Erster Eindruck: oliXsim Junkers Ju 52/3m (X-Plane)

Anfang dieses Monats ist eine Umsetzung der Junkers Ju 52/3m von oliXsim erschienen. Zur damaligen Zeit unheimlich erfolgreich, ist sie aus heutiger Sicht für die meisten Flugsimulanten ganz sicher ein eher ungewöhnlicher Anblick und nichts für jeden. Wer aber eine Schwäche für solches Altmetall oder speziell die Ju 52 hat, der kann die Umsetzung für X-Plane 11 bei simMarket.de für 26,12€ erwerben. Wir hoffen, euch mit diesem ersten Eindruck bei der Kaufentscheidung behilflich sein zu können.

Im Grunde hatte ich gar keinen Artikel zur Tante Ju geplant. Konkret hatte ich nicht mal vorgehabt, mir dieses Produkt zuzulegen. Ich fand den Flugzeugtyp schon immer interessant, genießt die Tante Ju doch einen sehr legendären Ruf, aber ich bin momentan eigentlich sowieso schon gut beschäftigt und mein Steckenpferd ist zwar Altmetall, allerdings bin ich meistens mit etwas jüngeren Flugzeugen, in Richtung der 1960er- und 1970er-Jahre, beschäftigt.

Als dann bei Reddit (/r/flightsim) allerdings ein Nutzer Interesse an der Ju 52 bekundet hat und um Einschätzungen ob des unbekannten Herstellers gebeten hat, habe ich sie mir doch einmal zugelegt und angesehen, um mir selbst ein Bild davon zu machen und dem Nutzer ein Feedback geben zu können. Das Feedback ist abgegeben, aber was liegt jetzt noch näher meine Eindrücke noch einmal auf Deutsch zu verfassen und mit euch zu teilen?

Die Tante Ju genießt einen legendären Ruf und vor allem fliegt fliegt sie noch heute, beispielsweise bei der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung. Die dort verwendete Ju 52 ist auch die, die hier umgesetzt ist, nämlich die unter Luftfahrtenthusiasten bekannte D-AQUI (heutige Registrierung D-CDLH), deren damalige Luftfahrzeugkennung noch heute in großen Lettern auf dem Rumpf und den Tragflächen sichtbar ist, während die aktuelle an den heute notwendigen Stellen am Flugzeug vorhanden ist. Das Flugzeug hat also Markierungen für zwei Registrierungen, wobei nur die eine rechtlich relevant ist.

Installation

Dazu ist nicht viel zu sagen. Es geht nicht simpler. Das Zip-File, das nach dem Kauf heruntergeladen wird, wiegt knapp 62 MB, also per se schon nicht viel, und der Inhalt wird einfach in den Aircraft-Ordner von X-Plane 11 eingefügt. Das war es. Keine Aktivierung, kein gar nichts. Feine Sache. Unterstreicht aber natürlich auch, dass der Anspruch seitens des Entwicklers nicht extrem hoch liegt.

Optik

In Sachen Optik ergibt sich für mich ein etwas gemischter Eindruck. Man sollte hier keine offenstehenden Münder erwarten, aber ich habe auch keine große Enttäuschung empfunden. 4K-Texturen hat man hier natürlich nicht, und im Cockpit ist auch nicht mit der letzten Finesse gearbeitet worden, aber gerade dort hat man so einige Feinheiten umgesetzt und Details beachtet, mit denen ich so nicht gerechnet hatte. Die Circuit Breaker, also die Sicherungen, sind an der Tafel über dem Durchgang zur Kabine angebracht und jede einzelne Sicherung ist ausmodelliert. Nun kann ich die Korrektheit dieser Tafel natürlich mangels eigener Erfahrung nicht beurteilen, aber das sieht schon alles realistisch und passend aus. Also Mühe hat man sich definitiv gegeben. Auch sonst erkennt man im Cockpit ganz klar die Ju 52 der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung wieder. Wer ein wenig an die Panels und Instrumente heranzoomt, erkennt eine gewisse Unschärfe, aber man kann ja sagen, was man möchte: Eine gewisse Liebe zum Detail ist da.

