Review: Aerosoft M. R. Stefanik Airport Bratislava (P3d v4/5)

Neuheiten für die “alten” Simulatoren sind mittlerweile rar. Vermutlich sind aber viele von euch, so wie ich auch, nach dem Zauber der neuen Plattform wieder zu Prepar3d zurückgekehrt. Seit mein Simulator-Rechner von einem AMD Ryzen angetrieben wird laufen “V4” und “V5” (darin habe ich das Add-on getestet) darauf exzellent, stabil und performant mit all den tollen Flugzeug-Addons, die unser Hobby zu großen Teilen ausmachen. Trotzdem kann man sich ja fragen, warum denn nun gerade genau Bratislava interessant sein sollte: Bratislava liegt tatsächlich nur 55 km und etwa 10 Flugminuten von Wien entfernt. Das gerade neu erschienene Addon von Aerosoft bringt darüber hinaus nach alter Schule nicht nur den Flughafen, sondern auch eine Modellierung der Stadt mit – was gut ist, denn der Platz liegt gerade mal neun Kilometer von der Innenstadt entfernt. Es gibt hier also optisch attraktive Anflüge, und wenn man nicht viel Zeit ist, gerne auch direkt aus Wien. Tja, und deshalb habe ich mir den Platz von Pavel Movzer, entstanden mit Unterstützung von Aerosoft und Christian Bahr (hey Christian, warst Du nicht nur noch im MS FS unterwegs:)? ) mal für euch reuige Rückkehrer oder Liebhaber komplexer Flugzeugsimulationen angeschaut.

Das verspricht der Hersteller, Kauf, Installation

Bratislava gibt es für knapp 24 Euro u.a. im simMarket. Versprochen wird  dortneben der Darstellung des Flughafens eben noch die Modellierung fast der gesamten Stadt Bratislava sowie in der Umgebung 125 Quadratkilometer Fototextur (das klingt viel, ist aber umgerechnet ein Quadrat mit der Kantenlänge von gut 11 km). Von PBR-Texturen ist nicht die Rede, wohl aber von Finessen wie SODE-Unterstützung für nasse und schneebedeckte Landebahn, diverse jahreszeitliche Effekte, Windsäcke und dergleichen, sowie – viel wichtiger – statischen Flugzeugen (mit Bemalungen von echten Fluggesellschaften! Das ist man ja heute nicht mehr gewohnt), Personen und Fahrzeugen.

Der Kauf funktioniert anstandslos, es folgt bei der Installation die Personalisierung mit dem bekannten Aerosoft-Installer und – wie in letzter Zeit bei Aerosoft üblich – die Installation der Charts in den Navigraph-Offline-Viewer. Belegt werden 2.3 Gb auf der Festplatte, mitgeliefert wird eine knappe Anleitung sowie ein Konfigurations-Tool, das die Aktivierung oder Deaktivierung von einigen Features erlaubt.

Erster Eindruck – Anflug aus Wien

Einer der Gründe, warum mal ein Linienflug Wien-Bratislava im Gespräch war, ist sicher, dass die Austrian ihre Wartungsarbeiten (sicher nur teilweise) in der Slowakei durchführen lässt, nämlich genau hier, auf dem Flughafen Stefanik Bratislava. Das habe ich mit einer Dash 8 Q400 mal nachempfunden und habe knapp über 10 Minuten gebraucht. Der Anflug geht eigentlich ganz einfach immer der Donau nach, der LZIB liegt dann hinter der kleinen Bergkette der “kleinen Karpaten”. Leider bin ich im Video ein paar Augenblicke in die falsche Richtung der Donau nachgeflogen, das hat mich wertvolle Minuten gekostet.

Der Anflug war sicher nicht ganz regulär und alles auf Sicht, aber ich finde, man bekommt einen guten Eindruck der Nähe zwischen den beiden Flughäfen. Verzeiht mir das etwas schwierige Taxiing in Bratislava, ich hatte die q400 in Prepar3d v5 noch nicht korrekt konfiguriert.

