Erster Eindruck: J. Mueller New York John F. Kennedy International v2 (X-Plane)

intro

Bislang war der beste Payware Airport für den John F. Kennedy Flughafen (KJFK) die Fassung aus den New York Airports von Drzewiecki Design, doch jetzt gibt eine neue Version der alten Payware KJFK – New York John F. Kennedy International v2 für knapp 21 €

Kann diese neue Version, die sich mit 20.000 Objekten und über 1.000 Animationen rühmt, gegen die Fassung der New York Airports durchsetzen ?

Rückblick

Rufen wir uns zunächst einmal in Erinnerung, was der John Ford Kennedy International Flughafen in Wirklichkeit ist. Er ist für sich betrachtet der sechstgrößte Flughafen der USA überhaupt und liegt 24 km östlich von Manhattan. Beide Faktoren sind für die neue Fassung des KJFK von entscheidender Bedeutung wie wir im weiteren Verlauf sehen werden.

Werfen wir zuerst einmal einen Blick auf die Drzewiecki-Fassung. Diese kann vor allem mit guten Texturen aufwarten. An einigen Hangars fängt der Beton an Risse zu zeigen und auch die Runways sind verschmutzt. Man hat sich vor allem bei den Gebäuden viel Mühe gegeben, doch ansonsten ist das Gelände relativ leer. In einigen Bereichen sind sogar Fahrzeuge nur als Texturbelag auf den Boden gezeichnet. Das wirkt bei einem Überflug glaubhaft, aber aus der Nähe ist es etwas irritierend.

Die Ursache für diese Vorgehensweise ist klar. Der Flughafen ist und bleibt ein konvertierter FSX Flughafen. Man hat zwar darauf geachtet die Nachttexturen des FSX zu dämpfen und die künstlichen Lichtquellen der HDR Beleuchtung ins Spiel zu bringen, was Drzewiecki Design auch recht gut gelingt, aber es ist ein FSX Flughafen, der an dieses Umfeld angepasst ist.

Man stellt nicht einfach Objekte in die Gegend, schließlich verwenden die meisten FSX Nutzer KI-Flugzeuge und Bodenverkehr und es ist nicht besonders glaubhaft, wenn diese durch andere Bodenfahrzeuge oder Flugzeuge fahren.

Auch muss man die Anzahl von Objekten und den von ihnen benötigten Speicherplatz genau im Auge behalten. Dabei spielt nicht nur der aktuelle Speicherplatz eine Rolle, sondern auch der virtuelle Speicherplatz. Jedes geöffnete Objekt und jede Textur nimmt einen Speicherbereich ein und genau diese virtuellen Adressen sind heute die Ressource, die dem FSX und P3D am schnellsten ausgehen.

Vor allem 3D-Objekte können diesen Platz rasend schnell blockieren. Daher arbeitet man im FSX eher mit ausgetüftelten Texturen, mit denen man beim Überflug jedoch durchaus sehr annehmbare Ergebnisse erzielen kann. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass alle herumstehenden Flugzeuge nicht etwa von Drzewiecki Design stammen, sondern von einem Nutzer auf Basis der OpenScenery X erstellt wurden.

Doch nachts sind alle Katzen grau, dementsprechend bleibt auch von den kunstvollen Texturen weit weniger übrig.

Grundlagen KJFK v2

Doch X-Plane 10 arbeitet auf einer ganz anderen Basis. Noch in X-Plane 9 waren die Texturen im Vergleich zur FSX Welt ausgesprochen unscharf und farblos. Man übersprang eine ganze Reihe von Optimierungsschritten und setzte in einem Schritt auf die modernen Grafikkarten, für die plötzlich viele der alten Wahrheiten nicht mehr gelten. Wo für den Microsoft Flight Simulator verschieden große Ansichten definiert wurden, damit weit entfernte Objekte nicht mehr Platz einnehmen als unbedingt möglich, nutzt X-Plane 10 immer ein Objekt in maximaler Auflösung, doch wenn dieses Objekt mehrfach auftaucht kann eine moderne Grafikkarte diese sehr effizient mehrfach darstellen (Indexing).

