„I will change the african flight simulator world forever!“ – Interview mit ASDG

simFlight_interviewEin weißer Fleck auf der Landkarte. Graubraune Default-Einöde. Afrika ist für die Flugsimulation zum größten Teil ein unbeschriebenes Blatt. Mit dem OR Tambo International Airport, dem Flughafen der südafrikanischen Millionenmetropole Johannesburg, hat sich ASDG nun vorgenommen, dem zweitgrößten Kontinent der Erde ein neues Gesicht zu verpassen.

FlyTampa, FlightBeam, Taxi2Gate. Sie sind uns alle bekannt. Aber wer steckt eigentlich hinter ASDG? Domonique Dantu besucht in Südafrika die elfte Klasse und ist der Begründer von ASDG. Er hat simFlight  einen Blick hinter die Kulissen gewährt und uns verraten, warum er der Erste ist, der an einem qualitativ hochwertiges Addon für den afrikanischen Kontinent arbeitet.

 

simFlight: Domonique, ASDG ist dem Großteil der deutschen Flugsimulatorcommunity unbekannt. Kannst du uns erklären was ASDG ist?

Domonique Dantu: Grundlegend steht ASDG für African Scenery Design Group und wurde im November letzten Jahres gegründet. Ich selbst bin ein großer Luftfahrt Enthusiast. Neben der Flugsimulation beschäftige ich mich auch viel mit der mit der realen Luftfahrt und plane, nach meinem Schulabschluss eine Ausbildung zum Verkehrspiloten zu beginnen. Während ich am Simulator mit der Zeit eine Großzahl an Addons angesammelt habe, musste ich feststellen, dass Afrika virtuell weitestgehend verwaist ist. Es kam der Moment als ich mir sagte: „Ich möchte Afrika virtuell verändern.“ Es gibt viele Simulatorpiloten die gern nach Afrika fliegen würden, es aber schlichtweg nicht können, da es an qualitativ hochwertigen Szenerien fehlt. Meiner Meinung nach gibt es nichts Unrealistischeres als die Defaultszenerie des Flugsimulators. Auch im simMarket wird man kaum fündig wenn man nach Szenerien in Afrika sucht. Die erste wirkliche Aufbesserung hier kam mit FTX Global, was aber leider nicht die Flughäfen betraf aber das gesamt Bild des Kontinents trotzdem schon deutlich aufwertete. Ich habe daraufhin entschieden es selbst anzupacken und Afrika einneues Gesicht in Sachen Airportszenerie zu verpassen. Das war die grundlegende Idee, weshalb ASDG gegründet wurde.

 

simFlight: Wie packt man so etwas denn an?

Domonique Dantu: Zunächst war es ein vollkommender Blindgriff. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung von Programmierung oder Szeneriedesign. Ich habe zwar oft davon geträumt eines Tages so etwas zu machen, habe absolut keinen Schimmer gehabt was zu tun war. Ich setzte mich daraufhin mit Darren Seare zusammen, den ich von FSdeveloper kannte. Er brachte mir die Grundzüge bei, die ich beherrschen musste um mein Projekt in Johannesburg anzugehen. Johannesburg ist allerdings meine erste große Airportszenerie. Damit ich nicht vollkommen auf mich allein gestellt bin, greift mir ein weiterer, namenhafter Szenerieentwickler, den wir demnächst bekannt geben werden, ein wenig unter die Arme.

 

simFlight : Warum hast du dich bei deinem ersten Projekt gerade für einen so großen und komplexen Flughafen wie Johannesburg entschieden?

Domonique Dantu: Ich bin persönlich total begeistert von diesem Flughafen. Ich träume schon seit drei oder vier Jahren davon ihn für den Flugsimulator umzusetzen aber ich hatte nie wirklich Zeit dazu diesen Traum auch wirklich in die Tat umzusetzen. Außerdem habe ich festgestellt, dass viele Deutsche, ein Teil meiner Familie kommt aus Deutschland, gern nach Südafrika kommen, sowohl in der Realität als auch im Simulator. Leider wissen die Meisten nicht viel über Johannesburg, teilweise noch nicht einmal wo es überhaupt liegt. Ich habe eine große Leidenschaft für den Flughafen und möchte ihn möglichst detailgetreu nachbilden und der Öffentlichkeit präsentieren. Ich möchte ihnen einen Grund geben Johannesburg besser kennenzulernen.

