REVIEW: LatinVFR A340-300

Der Flieger mit 5 APUs, er ist uns allen bekannt, wurde nun von LatinVFR im in-game Marketplace des MSFS 2020 veröffentlicht. Was bringt er mit? Was kann er und was kann er nicht? Und lohnt sich ein Kauf? Das alles klären wir hier in diesem Kurz-Review. Los geht’s!

Das reale Vorbild

Der Airbus A340-300 ist ein Langstreckenflugzeug, das von Airbus entwickelt wurde und erstmals im Jahr 1991 in Dienst gestellt wurde. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des A340-200 und verfügt über eine größere Reichweite und Kapazität. Der A340-300 hat eine maximale Reichweite von etwa 13.700 km und kann bis zu 295 Passagiere in einer typischen Drei-Klassen-Konfiguration befördern.

Insgesamt wurden 218 Exemplare des Airbus A340-300 produziert, bevor die Produktion im Jahr 2008 eingestellt wurde. Zu den wichtigsten Betreibern des A340-300 gehören Fluggesellschaften wie Lufthansa, Air France, Singapore Airlines und Virgin Atlantic. Viele dieser Flugzeuge wurden inzwischen ausgemustert oder durch modernere Modelle ersetzt.

A340-300 der Lufthansa (Quelle: unsplash.com)

Heutzutage sind noch einige Airbus A340-300 in Betrieb, vor allem bei kleineren Fluggesellschaften oder als Charterflugzeuge. Neben diesen Airlines betreibt die Lufthansa Group auch noch einige Exemplare bei Lufthansa, Swiss und Edelweiss. Einige Betreiber haben ihre A340-300 auch für Frachtflüge umgerüstet. Trotz seiner Beliebtheit in den 1990er und 2000er Jahren wird der A340-300 aufgrund seines höheren Treibstoffverbrauchs und der geringeren Effizienz im Vergleich zu neueren Flugzeugmodellen zunehmend ausgemustert.

Die Umsetzung im Sim

Wir starten hier zunächst mal mit einer Art Steckbrief wo nochmals alle Informationen über den Flieger kurz und bündig aufgeführt sind:

  • Modell: Airbus A340-300 mit CFM56-5C
  • Entwickler: LatinVFR
  • Wo erhältlich: nur in-game Marktplatz, später auch bei simMarket
  • Preis: 29,49 €
  • im Produkt inkludiert: Flugzeug an sich und 33(!) weitere Liveries

Walk-Around

Widmen wir uns zuerst dem 3D-Modell des A340. Vorweg schonmal, es ist gut und ausreichend, mehr aber jedoch nicht. Die Texturen wirken größtenteils recht scharf. Auch das Landing Gear ist gut modelliert. Dabei darf jedoch kein Fenix oder PMDG Standard erwartet werden.
Besonders die Spiegelungen am Höhenleitwerk gefallen mir sehr. Für knapp 30 € kann hier nicht groß gemeckert werden, auch wenn ein paar mehr Details sicherlich nicht geschadet hätten.
Was mir aber besonders gefällt sind die inkludierten 3D-Modelle der Treppen, High-Loader, Catering-Fahrzeuge und vieles mehr. Auch wenn diese nur statisch sind, steigern sie den Realismus enorm, besonders für non-GSX und XBox User.

Einmal Platznehmen bitte!

Nun nehmen wir die Kabine unseres Fliegers mal unter die Lupe. Zunächst einmal ist positiv zu bemerken, dass der Flieger überhaupt eine mitbringt, was sich aber heutzutage eher zum Standard entwickelt hat. Durch die vielen mitgelieferten Lackierungen prangt in diesem Fall überall der Kranich mit Schriftzug. Die Marken-Brandings ändern sich mit jeder Lackierung. Die Kabine verfügt über eine 3-Klassen Bestuhlung, welche ausreichend umgesetzt ist. Auch hier dürften es gerne mehr Details und schärfere Texturen sein. Da sich dies vermutlich negativ auf die Performance auswirken würde nehme zumindest ich ein paar Polygone weniger in Kauf.
Im untenstehenden Bild, lässt sich besonders gut ein Sitz der Businessclass mit dem Original vergleichen. Natürlich ist das keine 1zu1 Umsetzung, aber die Gemeinsamkeiten übertreffen hier die Unterschiede. Dabei ist aber zu beachten, dass bei allen Lackierungen diese Lufthansa-ähnlichen Sitze “verbaut” sind.

