Review: Thrustmasters HOTAS Warthog


Schön – endlich mal Hardware zu testen. Das ist sowieso eine Sache, die uns Rezensenten nur selten vergönnt ist, also habe ich bei dem Angebot von Thrustmaster/Guillemot ein Paket des neuen HOTAS Warthog zu testen schnell zugegriffen.

Wir haben den Einsatz des HOTAS im MS FS ausprobiert – das Ergebnis ist unter „mehr“ nachzulesen.

Review: Thrustmasters HOTAS Warthog

Das neue HOTAS Warthog wurde von Thrustmaster entwickelt und wird von Guillemot vertrieben.

Je nachdem, wo man es kauft, zahlt man zwischen 350 und 400€. Zum Beispiel kann man es im simMarket für 399€ erwerben, bzw. vorbestellen.

Für das Geld bekommt man eine Schubhebel-Einheit und einen Joystick in Vollmetall-Ausführung mit einem riesigen Haufen an Knöpfchen und Hebelchen. Man sieht sehr schnell, dass das HOTAS nicht spezifisch auf den Microsoftschen FS ausgelegt ist, sondern der Fokus mehr auf militärische Simulatoren, wie bspw. Lock On gelegt wurde.

Ich habe mich bei meinem Test auf die Funktionalität im MS FS (FSX) beschränkt, da wir ja auch nur höchst selten über Kampfsimulatoren berichten. Für eine 707 bspw. ist der der F16 nachgeahmte Knüppel zwar nicht ganz passend, aber man kann ja alle Knöpfchen im FS frei programmieren … außerdem hat das HOTAS noch andere Qualitäten zum Überzeugen.

Kauf und Einrichten

Als ich nach Hause kam, war die Box, naja mehr der Karton schon da. Ich hatte dann die Ehre, ihn in das Büro im  2. OG zu schleppen und mir wurde dabei schon klar, dass ich keine Probleme haben werde, dass mir der Joystick oder die Schubhebel auf dem Tisch wegrutschen. Das sind schon einige Kilogramm, die man da spazieren trägt.

Der Joystick ist bestens verpackt, so dass ihm unterwegs wohl kaum etwas passieren wird.

Ansonsten ist das Aufstellen und Einrichten sehr einfach – Auspacken, Aufstellen und per USB Anstöpseln – fertig. Mein Windows 7 und das HOTAS haben sich prompt vertragen und so ging es schnell in den FSX für eine Testrunde …

Eine wichtige Erkenntnis für mich war, dass ich die Ruderpedale weiterhin brauche, da der Joystick nur die Y- und die X-Achse zur Verfügung stellt. Das ist für mich vollkommen in Ordnung, da realistisch – wer allerdings sich ein solches System anschafft, sollte diesen Aspekt im Kopf behalten.

Den meisten FS Usern wird die Plug & Play Konfiguration genügen, da man sich ja alles Weitere in den FS Menüs einstellen kann (Achsen-Zuordnungen) und Zuordnung von Tastatur-Kommandos für die Knöpfe.

Man hat bei Thrustmaster aber (war bei dem Ruf  ja auch zu erwarten) weiter gedacht und so gibt es ein Konfigurationstool für das HOTAS System, mit dem man den einzelnen Knöpfen und Hebelchen Tastatur Kommandos zuordnen kann. Man kann sogar soweit gehen, sich da ganze Skripts zu programmieren. Das ist schon ein tolles Angebot meiner Meinung nach.

Dieses Feature ist sicherlich mehr für die Nutzer militärischer Simulationen gedacht und mehr als praktisch.

Handling & Technisches

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen – die Benutzung ist eine reine Wonne. Die kurze Zeit, die ich das HOTAS zur Verfügung hatte, hat für mich jedenfalls nicht gelangt, mir eine richtig ausgetüftelte Konfiguration zu stricken und die Benutzung damit zur Vollendung zu bringen. Es gibt aber einige Aspekte, die ich im Folgenden beschreiben werde, die der Benutzung eine besondere Qualität geben

Ergonomie

Vor langer Zeit hatte ich mal einen Bonanza Yoke von PFC im Einsatz, habe diesen aber irgendwann weiter verkauft und inzwischen wieder einen Plastik-Yoke im Alltagsgebrauch. Selbst im Vergleich zum PFC Vollmetal Yoke lag das HOTAS (Stick und Schubhebel) erstmal ungewohnt in der Hand. Das hat zwei simple Gründe: Gewicht und Größe. Stick und Schubhebel sind etwas größer angefertigt, als man das so von den meisten Yokes und Joysticks kennt. Das ist im ersten Moment gewöhnungsbedürftig, aber m.E. sehr gut, da es der Realität wesentlich näher kommt. Was heutezutage in Cockpits verbaut wird, ist auch kein filigraner Fummelkram, sondern in der Regel sehr solide. Die Buttons sind alle gut zu erreichen und haben für mein Empfinden sehr angenehme Druckpunkte. Man merkt, dass man einen Button gedrückt hat, ohne dass man Gewalt anwenden muss. Es ist aber auch gut auszuschließen, dass man aus Versehen einfach mal einen Button drückt. Die Frage, wie sich das HOTAS dann über die Jahre entwickelt, bleibt leider offen.

