aber nicht annähernd auf dem Stand dessen, was heute möglich ist.

Die Befehlszentrale

Sobald ein Flugzeug zum Abflug bereit ist, meldet es sich „per Funk” beim Tower. Zunächst wird der Company Name und die Flugnummer genannt, dann folgt ein „Ready for taxi”. Leider klingt dies im Towersimulator alles andere als realistisch, da die einzelnen Satzfragmente nicht schnell genug aufeinander folgen und die Satzmelodie insgesamt unstimmig ist. Die Pausen zwischen den einzelnen gesprochenen Teilen sind viel zu groß. Teilweise werden auch Stimmen und Akzente gemischt. Sicherlich ist es sehr schwierig, harmonisch klingende Sätze aus einzelnen Fragmenten zu erstellen, aber eine Sprach-Qualität, wie sie in heutigen Navigationsgeräten vorherrscht, sollte die Zielvorgabe sein. Dies wurde jedoch bei weitem nicht erreicht.

Für den PC-Lotsen gibt es jetzt zwei Möglichkeiten, mit den Piloten im Flugzeug in Kontakt zu treten. Als erste Möglichkeit unterstützt der Towersimulator das Spracherkennungstool „Voice Buddy” um die Kommandos, die ins Headset gesprochen werden, in Befehle des Simulators umzusetzen. Die zweite Möglichkeit wäre, die Kommandos direkt in die Befehlszeile des Towersimulators einzugeben. Dabei können ganze Befehle oder Teile von Befehlen über entsprechende Tastaturkürzel aufgerufen werden.

Der „Voice Buddy” ist eine separate Anwendung, die zusätzlich erworben werden muss. Sie kostet noch einmal ca. 30 Euro. Da ich nicht im Besitz dieser Zusatzsoftware bin, muss ich mit der händischen Eingabe der Befehle vorlieb nehmen und kann auch keine Aussage darüber treffen, in wieweit das Zusammenspiel zwischen „Voice Buddy” und dem Towersimulator funktioniert.

Damit ich nun das Flugzeug zur aktiven Piste rollen lassen kann, muss ich zunächst auf dem Bodenradar das Flugzeugsymbol anklicken, um das Callsign in die Befehlzeile einzufügen. Alternativ kann ich auch auf den entsprechenden Flight-Strip klicken. Anschließend wähle ich mit „Strg-3″ den Befehl „Taxi to Runway” aus und ergänze diesen mit einem Leerschritt und den Ziffern „0″ und „9″. Um den Befehl abzusetzen, betätige ich am Ende die Eingabetaste. Daraufhin wird der empfangene Befehl von der Crew zurückgelesen und das Flugzeug macht sich auf den Weg zum Rollhaltepunkt. Später meldet sich das Flugzeug am Rollhaltepunkt abflugbereit und mit „Strg-T” erteile ich daraufhin die Starterlaubnis. Nach dem Abheben wird das Flugzeug mit „Alt-D” an den Radarlotsen übergeben. Die erste Flugbewegung ist vollbracht!

Die Befehlslogik

Um die Möglichkeiten des Towersimulators voll auszuschöpfen, gibt es zahlreiche Befehle, die auch zum Teil kombiniert werden können. Diese sind im mitgelieferten Handbuch zu finden. Es enthält neben den einzelnen Befehlen noch zusätzliche Informationen über die auswählbaren Flughäfen und die dazugehörigen Charts. Leider sind die Charts in Qualität und Umfang nicht optimal. Das Internet bietet hier zum Glück kostenlose Alternativen um vektorbasierte Karten zu beschaffen. Warum diese zur Handbucherstellung nicht genutzt wurden, ist mir unverständlich. In Paris fehlen sogar die Rollweg-Bezeichnungen, was gezielte Rollanweisungen ohne detaillierte Charts unmöglich macht.

Doch zurück zu den Befehlen. Es gibt insgesamt 23 Befehle bzw. Teilbefehle um die Flugzeuge am Boden zu leiten und 10 weitere, die für Flugzeuge in der Luft angewendet werden können. Die meisten von ihnen können per Tastaturkürzel in die Befehlszeile eingesetzt werden, der von mir häufig benutzte Befehl „TAXI INTO POSITION AND HOLD” muss leider komplett händisch eingegeben werden. Die einzelnen Anweisungen lassen sich auch sinnvoll kombinieren, so sind Befehle wie folgt möglich: „TAXI TO RUNWAY 06L VIA A AND M HOLD SHORT OF RUNWAY 06R.”

Für landende Flugzeuge gibt es hingegen nur zwei Befehle, die akzeptiert werden. Meldet sich ein Flugzeug im Landeanflug, dann erteilt man entweder die Landeerlaubnis „CLEARED TO LAND” oder gibt die Anweisung „GO AROUND” falls die Landebahn blockiert sein sollte. Es lassen sich zwar die Position, die Richtung und die Geschwindigkeit der Flugzeuge erfragen, beeinflussen lassen sie sich hingegen nicht.

Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, welche Befehle vorhanden sind und was sie bewirken, kann sich das englische Handbuch von Produkt-Homepage herunterladen. Eine kurze Zusammenfassung aller Befehle befindet sich auf der Rückseite. Keine Ahnung, wer die Idee hatte, diese Seite komplett in Schwarz mit weißer Schrift zu gestalten. Die Druckerpatronen-Hersteller werden es ihm danken.

Jetzt wird’s ernst

Nach einer kleinen Eingewöhnungsphase bin ich bereit für mehr. St. Maarten ist nett, aber hier ist tote Hose. Der relativ kleine Flughafen stellt keine wirkliche Herausforderung dar. Eigentlich braucht man nur 5 Befehle, um den Flugverkehr auf diesem Platz zu leiten: „TAXI TO RUNWAY 09″, „CLEARED FOR TAKEOFF”, „CONTACT DEPARTURE” und für die eintreffenden Maschinen „CLEARED TO LAND” und „TAXI TO TERMINAL”.

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Also sehe ich mir den Airport von Orange County mal näher an. Er verfügt über eine zweite, parallele Piste, die allerdings um einiges kürzer ist, als die Hauptlandebahn. Leider nutzt der Towersimulator diese zweite Piste nicht. Weder die ankommenden Flugzeuge nutzen die kurze Piste, noch gibt es kleinere Flugzeuge, die ich hierüber starten lassen könnte. Somit ist die Situation in Orange County trotz leicht erhöhtem Verkehrsaufkommen kaum anders als auf St. Maarten. Im Übrigen kommt es auch hier, genau wie auf St. Maarten nach einer gewissen Zeit zu einer Situation, wo der Towersimulator ins Schleudern gerät. Nämlich genau dann, wenn mehr Flugzeuge auf dem Airport landen, als freie Gates zur Verfügung stehen. Ist dies der Fall, verweigert das gelandete Flugzeug den Befehl „TAXI TO TERMINAL”, antwortet mit „UNABLE” und verharrt beleidigt auf seiner Position. Mit keinem Befehl aus dem Handbuch lässt sich das Flugzeug von der Piste bewegen, womit sich die Katze in den Schwanz beißt, denn so sind auch keine Starts möglich um neue Gates freiwerden zu lassen.

Ein Blick in das Supportforum schafft Abhilfe, hier findet man den undokumentierten Befehl „REMOVE AIRPLANE”, der den Störenfried ins digitale Nirvana befördert.

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Beim Versuch, in Orange County auf die aktiven Pisten 01L/01R zu wechseln, verweigern die startenden Flugzeuge die Annahme der Piste 01L. Während die landenden Flugzeuge korrekt auf die 01L anfliegen, rollen die abfliegenden Flugzeuge nur zur Piste 19R. Was passiert, ist keine Überraschung – das landende Flugzeug wird am Ende der Piste von einem wartenden Flugzeug am Verlassen der Landebahn gehindert. Hier ist nun endgültig der Wurm drin und ich gebe auf. Ein richtiger Airport muss her, ich versuche mich an München.

Die größeren Airports

Hier zeigt sich eine komplett andere Situation. Schon zu Beginn sind zahlreiche Flight-Strips auf den Schirm, die sowohl viele Abflüge wie auch mehrere Ankünfte aufzeigen. Zwar verrät der Flight-Strip den Zielort des abfliegenden Flugzeugs, nicht aber dessen genaue Abflugroute. Somit ist nicht planbar, welche der beiden Parallelbahnen die bessere für den Abflug ist. Ich beschränke mich also darauf, die abflugwilligen Flugzeuge gleichmäßig auf beide Bahnen zu verteilen.

Dabei gilt es, den ankommenden Verkehr nicht aus den Augen zu verlieren und darauf zu achten, welche der beiden Bahnen dieser zur Landung nutzen möchte. Schnell kommt die Situation, wo man 10 und mehr Flugzeuge gleichzeitig betreuen muss. Hier ist man erstmalig richtig gefordert doch der Towersimulator kontert mit einer absoluten Spaßbremse – dem eintreffenden Flugverkehr.

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Während am Rollhaltepunkt schnell mehrere Flugzeuge hintereinander auf ihren Abflug warten, trödeln die landenden Flugzeuge jedes Mal im Schneckentempo bis zum Ende der Piste, bis sie endlich die Bahn für einen weiteren Start freigeben. Dies dauert mitunter bis zu 5 Minuten, sodass nachfolgende Flugzeuge durchstarten müssen und die Schlange der startwilligen Flugzeuge immer länger wird. Ich möchte nicht wissen, wie ein realer Towerlotse in so einem Fall reagieren würde. Er wäre wohl nach einem solchen Vorfall restlos bedient, ich habe hingegen erst nach einer handvoll Landungen frustriert das Handtuch geworfen.

