Review: RF Scenerybuilding Reggio Calabria LICR (FSX/P3Dv2/P3Dv3)

LICR_titelMit der Veröffentlichung des Mega Airports Rom vor wenigen Tagen ist bei vielen von uns eine lange Zeit klaffende Lücke bei den italienischen Flugzielen geschlossen worden. Auch wenn bekanntlich ja alle Wege nach Rom führen, sollte man sich anderen Zielen in Italien nicht verschließen. Warum dies gerade für den beschaulichen Flughafen Reggio Calabria (LICR) von RF Scenerybuilding. gilt, erklärt euch unser Rezensent Frank Schmidt auf den nachfolgenden Seiten.
Gerade einmal ein halbes Jahr ist es her, da habe ich an dieser Stelle über den korsischen Airport Ajaccio Napoleon Bonaparte (LFKJ) von RF Scenerybuilding berichtet. Seitdem hat die russische Szenerieschmiede noch weitere vier Airports veröffentlicht. Zu meiner besonderen Freude war darunter jetzt auch der Flughafen Reggio Calabria (LICR) vertreten, der bis dato völlig zu unrecht von sämtlichen kommerziellen Szeneriedesignern missachtet wurde.
Gemessen an seiner Größe und den Passagierzahlen wäre dies noch zu erklären, aber sein herausforderndes Anflugverfahren auf die Runway 33, welches in Fachkreisen auch als das „europäische Kai-Tak“ bekannt ist, verlangt geradezu nach einer Szenerie, damit diese Herausforderung im Flugsimulator auch optisch zum Leckerbissen wird.
Ob uns RF Scenerybuilding diesen Leckerbissen nun beschert, werde ich versuchen zu klären. Doch bevor es soweit ist, noch schnell ein paar Worte über den Flughafen. Der Reggio di Calabria „Tito Minniti“ Airport ist auch unter dem Namen Aeroporto dello Stretto – was übersetzt soviel bedeutet wie „Flughafen der Meerenge“ – bekannt. Das verrät uns schon einiges über seine Lage, denn er befindet sich an der Fußspitze des italienischen Stiefels, gegenüber von Sizilien.

Die in der Region Kalabrien gelegene Stadt Reggio hat knapp 200.000 Einwohner, zusammen mit den umliegenden Regionen hat der Flughafen ein Einzugsgebiet von 1,2 Millionen Menschen. Seinen Beinamen „Tito Minniti“ verdankt er dem gleichnamigen ehemaligen Kriegshelden der Italienischen Royal Air Force, der in Reggio Calabria geboren wurde. Der zunächst nur militärisch genutzte Airport wurde 1939 eingeweiht. Nach dem Krieg im Jahre 1947 kamen die ersten kommerziellen Flugbewegungen hinzu. Heute wird er nur noch zivil genutzt. In den letzten Jahren wurden dort zwischen 500.000 und 600.000 Passagiere pro Jahr abgefertigt. Unter anderem bietet Alitalia regelmäßige Verbindungen nach Rom und Mailand an.
Der Flughafen verfügt über zwei sich kreuzende Pisten mit der Ausrichtung 15/33 (mit 2000 Metern Länge) bzw. 11/29 (mit 1700 Metern Länge). Instrumentengestützte Landeanflüge gibt es nur für die Piste 15 bzw. 33 in Form von LOC/DME VOR- und NDB-Anflügen, wobei die Anflüge auf die Landebahn 33 mit einer visuell geflogenen 45-Grad-Linkskurve im Final zu meistern sind. Hierbei helfen bei schlechten Sichtverhältnissen Checkerboards und Blitzlichter bei der Orientierung.

Kauf und Installation

Die Szenerien von RF Scenerybuilding werden über den simMarket vertrieben. Reggio Calabria ist dort für 20.23 Euro inkl. MwSt. erhältlich. Nach dem Kauf erhält man einen Key sowie Zugang zum Download der Installationsdatei. Mit etwas über 300 MB ist diese angenehm klein und entsprechend schnell geladen. Ein Doppelklick startet die Installationsroutine und es folgt das für simMarket-Installer typische Verfahren. Während der Installation öffnet sich der Webbrowser und fordert zur Eingabe der beim Kauf verwendeten E-Mail-Adresse und des Keys auf. Daraus generiert sich ein neuer Schlüssel, der wiederum im Installationsprogramm eingegeben werden muss. Danach werden die für die Szenerie erforderlichen Daten in den Flugsimulator – wahlweise FSX oder P3Dv2 – kopiert. Die notwendige Eintragung in die jeweilige scenery.cfg übernimmt das Programm ebenfalls, sodass der neu hinzugefügte Airport auch gleich zur Verfügung steht.

