Review: Justflights Air Hauler

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Als Air Hauler von Justflight veröffentlich wurde, war mein erster Gedanke “ah, ein Nachfolger von Cargo Pilot”. Wie auch immer ich zu der Entscheidung kam, habe ich beschlossen Air Hauler zu rezensieren und muss zugeben, dass es mir soweit sehr gut gefällt. Air Hauler geht weiter als Cargo Pilot und ist auch meines Erachtens interessanter. Wenn ihr mehr erfahren wollt, könnt ihr gerne …

Air Hauler von Justflight

Warum ergeht es mir mit Air Hauler anders? Nun, Air Hauler geht ein Stück weiter als Cargo Pilot und ist auch meines Erachtens ansprechender aufgemacht. In Cargo Pilot habe ich nur kurz reingeschaut und das war es dann auch schon. Bei Air Hauler verlief das erste “Zusammentreffen” anders.

Kauf, Download und Installation sind vollkommen unproblematisch, wie ich es bei Justflight auch erwartet habe. Im Paket enthalten ist ein gut 90-Seitiges Handbuch, das eigentlich die meisten Fragen beantworten sollte. Wer darüber hinaus noch Fragen hat, kann sich an den Support von Justflight wenden, oder im Forum (Air Hauler hat hier eine eigene Rubrik) stöbern. Das Thema Support ist also meines Erachtens hinreichend bedacht. Legen wir los …

Beim ersten Start wird man gefragt, bzw. gebeten eine neue Firma zu eröffnen und eine Homebase auszusuchen. Woran ich noch nicht gedacht habe (Handbücher lese ich ja aus Prinzip erstmal nicht *g*), dass die Kosten für die Homebase natürlich variieren. Eine Schotterpiste ohne ILS und ohne Beleuchtung ist natürlich günstiger als ein internationaler Flughafen mit allem Schnickschnack. Nun, für Testzwecke habe ich verschiedene Firmen mit verschiedenen Homebases aufgemacht. Angefangen habe ich mit Nassau auf den Bahamas und dem FS9 und die Rezension fertig gestellt habe ich dann mit der Homebase Chambery in Verbindung mit dem FSX.

Hat man bereits eine Firma am Laufen, kann man diese nach dem Starten auswählen.

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Je nach Einstiegsszenario ist der Unternehmen wohlhabender und angesehener, oder eben deutlich weniger von beidem. Die Einstiegsszenarien reichen von gut bekannte und renommierte Firma, 500.000USD Startkapital, ein Learjet in der Flotte und ohne Restriktionen bis hin zu 100.00USD Startkapital, gänzlichem Unbekannt sein, einer C172 und Beschränkungen durch MTOW und Piloten-Rang.

Viele kleine Parameter helfen noch das Spielgeschehen nach Wunsch einzustellen, wie bspw. Laden der realen Öl-Preise, oder die Auswahl der angelegten Jobs (sind diese mehr für 747 gedacht und meine Caravan ungeeignet, oder bekomme ich überwiegend Jobs angezeigt, die ich auch tatsächlich erledigen kann). Letzteres macht es natürlich einfacher wahllos Jobs anzunehmen und diese dann abzuarbeiten.

Verwalten von Jobs

Dreh- und Angelpunkt von Air Hauler ist das Job Board, wo man alle Aufträge findet, die man abfliegen kann. Die Jobs passen zu den verschiedenen Flugzeug-Mustern, die man in der Flotte hat – passen im Sinne von Reichweite, Frachtzuladung und anzufliegende Plätze. Die Logik mit der die Aufträge generiert werden ist meines Erachtens recht robust und clever programmiert. Man muss hier und da schon aufpassen, da Aufträge durchaus schwerer sind als die Maschine Kapazität hat. Also die Cheyenne, mit der ich viel geflogen bin, kann bspw. knappe 1500lbs Fracht schleppen – die von Air Hauler generierten Aufträge liegen dann so irgendwo zwischen 600 und 2000lbs. Da Air Hauler nur nach dem Maximum Takeoff Weight beschränkt, kann man sich hier und da retten, indem man die Maschine eben nicht volltankt. Man sollte aber, wie bereits angesprochen die Eckdaten der Muster seiner Flotte im Kopf haben.

Damit vermeidet man Erlebnisse wie diese: eben wollte ich meinen Learjet mit einem Auftrag auf Reisen schicken, nur um mich von Air Hauler beschimpfen zu lassen, dass der Lear für den Zielflughafen zu groß ist.

Man kann die Aufträge auch sinnvoll filtern und die Sortierung auch nach Wunsch einstellen – hier wurde an den Anwender gedacht.