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Am Ende durfte ich feststellen, dass ich wohl während des Versuches, der Situation in München einigermaßen Herr zu werden, einige Fehler begangen habe. In meinem User-Account finden sich einige Bemerkungen zu gefährlichen Situationen, die mir während der Arbeit am Radarschirm allerdings in keiner Form angezeigt wurden. Wo bleibt denn da der Lerneffekt? Somit ist die Motivationkurve endgültig am Boden angelangt und auf die beiden verbleibenden Airports habe ich schon gar keine Lust mehr.

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Fazit

Schade um die schöne Idee, die hinter diesem Produkt steht. Leider kann die Umsetzung in keinem Punkt richtig überzeugen. Sei es die Grafik, die weit hinter dem bleibt, was heute möglich ist. Ganz zu schweigen von der umständlichen Art und Weise, das Anti-Aliasing zu aktivieren. Oder die holperige Sprachausgabe, die keinerlei Atmosphäre aufkommen lässt. Größtes Manko bleibt aber der Simulationsablauf als solches. Die Bewegungen von Fahr- und Flugzeugen sind unlogisch, ruckelig und unnatürlich. Die Anflüge sind zu steil, rollende und startende Flugzeuge sehen aus, als würden sie an einer unsichtbaren Stange durch die Szenerie geschoben.

So gravierende Mängel wie das ausbleibende Verlassen der Piste nach der Verzögerung auf Rollgeschwindigkeit verhageln den Spielspaß dann gänzlich und hätten beim Betatest auffallen müssen. Ebenso sollte eine „Verstopfung” des Flughafens durch fehlende freie Gates vermeidbar sein.

Das Verhältnis von leichten und schwierigen Airports ist zu unausgewogen. Während St. Maarten und Orange County nicht genügend Potenzial für längere Sitzungen bieten, geht es bei den anderen drei Flughäfen gleich dermaßen zur Sache, dass die gestellte Aufgabe aufgrund der angesprochenen Mängel kaum zu bewältigen ist. Interessant wäre ein mittelschwerer Flughafen mit zwei gekreuzten Bahnen und moderatem Verkehrsaufkommen gewesen, wie beispielsweise Hamburg.

Es gibt zwar die Möglichkeit, über die gewählte Uhrzeit auf das Verkehrsaufkommen Einfluss zu nehmen, nur leider bekommt man bei der Auswahl der gewünschten Zeit kein direktes Feedback über den zu erwartenden Traffic. Hier hilft nur mühsames Ausprobieren.

Gleiches gilt für die Vermeidung von brenzligen Situationen, denn hier tappt der User ebenfalls im Dunklen. Da der Towersimulator gemachte Fehler zwar registriert, aber währenddessen nicht anzeigt, hat man zum Schluss nur die Gewissheit, etwas Falsches getan zu haben. Wann und wo dies geschehen ist, bleibt hingegen immer ein Geheimnis, was eine künftige Vermeidung natürlich erschwert.

Dies ist nicht nur mir, sondern auch anderen Usern aufgefallen, was ein Blick in das Support-Forum zeigt. Die Entwickler haben deshalb vor einiger Zeit einen Patch angekündigt, der diesbezüglich Verbesserungen bringen soll. Wann er erhältlich sein wird und was er tatsächlich bringt, wird sich zeigen.

Derzeit macht das Produkt einen eher unfertigen Eindruck der in einem krassen Gegensatz zum Preis steht. Dieser, und die Unterstützung kostspieliger Hard- und Software (TrackIR, TripleHead2Go, VoiceBuddy) erwecken den Eindruck eines leistungsstarken Simulators, der bei näherer Betrachtung allerdings auf ganzer Linie enttäuscht und weit hinter den Erwartungen zurückbleibt.

PRO CONTRA
  • Die Spiel-Idee
  • Unzeitgemäße Grafik
  • Umständliche Anti-Aliasing-Einstellung
  • Abgehackte Sprachausgabe
  • Unnatürliche Fahr- und Flugzeugbewegungen
  • Zu unausgewogener Schwierigkeitsgrad
  • Keine Echtzeit-Fehleranalyse
INFORMATION TESTSYSTEM
  • Entwickler: feelThere
  • Herausgeber: Wilco Publishing
  • Homepage: www.wilcopub.com
  • Preis: 56,95€ Download bei Wilco

  • Intel Core2Duo E8500 / 3,17 GHz
  • 4092 MB RAM
  • Geforce 8800 GTS 512 MB

Frank Schmidt

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