Review: A-Flight Approaching Quito (FSX/P3D)

AppQuitoTitleMöchte man die spannendsten, spektakulärsten und schwierigsten Anflüge weltweit auf einer Liste zusammenzutragen, darf der Mariscal Sucre International Airport in Quito/Ecuador nicht fehlen. Sogar die Macher des FSX bedachten den Hauptstadtflughafen in den Anden mit einer Mission. Mit dem Addon “Approaching Quito” hat das Team von A-Flight eine Umsetzung des Flughafens auf den Markt gebracht, die nicht nur den Anflug, sondern auch den Aufenthalt in Ecuadors Hauptstadt zum Erlebnis machen soll.

Quito ist die höchstgelegenste Hauptstadt der Welt: 2.850 Meter über dem Meeresspiegel liegt die 2,2 Millionen-Stadt, die sich in einem schmalen Talkessel, gesäumt von mehreren teils aktiven Vulkanen, über eine Läge von etwa 30 Kilometern erstreckt. Die charmante Innenstadt aus dem 16. Jahrhundert mit ihren beeindruckenden Sakralbauten und dem Präsidentenpalast der Republik Ecuador liegt nur knapp 20 Kilometer südlich des Äquators.

Ich habe Quito bunt und belebt in Erinnerung. Als Treffpunkt verschiedener Kulturen und Marktplatz ausgefallener Waren. Die besondere Geographie inmitten der Anden verleiht der Stadt ihren eigenen, ganz speziellen Charakter. Das heutige Quito wurde durch die spanische Eroberung geprägt. Architektur, Sprache und Lebensweise zeugen von der Konquista unter Sebastián de Belalcazár. Dennoch ist der indigene Hintergrund der Region auch heute noch im Alltag präsent. Viele Namen und Traditionen erinnern an die lang vergangenen Zeit der Inka. Als ich Quito im Jahr 2013 besucht habe, hatte der alte Mariscal Sucre Airport bereits den Betrieb eingestellt. Vom einstigen Luftfahrtdrehkreuz war also nicht viel mehr als die Terminalfassaden zu sehen. Ich habe aber die Möglichkeit gehabt, von einem nahen Berg aus einen Blick auf das ehemalige Flughafengelände zu werfen. Mittlerweile ist dort der größte Park der Stadt entstanden.

Kauf, Installation und Umfang

Der Kauf von Approaching Quito erfolgt wahlweise über simMarket oder direkt bei Aerosoft. Nach abgeschlossener Transaktion erhält man eine 115mb große .zip-Datei mit Installer, der die Szenerie nach Abfrage der Emailadresse und Seriennummer im Verzeichnis /[Simulator]/Aerosoft installiert. Mit dabei ist ein 10-seitiges Manual und ein Appendix “Historic Procedures” mit Erklärungen zum Verhalten bei hohen Dichtehöhen. Charts sind im Handbuch verlinkt. Ursprünglich sollte das Addon neben dem alten Mariscal Sucre Airport auch den neuen Flughafen erhalten. Der ist aber ohne weiteren Kommentar nicht im Lieferumfang enthalten. Ob er durch ein zukünftiges Update nachgeliefert wird ist zur Zeit nicht klar. Nutzer von FSGlobal können mit einem kleinen Config-Tool die Höhendaten der Szenerie anpassen lassen.

Der Flughafen Mariscal Sucre

Ecuadors ehemaliger Hauptstadtflughafen entstand in den 1950er Jahren. Der nach dem Nationalhelden Antonio José de Sucre benannte Airport ist nicht nur Drehkreuz des Flagcarriers TAME und wichtiger Frachtumschlagplatz, sondern auch ein bedeutender Stützpunkt der ecuadorianischen Streitkräfte gewesen. In den letzten Betriebsjahren wurden jährlich um die sechs Millionen Passagiere abgefertigt und über 160.00 Tonnen Fracht umgeschlagen, was Mariscal Sucre zum größten Luftfahrtdrehkreuz des Landes machte. Seine Lage inmitten der belebten Stadt sorgte jedoch mit der Zeit nicht nur für Kapazitätsengpässe; diverse Zwischenfälle im Laufe der Betriebszeit hatten gezeigt, dass der Flughafen in unmittelbarer Nähe zu belebten Straßen und Wohngebieten ein hohes Sicherheitsrisiko für Quitos Bevölkerung darstellte. Im Jahr 2013 übernahm deshalb der “neue” Mariscal Sucre International Airport gut 30 Kilometer außerhalb der Stadt den Betrieb seines Vorgängers.