Und genau diesen Ansatz folgt Jeff Muellers neuer KJFK v2. Texturen spielen hier eine untergeordnete Rolle, dafür wirft der Autor mit Objekten nur so um sich. Selbst bei mehrstöckigen Parkhäusern ist jede Ebene mit 3D-Objekten gefüllt.

Installation

Schon bei der Installation merkt man die unterschiedlichen Hintergründe der beiden Sceneries. Während Drzewiecki Design unter Windows einen eigenen Installer ausliefert und man nur für Mac OS X und Linux Nutzer auf eine manuelle Installation setzt, wird bei KJFK v2 einfach eine zip-Datei entpackt und in den Custom Scenery Folder gelegt – Fertig.

Das ist in Wirklichkeit schneller als bei Drzewiecki Design, bei denen nach der Installation auch noch statische Flugzeuge installiert werden müssen, da ansonsten ein Großflughafen wie KJFK sehr verlassen aussieht. Auch mit den X-Plane eigenen KI Flugzeugen oder dem im Vergleich zu X-Plane und P3D Lösungen immer noch sehr primitiven World Traffic,

Performance

Das ist natürlich ein sehr interessanter Punkt, denn KJFK v2 zaubert mal kurz 20.000 Objekte aus dem Hut. Eine solche Datenmenge im FSX oder P3D und das System steigt sofort aus. Dafür benötigt man schon ein wenig Hardware, doch selbst mit einem etwas angegrauten i7-950, 18 GB RAM und einer nicht so angegrauten Nvidia 770 mit 4GB VRAM läuft der Flughafen mit recht hohen Einstellungen ohne Probleme.

Um die Performance zu vergleichen haben wir mit der Epic 1000 beide Sceneries getestet. Wie erwartet ist die Drzewiecki Fassung ressourcenschonender als KJFK v2 (20-35 fps gegenüber 18-30 fps).

Allerdings spielen die eigentlichen Sceneries nur bedingt eine Rolle. Wir vertrauen in beiden Fällen auf einen HD Mesh v3 Unterbau. Damit hat man auch eine recht vernünftige Darstellung von Manhattan, die Rechenzeit ziehen kann. Durch eine Entfernung von 24 Kilometern ist man jedoch häufig nicht in der Lage von JFK aus Manhattan zu sehen, was sich positiv auf die Performance auswirkt.

Noch weniger Probleme hat man mit einem Helikopter wie der Dreamfoil Bell 407, da diese noch etwas weniger Leistung benötigt und gerade zur Erkundung so eines großen Flughafens geeignet ist.

Mit dem neuen JARDesign Airbus A330 sieht es etwas anders aus. Dieser Flieger ähnelt in vielen Bereichen der A320 Neo, besitzt aber ein deutlich verbessertes FlyByWire und auch der Autopilot wurde minimal verbessert. Doch für seine ganzen optischen Effekte und sein FMC geht auch einiges an Leistung drauf, so dass er häufig genug gerade mal auf 19fps kommt.

Die FlyJSim 737-200 müht sich nicht großartig mit einem FMC ab, hat aber in Bezug auf die Flugdynamik einiges zu bieten und ist daher nur geringfügig performanter als der A330.

Ein anderes Flugzeug hat sich inzwischen jedoch als echte Performancebremse erwiesen: die neue Version der  DA-42 von Aerobask. Sowohl an Aerosofts Flughafen Heathrow, wie auch am neuen Miami City XP von Drzewiecki Design brach die Performance mit diesen Flieger zusammen, weil plötzlich sogar die Texturen alleine mehr als 4 GB VRAM belegten (Auch wenn das in Miami bei sehr vielen Flugzeugen der Fall ist, wenn man die Textur-Auflösung extreme nutzt)… Ganz anders bei KJFK v2. Die DA-42 ist zwar alles andere als schnell, aber auch mit 16 fps ist das Flugzeug noch benutzbar.