Außen fällt der Eindruck ein wenig schlechter aus, daher ist der Gesamteindruck auch ein wenig gemischt. Auch hier sind so einige Details, die auf dem ersten Blick ein wenig quirky anmuten, umgesetzt, das finde ich toll. Zum Beispiel die Tankfüllstandsanzeigen auf den beiden Tragflächen, auf die man von innen blicken kann. Oder den Schlitz zwischen der Flügelhinterkante (Ailerons und Flaps) und dem Rest der Tragfläche. Aber das absolut herausstechende Motiv ist Wellblech und eben die Verkleidung des Rumpfes und der Tragfläche. Und die wirkt leider nicht so beeindruckend. Man muss nicht fürchterlich weit hineinzoomen, um die Unschärfe zu erkennen und insbesondere im Zusammenspiel mit Anbauteilen wie den Landelichtern ist kein Übergang vorhanden. Es geht von der unscharfen Grundtextur direkt auf das recht hochauflösend umgesetzte Anbauteil, das sieht ein wenig unelegant aus.

Davon abgesehen wirkt die Maschine, insbesondere wenn man nicht auf die Details heranzoomt, wirklich ganz ansehnlich. Ich muss gestehen, ich war in Sachen Optik ob des Preises und des unbekannten Herstellers insgesamt positiv überrascht.

Sound

Das war der Punkt, an dem ich die größten Befürchtungen hatte. Man kann damit soviel gut, aber auch entsprechend viel kaputt machen. Hier muss ich sagen, dass ich eine Ju 52 erst einmal aus ca. 500m Distanz beim Rollen gehört habe, insofern bin ich da definitiv niemand, der den Anspruch erhebt, den korrekten Sound exakt im Ohr zu haben. Aber kurzum: der Sound der drei Sternmotoren ist in der Umsetzung hier für meinen Geschmack zu zahm und zu leise, weswegen ich die Lautstärke im Innern des Flugzeugs hochgedreht habe. Dankenswerterweise gibt es immerhin einen Sound, mit dem man arbeiten (also ein wenig nach Gehör fliegen) kann und der klingt auch nicht abgrundtief schlecht, aber beeindrucken kann er auch nicht, dafür klingt er zu generisch und vielleicht nicht mechanisch genug. Wer sich also zu dem Muster YouTube-Videos ansieht, dort Anlasssounds oder Triebwerkssounds hört und diese auch im eigenen Simulator erwartet, der wird eher enttäuscht sein. Es hätte mich aber auch sehr gewundert, das muss ich zugeben. Davon abgesehen sind nicht viele Geräusche wahrzunehmen. Manchmal kann man sehr leise die Klappen hören, fast immer gehen sie unter. Aber auch das ist ein generisches Geräusch. Hier passiert nicht viel. Gemessen am Preis akzeptabel, aber absolut kein Punkt, mit dem man Werbung machen kann. Das macht oliXsim aber fairerweise auch gar nicht. Gerade den Sound könnt ihr euch in folgendem Video, bei dem ich die Tante Ju nach einem Touch-and-Go auf eine kleine Platzrunde schicke, ein wenig anhören.

Systeme

Mein liebstes Thema! Auch hier war ich ein wenig überrascht. Das hätte man auch deutlich schlimmer machen können. Die Sicherungen hinter den Piloten sind natürlich nicht umgesetzt, aber die grundlegenden Zusammenhänge, die passen schon ganz gut. Das Electrical Panel ist an der gleichen Tafel wie die Sicherungen untergebracht und macht einen soliden Eindruck. Wenn ein Motor nicht läuft, wird der Schalter, der den entsprechenden Generator anwählt, wieder in Neutralstellung gesetzt, das hätte ich so nicht automatisch vorausgesetzt. Die Motoren lassen sich nur starten, wenn der Engine Master Switch , die Startmagneten und der Treibstoff zugeschaltet ist, während das mittlere Triebwerk direkt vor den Piloten nur mit elektrischer Treibstoffversorgung gestartet werden kann. Klingt überzeugend.

Das Fluggefühl ist für mein laienhaftes Empfinden grundsätzlich okay. Man kann mit der Ju 52 von oliXsim wirklich angenehm VFR fliegen und die Landschaft bei der geringen Geschwindigkeit genießen. IFR ist dank zweier VOR-Receiver, einem NDB-Receiver und einem HSI, das auch ILS-Anflüge ermöglicht, natürlich auch möglich. Aber ohne Autopiloten. Das gefällt mir natürlich sehr gut. Zur Aircraft Performance kann ich beinahe noch weniger sagen, was ich mit Fakten untermalen kann, es gibt einfach nicht wahnsinnig viel dazu im Netz, was in die Richtung Performance geht. Ich habe den Eindruck, das Flugzeug (zumindest optisch im Vergleich zu aktuelleren Flugzeugen ja ein halber Möbelwagen) gleitet ein wenig zu gut. Dazu habe ich den Eindruck, dass das Flugzeug ein wenig zu gut motorisiert ist, aber das kann auch ein kompletter Irrtum sein. Immerhin ist das nicht völlig abseits des Vorstellbaren.