Erster Eindruck

Wer so wie ich Quito zunächst mit einem Airliner anfliegen möchte, muss ein wenig vorarbeiten. Da der alte Mariscal Sucre mit dem Code SEQU den Flugbetrieb 2013 eingestellt hat und an den neuen Mariscal Sucre (SEQM) übergeben hat, ist der Flughafen in neuen AIRACS nicht mehr vorhanden. Dank mitgelieferter Daten lässt sich ein bestehender AIRAC aber recht simpel “belehren”. Nur drei Schritte sind dafür notwendig. Eine Anleitung dazu gibt es im Manual oder hier. Leider funktioniert dieses Prozedere nur für die PMDG AIRACS. Aerosofts Airbus, PFPX und andere Produkte können nicht einfach angepasst werden. Laut Aerosoft wird NavDataPro zukünftig SEQU beinhalten, Nutzer von Navigraph-Cycles sind aber wohl leider aufgeschmissen.

Nach kurzer Vorbereitung und sorgfältiger Studie der Anflugverfahren konnte es dann also losgehen. Quito lag an diesem Tag zunächst unter den Wolken versteckt. Als man dann allerdings doch einen Blick auf Ecuadors Hauptstadt werfen konnte, war ich ein wenig enttäuscht. Quito wirkt grau in grau, wenig detailliert und nur grob aufgebaut. Große Wahrzeichen wie das Stadion im Anflugbereich, der El Panecillo oder die Altstadt sind nicht umgesetzt worden. Schade, ich persönlich hatte mir von einem Addon, das “Approaching” im Namen trägt etwas mehr erhofft.

Nach gemeisterter, recht stürmischer Landung zeigte sich Quito aber gefällig. Scharfe Texturen und ein gut modelliertes Terminal. Auch die Häuser in direkter Nähe zum Flughafen machen einen stimmigen Eindruck. Schilder und Markierungen sind klar lesbar. Leider haben die Macher von A-Flight keine animierten Jetways installiert. Der Charme des Andenairports kommt gut zur Geltung, schade nur dass der Flughafen sehr leblos wirkt.

Vor dem Rückflug habe ich mich mit dem Prepar 3D Avatar, nennen wir ihn hier Jorge, noch kurz auf Erkundungstour gemacht. Auch die Nahaufnahme des Terminals bestätigt den groben Eindruck; sehr scharfe Texturen und gute Modellierung lassen Gebäude und Vorfeld wirklich gut aussehen. Da Jorge kein Gehörschutz und keine Warnweste trägt, verweisen ihn klar lesbare Hinweisschilder des Platzes. Die Landside des Terminals ist nicht so scharf und detailliert modelliert. Vor allem die Bodentexturen sind hier sehr grob. Das ist allerdings vollkommen okay, da der Bereich vom Cockpit aus sowieso aus keinem Winkel einzusehen ist.

Terminal

Das Terminal am alten Mariscal Sucre Airport war kein Meisterwerk der Architektur, sondern vielmehr eine Ansammlung und Zusammenstellung diverser Gebäude. Die Modellierung von A-Flight gibt diesen Zustand auch sehr gut wieder und bildet das (oder vielmehr die) Abfertigungsgebäude mit seinem charakteristischen blauen Dach treffend ab. Ein modelliertes Terminalinnenleben gibt es zwar nicht, durch einen einfachen Effekt mit zwei Wandebenen macht die Fensterfront der Airside aber trotzdem einen guten Eindruck. Die ein oder andere Glasfront ist zwar dennoch nur als schwarze Fläche dargestellt, der Gesamteindruck leidet darunter aber nicht. Die Texturen sind scharf und stellen schöne Farbkontraste dar, die dem speziellen Flair des südamerikanischen Flughafens gerecht werden. Auf dem Vorfeld sind einige Beltloader und Container verteilt. Etwas schade finde ich, dass die fünf statischen Jetways alle in Reih- und Glied auf der gleichen Art und Weise positioniert sind.

A-Flight trifft mit ihrer Terminalmodellierung den Nagel auf den Kopf. Über einige kleine Schwächen lässt sich hinwegsehen, da die performante Umsetzung, das Original sehr gut abbildet.

