Erster Eindruck : Icarus EGCC Manchester (X-Plane)

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Professionelle Szenerie Designer haben es mit X-Plane 10 bislang alles andere als leicht gehabt. Während sie unter FS9 und dem FSX immer wieder mit einem festen statischen Unterbau zu tun hatten, machte X-Plane 10 eine ganze Reihe von Dingen anders und bereitet sehr vielen FSX-Designern Kopfzerbrechen. Kann das Team Icarus, das sich mit Mykonos für X-Plane  einen Namen machte, mit Flughafen Manchester für gerade einmal 23 €  beweisen, dass man auch in X-Plane sehr gute Flughäfen erstellen kann?

Grundlagen

Doch was macht überhaupt X-Plane zu so einem großen Problem? Vor allem das neue High Dynamic Range Rendering, das mit Direct X 9c und OpenGL 1.4 von den Grafikkartenherstellern eingeführt wurde, veränderte die ganze Farbdarstellung.

Farcryhdr

Ein Beispiel aus FarCry

Es waren nicht mehr die einzelnen Oberflächen, die den Gesamteindruck prägen, sondern bei jeder Fläche müssen zunächst die lokalen Lichtbedingungen einberechnet werden um das wahre Aussehen in absoluten Zahlen zu bestimmen. Erst nach Berechnung des gesamten Sichtfeldes kann man bestimmen wie das menschliche Auge auf diese Situation reagiert, um schließlich zu berechnen, was das Auge im Endeffekt sieht. Für die Berechnungen innerhalb von X-Plane hatte dies auch noch zur Folge, dass es pro Bild nicht nur einen, sondern zwei Draw-Zyklen gab, einen für die echten Flächen und einen für Effekte.

Dann gibt es noch solche Dinge wie eine vollkommen andere Terrain-Darstellung , über ein anderes AutoGen, bis zu der Tatsache, das man noch nicht einmal den kompletten Entwurfsprozess in professionellen Tools wie 3dsMax durchführen konnte, sondern erst den Umweg über Blender gehen musste, weil X-Plane nun einmal auf das kostenlose Blender ausgerichtet war.

Hinzu kam das Problem, das sich zunächst auch die zugrundeliegende Darstellung mehrfach geändert wurde und nur das von den Entwicklern mitgepflegte WED in der Lage war, mit diesen Änderungen Schritt zu halten. So hatten die Payware-Entwickler nur eine unwesentlich bessere Ausgangslage als die zahlreichen Freeware-Entwickler, die häufig auch noch eine wesentlich längere Erfahrung mit X-Plane hatten.

Daher entschied sich Aerosoft dafür, bei Manchester nicht auf eines der eigenen Teams zurück zu greifen, sondern das unabhängige Team Icarus mit diesen Projekt zu beauftragen, das mit der Insel Mykonos einen eindrucksvollen Beweis ihres Könnens in X-Plane vorgelegt hatte. Doch der Flughafen von Mykonos selbst ist weit kleiner als Manchester, auch wenn man in Mykonos die gesamte Insel abgebildet hat.

Der Flughafen

Der Airport Manchster ist nach den Passagierzahlen der drittgrößte Flughafen Großbritanniens und der größte Flughafen außerhalb des Großraums London. Dabei hat man es erst 2014 mit knapp 22 Millionen Passagieren geschafft, an die Hochzeiten vor der Finanzkrise (2005-2007) anzuknüpfen. Man hat immer noch ein Viertel weniger Flüge und ein Drittel weniger Frachtaufkommen als damals. Dafür kann man heute auch Flugzeuge wie die A380 abfertigen.
ManchsterRoofsNight03

 Die Freeware

ManchesterFree03

Um zu sehen ob dieses Projekt sich klar vom Freeware Niveau abheben kann, fliegen wir Manchester (in einer AirFoilLabs C172) zunächst als Freeware an und wechseln erst danach zu Aerosofts Payware.

Gemeinerweise erschien knapp einen Monat vor dem Erscheinen dieser Payware auch noch eine neue, wesentlich verbesserte Freeware Version die wir für diesen Test heran ziehen (allerdings ist auch diese Freeware ein Moving Target. Alle paar Tage liegt ein neues Update vor).

Im Anflug macht diese Freeware auch einen sehr guten Eindruck. Sie ist gut in die Umgebung eingebettet und auf den ersten Blick scheint alles an Ort und Stelle zu sein. Derart unscharfe Bodentexturen, wie sie Aerosoft bei Heathrow hatte sind hier dank synthetischer Texturen nichts zu sehen. Das hier und da mal ein Taxiway nicht geschlossen ist, fällt nicht ins Gewicht.
Wenn man sich den Gebäuden oder auch den statischen Flugzeugen jedoch nähert, verschlechtert sich der zunächst sehr gute Eindruck. Die meisten Objekte wirken ein wenig grob. Ihren Texturen fehlt der letzte Feinschliff.