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Natürlich kann man sich dann auch alle Jobs anzeigen lassen, die man bereits abgeflogen hat, oder hat abfliegen lassen.

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Die Eckdaten aller Flugzeuge lassen sich aber unter Optionen anpassen – ein wichtiges Menü, da man auch hier neu installierte Flugzeuge aus dem FSX importieren lassen kann. Hier muss man sich also nicht sorgen, dass man auf sein liebstes Stück verzichten muss und nur noch Standard-Flieger fliegen kann.

Ebenso sieht es mit Zusatzszenerien aus – diese können ebenfalls importiert werden und machen in der Regel auch keine Probleme. Es gibt aber Ausnahmen! Gerade bei Wasser-Landeplätzen oder “sloped” Runways gibt es dann Probleme mit Air Hauler. Im schlimmsten Fall kann es so ausgehen, wie es mir im FS9 und Tongass erging, dass ich mit meiner Beech 200 am Zielort ankomme und da feststelle, dass es entgegen dem Mission Briefing in Air Hauler doch keine feste Runway gibt. Nunja, flux improvisiert und die Kiste auf eine Landstrasse neben dem “Flugplatz” gesetzt und der Job wurde als erledigt anerkannt – Glück gehabt.

Hat man sich aus der Vielzahl der Aufträge nun einen herausgesucht und möchte diesen abfliegen, geht es zum

Fliegen eines Jobs

Hier gibt es im Prinzip zwei unterschiedliche Startmöglichkeiten: Einmal kann ich aus Air Hauler heraus direkt den Job starten und die Maschine am Ausgangsort positionieren lassen. Szenerie und Flugzeug und Beladung werden direkt geladen. Dieses Prozedere emfpiehlt sich aber meines Erachtens ausschließlich für Standard-Flugzeuge (übrigens stellt man mit der Zeit fest, dass die Standard Caravan gar nicht so schlecht ist …).

Für AddOns ist der zweite Weg besser geeignet. Hier bereitet man die Abarbeitung des Jobs in Air Hauler vor, startet dann aber manuell den gewünschten Flugsimulator, lädt Szenerie, Addon und Wetter, wie man es wünscht und prüft dann, dass sich Air Hauler und Flusi miteinander “connecten”. In diesem Fall wird dann eigentlich nur die Position aus dem Flusi übermittelt – die Gelegenheit mal so richtig zu bescheißen. Doch hier sollte sich der entsprechend geneigte Nutzer fragen, was er davon hat. Ja, so kann ich auf einmal für Air Hauler mit einer Cheyenne unterwegs sein, aber tatsächlich gerade mit einer Condorde über den Atlantik jetten. Meines Erachtens ist dieses Schlupfloch nicht tragisch, da sich der User in dem Moment selbst etwas in die Tasche lügt und den Sinn und Zweck des Addons ohnehin nicht kapiert hat. Man darf dieses Schlupffloch auch dem Entwickler meines Erachtens nicht ankreiden, da er eine gewisse Offenheit bei der Programmierung zulassen muss, damit man eben AddOns nutzen kann.

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Das Monitoren des Fluges ist sehr unaufdringlich – ganz zu Beginn meldet sich Air Hauler, dass die Maschine beladen werden möchte (dafür müssen die Motoren aus und die Tür auf sein) und dann werden nur kurz die einzelnen Flugphasen angekündigt (Taxi, Enroute und Landing). Hat man einen Flug erfolgreich abgeschlossen und die Fracht am Zielort abgeladen, erfolgt ein kleines Debriefing und der Flug wird verbucht.

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Wer mehrere Assignments hinter einander fliegt, sollte höllisch aufpassen, dass auch immer alles korrekt von Air Hauler registriert wird. Heute morgen wollte ich bspw. in Interlaken, LSMI, Fracht abholen und nach Chambéry, LFLB, fliegen. Sah alles prächtig aus und beim Ausladen in Chambéry stelle ich dann fest, dass der Flug zwar registriert wurde, aber nicht, dass ich vor dem Start die Fracht eingeladen hatte.

Also stand der ganze “Rotz” noch in LSMI und mein Flieger mit mir als Pilot in LFLB. Es half nichts – also einmal LFLB – LSMI fliegen und den Kruschel abholen.

Möchte ich das dem Programm ankreiden? Nein, nicht vollständig. Ich bin nicht ganz glücklich über den Umstand, dass das passieren kann, realisiere aber auch, dass man bei einer realen Ops einfach eine gewisse Sorgfalt walten lassen muss. Ich kann nicht ausschließen, dass der benannte Fehler nicht auch mein eigener war. Ich lebe mit einem anderen Eindruck, aber der kann ja manches Mal trügen bekanntermaßen.

