Review: Squamish, BC, Canada (CYSE)

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Dass Flächenszenerien von Orbx und ihre dazugehörigen Freeware- und Payware-Airports für die virtuelle VFR-Fliegerei ein echtes Highlight darstellen, ist nun wirklich kein Geheimnis mehr. Das gleichbleibend hohe Niveau bei der Umsetzung macht Rezensionen einzelner Flugplätze schon fast überflüssig. Längst entscheiden persönliche Vorlieben über den Kauf oder den Verzicht einer Orbx-Szenerie, die Qualität der Umsetzung ist eh über jeden Zweifel erhaben. Warum unser Rezensent Frank Schmidt dennoch auf den neuesten, kanadischen Airport Squamish (CYSE) aufmerksam machen möchte, erfahrt ihr unter

 

Der kürzlich von Orbx für die Region NA Pacific Northwest veröffentlichte Airport der Stadt Squamish liegt ca. 30 Meilen nördlich von Vancouver in British Columbia. Die Stadt liegt auf halben Weg entlang des “Sea-to-Sky”-Highway 99 in Richtung Whistler, dem Austragungsort der olympischen Winterspiele von 2010. Benannt ist Squamish nach dem Indianerstamm, der vor dem Eintreffen der ersten Europäer in dieser Region lebte.

Der erste Eindruck

Was Gordon Madison hier bei seinem Payware-Debüt abgeliefert hat, kann sich wirklich sehen lassen. Der Beschreibung nach, zählt Squamish zu den 10 schönsten Anflügen der Welt. Je nach dem, wie und wo man sucht, findet man im Netz auch tatsächlich eine Top 10, die diesen Anflug mit aufführt. Wer diesen Anflug im Flightsimulator nachvollzieht, kann erahnen, wie spektakulär diese Landschaft erst Recht in der Realität sein muss.

Für meinen Feierabendflug habe ich als Startflugplatz den Sekiu Airport, südwestlich von Victoria, ausgesucht. Wer es gern etwas kürzer mag, kann natürlich auch Orcas Island oder einen anderen Airport in der Gegend von Vancouver nehmen.

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Für den Anflug auf Squamish orientiere ich mich zunächst westlich von Vancouver und nehme Kurs auf den Howe Sound, der sich unmittelbar nordwestlich von Vancouver in die Berge erstreckt. Die weitere Navigation ist denkbar einfach. Über Anvil Island, der letzten Insel im Sund, halte ich mich rechts und folge dem Highway 99 – der zu meiner Rechten liegt – weiter, bis ich schließlich das Ende des Sunds, und somit die Stadt Squamish, erreicht habe.

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Folgt man dem Verlauf des Squamish Rivers bis zur Einmündung des Zuflusses aus dem Daisy Lake, liegt der Flugplatz rechts davon vor einem Berg, der zwischen den beiden Flusstälern liegt. Entgegen manch anderer Flugplätze, ist der Squamish Airport gut und einfach zu finden.

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Das sagt der Hersteller

Squamish Airport ist der Traum eines jeden Piloten. Erstmals bietet eine Orbx-Szenerie gleich mehrere, fliegerisch herausfordernde Umgebungen in einem Paket an. Jeder Vorliebe wird etwas geboten. Ob mit dem normalen oder mit dem Bush-Flugzeug, einem Wasserflugzeug oder einem Helikopter – jedem Fluggerät wird in dieser Szenerie eine oder gar mehrere Möglichkeiten zur Landung geboten. Daneben werden noch die zahlreichen Orbx-typischen Features aufgezählt, wobei Squamish als Neuheit die „Custon vegetation library“ aufführt. Was sich allerdings genau dahinter verbirgt wird nicht klar. Begriffe wie NatureFlow, ObjectFlow und PeopleFlow2 hingegen sollten Kennern von Orbx-Szenerien geläufig sein. Entsprechende Techniken wurden auch bei Squamish angewandt.

Das ist mir aufgefallen

Hellhörig wurde ich bei der angepriesenen Vielfalt der Start- und Landemöglichkeiten in dieser Szenerie. Sollte es jetzt tatsächlich eine Szenerie geben, der für jedwede Flugzeugkonfiguration eine passende Landemöglichkeit bietet? Zumindest für den General Aviation-Bereich lässt sich diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten.

