Review: A2A Stratocruiser

Nicht schön, aber selten war so mein erster Gedanke, als ich von der Veröffentlichung der B377 Stratocruiser von A2A Simulations (ehemals Shockwave) gelesen habe. Ich habe mir damals das Modell gleich zugelegt (samt Accusim-Pack) und schon nach der ersten (versuchten) Platzrunde im Sim war klar – das Ding muss einer vorstellen. Umso mehr freute es mich, dass Oskar Wagner sich fast gleiczeitig bei mir meldete, dass er eine Rezension von der schwangeren Guppy schreibt. Aber lest selbst warum …

Review A2A Boeing B377 Stratocruiser mit Accu-Sim-Pack

“Captain, our turbos are working a little too hard….”. Hm, ich weiss, wir brauchen im Moment jedes PS um über die Gewitterfront zu steigen. Nur noch ein paar Minuten…

„Sir, turbocharger failure… !!” Rumms, da haben wir den Salat. Hätte ich doch … wäre ich doch …..

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So kann’s gehen, wenn man mit der neuen Boing B377 Stratocruiser von A2A inkl. Accu-Sim Pack unterwegs ist. Doch erst mal alles der Reihe nach. Die B377 Stratocruiser war eines der grössten und modernsten Langstreckenflugzeuge der frühen 50er Jahre. Sie wurde aus dem berühmt-berüchtigten B29 Bomber abgeleitet, wobei einzelne Baugruppen wie Flügel und Seitenleitwerk praktisch unverändert übernommen wurden. Motorenseitig wurden die sehr heiklen und brandgefährlichen Wright R3350 18-Zylinder Doppelsternmotoren durch die damals stärksten auf dem Markt vorhandenen Motoren, die Pratt & Whitney R4360 28-Zylinder Wasp Major ersetzt. Dies resultierte in einer Reisgeschwindigkeit um die 500-550 km/h und einer Reichweite von gegen 6000 km, was je nach Windverhältnissen auch für eine Direktverbindung New York-London reichte. Obwohl sie leistungsmässig mit der Super Connie und DC 7C mindestens gleichziehen konnte und eine viel geräumigere Kabine besass, war ihr kein grosser Verkaufserfolg beschieden.

Dieses Schicksal dürfte die Stratocruiser von A2A nicht erleiden. Der Download ink. Accu-Sim Pack ergibt zwei Files mit total 250 MB ungezippt für € 40.48 und die Installation erfolgt problemlos, wie sich das für ein Payware-Addon gehört. Nicht zu vergessen das SP1, das direkt von A2A heruntergeladen werden kann und ca. 140 MB ‚schwer’ ist. Es Umfasst Korrekturen und Neuerungen sowohl für die Stratocruiser als auch für das Accu-Sim Pack. Neben den 5 Standard-Liveries gehört zum Lieferumfang auch die „Pregnant Guppy” Variante, eine Modifikation der B377 zum Transport der dritten Stufe der Saturn 5C Mondrakete sowie – wenn ich mich recht erinnere – auch für Airbus-Baugruppen. Es gilt allerdings schon bei der Installation festzulegen, ob man sich mehr für die amerikanische oder die englische Variante des Flight Engineers entscheiden will. Der Unterschied äussert sich sehr markant in einem dezidiert nasal gesprochenen „Thööbou” anstelle der eher kaugummibetonten amerikanischen Variante für einen Turbo. Leider muss man wieder die Installationsroutine von Accu-Sim aufrufen, um den Flight Engineer auszuwechseln, falls man stilgerecht von den B.O.A.C Maschinen auf den PanAm Clipper umsteigen will. Eine doppelte Installation der Sprachfiles mit einem einfachen Schalter innerhalb des Programms wäre wohl die komfortablere Lösung gewesen. Aber es geht auch so einigermassen bequem.

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Eigentlich wollte ich die Rezension schon ein paar Wochen früher schreiben, aber die Aussicht auf das SP1 mit doch massiven Verbesserungen sowie etlichen kleineren und grösseren Fehlerkorrekturen liess mich noch etwas Geduld üben. Das – wenngleich auch sehr lange -Warten hat sich definitiv gelohnt, denn mit dem SP1 sind noch einmal etliche Erweiterungen dazugekommen und es ist ein (noch) realistischerer Betrieb möglich. Superlative sind an dieser Stelle durchaus richtig am Platz.