Bodentexturen

Genau wie die Modellierung der Terminals entspricht auch die Texturierung der Szenerie einer soliden Qualität. Besonders auf dem Terminalapron hat sich das Team von A-Flight sehr viel Mühe mit der Bodentexturierung gemacht. Die Linien und Markierungen sind nicht nur scharf gezogen, sondern zeigen zum Teil auch Abnutzungs- und Verwitterungsspuren. Der Gesamteindruck passt und ergänzt sich sehr gut mit dem stimmigen Terminal. Leider sind die Verschmutzungen der Taxiways zum Teil etwas eckig geraten. Die Grünflächen passen farblich gut ins Bild, verfügen aber über kein 3D-Grass.

Flughafengelände

Neben dem Terminal gibt es auf dem Flughafengelände noch viele weitere Gebäude die den individuellen Charme des Andenflughafens abbilden. Leider ist die Spanne zwischen sehr detaillierten Gebäuden und einfach gehaltenen Bauwerken sehr groß. Während der Hangarkomplex der TAME beispielsweise einen wirklich guten Eindruck mit vergleichsweise scharfen Texturen und schönen Details macht, wurden andere Gebäude nur mit einfachen und sehr groben Texturen bedacht. Dennoch überzeugen auch hier aufwendige Modellierungen, wie beispielsweise die wellenförmige Konstruktion auf der Westseite des Flughafens oder Garagen und Abstellanlagen. Vielleicht hätten an dieser Stelle einige statische Fahrzeuge das Gesamtbild noch abgerundet.

Insgesamt ist auch bei Betrachtung des gesamten Flughafengeländes das Potential der Szenerie zu erkennen. Leider zieht sich über das Areal aber auch eine fast schon bedrückende Trostlosigkeit. Da der Flughafen schon seit 2013 geschlossen ist, gibt hier mit neueren AI-Traffic-Plänen keinen Verkehr. Statische Flugzeuge, zumindest als Option, würden die Szenerie in meinen Augen deutlich aufwerten, zumal auch nach Schließung des Flughafens einige Flugzeuge (beispielsweise C-130 der Luftwaffe) auf dem Gelände zurückgeblieben sind.

Flughafenumfeld und Stadt

Da der alte Mariscal Sucre Airport mitten in der Stadt lag und der Anflug somit direkt über die Häuser der Einwohner führte, hat das Team von A-Flight auch das Flughafenumfeld großflächig umgestaltet und modelliert. Leider ist das nicht wirklich gut gelungen. Quito ist flächendeckend sehr grau, zum Teil gibt es Häuser mit viel zu hohen Spitzdächern. Bedeutende Gebäude und Wahrzeichen sucht man vergebens und an einigen Stellen findet man ein europäisch oder nordamerikanisch wirkendes Luftbild, auf dem vollkommen deplatzierte Gebäude stehen.

Die folgenden Bilder entstanden in 1:1-Vergleichen mit FTX Global.

Im direkten Flughafenumfeld hat A-Flight deutlich detaillierter gearbeitet. Dieser Bereich ist wirklich gut gelungen und spiegelt das reale Quito gut wieder. Mehr davon, besonders im Anflugbereich würde der Szenerie gut tun und Approaching Quito einen individuelleren Reiz verschaffen.

Der Flughafen bei Nacht

Auch die Nachtdarstellung ist kein wirkliches Aushängeschild der Szenerie geworden. Zwar ist das Vorfeld gut ausgeleuchtet und auch der Terminalbereich verfügt über eine passende Beleuchtung, einige Leuchteffekte wirken aber unstimmig oder fehl am Platz. So erscheinen auf den Dächern der Terminals zum Teil Lichtkegel und in manchen Bereichen fehlen die zugehörigen Lichtquellen zum Laternenschein. Volumetrisches Licht gibt es leider nicht, die Farbe der Beleuchtung finde ich allerdings gut getroffen. Der Flughafen wird nicht in hellem Halogen, sondern in warmen gelblichen Tönen ausgeleuchtet.

Auch die Taxiway- und Runwaybeleuchtung des Flughafens ist nicht wirklich überzeugend gelungen. Wenig Leuchtkraft und keine Centerlinebeleuchtung (Edit: Beleuchtung der Centerlines war scheinbar auch in der Realität nicht vorhanden), dazu kaum Farbenspiel, was die Lichter eines Flughafens ja gerade so spannend macht. Auf eine Anflugbefeuerung muss man in Approaching Quito leider verzichten. Ehrlich gesagt bin ich mir aber auch nicht wirklich sicher in welcher Form am Mariscal Sucre Airport eine solche existiert hat. Leider habe ich kein Video gefunden um das zu überprüfen.