 

simFlight : Macht diese Leidenschaft Johannesburg zu einem besonderen Addon?

Domonique Dantu: Ich denke schon. Manchmal vermisse ich die Arbeit mit Leidenschaft bei einigen Szeneriedesignern. Aber wenn man sich die Werke von Flightbeam, FlyTampa oder Aerosoft anschaut, dann erkennt man, dass dort einfach mit Leidenschaft gearbeitet wird. Das möchte ich in meiner Szenerie auch zeigen und ich denke, dass diese Tatsache mein Johannesburg zu etwas besonderem macht.

 

simFlight : Johannesburg wird in Kooperation mit Aerosoft veröffentlicht. Wie hast du es als Schüler geschafft, Aerosoft als einen der bedeutensten Szenerieentwickler von deinem Projekt zu überzeugen?

Domonique Dantu: Das fing alles damit an, dass ich mit meinem guten Freund Darren Seare sprach. Er arbeitet für Aerosoft, im Moment am MegaAirport Brüssel, und er zeigte mir alles, was ich zum Entwickeln meiner Szenerie wissen musste.

Ich selbst habe Aerosoft schon immer als großen Szenerieentwickler angesehen und wollte eines Tages, wenn ich selbst Szenerien designen würde, dahin kommen, zusammen mit Aerosoft ein Produkt nach ihrem Maßstab zu veröffentlichen. Ich sprach also mit Darren Seare, ich glaube es war im Februar 2014, und zeigte ihm schließlich einige meiner ersten Entwürfe von Johannesburg. Er hat mich dann überredet einige Previews an Aerosoft zu schicken weil sie vielleicht an Johannesburg interessiert sein könnten. Daraufhin habe ich ihnen Bilder meines Terminalentwurfs geschickt. Es stellte sich heraus, dass Aerosoft höchst interessiert war, weil sie seit Jahren auf eine Möglichkeit gewartet hatten, Johannesburg zu entwickeln. Das war wundervoll für mich. Es ist mein erster Vertrag für mein erstes Produkt und ich möchte ein Produkt in höchster Qualität präsentieren können. Ich möchte Johannesburg in die Flugsimulatorwelt bringen und es zu einem Ziel machen, dass die Leute gerne anfliegen und ihren Aufenthalt dort genießen.

 

simFlight : Aerosoft wird Johannesburg in die Reihe „MegaAirport“ aufnehmen. Was macht Johannesburg zu einem MegaAirport?

Domonique Dantu: Der Flughafen Johannesburg entstand 1952. Das ist lange her, ich habe also nicht wirklich viel von der Geschichte des Airports mitbekommen. Aber Johannesburg entstand als kleiner Flughafen und hat sich anschließend rasant entwickelt. Was meiner Meinung nach Johannesburg zu einem MegaAirport macht, ist die Tatsache, dass so viele verschiedene Fluggesellschaften den Flughafen bedienen. Ich meine, wir haben British Airways, Lufthansa, Emirates, Qantas, wir haben Airlines aus den USA, wir haben Airlines aus Hong Kong. Ich kann nicht genau sagen was es ist, aber diese breit gefächerte Auswahl an Fluggesellschaften aus aller Welt macht diesen Flughafen zu etwas ganz speziellem.

Außerdem ist die Größe des Flughafens selbst einfach gigantisch. Allein die Terminals, sie sehen vielleicht von innen nicht groß aus, aber wenn man draußen auf dem Vorfeld steht, dann machen diese Gebäude einfach einen riesigen Eindruck. Wir haben hier drei tägliche A380-Verbindungen, was zeigt wie wichtig und wie groß Johannesburg tatsächlich ist.

 

simFlight : Aerosoft hat bisher eine große Zahl an MegaAirports herausgebracht, doch alle liegen in Europa. Nicht nur das; mit MegaAirport Johannesburg wirst du der erste sein, der ein hoch Qualitatives Addon für den afrikanischen Kontinent veröffentlicht. Macht dich das nicht zu einem Pionier der Flugsimulatorszene?