Bei diesem Flugzeugmodell oder besser – bei dieser Modellkombination – fällt es mir schwer, die Systematik in der Rezension beizubehalten, zuviel ist „einfach anders”….. Ich muss aber an dieser Stelle auch fairerweise betonen, dass ich die Variante OHNE Accu-Sim Pack sehr wenig geflogen habe; ganz einfach, weil für mich diese Kombination eine ideale Ergänzung zu der Komplexität des Flugzeuges bildet. Ich will es aber trotzdem versuchen und beginne beim

Handbuch

Das über 120-seitige Handbuch ist recht schön gemacht und unbedingt – wie üblich – als Lektüre zu empfehlen. Darüber hinaus gibt es auf der A2A-Website noch ein PDF über Accu-Sim, was dem technisch weniger Begabten noch ein paar weitere Eindrücke vermitteln kann. Auch dieses sollte man sich zu Gemüte führen, sind darin doch die wesentlichen Eigenschaften der Accu-Sim Philosophie beschrieben. Das Handbuch der B377 lässt aber bei der Systembeschreibung ab und zu einige Lücken erkennen. Darauf angesprochen, haben sich die Entwickler von A2A ein bisschen widersprochen. Es ist schon etwas sinnwidrig, auf die detaillierte Beschreibung einiger Systeme mit dem Hinweis zu verzichten, dass man es dem Simmer nicht zu schwer machen wollte, andererseits tut man mit dem Accu-Sim Pack genau das Gegenteil….. Aber immerhin ist es sehr umfangreich bebildert und enthält ziemlich detaillierte Checklisten. Neben den Checklisten sind aber nur einige wenige SOP’s (Standard of Performance = modern ausgedrückt Procedures) vorhanden. Sonst bleibt es bei den manchmal mehr, manchmal weniger detaillierten Systembeschreibungen. Die Bedienung der Druckkabine z.B. fehlt komplett. Nun ja, grundsätzlich kann man dem Handbuch trotzdem noch eine überdurchschnittliche Note geben.

Da sich mit dem SP1 doch noch einige Änderungen, Erweiterungen und Verbesserungen ergeben haben, wird hierzu ein zusätzliches Handbuch mitgeliefert.

Aussenmodell

Die B377 hat nicht die elegante Silhouette einer DC 7 oder gar einer Super Conny. Sie wirkt auf ihre Art zwar bullig, aber doch irgendwie imposant und nicht unelegant. Das Aussenmodell ist sauber gemacht, die Standard-Texturen, die mit dem SP1 nochmals überarbeitet wurden, sind schlicht sensationell. Es wurde sogar auf solche Details wie verschiedene Propellerblatt-Formen je nach Propellertyp sowie auf je nach Kundenwunsch runde oder eckige Fenster geachtet. Sogar die unterschiedlich grossen Propeller bei der ‚Pregnant Guppy’ wurden nicht übersehen.

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Dies ist eine Detailtreue, die man sehr selten antrifft und die an sich schon das ganze Flugzeug in eine eigene Klasse hebt. Dass sogar die Pneus durch die Belastung abgeflacht werden, wird zwar nicht unbedingt wahrgenommen, da man ja in der Regel woanders hinschaut als auf die Räder, ist aber wiederum ein Anzeichen von ganz besonderer Detailverliebtheit der Entwickler. Selbstverständlich öffnen sich die Kühlklappen der mächtigen PW 4360 und wenn man in den Ram-Air Scoop schaut, sieht man sogar, wie die Shelter-Flaps den Ram-Inlet verschliessen.