Ab ins Cockpit

Jetzt kommen wir zu dem Ort, wo die meisten Simmer fast den ganzen Flug verbringen: das Cockpit. Zunächst fallen die dritte MCDU, vier Thrustlevers und einige weitere Kleinigkeiten auf, die ein sehr authentisches A340-Feeling bewirken. Schaut man jedoch genauer hin, besonders auf das Overhead-Panel, wirkt alles nicht mehr ganz so realistisch. Flache, einfarbige Texturen prägen großflächig das Cockpit. Abnutzungsspuren sucht man oft vergeblich (es gibt sie, aber nur vereinzelt). Vielleicht sind wir da einfach vom Fenix Cockpit zu sehr verwöhnt? Dazu habe ich mich etwas an den Schriftarten und Schriftgrößen der Displays gestört. Sie sahen meines Erachtens nach einfach nicht stimmig und passend aus. Ich habe aber leider keine eindeutige Referenz gefunden, die das belegt.

Arbeitsplatz der Simmer 🙂

Das EFB

Beim Blick aus dem Fenster fällt aber noch etwas ganz anderes auf: ein EFB! Das geliebte Multitool aller Simpiloten ist auch in diesem Flieger vorhanden. Es ist nicht kompliziert aufgebaut und auch kein Designerstück, aber es enthält die wichtigsten Funktionen, die es für einen Flug von A nach B braucht. Folgende Funktionen sind enthalten:

  • Simbrief Integration mit Fuel & Payload Sync
  • Navigraph Charts
  • eigene Checklisten
  • Ground Page
  • T/O Performance Kalkulator
  • Panelstates
  • und ein paar wesentliche Einstellungen

Mir persönlich reicht das komplett für gewöhnliche Flüge, auch wenn man meiner Meinung nach eine andere Farbe für das EFB hätte wählen können. Dazu ist mir aufgefallen, dass beim Performance Calculator keine Flex temp errechnet wird. Es geht zwar auch ohne, doch in der Realität ist dieser Wert elementar für den Take-off.

Asobo A340 oder doch ein eigenes Produkt?

Widmen wir uns nun den Systemen dieses Vierstrahlers. Zunächst einmal will ich klarstellen, dass auch dieser Flieger auf den Asobo A320neo basiert. Natürlich wurden diverse Anpassungen, z.B. am Upper ECAM, getroffen, um dem A340 zu entsprechen. Dennoch ist die Verwandtschaft nicht zu verleugnen. Das Ganze ist also keinesfalls Study-Level. Darauf zielt der Entwickler aber auch nicht ab. Dennoch dürfte es gerne etwas mehr Systemtiefe sein. Mir sind dabei folgende Sachen eingefallen, die ich für wichtig und nicht zu komplex halte, und trotzdem nicht umgesetzt sind:

  • Chronograph (Attention getter Panel) und Stoppuhr funktionieren nicht
  • Firetest nicht funktional
  • Transponder einschaltbar, aber dauerhaft auf TA/RA gestellt
  • und einiges mehr …

Des Weiteren sind nur ca. nur ein Drittel aller Knöpfe und Schalter des Overheadpanels wirklich bedienbar. Zwar werden meist nie alle davon wirklich benötigt, es dämpft aber auf jeden Fall den Realismus, wenn man ein bestimmtes System bedienen will und dieses dann nicht funktional ist.

Trotz dessen liefert zumindest der Autopilot einen ordentlichen Job ab. Die Wegpunkte werden sauber abgeflogen, die automatische Schubregelung funktioniert einwandfrei und auch das VNAV verrichtet gute Dienste. Lediglich der Top of Descent wurde mir nur einmal kurz angezeigt, dann verschwand er wieder. Vielleicht ein Bug?