Wer sich aber in einer Situation mit starkem Seitenwind auf dem Boden wiederfindet, der sollte besser Pedale haben, mit denen er links und rechts unabhängig bremsen kann, um – wie damals üblich – steuern zu können, weil das Spornrad in aller Regel nicht lenkbar war. Hier wurde es lenkbar gemacht, um auch den Joystick-Würgern ohne Pedale das Manövrieren zu ermöglichen, allerdings bietet des Spornrad sehr schnell nicht mehr ausreichend Grip, um sich in der Spur zu halten.

Aber da ich der Umsetzung ein Hilfsmittel für den nicht ganz so gut ausgestatteten Piloten nicht vorwerfen kann, würde ich abschließend bei meiner Meinung zum Flugverhalten sagen: die Tante Ju lässt sich nachvollziehbar durch die Luft bewegen und ist dabei unheimlich gemütlich, was die Reaktion auf Steuereingaben angeht. Wirkt glaubhaft, wirkt gut.

Bedienung

Ich kann lobend erwähnen, dass man dank Scrollwheel-Unterstützung recht angenehm mit dem Flugzeug umgehen kann, wobei das hier gar nicht so extrem nötig ist, denn die meisten Schalter, die zum Starten und Bedienen benötigt werden, müssen geklickt werden. Drehknöpfe werden dann bei der Navigation ein wenig wichtiger, wobei man dort auch erst mal darauf kommen muss, dass die VOR-Empfänger erst einmal angeschaltet werden wollen, und zwar mit Drag-and-Pull. Aber davon ab, habe ich hier wenig zu tadeln, es ist ja auch kein schrecklich komplexer Flugzeugtyp und keine wahnsinnig komplexe Umsetzung.

Fazit

Das Fazit fällt für mich recht deutlich aus. Die Frage, ob ich dieses Flugzeug weiterempfehlen kann, kann ich mit einem klaren “Ja, aber…” beantworten. Ganz klar ist das hier kein Flugzeug, das jeder haben muss, dafür ist es nicht beeindruckend genug, und selbst dann ist vielen der Flugzeugtyp zu speziell. Wer aber ein Faible für diese Art Flugzeug, vielleicht sogar genau für die Ju 52, hat, für den könnte es vielleicht etwas sein. Beim Preis bin ich persönlich selbst ein wenig zwiegespalten. Ich als jemand, der sich dieses Flugzeug aufgrund des nicht ganz so großen Interesses an diesem Flugzeugtyp im Simulator sonst vermutlich nicht angesehen hätte, hätte dieses Geld wahrscheinlich nicht ausgegeben. Bin ich dennoch froh, dass ich mir dieses Flugzeug angesehen habe? Tatsächlich ja, ich könnte es mir sogar vorstellen, es dann und wann mal auf VATSIM auszuführen, wenn es wieder daran geht, Tower-Trainees ein paar VFR-Situationen zu bieten. Und wenn mir das so geht, dann ist die Chance groß, dass es einem eingefleischten Fan der Tante Ju oder Flugzeugen dieser Zeit das Geld wert ist. Dieses Flugzeug ist gut genug, dass ich niemandem davon pauschal abraten würde und das, liebe Leser, heißt auch schon mal was.

Informationen

Pro Contra
  • angenehm zu fliegen
  • interessantes Vorbild
  • Liebe zum Detail
  • grundlegende Systemzusammenhänge glaubhaft umgesetzt
  • Texturauflösung ein wenig niedrig
  • mittelmäßiger Sound
  • Flugzeugperformance nicht immer glaubwürdig
Informationen Testsystem
  • Entwickler: oliXsim
  • Versionen: X-Plane 11
  • Preis : 26,12€
  • Kauf: simMarket.de
  • Größe: 62 MB
  • Intel Core i5 2500K @ 4,3 Ghz
  • Geforce GTX1060 6GB
  • 16 GB DDR3-RAM
  • Windows 10 64Bit
  • X-Plane 11.21

 Jonas Lapp