Mein erster Eindruck jedenfalls: Schön, dass die Stadt dabei ist, und schön, dass durch die statischen Flugzeuge etwas Leben auf dem Platz ist. Die Texturen finde ich etwas synthetisch, ansonsten passt das aber ganz gut.

Was mir weniger gut gefallen hat: Es scheint eine Diskrepanz zwischen Schnee auf dem Flugplatz und Schnee in der Umgebung zu geben. Anbei ein Anflug mit der 777, beginnend etwa auf Höhe von Wien, bei dem das Flughafengelände mit Schnee bedeckt ist.

Der Flughafen

M. R. Stefanik war ein Politiker, der vor über 100 Jahren bei einem Flugzeugabsturz in Bratislava starb, nach ihm wurde der Flughafen dann einige Zeit später benannt. Kurze Informationen: ICAO LZIB, IATA BTS, 2 etwa gleich lange Bahnen in Richtung 04/22 und 13/31, wobei der Anflug aus Richtung 04 über das Stadtgebiet führt und nur als Circling Procedure und ohne Landehilfen zur Verfügung steht. Es gibt ein Terminal mit angebautem Tower sowie Fracht- und Werftbereich. Mit 2,3 Millionen Passagieren (zu besseren Zeiten) werden etwa soviel Personen wie in Hahn (ebenfalls zu besseren Zeiten), aber weniger als ein Zehntel des großen Nachbarn Wien abgefertigt. Mehr Hintergrundinformationen gibt der ausführliche Artikel auf Wikipedia.

Terminal

Das Terminal aus dem Jahr 2012 ist eine Glaskonstruktion, der Tower stammt aus den 90er Jahren.

Die Modellierung ist generell gut und detailreich, allein die Texturen wollen mir nicht gefallen. Vielleicht bin ich da doch zu sehr verwöhnt mittlerweile, aber die Oberflächen der Gebäude sehen für meinen Geschmack etwas zu plastisch und künstlich aus (festmachen würde ich das beispielsweise an der Reflexion der Betonoberfläche im ersten Bild und am Bratislava-Schriftzug). Möglicherweise sind es keine PBR-Texturen, da bin ich aber leider kein Fachmann.

Beschriftungen und Details sind aber – wie gesagt – durchaus liebevoll gemacht. Das hier abgebildete Follow-Me-Fahrzeug hat ein passendes Nummernschild und ein stimmiges Logo, das sieht ähnlich aus wie auf Fotos aus Bratislava.

Luftseite

Das Vorfeld ist belebt durch ziemlich viele Dinge und animierte Fahrzeuge, die da so rumstehen. Es stehen auch einige Menschen herum, bei denen laut Handbuch Christian Bahr geholfen hat. Wirklich divers XXXis die Ansammlung aber nicht unbedingt.

Der Tower hat ein sehr interessantes Design, aber die Oberflächen sind auch hier etwas künstlich. Ob das Material nun Plastik, Beton oder Metall ist, ist schwierig zu beurteilen. Was mir generell ganz gut gefällt (auch erkennbar auf den weiteren Bilder) sind die Bodentexturen.

Hier der Werftenbereich, der sich als Ziel von Werkstattflügen mit allerlei Gerät von Austrian anbietet. Darüber hinaus gibt es noch eine Halle von Air Livery, einer Lackierfirma für Flugzeuge.

Fracht spielt hier auch eine Rolle, auch wenn die hier basierte Frachtfluggesellschaft Air Cargo Global noch vor der Pandemie den Flugbetrieb eingestellt hat.

Kurzes Zwischenfazit zu Terminal und Luftseite: Modellierung und die “Lebhaftigkeit” des Vorfelds passen sehr gut, Schwachpunkt ist meiner persönlichen Ansicht nach leider nur die Texturierung der Gebäude.

Landseite und direktes Flughafenumfeld

Die “andere” Seite des Terminals wird von Parkplätzen dominiert. Glücklicherweise ist alles gut zu finden, weil die Anfahrtsbeschilderung vorhanden ist (teilweise hinter Bäumen versteckt). Und auf dem Weg zum Flughafen gibt es die üblichen Bau- und Möbelmärkte.