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Und falls man die Motoren unbedachter weise etwas zu lang im zu tiefen Leerlauf lässt, melden sie sich mit hässlichen Qualmwolken, die auf beginnende Kerzenverrussung hinweisen. Nun ja, auch der Bordmechaniker bemerkt dies und gibt ebenfalls seinen Kommentar dazu ab. Auch Kabinen- und Frachttore gibt es – einzeln – zu öffnen und sogar die Schiebefenster der Piloten sind da keine Ausnahme. Mit SP1 ist noch eine Passagiertreppe dazugekommen, die ans Flugzeug fährt, sobald die Motoren abgestellt sind und die Passagiertüre geöffnet wird. Ach ja, und wer das Flugzeug über Nacht hangarieren will und keinen Hangar mit der notwendigen lichten Höhe für das riesige Seitensteuer findet, klappt ganz einfach das Seitensteuer ab. Auch das gab’s beim Original, also warum nicht auch hier? Die Jungs von A2A haben wirklich an alles gedacht. Als i-Tüpfelchen sind natürlich auch noch die Redux-Lichter von A2A integriert, die ohnehin schon eine ganz besondere Atmosphäre verströmen.

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Das Cockpit

Was sich an Detailtreue am Aussenmodell bereits manifestiert hat, geht auch im Cockpit im gleichen Stil weiter. Auf ein eigentliches 2D Cockpit wurde verzichtet. An seine Stelle treten sogenannte 2D-Panel, über die eine Menge wichtiger Schalter betätigt werden können, ohne dass dabei im ganzen Cockpit herumgeschwenkt werden muss. Seit SP1 können auch die NAV-und COM Frequenzen über ein solches zusätzliches Panel eingestellt werden, was für die Online-Fliegerei sehr praktisch ist. Eines der Panels enthält auch die wichtigsten Daten über T/O-, Climb- und Cruise Power und zeigt die kritischsten Werte für Zylinderkopftemperatur und Turbo-Lagertemperatur an. Und ganz nebenbei laden diese Panels auch zum Schummeln ein, kann doch der AccuSim-Teil ganz einfach abgeschaltet werden. Aber das habe ich jetzt nicht gesagt ….

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Diese Panel haben eine individuell einstellbare Transparenz, sodass sie an beliebiger Stelle platziert werden können, ohne die Sicht komplett zu verdecken. Eine eigenwillige, aber nicht ganz unpraktische Methode. Sie enthalten im weiteren auch die gesamte real-time Loadplanung und Fuel-Verteilung. Endlich wieder einmal ein Hersteller, der zeigt, wie es gemacht werden kann und sich nicht hinter Ausreden über die Unzulänglichkeiten des FSX versteckt.

Im wohl einmaligen Panorama-Cockpit mit 19 Fenstern verteilt sind die damals üblichen 4 Sitze für Kapitän, Copilot, Bordmechaniker und Navigator. Jeder hat sein eigenes Blickfeld im VC. Es lohnt sich hier durchaus, einmal von jeder Sitzposition auszuprobieren, welche Teile der Instrumentierung sowie der Bedienungselemente man überblicken und erreichen kann. Es erspart einem dann im Flug viel Zeit wenn man sie eh nicht hat…..

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Eine – funktionierende – Defroster-Anlage ist ebenso vorhanden wie – funktionierende – Scheibenwischer. Muss ich da noch erwähnen, dass sich die Scheiben tatsächlich auch beschlagen, (eine sehr unangenehme Eigenart des Originals wegen seiner ungewöhnlich grossen Fensterfläche) wenn man vergisst, den Defroster einzuschalten?

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Also auch hier laufe ich Gefahr, zu viele Superlative zu verwenden um der Beschreibung auch nur einigermassen gerecht zu werden. Die Instrumente sind echt dreidimensional und müssen den Vergleich mit den führenden VC-Cockpits in keiner Weise fürchten. Da es sich bei diesem Modell ja noch um einen richtigen „Uhrenladen” handelt, fällt diese Detailtreue bei den Instrumenten doppelt ins Gewicht.

Die Flugdynamik

Um mich kurz zu fassen: Sie fliegt sich „wie ein nasser Sack”, wie man in der Fliegersprache sagen würde und ich denke, damit sind die wirklichen Eigenschaften gut bis sehr gut getroffen. Flugzeuge dieser Generation wurden noch wirklich „von Hand” geflogen, auch wenn in diesem Modell bereits ein Rudder-Boost System zur Unterstützung der grossen Seitenruderkräfte zur Anwendung kommt. Höhen- und Querruder sind rein manuell zu betätigen. Da kann man keine allzu grosse „Lebendigkeit” erwarten. Trotzdem ist die Wirksamkeit der Steuer sehr gut ausgeglichen. Das Ballooning der Flaps wird zum Teil durch eine einfache Vorrichtung reduziert. An beiden Höhenrudern befinden sich Trimtabs. Einer davon wird rein mechanisch durch die Landeklappen verstellt und liefert so eine teilweise Kompensation der Auftriebsmittelpunktverlagerung. Der andere Tab wird für die konventionelle Trimmung verwendet.