Doch der Reihe nach: Was bietet denn Squamish alles an Möglichkeiten? Zunächst natürlich den Squamish Airport. Er hat die ICAO-Kennung CYSE und verfügt über eine 2.400 ft bzw. 732 Meter lange Asphaltpiste. Das ist nicht gerade üppig, sollte aber für ein- und zweimotorige „Kolbenschüttler“ und das ein oder andere Turboprop-Flugzeug ausreichend dimensioniert sein.
Die Ausstattung des Flugplatzes ist überschaubar. Es gibt zahlreiche Abstellmöglichkeiten für Flugzeuge und Helikopter, einen Wartungshangar, in dem fleißig gearbeitet wird, eine Tankstelle sowie einige kleine Nebengebäude und einen weiteren überdachten Abstellplatz für Kleinflugzeuge.

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Etwas höher gelegen gibt es einen weiteren kuppelförmigen Hangar sowie Landeflächen, die ausschließlich von Helikoptern genutzt werden können. Der Vergleich mit dem Luftbild aus Google-Earth zeigt, dass sich Gordon Madison äußerst getreu an den realen Vorgaben orientiert hat. Die Orbx-typische Umsetzung mit viel Vegetation und animierten Personen und Tieren macht den Platz lebendig und schon anzusehen.

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Als nächstes schaue ich mal, wie es um die Landemöglichkeiten von Wasserflugzeugen bestellt ist. Hierfür muss ich mich in den Hafen von Squamish begeben, der sich in der Nähe des Zentrums der Stadt befindet.

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Der Hafen ist mit zahlreichen Schiffen, Fischerbooten und Yachten schon in Szene gesetzt worden. Ebenso finden sich zahlreiche Baumstämme am und im Wasser, die auf die Kanadische Holzwirtschaft hinweisen. Circa in der Mitte des schlauchförmigen Hafens findet man schließlich die Anlegestelle für Wasserflugzeuge. Ebenfalls mit einer Tankstelle und einem Wartungshangar ausgestattet, lässt sie keine Wünsche offen. Es gibt sogar die Möglichkeit, über eine Rampe Flugzeuge aus dem Wasser zu holen bzw. hinein zu lassen.

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Lediglich die Wirklichkeit schient hier nicht mitzuspielen, denn Google Earth zeigt an dieser Stelle ein viel trostloseres Bild. Diese tolle Anlegestelle scheint der Phantasie entsprungen zu sein. Egal, in der Szenerie passt alles harmonisch zusammen und sieht einfach toll aus!

War’s das jetzt? Nein! Wer über ein Flugzeug mit Tundra-Wheels verfügt – beispielsweise die Piper Cub von A2A – sollte unbedingt einmal dem Verlauf des Squamish Rivers vom Sund flussaufwärts folgen. Hier gibt es zahlreiche Sandbänke entlang des kurvigen Flussverlaufs, die allesamt zu Landeübungen mit und ohne Zuhilfenahme des Flusses einladen!

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Neben den vielen Möglichkeiten, seine Fluggeräte zu testen und zu nutzen, bietet die Szenerie noch viel Potenzial für Entdeckungsreisen. Auch „zu Fuß“, mit dem Auto oder einem Boot kann man in Squamish viel erleben. Die Stadt verfügt über zahlreiche akkurat nachempfundener Gebäude und Schauplätze. Sei es ein Supermarkt oder das Umspannwerk in der Nähe des Flugplatzes. Alles lässt sich wiederfinden. Ein weiteres Highlight ist der Campus der Quest University, der etwas abseits der Stadt im hügeligen Umland liegt und ebenfalls erkundet werden kann.

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Das muss man wissen

Die Squamish Szenerie bietet wirklich eine Menge an sehenswerten Features und alles ist liebevoll und akkurat in Szene gesetzt worden. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Performance. Das mitgelieferte Konfigurations-Tool für die Szenerie bietet alle Möglichkeiten, einzelne Szenerie-Bereiche zu deaktivieren oder zumindest in Teilbereichen einzuschränken. So lässt sich überall die Vegetation manipulieren oder „überflüssiger Schnickschnack“ abschalten. Wer hier alle Haken setzt, sollte eine Thermoskanne flüssigen Stickstoff für seinen Rechner bereithalten oder muss mit teilweise einstelligen Frameraten rechnen, wenn auch noch realistische Wettereinstellungen und ein anspruchsvolleres Fluggerät hinzukommen.