Domonique Dantu: Ich würde mich schon in gewisser Hinsicht als Pionier sehen. Ich habe es immer genossen in Europa zu fliegen, aufgrund der qualitativ und quantitativ hochwertigen Abdeckung an Szenerien. Wie allerd

ings schon zuvor bemerkt, ist Afrika im Moment noch ein weißer Fleck auf der Flugsimulatorkarte, obwohl auf diesem Kontinent so viel Potential vorhanden ist. Ich würde sagen, dass ich hier eines der schwierigsten Projekte der Flugsimulatorszene ausführe.Nicht nur die Tatsache, dass ich als One-Man-Team arbeite, auch die Arbeit an sich ist durch strenge Gesetze in Afrika sehr kompliziert. Eigentlich verbietet dieRegierung das Fotografieren der Flughafengebäude, es wird sogar mit Gefängnis bestraft, aber dadurch, dass ich einige Freunde habe, die am Flughafen arbeiten, ist es mir möglich die Terminals vom Vorfeld aus zu Fotografieren. Ich sehe mich selbst als Pionier, auch weil ich einen Flughafen entwickle, von dem es kaum Bildmaterial gibt, anders als in Europa oder in den Vereinigten Staaten, wo man ohne weiteres ein 360° Bild des gewünschten Flughafens bekommt.

 

simFlight: Was darf die Flugsimulatorwelt denn noch von ASDG erwarten? Wie sehen die Zukunftspläne aus?

Domonique Dantu: Nach der Fertigstellung Johannesburgs wird ASDG eine kurze Pause einlegen. Das liegt vor allem daran, dass ich im nächsten Jahr meinen Schulabschluss machen muss. Ab Herbst 2015 soll ASDG dann wieder die Arbeit aufnehmen. Geplant sind Capetown FACT und der Flughafen Durban. Aber auch Airports wie Addis Abeba, Drehkreuz für Ethiopian Airlines, sind auf der Roadmap von ASDG.

 

Wer den Fortschritt des Projektes verfolgen will, findet dazu einen Threat im Aerosoft Forum.

Die nachfolgende Bildergallerie zeigt den Entwicklungsprozess vom ersten Terminalentwurf, bis zum aktuellen Projektzustand.

simFlight.de dankt Domonique Dantu für das Interview und wünscht viel Erfolg auf seinem weiteren Weg.

11 Comments
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Hallo Simmer

Etwas vollmundig diese Ankündigung. Er spricht von Afrika und fängt bei South Afrika an. Seine Planung sind zuerst South Afrika Flughäfen. Wir hatten schon bei FS9 recht gute South Afrika Flughäfen und auch diese waren Payware. Auch beim FSX gibt es auch einige. Er schreibt von Afrika und da gäbe es wirklich noch viel zu tun. Johannesburg und dann will er schon eine Pause machen. !!!
Hm. meine Meinung wäre …..
Roger

Der Titel hatte mich schon freudig aufhorchen lassen. Nachdem ich nunmehr den Artikel gelesen habe, bin ich enttäuscht. Diese Aussage passt nicht zu dem Inhalt.
Der alte FSX benötigt für den Kontinent zunächst einmal neue Bodentexturen und Landklassen und keine vereinzelten Flugplätze.

Dieter

Nun, er ist halt noch sehr frisch und kennt die ganze Historie nicht. Ist doch schön, dass es doch noch immer Leute gibt, die sich dem Abenteuer Design stellen.
Was mich mal interessiert: Wie kann man als einziges Mitglied eine Gruppe sein? Oder hab ich da was überlesen? Woran basteln seine Partner?

Mal sehen, welche Taten diesen markigen Worten folgen werden – oder auch nicht… Afrika für immer verändern – das haben schon ganz andere versucht 🙁

Die „Vollmundigkeit“ der Ankündigung resultiert wohl aus dem jugendlichen Alter. Zeigt aber auch eine Menge an Enthusiasmus. Bleibt abzuwarten wie lange der anhält.

Richtig ist allerdings, dass Afrika ein noch fast gänzlich weißer Fleck in der Szene ist und es Hunderte, ja sogar Tausende von Möglichkeiten gibt sich als Szenerie-Designer zu betätigen und Geld zu verdienen.