Die Systeme

Jetzt wird’s ein bisschen knifflig. Eine Systemtiefe, wie man sie sich von modernen Flugzeugen gewohnt ist, muss man hier ein bisschen anders definieren – aus dem einfachen Grund, weil es eigentlich nur ‚einfache’ Systeme gibt. Ausser den Standard-Systemen Elektrik, Hydraulik, Fuel und Druckkabine gab’s ja zu dieser Zeit nicht gerade viel. Kommt noch dazu, dass man navigatorisch ebenfalls in die 50-er Jahre zurückversetzt wird. VOR und ADF gibt’s zwar bereits, aber schon beim DME ist Fehlanzeige. Da muss die gute alte Stoppuhr wieder her! Immerhin gibt’s aber auch schon einen ILS-Crosspointer, damit man bei allzu schlechter Sicht nicht vollkommen aufgeschmissen ist.

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Nun ja, der Navigator ist ja auch noch da und er hat so etwas wie eine Moving-Map. Aber das finde ich dann schon wieder fast geschummelt…..

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Nun, eines muss hier trotz allem noch gesagt sein. Auch einige der ‚einfachen’ Systeme sind ihrerseits weiter vereinfacht oder etwas abgeändert worden. Der Grund dafür liegt aber nicht etwa in der Faulheit der Programmierer, sondern ganz einfach in der Tatsache, dass das Flugzeug mit allen Systemen 1:1 ganz einfach nicht mehr im Simulator fliegbar wäre. Man darf nicht vergessen, dass es zu dieser Zeig so gut wie keine Automatismen gab und jeder einzelne Schalter und Knopf zur richtigen Zeit betätigt werden musste und sich in den fliegerisch anspruchsvollen Phasen drei Leute die Arbeit im Cockpit teilten, abgesehen davon dass der Navigator den Piloten noch die Arbeit, sich im Lufttraum zurechtzufinden, abnahm sowie meistens auch noch den Sprechfunk übernahm. Die würde den Rahmen jeglichen Flugsimulators sprengen. Aber glaubt mir, die Stratocruiser ist in ihrer derzeitigen Form schon eine ganz schöne Beschäftigungstherapie…..

Oh, natürlich gibt es auch noch ein komplettes (funktionsfähiges – was anderes war nicht zu erwarten) Feuerlöschsystem und viele Schalter und Anzeigen für die Motorenbedienung. Einen Motor richtig abzustellen und den Feuerlöscher auf den richtigen Motor zu leiten, braucht auch schon etwas mehr als nur einen Kopfdruck. Dabei sollte man nicht ausser Auge lassen, dass man insgesamt nur zwei Löschversuche hat. Es wäre also schade, den ersten Schuss aus Unachtsamkeit auf den falschen Motor loszulassen…

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Mit dem SP1 wurden zwei Hauptsysteme, das Ölsystem und das Fuelsystem komplett überarbeitet und damit auf einen Stand gebracht, der seinesgleichen wiederum sucht. Das Fuelsystem entspricht nun weitestgehend dem Original und es braucht schon ein paar Überlegungen, wie man den vorhandenen Treibstoff am besten steuert, um nicht plötzlich den ‚sterbenden Schwan’ zu provozieren….. Damit man auch im Winter seinen Spass am FS haben kann, wurde das Ölverdünnungssystem soweit perfektioniert, dass der Kaltstart nicht nur zur zeitaufwändigen Übung wird, sondern eben das Verdünnungssystem auch ein unabdingbarer Checklistenpunkt ist, um man überhaupt in die Luft zu kommen. Allerdings ist auch dieses System so adaptiert worden, dass es in der Anwendung im FS Sinn macht. Im Original arbeitet das System anders. Nein, ich weigere mich, darauf hinzuweisen, dass man die Motoren auch mit CTRL-E starten kann …..