Erster Eindruck

Eine Startsituation im Flugsimulator ist schnell erstellt und schon steht der A319 exakt in der richtigen Ausrichtung in seiner Parkposition. Leider werden die Szenerien von RF Scenerybuilding nicht von AES unterstützt, sodass ich keine Fluggasttreppen anfordern kann. Das ist zu verschmerzen, da aufgrund der Größe des Airports und der Ausrichtung der Parkpositionen auf weitere Services wie Follow-Me-Fahrzeuge, Einweiser und Pushback-Trucks eh verzichtet werden kann.

Der Airport

Das Vorfeld macht ansonsten einen guten Eindruck. Die Markierungen sind im Vergleich mit den Aufnahmen von Google Earth stimmig und sauber gezogen, allerdings für meinen Geschmack etwas zu farbintensiv. Die Beschilderung und die Beleuchtung sind durchweg dreidimensional umgesetzt und bei größeren Objekten mit Bodenschatten versehen worden. Dass die Positionen der PAPI-Lichter zu dem darunter liegenden Luftbild nicht ganz passend sind, darüber sehe ich mal wohlwollend hinweg.
Die Bodentexturen sind leider von ungleicher Qualität und reichen von mäßig detailliert bis verwaschen. Gerade die großflächigen Luftbilder, die sowohl das Airportgelände wie auch weite Teile des Stadtbildes zeigen, hätten etwas mehr Details und Schärfe gut vertragen. Aber was nicht ist, ist nicht und so brauchen wir uns andererseits nicht um zu hohen Speicherverbrauch und Performance-Probleme Sorgen machen.
Was für die Bodentexturen gilt, lässt sich auch auf die Gebäudetexturen übertragen. Hier zeigt sich eine Mischung aus handgefertigten Texturen und fotorealistischen Texturen unterschiedlicher Qualität. Unterm Strich reicht es aber für einen ordentlichen Gesamteindruck und es zeigt sich schon eine leichte Verbesserung gegenüber dem eingangs erwähnten Airport von Ajaccio, der teilweise doch mit sehr rudimentären Gebäudetexturen daher kam.
Abgerundet wird die Umsetzung der Szenerie mit zahlreichen statischen Fahrzeugen, Objekten und Lichtmasten, die insgesamt ein lebhaftes Bild hinterlassen, auch ohne Animation durch AES lite oder ähnlichem.
Positiv überrascht wurde ich wieder einmal von den sehr ansprechenden Nachttexturen. Hier habe ich schon oft böse Überraschungen erlebt und viele Airportszenerien, die tagsüber tadellos daher kamen, sahen nachts einfach nur schrecklich aus. Das ist bei den Szenerien von RF Scenerybuilding zum Glück nicht der Fall. Ganz im Gegenteil – diese laden förmlich zu Flügen bei Nacht bzw. in der Dämmerung ein!

Die Stadt

Wie bereits schon angedeutet, umfasst die Szenerie nicht nur den eigentlichen Flughafen, sondern ebenfalls weite Teile der Stadt. Als Grundlage dient hier ebenfalls ein Luftbild, angereichert mit händisch platzierten Autogen-Häusern und Bäumen. Zusätzlich wurden einige markante Gebäude modelliert, die im Anflug gute Orientierungsmöglichkeiten bieten. So lassen sich Autobahnen, Flussläufe, Bahnhöfe, Stadien und Hafenanlagen schon weithin sichtbar ausmachen. Dennoch lädt das Stadtgebiet nicht unbedingt zu ausgiebigen Erkundungsflügen ein. Dafür ist die Qualität des Luftbildes meines Erachtens nicht gut genug. Beim Anflug mit einem Airliner hingegen bietet es ausreichend Details um sich gerade beim visuellen Endanflug auf die Runway 33 zu orientieren. Doch dazu gleich mehr.

Der Anflug auf die Runway 33

Wie eingangs erwähnt, ist dieser Anflug der eigentliche Grund, warum die Szenerie auf keinem Rechner fehlen sollte. Zumindest nicht, wenn man gerne etwas mehr Handarbeit beim Fliegen haben möchte, anstatt lediglich stur am ILS herunter zu rutschen – womöglich noch mit voller Autopilot-Unterstützung. Denn der Autopilot hilft uns bei diesem Anflug nur bedingt weiter.
Um das zu verstehen, werfen wir einen Blick auf die leider nicht im Lieferumfang enthaltenen Charts. Aber wir wären nicht simFlight, wenn wir keine Quelle dafür bereit hätten: KLICK

Auf den Seiten 11/12 ist der LOC A bzw. LOC C Anflug abgebildet. Dabei wird der Localizer REG (109.3 MHz) auf Radial 017° abgeflogen, wobei die DME-Informationen vom VOR RCA (111.0 MHz) geliefert werden. Bei einem Abstand von 4.5 NM und einer Höhe von 2.190 Fuß erfolgt der Übergang zum händisch geflogenen „Circle-to-Land“ bzw. muss der Anflug abgebrochen werden, falls es die Sichtverhältnisse erfordern.

Wird der Anflug fortgeführt, geht es zunächst noch 0.8 NM weiter geradeaus, bis der Outer Marker überflogen wird. Weitere 1.6 NM später wird der Middle Marker erreicht, wo die Blitzlichter uns den Bogen bis zur Landebahnschwelle anzeigen und die Linkskurve auf Kurs 336° eingeleitet wird.