Bahnen und Umgebung

Die Bahnen einschließlich Beleuchtungseinrichtungen und Beschilderungen gefallen mit gut, und die Nebengebäude (Radar, Anflughilfen, Feuerwehr) im Bereich der Landebahnen sehen gut aus und machen das weite Feld interessant.

Was leider nicht so gut gelungen ist, das ist der Übergang zwischen Fototextur und Umgebung (hier: Orbx openLC EU). Da wäre eine größere Fototextur sicher besser gewesen, damit der harte Übergang nicht so nah am Flugplatz  einsetzt.

Nachts

Nachts gibt es nur was zu sehen, wenn die dynamischen Lichter aktiviert sind. Dann ist das Vorfeld ausreichend ausgeleuchtet, allein aus der Luft sieht man die Bahnen nicht. Was für einen Fehler ich da gemacht habe (wenn ich es war) kann ich nicht sagen, allein – so macht ein Anflug bei Nacht keinen Spaß. Hier sollte dringend nachgebessert werden. Die Taxiway-Beleuchtungen sind vom Cockpit aus immerhin erkennbar.

Das hier ist die vollständige Sicht auf die Landebahn 22 in der Abenddämmerung.

Bratislava

Angenehm ist, dass die Stadt Bratislava nachgebildet ist, und das sieht gut aus. Auf den folgenden beiden Bildern ist zu erkennen, wie nah der Flughafen an der Stadt liegt. Auf der nördlichen Seite der Donau ist die Stadt mit Fototextur unterlegt, südlich der Donau gibt es “nur” sehr viele neu eingefügte Gebäude.

Und das sind viele klassische Plattenbauten, wie man sie aus Osteuropa kennt. Und schön bunt angemalt, wie man das eher seit der Wende auch aus Deutschland kennt.

Die nördlich der Donau gelegenen Stadtteile sind viel moderner.

Auch nachts gefällt mir die Stadtszenerie gut.

Sehr schön ist der Fernsehturm von Bratislava gelungen, der als Wahrzeichen über der Stadt thront.

Fazit

Bratislava hat mich überrascht. Die Umsetzung von Flughafen, Stadt und Umgebung gefällt mir gut, solide, mit kleinen Schwachpunkten (synthetisch wirkende Texturen, Nachtbeleuchtung der Landebahn, Randbereiche der Fototextur), aber endlich mal wieder mit einer schönen Nachbildung der Stadt. Und genau das mache ich im Simulator gerne: Städte anfliegen, von denen man bei der Landung auch was sieht.

Nun ist der Flughafen von Bratislava nicht der Nabel der Welt, aber er erweitert das Streckennetz aus Österreich (Innsbruck 430 km, Salzburg 300 km, Graz 170 km, Wien 55 km). Wer also gerne über der Alpenrepublik unterwegs ist, für den könnte Bratislava interessant sein. Die gut 24 Euro halte ich wegen der enthaltenen Stadtszenerie für gerechtfertigt, wenn auch kein Schnäppchen.

Informationen

Pro Contra
  • Umsetzung der Stadt gut getroffen
  • Flughafen gut modelliert
  • Texturen wirken synthetisch
  • Nachtbeleuchtung der Bahnen zu dunkel
  • Übergänge der Fotoszenerie
Testsystem
  • Entwickler: Pavel Movzer
  • Preis: 23,95 €
  • Kauf: u.a. simMarket 
  • AMD Ryzen 5 5600X
  • Prepar3d 5.1 letzter Hotfix, Orbx FTX Global und openLC EU
  • GeForce GTX 1080, 8 Gb
  • Windows 10×64, 32 Gb Hauptspeicher
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Interessant: Als die EU-Außengrenze noch zwischen Wien und Bratislava verlief, gab es für dringende Angelegenheiten regelmäßige “Kurierflüge” zwischen beiden Städten zur Umgehung der unberechenbaren Grenzstaus auf der Autobahn mit Maschinen vom Typ Turbolet 410.
Quasi kürzestmöglicher Feierabendflug im Sim.