Tja, also ein „gewöhnliches” Flugzeug mit „gewöhnlichen” Systemen? Mitnichten! Es gibt wohl fast keinen Schalter, der nicht wirklich seine Funktion bewirkt und wer sich schon einmal mit grossvolumigen Flugzeugmotoren befasst hat, weiss wie heikel diese in der Handhabung sind. Und da liegt wohl die grosse Herausforderung für den Piloten. Wer sich mit dem Motoren-Handling der Default-Baron schon schwer tut, ist bei der Stratocruiser fehl am Platz. Ok, man kann natürlich einfach wie üblich mal Vollgas geben und dann irgendwann gefühlsmässig ziehen und die Stratocruiser wird sich wohl auch gelegentlich majestätisch in die Lüfte erheben. Wer sich auf diesem Level mit diesem Flugzeug auseinandersetzt, hat aber sicherlich eine Fehlinvestition getätigt. Solange man ohne Accu-Sim fliegt, passiert auch nicht viel, aber der Spass hält sich in Grenzen. Alle Motorenparameter sind natürlich jenseits von gut und böse, aber man kann sich auf diese Weise eine richtige Hochleistungs-Stratocruiser hinzaubern, die sämtliche Rekorde bricht, ohne dass irgendwas kaputt geht.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Man kasteit sich selbst und versucht, alle Parameter so genau wie möglich einzuhalten. Das ist zwar schon eine gewisse Herausforderung, aber man wird nicht eigentlich dafür belohnt, dass man das Flugzeug so schonend fliegt. Die zweite Möglichkeit heisst ganz einfach:

Accu-Sim

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Hier wurde ein Add-On zum Add-On geschaffen, das in dieser Art bisher einzigartig ist. Es gibt zwar bei andern Add-Ons schon Copiloten, die einen mit ihrer dauernden Quasselei nerven, oder Passagierspiele, die so was wie eine richtige Linienflug-Atmosphäre erzeugen sollten. Aber hier wurde wohl noch um den entscheidenden Schritt weiterentwickelt. Das Accu-Sim Pack (Accuracy-Simulation, frei übersetzt: Echtheits-Simulation) setzt auf die Boeing auf und vermittelt in allen fliegerischen und technischen Belangen die Überwachung durch den Bordmechaniker und den Copiloten, wie sie in dieser Zeit üblich war. Und man kommt aus dem Staunen nicht heraus, was die tüchtigen Mannen alles bemerken und zuerst dezent, aber bei mangelnder Reaktion etwas energischer anmahnen. Und – man tut gut daran, die Ratschläge und Anweisungen zu befolgen, sonst passiert eben das, was in der Einleitung schon beschrieben wurde. Es ist nicht ganz einfach, den Unterschied zu einem herkömmlichen Add-On zu beschreiben. Am einfachsten geht es wohl so: Es ist alles ganz einfach anders …. Nein, im Ernst: das Flugzeug richtig zu bedienen, erfordert einiges an Aufwand und Vorbereitung. Der Lohn dafür ist ein erfolgreich durchgeführter Flug von A nach B, was bei diesem Flugzeug nun mal nicht so ohne weiteres als selbstverständlich angenommen werden darf. Hat man es endlich geschafft, einen Flug ohne einen einzigen Fehler und somit auch ohne nennenswerten Schaden durchzuführen, so darf man sich getrost auf die Schultern klopfen. Ach ja, es lohnt sich bei längeren Flügen durchaus, mal auf die Ölreserve zu schauen. „Öl nachfüllen und Benzin kontrollieren” war bei diesen Motoren durchaus nicht als Witz gedacht. Aber mehr will ich hier nicht verraten, nur das eine: Der Ölverbrauch ist tatsächlich richtig modelliert, auch wenn er noch so unwahrscheinlich erscheint…. Es sind aus dieser Zeit tatsächlich Flüge dokumentiert, die eine Zwischenlandung nicht etwa wegen Treibstoffknappheit, sondern wegen Ölmangels erforderten !