Freeware bei Nacht

Auch Nachts bestätigt sich dieser Eindruck. Aus der Entfernung ganz ordentlich, aber wenn man nahe heran kommt, zerfällt die ganze Beleuchtung in einzelne Lichtquellen. Diese lassen sich zwar in X-Plane einfach und leicht platzieren, doch damit ist es normalerweise nicht getan, schließlich geht es darum Flächen und Objekte zu beleuchten und nicht durch Blendung die Leute nachtblind zu machen. Man werfe nur einen Blick auf das nächste Bild aus der Payware.

Installation der Payware

Manchester-01

Payware bei Nacht

Wie üblich bei Aerosoft ist alles zunächst in einem knapp 750 MB großen Installer verpackt, der automatisch nach Eingabe der Seriennummer den Airport Manchester und sein dazugehöriges Mesh in das „Custom Scenery“- Verzeichnis von X-Plane installiert, die zusammen auf knapp 1,9 GB kommen.

Der erste Blick auf den Flughafen

Wie bei der Cessna 172 üblich stehen wir zunächst neben dem Flugzeug, das per Default erst mal an einem Terminal untergebracht wurde, und sehen sofort deutliche Unterschiede.
Die Bodentexturen deklassieren die Freeware und so gut wie alle anderen X-Plane Payware Flughäfen ebenso. Auch die wenigen Teile von Gebäuden und statischen Flugzeugen, die wir auf den ersten Blick sehen, offenbaren eine weitaus bessere Schärfe und Genauigkeit.

In Anbetracht dieser Unterschiede nutzen wir die Möglichkeiten des Simulators und erheben uns ohne Flugzeug in die Luft, um einen Überblick zu bekommen.

Und dieser hat es in sich. Wir sehen sofort, das hier deutlich mehr Gebäude in der Nähe des Flughafens umgesetzt wurden und das mit einer bislang nicht gesehenen Texturqualität! Sehen wir uns nun Teile des Flugplatzes bei Nacht an.

Wir sehen auf den ersten Blick: Hier wurde endlich umgesetzt, an was Laminar lange gearbeitet hat: Die nahezu perfekte Verschmelzung von direkten und indirekten Lichtquellen.
Aerosoft hatte in Dublin und dem recht verlassenen Anchorage schon mal leichte Ansätze davon anklingen lassen, aber nicht in dieser Quliätät. Hier verschmelzen die direkten Lichtquellen und Beleuchtungstexturen harmonisch miteinander, ohne dass die Unterschiede ins Auge fallen.

Der erste Flug

GroundByDay02

Höchste Zeit, das wir uns nun wirklich einmal mit dem Flugzeug umsehen. Schließlich macht eine derartige optische Opulenz nur Sinn, wenn man auch schon im Anflug und beim Taxiing einen Unterschied macht.

Schon auf dem Weg zur Startbahn sehen wir immer wieder, dass diese Payware in einer anderen Liga spielt. Hier kommen auch Flughäfen wie Dublin nicht ganz mit, von der Freeware-Version von Manchester müssen wir erst recht nicht reden.

Dieser positive Eindruck wiederholt sich auch beim Start. Desto bebauter der Bereich ist, desto extremer ist der Unterschied zur Freeware, nicht zuletzt wenn wir die Gelegenheit nutzen und mal die Zeit ein wenig vorstellen. In der Dämmerung sieht der Flughafen noch eindrucksvoller aus.

Doch es sind nicht nur die Gebäude in der ersten Reihe , die diesen Flughafen auszeichnen, auch die dahinter stehenden Gebäude, die in der Freeware überhaupt nicht existieren, wurden eindrucksvoll in Szene gesetzt. Dabei zeigen die meisten Straßen auch den X-Plane-typischen Autoverkehr, so dass der Übergang von Szenerie zur Umgebung ausgesprochen fließend erfolgt.

Erst bei der Landung wird deutlich, dass zahlreiche Bäume der Szenerie gelb gefärbt sind. Es könnte sich jedoch auch hier um unerwartete Nebenwirkungen der Europe- oder einen anderen Library handeln.

ManchesterOverview04Auch die Farbabstimmung der auf den Parkplätzen befindlichen Fahrzeuge lässt ein paar Fragen aufkommen, wie auch der Rechtsverkehr, der in Großbritannien eigentlich nichts zu suchen hat (auch wenn letzteres Problem eher bei Laminar und nicht bei Icarus liegen dürfte).

Effekte

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Wie viele andere Flughäfen verwendet auch Manchester das Ground Traffic Plug-in, um etwas Bodenverkehr zu haben. Allerdings haben wir in Manchester bislang nur einen großen Schlepper und eine A320 mit eigenem Schlepper, die herum fahren. Für so einen großen Flughafen ist das nicht gerade besonders viel.