Mir selber viel die Leere an Szenerien auf diesem Kontinent besonders auf, als ich die ORBX World Challenge 2014 gestaltet habe. Es war recht schwierig, einigermaßen vernünftige Airport-Szenerien, sowohl im Pay- als auch im Freeware-Bereich zu finden, die für die Challenge als Anlaufpunkte geeignet waren – aber es gibt ein paar.

Sicher ist auf jeden Fall, dass man mit guten Afrika-Szenerien richtig Geld verdienen kann. Darum ist auch AS so bereitwillig auf diesen Zug aufgesprungen.

Gleiches gilt übrigens auch für die asiatischen Bereiche Russlands sowie für China und Indien, Vietnam, Korea usw. – also für fast den gesamten fernen Osten und auch für große Teile Südamerikas.

Alles in allem haben hier die nächsten Generationen an Szenerie-Designern und Spieleentwicklern noch gut zu tun und Geld zu verdienen – einmal abgesehen, von evtl. neuen Flusis die dann wieder einen ganz neuen Markt schaffen würden.

Von daher wünsche ich ASDG und uns Simmern, dass die Vollmundigkeit der Ankündigung sich als dauerhaft erweist.

Ich glaube das Hauptproblem für Afrika, aber auch andere Länder der „3. Welt“, ist der Mangel an offiziellen Daten. Europa und die USA sind bis in den kleinsten Winkel vermessen, jeder Feldweg ist irgendwo verzeichnet, jede Erhebung zentimetergenau dokumentiert. Für manche Länder Afrikas gibt es nicht einmal offizielle Straßenkarten oder nur hoffnungslos veraltete, geschweige denn Landnutzungsdaten etc(habe letztes Jahr so manche Erfahrung in Madagaskar gemacht 🙂 ). Wenn oft nicht einmal die Regierung eines Landes weiß, wo gerade ein Wald abgeholzt und in ein Feld verwandelt wurde, wie soll dann ein Szeneriedesigner korrekte Landklassen oder Vektordaten erstellen. Südafrika hat da mit Sicherheit noch die genauesten Daten und wird deshalb von Designern noch am ehesten bedacht. Aber in anderen Ländern ist vielleicht der Hauptstadtflughafen das Einzige, was noch halbwegs realitätsnah umgesetzt werden kann. Ich würde mir auch gerne detaillierte Szenerien aus Afrika oder Südamerika wünschen, aber die werden sicherlich nicht annähernd so genau sein wie EU/US Szenerien. Bin mal gespannt, was ORBX in Sachen Landklassen noch aus solchen Ländern rausholt.

Gruß,

Fabian

Stimmt schon, es gibt wohl nur spärlich Daten für diesen Kontinent. Deshalb aber wäre eine „glaubhafte“ Umsetzung auch eher die bessere Methode für eine großräumigere Umsetzung. Ich hoffe da schwer auf OpenLC Africa, schon wegen der hochaufgelösten Texturen, die OrbX in diese Produktlinie mit reinpackt. Vielleicht gibt’s dann auch eine Renaissance des schwarzen Kontinents bei anderen Entwicklern.

HM, ich wäre mit den Erwartungen für OpenLC Afrika etwas vorsichtig.

Auch ORBX bzw. PILOTS können nur auf die (spärlich) vorhandenen Geodaten zurückgreifen oder sich an Luftbildern (Google Earth?) orientieren.

Hinzu kommt noch die vorgegebene Einschränung auf Kacheln von 1 x 1 km², was das Ganze noch ungenauer und schwieriger gestaltet, wie man es auch schon an EU gesehen hat.

Zwar gehe ich auch davon aus, dass es eine Verbesserung mit sich bringen wird, aber ich halte mich da mit zu großen Erwartungen doch etwas zurück.

Unsere VA meidet Afrika,…wegen EBOLA,.. was solls!

hältst Du das für eine witzige Bemerkung?

Wenn man die momentanen Nachrichten über Ebola zu den vergangenen (künstlichen) Massenhysterien um die Schweine- oder Vogelgrippe in Bezug setzt, dann wundert mich das nicht, wenn Ebola nicht mehr ernst genommen wird …