Um das Thema Sorgfalt noch weiter abzugrasen: beim ersten Anlauf nach LSMI zu fliegen, habe ich mit dem Autopiloten der Cheyenne gekämpft, der nicht das tat, was er hätte meines Erachtens tun sollen. Ergebnis: ich war dann letztlich zu schnell unterwegs und deswegen die Flaps im Sack – also eine Ehrenrunde drehen, 13,000€ für die Reparatur in den Wind schießen und nächster Versuch. Der hat dann auch endlich geklappt. Wie gesagt, mangelnde Sorgfalt (oder klar formuliert: Schlampigkeit) hat ihren Preis.

Macht der Flusi unterwegs Zicken (bspw. Absturz wegen OOM) kann das auch unglücklich enden. Im schlimmsten Fall merkt sich Air Hauler dann die letzte Position und die Maschine steht irgendwo in der Pampa. Hier muss man dann Wohl oder Übel in den sauren Apfel beißen und die Maschine gegen horrende Transport-Kosten an den nächsten Flughafen bringen lassen. Aber auch diesen Aspekt kann man Air Hauler nicht ankreiden.

Man kann aber auch einen Job dann abbrechen und später neu am Ausgangsort anfangen. Das war zum Beispiel gut, als es mir eine Maschine im Flug zersägt hat, weil die Windumstellung von Active Sky sehr drastisch war und die geflogene Maschine sehr empfindlich und ohnehin schon nahe der Maximalgeschwindigkeit unterwegs. Die Zeit zum Reagieren langte nicht mehr und ohne Spoiler bremst es sich schlecht, also hat es die Maschine zerlegt und ich schnell den Job abgebrochen. Ärgerlich aber besser als irgendwo in der Pampa landen.

Verwalten der Cargo Airline

Wenn man es zu etwas bringen möchte, ist ein bißchen Administration angesagt.

Es gibt vier zentrale Aspekte zu verwalten: Flugzeuge, Aufträge, AI Crews und die Finanzen. Dafür stehen jeweils auch entsprechende Masken zur Verfügung. Zu den Aufträgen wurde ja bereits genug gesagt – bleiben die anderen 3 Aspekte.

Flugzeuge

Wie bereits angesprochen, kann man sich seine Lieblings-Addons aus dem Flusi auch in Air Hauler importieren, um mit diesen dann Aufträge abzufliegen. Prinzipiell stehen hier drei Wege zur Verfügung, wie man an neue Flieger kommt: einen neuen Flieger kaufen oder eben leasen, oder ein gebrauchtes Modell erstehen. Beim Leasen ist neben der monatlichen Gebühr auch noch eine “Sonderrate” zu entrichten. So ging anfangs auch mein Plan baden, mir schön eine ATR72 zu leasen und dann schön Fracht quer durch Europa zu schippern. Die geforderten 1,7 Mio Euro hatte meine Firma zu dem Zeitpunkt nicht auf dem Konto.

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Weiterhin ist zu den Fliegern zu sagen, dass sich ihr Zustand verändert – eine komplexe Fehlersimulation steckt nicht dahinter, aber man sollte den Zustand der Flieger dennoch im Auge behalten. Ferner sind, wie in der Realität, in regelmäßigen Intervallen Wartungsereignisse fällig. Schade ist, dass der Flieger dann nicht für einen bestimmten Zeitraum inoperabel ist. So musste ich zum Beispiel bei der angesprochenen Reparatur der Flaps “nur” 13,000€ berappen, konnte aber gleich weiterfliegen. Ein Wunschtraum für die reale Ops …

Bei den gebrauchten Modellen hatte ich bisher das Problem, dass ich da meine Addon Flieger habe noch nicht auftauchen sehen, aber das ist sicherlich nur eine Frage der im Spiel vergangenen Zeit.

Zurück zum Wunsch nach der ATR72. Die Lösung heißt hier also entweder selber fliegen bis zum Abwinken, oder eben AI Cews.

AI Crews

Es ist prinzipiell möglich, fliegendes Personal anzuheuern. Erfreulich für den Geldbeutel ist, dass unabhängig vom Muster pro Flieger nur ein Pilot notwendig ist. Grundlage ist allerdings, dass man eine gewisse Reputation erarbeitet hat, ansonsten ist nichts mit Personal anheuern. Im Easy Modus geht das zum Glück von vorne herein – wer in einem schwereren Modus anfänngt, muss erstmal selber ran.