Um dennoch Spaß an der Szenerie zu haben, sollte neben dem eigentlichen Flugplatz höchstens ein weiterer Bereich voll aktiviert werden und alles andere auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Wer das nicht möchte, kann natürlich auch nur eine Landemöglichkeit voll aktivieren und alles andere mit moderaten Einstellungen mitlaufen lassen. Über das Konfigurations-Tool gibt es zumindest ausreichend Möglichkeiten, die Szenerie auch auf schwächeren Rechnern flugfähig zu betreiben. Und es sollte nicht das Ziel sein, eine Einstellung für alles zu finden. Denn in dem Bereich, wo man hauptsächlich fliegerisch unterwegs sein will, sollte wirklich immer alles aktiv sein. Nur so lassen sich alle liebevoll integrierte Einzelheiten vollumfänglich genießen!

Das werde ich nicht vergessen

Es ist die absolute Liebe zum Detail, die einen Orbx-Flugplatz von anderen Flugplätzen unterscheidet. Die atemberaubende Schönheit der Landschaft, die der pazifische Nordwesten Amerikas mit sich bringt, ist die Basis für dieses Szenerie-Highlight. Doch dies auch in einem Flugsimulator herüberzubringen, ist ein hartes Stück Arbeit. Gordon Madison hat es geschafft, mit seiner Umsetzung diese Schönheit einzufangen und in den Flightsimulator zu transportieren. Diese Szenerie macht Lust auf mehr und treibt den Wunsch voran, diese Gegend einmal in der Realität zu bereisen.

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Die zahlreichen unterschiedlichen Landemöglichkeiten in dieser Szenerie sind wirklich einmalig und jede einzelne bietet auf Wunsch maximale Details. Vieles erwartet man bei einer Orbx-Szenerie. Trotzdem erscheint auch hin und wieder etwas unerwartetes – sei es ein Eichhörnchen auf dem Flugfeld vor dem Hangar oder ein Hirsch in der Dämmerung neben der Landebahn.

Fazit

Dürfte ich nur drei Orbx-Flugplätze mit auf eine einsame Insel nehmen – Squamish wäre auf jeden Fall mit dabei! Und sollte es jemanden geben, der dem Orbx-Hype noch nicht verfallen ist, dem empfehle ich Squamish in Verbindung mit der NA Pacific Northwest Flächenszenerie als „Einstiegsdroge“.

 

INFORMATION TESTSYSTEM
  • Intel i7-2600k @ 4,2 GHz
  • 8GB RAM
  • Geforce GTX570 1280 MB
  • Windows 7 Home Premium

Frank Schmidt

5 Comments
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Vielen Dank für dieses Review mit seinen wunderschönen Bildern. Da hat sich scheinbar wirklich jemand in die Szenerie verliebt ;-). Was ich aber voll und ganz verstehe, denn mir geht es genauso…

Vielen Dank…tolles Review…tolle Szenerie!

Schönes Wochenende 😉

Super Rezension, vielen Dank! Und dann noch mit meiner Lieblingsmaschine (A2A Piper Cherokee) in meinem Lieblingsliverie ( siehe http://www.flugsimulation.net/galerie )
Ich fühlte mich bei den tollen Screenshots schon fast richtig “zu Hause” 🙂
Da hat sich gleich nochmal jemand in die Scenerie verliebt…nämlich ICH 🙂

Danke
Bernd

Dem kann ich nur zustimmen. Der ganze Nordwesten und Canada sind so zu meinem “Flugparadis” geworden und mit P3D erlebt es eine Renaissance.

Genau. Da kann man Misha Cajics gestern erschienenen Lake Tahoe nahtlos hinzufügen. Sodass ich inzwischen – ebenfalls im P3D – fast nur noch dort und nicht mehr in Deutschland fliege.

Mit bestem Bedauern, Michael