Es gibt auf Youtube einen sehr nettes Video von diesem Anflug (bei mäßig schlechtem Wetter), was ich euch nicht vorenthalten möchte.

Etwa bei Minute 2:00 seht ihr beim Einleiten der Linkskurve, dass genau in diesem Moment ein Zirkuszelt und eine dahinter liegende Kart-Bahn überflogen wird. Diese markante Stelle lässt sich auch in der Szenerie wiederfinden. Leider wurde von den Designern das Zirkuszelt nicht dreidimensional nachgebildet, aber man erkennt es deutlich auf dem Luftbild. Ebenfalls fehlen die kleinen Checkerboards, die in den Charts aufgeführt sind und die in dem Video – wenn auch schwer – erkennbar sind. Zwar sind sie keinesfalls so markant wie das Gegenstück in Hongkong, dennoch finde ich, dass sie in eine ordentliche Szenerie-Umsetzung gehören.
Trotz dieser kleinen Mängel lässt sich der Anflug im Flugsimulator hervorragend nachfliegen und es finden sich viele optische Anhaltspunkte aus dem Video auch in der Szenerie wieder.

Was man sonst noch wissen sollte

In der spärlichen Dokumentation zur Szenerie sind noch ein paar wichtige Hinweise enthalten, die für den reibungslosen Betrieb der Szenerie von Belang sind. Sie betreffen in erster Linie die Einstellungen zur Geländedarstellung. Hier können falsche Werte zu Darstellungsfehlern führen, die allerdings nicht gravierend sind, sodass sich der Airport auch mit suboptimalen Einstellungen problemlos betreiben lässt.
Ebenfalls steht in der mitgelieferten Dokumentation, dass die Landebahn 11/29 außer Betrieb ist und nur noch in Teilabschnitten als Taxiway verwendet wird. Es wird ein alternatives AFCAD-File mitgeliefert, welches die Piste gänzlich ignoriert. In der Dämmerung und während der Nacht ist die Piste ebenfalls nicht beleuchtet. Ich konnte allerdings keinen Hinweis darauf finden, dass diese Sperrung dauerhaft ist. In den NOTAMs von LICR ist lediglich eine temporäre Sperrung der Piste aufgrund von „Work in Progress“ bis Ende des Jahres aufgeführt.

Fazit

Mit Reggio Calabria hat sich RF Scenerybuilding einen lange Zeit unbeachteten Flughafen vorgenommen und damit eine weitere Lücke in Süditalien geschlossen. Liebhaber von außergewöhnlichen und anspruchsvollen Anflügen bekommen mit diesem Airport endlich die optische Unterstützung, die für den Visual Approach auf Runway 33 nötig ist, um das Anflugmanöver sauber auszuführen. Der Rest der Szenerie ist ordentliche Designarbeit der „oberen Mittelklasse“.
Wer schon immer Interesse an einer Szenerie von Reggio Calabria hatte, macht mit dem Kauf der Umsetzung von RF Scenerybuilding nichts verkehrt. Wer hingegen nur auf der Suche nach Eye Candy für seinen Simulator ist, findet für das gleiche Geld sicherlich ein schöneres Ziel.

Nachtrag (02.02.2016)

Mit der neu erschienenen Version 1.1 hat die Szenerie zahlreiche Verbesserungen erhalten, die in dem obigen Review teils noch bemängelt wurden.

Version 1.1 : changelog

FSX:
texture improvement the apron
adaptation to TABURET-ITALY 19M MESH

P3Dv2:
Reload the model of platform
Reload properties of light
texture improvement the apron
adaptation to TABURET-ITALY 19M MESH

P3Dv3:added installer

Ich hatte nach dieser Rezension auch eine Installation in Prepar3D v3 versucht, hatte aber mit teilweise flackernden Texturen auf dem Apron zu kämpfen. Nach Deinstallation und neuerlichem Aufspielen der Version 1.1 mit dem P3Dv3 Installer ist diesem Problem nicht mehr aufgetreten. Abschließend kann ich für diesen Service und die Pflege des Produktes im Nachhinein nur ein großes Lob aussprechen! Weiter so!

Informationen

PRO CONTRA
  • Photoszenerie mit Autogenanpassung
  • Teile der Stadt mit umgesetzt
  • gute Nachtbeleuchtung
  • z. T. schwammige Texturen
  • keine AES-Unterstützung
  • Checkerboards fehlen
INFORMATION TESTSYSTEM
  • Intel i7-4790k @ 4,4 GHz
  • 16GB RAM
  • Geforce GTX970 4096 MB
  • Windows 7 Home Premium

Frank Schmidt

1 Kommentar
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Danke für die Review, Frank! Die Jungs von RFsb zeigen eine steile Lern- und Qualitätskurve, Da dürfte noch einiges auf uns zukommen.