Der Flughafen ist mit seinen Texturen wesentlich zurückhaltender und nutzt dafür stärker die Rechenpower moderner Grafikkarten, die ansonsten in vielen Fällen unter X-Plane nicht ausgenutzt wird. Der Autor gibt deshalb Tips zur Performance-Optimierung auf der eigenen Hardware. Generell sollte man mit einem echten 4-Kern i5 keine größeren Probleme haben, solange die Grafikkarte halbwegs modern und mit mindestens 3 GB VRAM ausgestattet ist.

Außerdem sollte das System mehr als doppelt so viel RAM wie VRAM aufweisen und nicht deutlich langsamer als 3 Ghz getaktet sein, wobei ein Übertakten häufig unter X-Plane mehr Probleme verursacht, als wirklich – wie beim FSX – die Performance zu verbessern.

Texturen und Aufbau

Wie schon erwähnt sind die Texturen im Vergleich zu Drzewiecki Designs ein wunder Punkt, vor allem was die Gebäude angeht, nicht so sehr bei besonders komplexen Bauwerken, sondern  bei den einfachen Gebäuden wie z.B bei den Cargo Terminals. Bei den Gebäuden selbst gibt es hingegen kaum Unterschiede.

Was man hingegen sehr schön sehen kann ist die enorme Objektdichte dieses Flughafens. Fast überall stehen Fahrzeuge oder andere Flugzeuge. Man sieht dem Flughafen an, dass er ein sehr beschäftigter Großflughafen ist.

Dabei hat der Designer Jeff Mueller auch daran gedacht Taxi-Routen einzuzeichnen. Das heißt KI-Flugzeuge fahren nicht einfach durch Terminals und andere Flugzeuge, sondern sie halten sich an die Rollwege.

Wenn man möchte kann man sogar selbst in einem Auto die Zufahrtsstrassen unsicher machen.

DD La Guardia, im Hintergrund KJFKv2

DD La Guardia, im Hintergrund KJFKv2

Außerdem blendet KJFK v2 nun auch andere Flughäfen aus. Das heißt, wenn man die Flughäfen von Drzewiecki Design nutzen möchte und nur KJFK ersetzen will genügt es, dass KJFK v2 weiter oben in der scenery-packs.ini Datei gespeichert ist als die New York Airports von Drzewiecki Design.

Außerdem verfügt der Flughafen natürlich über AutoGates. Das heißt, wenn im Planemaker die richtigen Parameter gespeichert wurden, erhält man bei einer Annäherung an ein Terminal eine korrekte Entfernungsanzeige für den eigenen Flugzeugtyp und wenn man richtig geparkt hat, fährt nach dem Abschalten der Triebwerke die Fahrgastbrücke heran.

Kennedy International bei Nacht

Wenn es Nacht wird sehen die beiden Flughäfen noch einmal deutlich unterschiedlicher aus. Bei Drzewiecki Design sind fast nur die Passagier-Terminals selbst beleuchtet und sogar die Rollwege sind dunkel, was damit begründet wird das John F. Kennedy International keine Rollfeld-Beleuchtungen habe. Das entspricht jedoch nur zum Teil der Wahrheit. Mehrfach sind in John F. Kennedy die Rollfeldbeleuchtungen durch Überschwemmungen beschädigt worden (New York leidet immer noch unter den Nachwirkungen des Hurrikans Sandy!), das kann auch durchaus zu der Zeit gewesen sein, als man Drzewiecki Design ihre Daten sammelte.

Doch ansonsten besitzt KJFK Rollfeld- und Rollbahnbeleuchtungen, wie es auch in KJFK v2 der Fall ist. Vor allem fallen bei Nacht die vielen zusätzlichen Objekte erst recht ins Auge. Und mit der Vielzahl an einzelnen Lichtquellen kann es die Drzewiecki Fassung erst recht nicht aufnehmen, das wesentlich stärker auf beleuchtete Glasfassaden setzt. Und – gezeigt ist die kleinste von drei zur Verfügung stehenden Helligkeitseinstellungen.