Wer jetzt denkt, dass damit das ganze Thema „Big Radial Engines” abgehandelt wäre, irrt sich gewaltig. Als pflichtbewusster Bordmechaniker wird man am Ende des Fluges einen Maintenance Report erstellen. Dies braucht man zwar hier nicht zu tun, denn die Arbeit nimmt Accu-Sim ab. Aber es lohnt sich, mit SHIFT-8 auf diesem Maintenace Report den Zustand der Motoren zu kontrollieren.

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Dort werden die Betriebsstunden Total und seit Revision angezeigt und allenfalls bestehende kleine Mängel sowie der Allgemeinzustand beschrieben. Nun ja, so weit geht der Realismus noch nicht, dass man dann auch noch einen ganzen Tag warten müsste, um eine Motorenrevision durchzuführen bzw. einen revidierten Motor zu montieren. Dies kann man praktischerweise per Mausklick erledigen.

Flüge speichern/laden

Grundsätzlich lässt sich die B377 wie jedes andere Flugzeug aus dem GUI laden und auf irgend einen Flugplatz stellen. Dabei werden die Betriebsstunden und der Motorenzustand immer nachgeführt. Dies allerdings einheitlich für die gesamte B377 Flotte, unabhängig von der verwendeten Textur. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass sonst noch ein erheblicher Mehraufwand nötig gewesen wäre, um für jede Texturvariante noch einen eigenen Maintenance Report zu erstellen, nicht zu vergessen auch noch für jede neu dazukommende Textur. Das wäre dann wohl des Guten zuviel verlangt. Nur die „Pregnant Guppy” hat auch einen eigenen Betriebszustand gespeichert, weil sie ein eigenständiges Modell ist.

Richtig Spass macht das Laden des Flugzeuges aber erst, wenn man den vorgängig gespeicherten Zustand wieder erstellen kann. Dies funktioniert wirklich perfekt, sofern man sich an die im Zusatz-Handbuch angegebenen Regeln hält. Diese besagen nämlich, dass ein Flug NIE direkt aus dem GUI geladen werden darf. Es muss immer zuerst ein beliebiger Flug (am besten mit einem Default Flugzeug) geladen werden und dann AUS DEM LAUFENDEN FSX über das Menu „Flüge/laden” der gewünschte B377 Flug ausgewählt werden. Der Grund dazu liegt aber nicht etwa bei A2A, sondern beim FSX, der beim Laden gespeicherter Flüge aus dem GUI ein paar Daten mit Default-Werten überschreibt!

Fazit

Ein Flug mit der Boeing 377 Stratocruiser begonnen mit einem cold-and-dark Cockpit und ebenso nach erfolgreicher Ankunft beendet, unterscheidet sich wesentlich von allem, was man bisher im FS gekannt hat. Ich erachte die Kombination Stratocruiser/Accu-Sim Pack als unbedingte Notwendigkeit. Nicht dass man ohne das Accu-Sim Pack nicht ebenso gut fliegen könnte, aber die Überwachung der eigenen Leistung sowie aller Motorenparameter ist eben schon eine weitere Herausforderung. Natürlich ist die eine oder andere Funktion auch schon bei anderen Add-Ons zu sehen, aber als Gesamtpaket ist die A2A Stratocruiser/Accu-Sim wohl im Moment einmalig. Wer sich mit dem Lesen von Handbüchern und Checklisten schwer tut, ist definitiv fehl am Platz. Wer einfach mal so rasch von A nach B fliegen will, ebenfalls. Wer sich aber mit der Problematik der letzten Hochleistungs-Kolbenmotorflugzeuge auseinandersetzen will und die nötige Zeit dazu aufwendet, wird mit vielen erlebnisreichen Flügen belohnt. Hier bewahrheitet sich wohl auch im FS das alte Sprichwort: „Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiss gesetzt!”

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PRO CONTRA
  • Alles

  • Nichts

INFORMATION TESTSYSTEM
  • Entwickler: A2A
  • Herausgeber: simMarket
  • Homepage:
  • Preis: 23,99€ (Stratocruiser) im simMarket
    16,49€ (AccuSim Paket) im simMarket
  • 2 x Intel Core 2 Duo Extreme QX9775 3.2 GHz
  • 8 GB RAM
  • 2x GeForce 9800 GT2, 1024MB (non SLI)
  • Windows Vista Ultimate 64 Bit

Oskar Wagner

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