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Die Reputation baut sich übrigens durch die pünktliche Abarbeitung von Aufträgen ab. Wer wie ich anfangs schludert und Aufträge zu spät abliefert, der bekommt gnadenlos Punkte abgezogen. Erschreckender Weise geht es mit dem Ruf schneller bergab, als bergauf – hier sollte man also solche Fehler auf ein Minimum reduzieren.

Noch ein Aspekt, der animiert selbst zu fliegen und nicht alles durch sein Personal erledigen zu lassen: die AI Crews können keine Plus-Punkte sammeln, was die Reputation angeht. Minus-Punkte für zu späte Auslieferung der Aufträge allerdings schon …

Im schlimmsten Fall und auch wenn man vergißt sein Personal zu bezahlen, läuft einem irgendwann selbiges davon. Also aufpassen!

Was mir hier noch fehlt sind notwendige Pausenzeiten – man kann sein Personal schmerzbefreit auf Tour schicken, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Das sollte meines Erachtens noch geändert werden

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Finanzen

Auch hier kann man wieder den Grad des Pflegeaufwandes selbst bestimmen. Als erstes sollte man die Grundregel der Betriebswirtschaft beachten, dass die Einnahmen im Mittel immer höher als die Ausgaben sein sollten (macht sich einfach besser). Das zu verfolgen ist recht einfach und unkompliziert möglich.

Wer es komplizierter haben möchte, kann dann auch noch den Aktienhandel betreiben.

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Spaßfaktor

Also ich muss sagen, dass mir Air Hauler sehr gut gefällt. Je nachdem, wie ich das Programm nutze, kann ich alle Jobs selber fliegen, oder ganz von der Pieke anfangen (Szenario mit der C172), oder eben Air Hauler quasi zu einer Art Wirtschaftssimulation “verkommen” lassen und nur noch AI Crews fliegen lassen. Das lässt einem natürlich die Möglichkeit sich die schönsten Jobs herauszusuchen und den Rest, zum Geld verdienen, von den AI Crews abfliegen zu lassen.

Wem das alles noch nicht genügt, der kann sich auf dem Air Hauler Portal registrieren und dort vergleichen, wo man mit seiner Cargo Klitsche so steht.

Insgesamt denke ich, dass es viele verschiedene Aspekte in Air Hauler gibt, die die Motivation lange erhalten können. Es ist wie so oft mit dem Flusi – fängt man regelmäßig an, sich darum zu kümmern und sieht, wie das Unternehmen langsam aber stetig wächst, stellt sich eine sehr angenehme Zufriedenheit ein.

Schön finde ich, dass man bei Air Hauler selbst beeinflussen kann, wie viele Einsätze man fliegen möchte. Man kann auch sehr weit kommen, indem man AI Crews einen Haufen Aufträge fliegen lässt und sich dann die Rosinen heraussucht.

Fazit

Mein Fazit zu Air Hauler fällt positiv aus. Viele Aspekte ermöglichen dem Simmer lang anhaltenden Spielspaß. Es gibt zwar auch hier und da Momente, wo man in das Keyboard beißen könnte, weil Air Hauler mal etwas nicht so macht, wie man will, aber in meinem Fall war das in 75% der Fälle mein Verschulden und beim Rest kann man die Applikation alleine nicht dafür zur Verantwortung ziehen. Wie immer, wenn Programme über Schnittstellen arbeiten/kommunizieren müssen, kann es an selbigen mal knirschen oder knallen.

Dennoch ist Air Hauler aus meiner Sicht sehr solide programmiert und wer auch nur ein paar Funken Phantasie zusammen bringt und an einer Wirtschaftssimulation Freude findet, findet in Air Hauler eine schöne Verbindung von beidem – Wirtschaftssimulation und Flusi fliegen.

Dadurch, dass einem bei der Wahl des Musters und auch des Einsatzgebietes keine Grenzen gesetzt werden, kann man wo auch immer man möchte entfalten, oder fängt in einer Ecke der Welt an und macht irgendwann eine zweite Basis wo ganz anders auf. Ich fange zum Beispiel gerade an auf den Grenadinen mit zweites Standbein mit einer Twotter und einer Twinkie (Piper Twin Commanche) aufzubauen. Deshalb muss ich jetzt schließen – der nächste Auftrag wartet …

Pro

Contra

  • Preis / Leistung
  • Simulationstiefe
  • Langzeitmotivation
  • unterschiedliche Ausgangs-Szenarien
  • Demo Version
  • auf Cargo Ops beschränkt
  • Kleinigkeiten, die realitätsnäher programmiert sein könnten

Informationen

Testsystem

  • AMD Athlon 6000+
  • 4 GB DDR2
  • NVidia GF 8800 GT 512 MB
  • Windows 7 64 Bit


Ingo Voigt

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