Review: JustFlight DH 104 Dove / Devon (FSX/P3D)

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JustFlight veröffentlicht die DeHavilland DH104 Dove. Dieser Flieger ist mir das erste Mal in einer Dokumentation über die Ursprünge von LTU aufgefallen. Wie sich der in Deutschland eher unbekannte Oldtimer im Flugsimulator macht erfahrt ihr unter 

Was ist das für ein Flieger?

Die DeHavilland Dove ist im Prinzip ein Mercedes Sprinter mit Flügeln: Platz für 8 Passagiere, Abfluggewicht knapp über vier Tonnen und mit 325 km/h etwa doppelt so schnell. Der Erstflug dieses Zubringerflugzeugs war 1945 und noch heute fliegen einige der 528 (Wikipedia, LTU Classic spricht von 542 Exemplaren) gebauten Maschinen. Eine davon unter anderem für die LTU Classic aus Mühlheim – wobei die Geschichte der Dove bei LTU in der Tat begrenzt war: sie flog nur von 1957 bis 1958 und dann auch in der Regel als Charterflieger für Shell.

Die Dove ist ein Gegenentwurf zu all den automatisierten systemtiefen Computerfliegern, die wir im Simulator „fliegen“. Sie ist ein einfacherer Zeitgenosse der Boeing 377: aufgeladene Kolbenmotoren, Avionik schon mit VOR, aber noch ohne DME und Propeller mit konstanter Geschwindigkeit. Ein Autopilot, der Höhe und Heading halten und Radiale abfliegen kann – das war’s. Allerdings ist das hilfreich, wenn man es ernst meint und die Navigation nicht (was auch möglich ist) mit dem FS-GPS erledigt.

Mit der langsamen Reisegeschwindigkeit eignet sich die Dove für Strecken wie etwa Köln-Frankfurt oder Monterey-San Francisco, während man die nicht allzu weit entfernte Landschaft genießt.

Das verspricht der Hersteller

JustFlight verspricht für 25 Euro zunächst mal eine große Breite an Modellen: Doves mit klassischem Cockpit oder moderner Avionik, Devons mit militärischem Cockpit und das alles mit verschiedenen Bemalungen, selbstverständlich ist auch die LTU-Classic-Maschine enthalten. Ein zusätzliches Paket mit vier weiteren Liveries gibt es für weitere 5 Euro. Eingesetzt werden kann das Addon in allen FSX-basierten Simulatoren. Über die zu erwartende Systemtiefe und Detaillierung wird wenig und damit viel gesagt.

Kauf, Lieferumfang und erster Eindruck

Die Dove gibt es aktuell nur bei JustFlight und im simMarket und findet sich nach dem Kauf in eurem Account als Download wieder. Die Installation funktioniert problemlos und bietet, außer der Wahl des Simulators, keine weiteren Optionen. Eine Seriennummer muss nicht eingegeben werden.

Nach der Installation findet sich auch ein grundsätzlich gut gemachtes Handbuch auf der Platte. Es beschreibt die Instrumente, geht dann allerdings zu detailliert auf das Standard-FSX-GPS ein, das teilweise im Cockpit anzutreffen ist. Anschließend kommt ein Tutorialflug und die obligatorischen Checklisten.

Der Tutorialflug beantwortet zumindest mal so grundsätzliche Fragen wie „wie schnell sollte ich ungefähr mit welchen Klappen fliegen“, aber Weitergehendes (Stall Speeds, Treibstoffverbrauch, vor allem aber Propellerdrehzahlen) findet sich leider nicht. Das wäre in Anbetracht der Komplexität des Flugzeugs vielleicht auch etwas zu viel verlangt. Ein Treibstoff- und Beladungstool gibt es übrigens nicht: das wird alles über das Simulatormenü gemacht.

Für einen ersten Eindruck hier ein kleiner Videozusammenschnitt meiner Flüge.

Cockpit und Instrumente

Besonders die klassischen Cockpits von Dove und Devon (beide sind unterschiedlich!) machen sich sehr gut.

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Einige Instrumente (Wendezeiger, künstlicher Horizont) sahen 1945 noch etwas anders aus als heute, so dass ein wenig Eingewöhnungszeit erforderlich sein könnte.

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Generell ist es im Cockpit so eng, dass man für den realistischen Betrieb öfters mal zwischen Piloten- und Copilotenplatz wechseln muss. Zum Beispiel sind die Benzinhähne und Generatorschalter hinter den Sitzen angebracht.

Der Throttle-Quadrant ist relativ vollgepackt mit Hebel für Schub, Propellerdrehzahl, Kühlklappen, Flaps und die Treibstoffzufuhr. Die Rudertrimmung ist relativ präsent, da beide Motoren in die gleiche Richtung drehen und so ein Giermoment erzeugen. Diese muss durch die Rudertrimmung ausgeglichen werden.