Bodenverkehr

Wenn man im Custom Scenery Verzeichnis den Ordner von KJFK_v2 with 1000+ Animations öffnet findet man dort einen GROUNDTRAFFIC INSTRUCTIONS AND OPTIONS Ordner. Öffnet man diesen, findet man eine PDF Datei und drei Unterordner mit jeweils einer GroundTraffic Textdatei.

Entsprechend der Anleitung lädt man zwei weitere Dateien aus dem Internet herunter und installiert diese. Nun muss nur noch eine der drei GroundTraffic.txt Dateien in den KJFK_v2 Hauptordner kopiert werden, und schon gibt es eine weitere dramatische Verbesserung des Flughafens, allerdings auf Kosten der Rechenzeit.

Dutzende von Bodenfahrzeugen fahren herum, Flugzeuge bewegen sich zwischen den Terminals und Start- und Landebahnen hin und her, Schiffe fahren durch das Hafenbecken, Flugzeuge werden be- und entladen und die inneren Terminalbereiche, die nicht vom X-Plane Default Verkehr bedient werden können, sind plötzlich überfüllt mit Bussen und Autos, die Passigere zum Flughafen bringen oder abholen.

Zwar sind die Animationen recht einfach und lediglich Scriptgesteuert, doch im Vergleich ist auch Aerosofts Heathrow ein verschlafenes Nest. Und dieser Luxus kostet gerade einmal 3 fps. Da man jedoch schon vorher bestenfalls bei 20 fps startete wird das Flugverhalten nicht gerade einfacher, wenn man zum Beispiel einen AS350B Helikopter  für den Überflug nutzt, die aufgrund ihres nervösen Flugverhaltens (in der Simulation, wie auch in der Realität) immer eine Herausforderung darstellt. Da ist im Vergleich eine B737-200 wesentlich nervenschonender.

Fazit

Gerade im Zeitalter der FSX Konvertierungen zeigt KJFK v2 eine Reihe von interessanten Ansätzen, vor allem für Besitzer leistungsstarker Rechner. Allerdings steht und fällt er mit seinen Gebäudetexturen.

Für die Besitzer der Vorversion ist er damit auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Für Neulinge in der X-Plane Welt ist die Sache jedoch etwas komplizierter. Zwar kann man dank Tools wie Auto-LOD auch durchaus in der Umgebung solcher Performance Monster recht gut fliegen, aber leider versteckt er einigte seiner innovativsten Ansätze. Für Leute, die auf 16-Bit Rechnern ihre ersten Schritte unternommen haben, ist so etwas zwar kein besonders großes Problem, aber gerade für Ein- und Umsteiger aus der FSX-Welt wäre ein Konfigurationsmenü doch eine deutliche Erleichterung.

Wenn man dann auch noch die Texturen etwas verbessern würde, wäre der Flughafen auch der geforderte Vollpreis mehr als gerechtfertigt. Schließlich kosten die New York Airports von Drzewiecki Design gerade einmal 9 € mehr, beinhalten dabei aber 5 statt einen Flughafen.

Informationen

Pro Contra
  • Sehr viele Objekte
  • Nachtbeleuchtung
  • Bodenverkehr
  • Exclusion Zones
  • Taxi Routes
  • Texturen
  • Benutzerführung
Informationen Testsystem
  • Entwickler: Jeff Mueller
  • Preis : 21,42 € inkl. MwStr.
  • Kauf:  simMarket
  • (für Besitzer der alten Version gibt es auf X-Plane einen Upgradepreis von $9.95).
  • Größe: 974 MB
  • Intel Core i7 950, 3.1 Ghz
  • GeForce 770, 4 Gb VRAM
  • Windows 8.1×64, 18 Gb RAM
  • X-Plane 19.31

Karsten Schubert

1 Kommentar
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen

Danke für deine Eindrücke, die ich so teilen kann. Die Animationen in Jeffs KJFK sind wirklich gelungen und zeigen, wohin die Reise gehen sollte. Die Frage wird sein, ob sich der doch recht aufwändige Ansatz mit dem GroundTraffic-Plugin weiter durchsetzen wird, oder ob Entwickler weiterhin in der Masse darauf verzichten wollen…