Die Straßen der Stadt wirken in der Dunkelheit zweckmäßig und sehen vielleicht sogar etwas besser aus als am Tage. Schade, dass alle Gebäude pechschwarze Dächer haben, das passt nicht ins Gesamtbild. Das deutlich detailliertere, nahe Flughafenumfeld grenzt sich stark vom Rest der Stadt ab. Im Anflug sind die so entstehenden, scharfen Kanten schon in großer Entfernung zu erkennen und trüben die Herausforderung der Landung in Quito ein wenig.

Fazit

Ich persönlich war wirklich ein wenig enttäuscht, dass die Szenerie ein sehr eintöniges, liebloses Quito darstellt. Die belebte Hauptstadt mit ihrem besonderen Andenflair ist im Simulator wenig atmosphärisch abgebildet. Ein unpassendes Luftbild und deplatzierte Reihenhäuser lassen im Anflug kaum Stimmung aufkommen. Nach der Landung punktet der Flughafen Mariscal Sucre dafür aber mit starken Modellen und scharfen Texturen. Dank einer herausragenden Performance müssen sich auch Nutzer von schwächeren Systemen keine Sorgen um Fps und VAS machen. Zwar ist die Nachtdarstellung noch verbesserungswürdig, eine anständige Atmosphäre bietet der Flughafen an sich aber trotzdem. Ein wenig mehr Leben durch statische oder sogar animierte Objekte wäre dennoch eine willkommene Ergänzung und würde die Szenerie meiner Meinung nach noch deutlich verbessern.

Wer Approaching Quito kauft, muss sich im Vorfeld auf ein wenig Konfigurationsarbeit einstellen und, zumindest im Moment, auf den Airbus verzichten. Für VFR-Flüge gibt die Szenerie wenig her, dafür liefert A-Flight aber eine gute Umsetzung des alten Flughafen Mariscal Sucre, die alte Zeiten wieder aufleben lässt. Raus aus dem Hangar mit der KLM MD-11!

Informationen

Pro Contra
  • scharfe Texturen
  • detailierte Bodentexturen
  • gute Modelle
  • ausgezeichnete Performance
  • angepasstes Mesh
  • wirkt leblos
  • sehr lieblose Darstellung der Stadt
  • keine animierten Jetways
  • NavData-Anpassung z.T. nicht möglich
  • Nachtdarstellung
Informationen Testsystem
  • Entwickler: A-Flight/Aerosoft
  • Versionen: FSX/P3D
  • Preis: 22,94€
  • Kauf: Aerosoft/simMarket
  • Größe: 115 MB (Download), 240 MB (Installiert)

 

  • Intel I7-4790K @ 4,4 Ghz
  • Geforce GTX 970 OC
  • Windows 10, 64Bit
  • Prepar 3D 3.1

 

 Tom Domenic Götz

3 Comments
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Danke für das Review! SEQU verfügte auch in der Realität über keine Centerlinebeleuchtung.

Danke für das sehr gute Review und das “kein Blatt vor den Mund nehmen”. Das deckt sich 100% mit meinem Eindruck. Nach der vollmundigen Ankündigung vor Jahren wirklich EXTREM enttäuschend. Hier sollte/muss wirklich noch SEHR viel nachgebessert werden. Gerade das Circling auf die 17 ist/war einer meiner Lieblings-Anflüge und immer wieder auch mal DER Grund, die eigentlich angeliebte MD11 aus derm Hangar zu holen. Dabei ist mal aber mit der alten Boros Forero Szenerie fast noch besser bedient…

Mir gefällt die Scenery sehr gut und Ich finde es spannend zwischen diesen Bergen zu navigieren. Ein Mesh ist zu empfehlen. (Ich benutze FreeMeshX)
Besonders die abgenutzten Texturen des Airports und die Wellblech Hangare gefallen mir.
Die Navdata war mit der Anleitung von Marcello einfach zu installieren und ich fliege jetzt sogar SID’s und Approaches ab FMS (PMDG).
Den einzigen Kritikpunkt den ich habe ist, dass der Airport komplett leer ist. Ich habe mir Gunnars AI Airport Enhancer etwas Traffic generiert und so Abhilfe geschaffen.
Wer etwas Konfigurations Arbeit nicht scheut dem kann ich den Airport empfehlen.