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Wer schummeln möchte, kann sich im klassischen Cockpit per Popup moderne Avionik einblenden lassen (das wird sogar im Tutorialflug so empfohlen).

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Moderne Instrumente gibt es beispielsweise in der LTU-Museumsmaschine D-INKA.

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Das Cockpit der D-INKA sieht übrigens in Echt so aus (jemand scheint im Laufe der Zeit den künstlichen Horizont und den Wendezeiger getauscht zu haben):

Das militärische Cockpit baut etwas höher und hat anstatt der Instrumente am Copilotenplatz einen – natürlich nicht simulierten – analogen Logger (Linienschreiber).

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Außenmodell

Das Außenmodell scheint ganz gut getroffen zu sein. Es ist liebevoll detailliert, einschließlich verschiedener Antennenanbauten.

Es gibt auch Chocks, eine Leiter und eine GPU – all das wird anhand der zwei „Secure-Aircraft“-Schalter und des Powerselectors zugeschaltet und entsprechend dargestellt.

Auch aus der Nähe gibt es nichts zu beanstanden.

Hier noch die – oben schon im Video gezeigte – Navy-Variante.

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Das ist die Simulatorabbildung der D-INKA.

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In Echt sieht das so aus:

Hier noch ein paar Impressionen im Flug.

Flugverhalten und Bedienung

Das Flugverhalten ist seit dem ersten Service Pack (vom 9.2.2016) gutmütig. Vorher war das Verhalten um die Nickachse etwas nervös, jetzt hält die Maschine im Steigflug ihre Geschwindigkeit und den Nickwinkel relativ stabil ein. Der Geradeausflug erfordert, wegen der gleichsinnig drehenden Motoren, leichte Ruderausschläge, sonst fliegt sich das „Maschinchen“ sehr einfach.

Die Landegeschwindigkeit beträgt knapp 65 Knoten, das reicht auch für sehr kleine Flugplätze. Vorsicht – wenn ihr zu langsam werdet, steigt der Anstellwinkel so stark an, dass das Heck gleichzeitig mit dem Hauptfahrwerk aufsetzt. Im Endanflug sollte man also ein Auge auf die Geschwindigkeit haben. Und – diese alte Maschine hat keinerlei Warnung bei nicht ausgefahrenem Fahrwerk, die Lämpchen sind auch nicht unbedingt im direkten Sichtbereich. Die Landecheckliste sollte man also ernst nehmen!

Was ansonsten deutlich auffällt, ist das Knallen bei der Bremsbetätigung (achtet mal im Videozusammenschnitt darauf). Das kann besonders bei leichten Bremsbetätigungen nervig sein.

Manchmal ist bei  Sichtwechseln das Triebwerksgeräusch verschwunden (P3dv3.1), das lässt sich aber durch Stumm- und Wiederanschalten des Tons („Q“) „reparieren“.

Von der Performance her ist die DH-104 wenig anspruchsvoll. Probleme mit der Framerate hatte ich nur beim Anflug auf Southampton (das scheint einfach eine Schwachstelle der Szenerie zu sein) und über Aerosoft’s VFR London in Kombination mit Orbx England (auch da lässt sich das nicht vermeiden).

Fazit

Die Dove / Devon ist ein nettes kleines Oldtimerflugzeug aus einer Zeit, in der langsam die Funknavigation Einzug hielt. Sie ist deutlich einfacher zu bewegen als A2A’s Boeing 377 und damit sicher etwas für Einsteiger. Das Flugverhalten ist mit dem ersten Servicepack sehr gutmütig.

Wer also ein wenig komplexes Flugzeug für Touren zu kleinen Flugplätzen sucht, dabei aber gerne noch per Funknavigation fliegt, für den könnte die Dove interessant sein. Allzu teuer ist sie ja nicht und funktioniert von Haus aus in allen FSX-basierten Simulatoren.

Informationen

Pro Contra
  • Preiswerter, nicht zu komplexer Oldtimer als Einsteiger-Flugzeug für die gute alte Zeit
  • schön detailliert
  • gutmütiges Flugverhalten
  • Dokumentation ohne Performanceangaben und dergleichen
Informationen Testsystem
  • Intel Core i5 3570K, 4 Ghz
  • GeForce 970, 4 Gb
  • Windows 7×64, 8 Gb Hauptspeicher
  • Intel SSD
  • Prepar3D V3.1, FTX Global, FTX Trees HD, FSX mit DX10-Fixer 2.7

Patrick Seiniger

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