Apropos Bug, beim Zurückziehen der Schubhebel auf idle sind manchmal die Triebwerke komplett ausgegangen. Es kann theoretisch mein eigenes Hardwareproblem sein, jedoch bezweifle ich dies.

Vom Fluggefühl her wirkt der Flieger aber recht stimmig. Man merkt dem A340 seine Masse an. Jedoch wollte er beim Take-off schon vor V1 in die Lüfte, was ich nicht als 100% realistisch betrachte.

Die Sounds sind ausreichend, jedoch nicht überragend.

Fazit

Mit dem LatinVFR A340 wurde auf jeden Fall mal ordentlich Stimmung in die Flusi-Comunity gebracht. Viele hadern nun mit einem Kauf. Auch ich kann hier keine klare Kaufempfehlung oder ein Abraten vor dem Kauf aussprechen. Denn dieser Flieger kann definitiv viel Spaß mit sich bringen, wenn man auf ein paar tiefer simulierte Systeme verzichten kann. Dazu befindet sich der Preis des Produkts noch im unteren Segment der MSFS Addons. Wer jedoch nur noch VATSIM mit Fenix, PMDG und Co fliegt, dem sei hiervon klar abzuraten. Eines ist aber gewiss: Entwickler LatinVFR plant weitere Updates, die den A340 nur weiter verbessern werden.

In der folgenden Tabelle seht ihr eine kurze Aufführung der positiven und negativen Aspekte des Airbus.

Positive AspekteNegative AspekteAusreichend umgesetzt
– relativ geringer Preis (29,49€)
– 33 Liveries
– ausreichende Kabine
– (Basic) EFB
– nur Standardsysteme verbaut
– platte, einfarbige Texturen
– viele nicht funktionierende Schalter und Systeme
– 3D-Modell
– Sounds
– Autopilot/Autothrust
– Flightmodel

Was haltet ihr davon? Habt ihr euch den “Flieger mit den 5 APUs” schon zugelegt oder seid ihr strikt dagegen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

(Vielen Dank an LatinVFR, die uns freundlicherweise ein Testexemplar zur Verfügung gestellt haben. Dieses Review basiert dennoch auf der neutralen Auffassung des Autors.)

4 Comments
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Rolf
Rolf
1 Monat zuvor

Danke für das objektive Review, ich werde aber trotzdem die Finger davon lassen.

tetiaroa
tetiaroa
1 Monat zuvor

Vielen Dank für das ausführliche Review!
Solche Reviews sind meines Erachtens Gold wert, und zwar sowohl für den Kunden als auch den Entwickler!

Rob McGlock
Rob McGlock
1 Monat zuvor

Hab ihn gekauft. Fazit: Ziemlich genau dass, was auch versprochen wurde. Nicht mehr und auch nicht weniger. Ein schoener “Feierabendflieger”, wenn man die Komplexitaet niedrig halten will. Fuer alles andere gibt es PMDG.

Michael Otto
Michael Otto
1 Monat zuvor

Also meine Erfahrung sind eher Negativ

In der Kabine die Airlines Logos sind sehr schlecht gemacht links von Lufthansa logo geht was und dies was fehlt ist dann viel weiter rechts zu finden.

Navigation ist eher was für Leute die es hart auf hart mögen.
Bei eingefügten Simbrief Flugplan, sind Directs so eine Sache… Man gibt einen ein, aber die Kiste fliegt die Route trotzdem ab bzw mit einem sehr seltsamen Verhalten, der definitiv nicht strait on auf den gewählten Wegpunkt führt.
Holdings sind auch nicht verfügbar… Also Online ATC Flüge, besser nicht machen…

Das sind wichtige Dinge die ein Flieger können muss, aus meiner Sicht zumindestens.

10€ würde ich den Wert des Fliegers geben, aber für den Preis? Finger davon Lassen!!!

Da sind die E-Jets von Just Flight ne bessere Investition. Die werden alle 2-4 Wochen via Updates verbessert und nähern sich langsam aber sicher ihrem Final, werden nach und nach immer besser und sollen dann auch alles können.

Last edited 1 Monat zuvor by Michael Otto