Vielfalt & Einstellbarkeit

Die schiere Menge an Knöpfchen und Hebelchen läßt dem User eine sehr große Vielzahl an Konfigurationsmöglichkeiten zu. Die Beschriftung des HOTAS zeigt aber, dass man (gerade bei der Schubhebeleinheit) schon ein bestimmtes Muster im Sinn hatte (nämlich die A-10). Das ist vollkommen ok, die beleuchtete Schrift sieht einfach geil aus, aber hier wäre natürlich der Traum schlechthin gewesen, die Knöpfe selbst beschriften zu können.

Wie bereits gesagt kann man alle Knöpfe und Achsen frei konfigurieren und sich so sein Bedienkonzept nach Wunsch im FS zusammenstellen – toll.

Genauigkeit

Einen Aspekt des HOTAS möchte ich im Speziellen herausstellen. Die Genauigkeit / Präzision des HOTAS ist im Vergleich zu allen anderen Yokes und Schubhebeln, die ich so kennengelernt habe, sagenhaft. Die Eingabe-Achsen sind sehr hoch aufgelöst, was eine filigrane Einstellung im FS ermöglicht. Bspw. konnte ich im Learjet von Xtreme Prototypes, den Schub auf die Nachkommastelle genau einstellen – toll!

Ebenso war die Steuerung der Steuerflächen über den Joystick sehr exakt und hat einfach viel Freude bereitet.

Gerade diese Aspekte des HOTAS werden mir fehlen …

Verwendbarkeit im FS

Dieses Kapitel ist das einzige Kapitel, das ich mit leichten Einschränkungen betrachte. Es ist weniger das HOTAS als solches, das ich kritisieren möchte, als einfach das Zusammenspiel von FS und dem HOTAS. Wie der Name ja schon sagt, ist das HOTAS Warthog für die Fairchild Republic A-10 – auch Warthog genannt – abgestimmt. Das Design von Joystick und Schubhebel-Einheit haben sich am realen Vorbild orientiert und man hat vor dem PC tatsächlich das Gefühl, die realen Gegenstücke in der Hand zu haben. Leider habe ich auf die Schnelle keine umfassend simulierte A-10 für den FSX gefunden – damit wäre die Kombination schon wieder interessanter und zu einer 707 oder 727 mag das HOTAS so nicht wirklich passen.

Natürlich lässt es sich passend machen und jeder Simmer muß für sich entscheiden, was er an Joystick verwenden möchte. Qualitativ ist das HOTAS Warthog eine ganz sicher gute Wahl und sie wird einem auch viel Freude bringen.

Der realistischen Simulation bspw. einer 767 oder einer 707 oder eines A320 kommt man damit aber keinesfalls näher. Die Konfigurationsmöglichkeiten kompensieren hier sehr viel, aber es ist einfach was anderes, einen Yoke vor sich zu haben, als einen Fighter-Stick.

Fazit

Ich bin selbst gespannt, wie es mir die nächsten Tage gehen wird, wenn das HOTAS wieder weg ist und ich wieder mit meinem ausgeleierten Yoke die Runden drehe. Die Präzision werde ich ganz sicher vermissen – speziell die der Schubhebel – das war wirklich ein Traum.

Werde ich mir das HOTAS kaufen – ganz sicher nicht für den derzeitigen Marktpreis und bis dato überwiegt für mich als zivilen Flusi-Piloten auch noch der Aspekt, dass ein Warthog Stick nicht in ein ziviles Cockpit passt.

Wer allerdings militärische Sims fliegt und den FS, der kann mit dieser Kombination von Schubhebel und Joystick meines Erachtens gar nichts verkehrt machen.

PRO CONTRA
  • Genaue Replik der A-10 Schubhebel-Einheit und des Sticks
  • Ergonomie, Haptik
  • Vollmetall-Ausführung
  • Zusatztool für Zuordnung von Buttons zu Tastatur-Kommandos
  • Genauigkeit

  • Preis
  • Ruder-Pedale ggf. noch erforderlich
INFORMATION TESTSYSTEM
  • AMD Athlon 6000+
  • 4092 MB RAM
  • Geforce 8800GT 512 MB
  • Windows 7 64 Bit

Ingo Voigt

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