Frag Captain Joe: “Welche Frequenz drehe ich wann ein?”

“Happy New Year!” Die erste Frage in 2021 kommt von Thomas. Er will von Joe wissen: “Bei großen Online-Events merkt man, dass der Funk eine aufwendige Sache ist, da man von einer Station zur nächsten gereicht wird. Woher wissen Verkehrspiloten welche Frequenz sie eindrehen müssen und kommt es vor, dass man versehentlich die Falsche eindreht?“

Antwort von Joe:
Im Approach, wenn es auf schnelle und knappe Funksprüche ankommt, kann man viele Frequenzen schon „pre-selecten“. In den Anflugkarten sind die meisten Funkfrequenzen aufgelistet, sodass man diese schon im Voraus eindrehen kann. Dies ist besonders empfehlenswert um den Wechsel zwischen Tower und Ground Lotsen nach einer Landung reibungslos abzuwickeln. Der Towerlotse ruft meist noch beim abbremsen (Full Reverse Thrust) in den Funk um den Taxiway und die Ground Frequenz mitzuteilen. Diese ist meist kaum zu hören, da ist es dann hilfreich dass man sie schon vorselektiert hat.

Sollte man irrtümlicherweise die Frequenz missverstanden haben und bekommt beim Initial Call keine Antwort auf der fälschlichen Frequenz, springt man zur letzten Frequenz zurück, bitte den Lotsen die Frequenz nochmals zu wiederholen und korrigiert seine Eingabe! Ist jedem Piloten schon Mal passiert!

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Wen ich mir “Real ATC” Mitschnitte anhöre, dann frag ich mich immer wieder, ob man das überhaupt verstehen kann, oder ob das lediglich eine Bestätigung der ohnehin schon ausgewählten Frequenz ist…

Und dann natürlich die ganze Abkürzerei, die mich in den Wahnsinn treiben würde: “Contact Ground on 119 decimal 5” Antwort: “Ground on 9 point 5”. Öfter schon so gehört.

Wenn ich bei IVAO wirklich mal eine Frequenz gesagt bekomme die für mich überraschend ist, weil z.B. der kleine Flughafen, auf dem eigentlich gar keiner online ist von einem größeren Flughafen “mit” versorgt wird, dann gerade ich jedesmal leicht ins schleudern…

Hatte jeweils einmal das Vergnügen inflight im Cockpit eines Airliners zu sitzen und im Tower* eines Flughafens vorbeizugucken und konnte beide Male den Funkverkehr mithören, daher kann ich dir folgendes mitteilen: Das ATC hörst mit dem Equipment im Cockpit und im Tower viel viel klarer und deutlicher, als das was du von liveatc und ähnlichem gewohnt bist. Diese Services nutzen meist nur mittelmäßige Empfangsgeräte, die dazu meist auch noch vom Boden betrieben werden. Im Flugzeug und im Tower hast du viel bessere Empfangsgeräte und dazu meist noch Active-Noise-Cancelling im Headset, da ist der Funkverkehr viel klarer mit weniger Störgeräuschen.

*Tower war in Rostock/Laage, ein Bundeswehrflughafen, bei dem auch der Tower von der BW betrieben wird. Die waren da sehr locker drauf und nahmen uns bei einer Besichtigung sogar mit in den Tower. Die DFS ist beim Betrieb ihrer Tower da sehr viel strenger, da kommt in der Regel kein Außenstehender rein, nichtmal mit Vitamin B. Ich weiß von einem Kollegen, der bei der Flughafenfeuerwehr Leipzig arbeitet, dass nicht mal die eigene Feuerwehr zum Training in den Tower gelassen wird. D.h. sollte es dort jemals brennen, wüssten die nicht, wie es da drin aussieht, bevor die zum Einsatz kommen.

Na da hat dir aber jemand einen ordentlichen Bären aufgebunden…

¯\_(ツ)_/¯

Was mich mal interessieren würde wäre. Was machen die Piloten eigentlich wenn sie von Heathrow nach JFK fliegen, hat man dort in der Luft die ganze Zeit was zu tun oder genießt man auch mal die Aussicht? Wäre echt mal interessant zu wissen.

Lg
Daniel

Für den Flug ohne Radar-Abdeckung, zum Beispiel im Nord-Atlantik gibt es eigene procedures, was den Sprechfunk anbelangt. Wenn du nach “North Atlantik Operations And Airspace Manual” googelst, bekommst du haufenweise Information.

Die Piloten sind auf diesen Routen dazu aufgefordert sich an jedem Wegpunkt mit einem Position-Report zu melden. Das kann via Sprechfunk oder sofern damit ausgestattet per CPDLC (Controller Pilot Data LINK Communications) erfolgen. Quasi sowas wie ein Text “Messenger” für den Luftverkehr. 😉
Eine weitere Aufgabe ist, den geplanten Kerosin-Verbrauch lt. Flugplan mit dem tatsächliche zu vergleichen, sowie natürlich die Instrumente im Cockpit auf Absonderlichkeiten im Auge zu behalten.

Super, danke für die Antwort! Klasse 🙂

Und sie geben aktuelle Wettermeldungen (z.B. Turbulenzen etc) durch, damit Shannon oder Gander dies bei den übrigen einfliegenden Flugzeugen als Hinweis mitgeben kann.