Außerdem sind die Jetways mit Autogate ausgestattet. Das heißt, wenn das Flugzeug identifiziert wird, und wenn im PlaneMaker vom Designer die richtigen Koordinaten des Vorderrades eingegeben wurden (wie es bei der FlyJSim 732 der Fall ist), wird angezeigt wie weit das Flugzeug noch fahren muss. Sobald das Flugzeug dann die Triebwerke ausschaltet, fährt die Brücke heran um den Passagieren einen direkten Zugang zu gewähren (was bei der 732 nicht ganz funktioniert, weil sie darauf noch nicht ausgelegt war).

ManchsterRoofs05Während viele andere Hersteller bislang mit zusätzlich installierten OpenSceneryX Flugzeugen arbeiten um statische Flugzeuge zu liefern, bringt Manchester gleich eigene Modelle mit. Wenn man (wie für viele andere Plug-ins nötig) das Python Plug-in installiert hat, liefert Manchester ein eigenes Python Skript mit. Dieses packt man einfach in das Skripts Verzeichnis des Python Plug-ins und fortan hat man ein Airport Manchester Plug-in, mit dem man augenblicklich die statischen Flugzeuge an und abschalten kann, ohne das Programm anzuhalten und neu zu laden.

Ein anderes großes Highlight sind die animierten Radaranlagen, wie man an diesen Tower sehen kann (die Ruckler bitte ich zu entschuldigen, sie sind dem NVidia-Aufzeichnungstool zu verdanken). Zusätzlich haben wir hier ein grandioses Beispiel, wie perfekt die Gebäude in die Umgebung eingebettet sind und wie sie zwischen Tag und Nacht wechseln.

Zusätzlich blinken alle installierten Warnleuchten, an den Gates, wie auch an den Startbahnen. Alles zusammen führt zu einer absolut überzeugenden Nachtbeleuchtung.

Performance

Wie bereits öfter erwähnt ist die Belastung in X-Plane im allgemeinen nicht einfach festzustellen, weil nicht alles wie im FSX von der CPU abhängt. Statt dessen kommt es eher zu einer Überlastung einer Komponente, der man aber mit der Reduzierung bestimmter Einstellungen begegnen kann. Davon abgesehen gibt es natürlich eine gewisse generelle Systemlast, wenn man so viele detaillierte Objekte gezielt in einem Gebiet platziert. In diesen Fall kommen wir auf eine Verlangsamung von etwa 1-3 fps, was im allgemeinen Rauschen nahezu untergeht.

Fazit

Icarus hat es tatsächlich geschafft mit dem Airport Manchester eine neue Bestmarke für X-Plane-Flughäfen zu setzen. Dabei hat man häufig nicht viel mehr gemacht, als die bisherigen Techniken konsequent einzusetzen und dabei die Leistungsfähigkeit heutiger Rechner berücksichtigt, anders als es zum Beispiel bei JFK der Fall war.
Die bisherigen Kritikpunkte sind ausgesprochen gering oder noch nicht einmal Icarus anzukreiden, sondern Laminar. Dabei dürfte die Berücksichtigung des britischen Linksverkehrs wohl eher relativ bedeutungslos sein. Besserer AI-Traffic auf den Flughäfen könnte, vor allem in Kombination mit einer Partikelengine, die wohl noch innerhalb von X-Plane 10 Einzug halten wird, eine weit größere Bedeutung haben. Auch solche Dinge wie vernünftige Unterführungen dürften auf der Wunschliste der Scenery-Designer wesentlich höher stehen.
Dass es zu Kollisionen des Custom Mesh mit nahe gelegenen Flughäfen kommen kann, war immer bekannt, wofür Icarus auch schon einen HotFix veröffentlicht hat. Ansonsten gibt es wirklich nur Kleinigkeiten zu kritisieren.
Es liegt natürlich nahe diesen Flughafen mit der Version von IDS für den FSX/P3D zu vergleichen, wenn er erst mal fertig ist, doch ganz einfach ist so ein Vergleich nicht. Sie müssen sich schließlich primär in die Umwelt ihrer jeweiligen Simulatoren einfügen. Die Gebäude von X-Plane würden im FSX und P3D sehr seltsam wirken, wie auch umgekehrt. Genauso werden sie andere Schwerpunkte gesetzt haben.
In X-Plane ist die Sache auf jeden Fall klar: eine klare Kaufempfehlung.

Informationen

Pro Contra
  • Sehr gute Texturen
  • Sehr gute Nachtbeleuchtung
  • Zahlreiche Animationen
  • Sehr gute Einbettung in die Umgebung
  •  Nichts wesentliches
Informationen Testsystem
  • Entwickler: Aerosoft (Projevt Icarus)
  • Preis : 22,94 €.
  • Kauf:  simMarket
  • Größe: 750 MB
  • Intel Core i7 950, 3.1 Ghz
  • GeForce 770, 4 Gb VRAM
  • Windows 8.1×64, 18 Gb RAM
  • X-Plane 10.40b8

Karsten Schubert

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