Erster Eindruck: Aerosoft Night Environment Germany

Aerosoft hat gestern ein Addon für Nachtschwärmer veröffentlicht: Night Environment Germany soll das Nachtflug-Erlebnis über unserer Heimat revolutionieren! Doch wie sieht Deutschland denn nun konkret im Dunkeln aus? Wir haben für Euch eine kleine Deutschland-Tour unternommen und geben einen Einblick in die Vor- und Nachteile dieses Produkts.

Wer gerne im Dunkeln fliegt, kennt das Problem: Die Nachttexturen sind meistens unrealistisch. Insbesondere, wenn man über Europa fliegt, da die Länder dann völlig unterschiedlich aus der Luft aussehen. Manche Länder beleuchten die Straßen vorzugsweise mit orangen Straßenlaternen, andere Länder hingegen bevorzugen eine rein-weiße Straßenbeleuchtung. Mischformen, wie hierzulande, gibt es auch noch.

Hinzu kommt die Gretchenfrage, wo überhaupt Straßenlaternen vorzufinden sind: In bewohntem Gebiet und im Industriegebiet. Das ist klar – aber wie sieht es mit Landstraßen und Autobahnen aus? In denen BeNeLux-Ländern ist man großzügig und beleuchtet auch die Autobahnen. In Frankreich gibt es viele Autobahnen mit Straßenlaternen, wenn auch nicht alle. Und in Deutschland sehen wir höchstens auf Stadtautobahnen Straßenbeleuchtung.

Klar, dass ein Addon, wenn es schon länderspezifisch ist, diesen Gegebenheiten Rechnung tragen sollte. Leider ist das bei Germany Night Environment nicht der Fall!

Es stellt sich aber die Frage, inwiefern das schlimm ist! Klare Antwort: Es tut ein bißchen weh, aber die Verbesserung, die das Addon bringt, ist wunderbar. Wir sollten uns vor Augen halten, das wir in den vergangenen Jahren sehr verwöhnt worden sind, was die Szeneriedarstellung bei Tag angeht. Was jedoch die Nacht angeht, gibt es nur wenigen Addons – und die begnügen sich allesamt auf einen Austausch der Texturen.

Das hat zur Folge, dass die Nachttexturen oft nur bis in eine mittlere Entfernung von der Flugzeugposition dargestellt werden. Doch genau das ist Blödsinn, denn in klaren Nächten kann man aus großen Höhen oft weit über 200 Kilometer weit blicken! Und es kommt hinzu, dass die Default- oder Austauschtexturen nur sehr schwach leuchten. Wer aber schon einmal nachts über dichtbesiedeltes Gebiet, wie bspw. das Ruhrgebiet, geflogen ist, weiss, dass der Boden beinahe “glüht” – auch noch in großer Entfernung!

Genug der lange Vorrede: Designer Chris Bell hat für Night Environment Germany (und seine Schwesterprodukte) ein ganz neues Konzept entwickelt, das aus realistischeren Austauschtexturen und individuellen Lichtpunkten besteht. Letztere sind übrigens georeferenziert; Datengrundlage hierfür sind reale Straßenverläufe.

Das wiederum hat den Vorteil, dass die Produktreihe sich wunderbar mit anderen Addons ergänzt, die unter anderem realistische Straßenverläufe beinhalten. Als Beispiele seien hier openVFR Germany, Ultimate Terrain Europe X, Orbx FTX Global Vector angeführt, um einmal die populärsten Addons zu nennen. Die Lichtpunkte von Night Environment Germany sortieren sich dann in die eventuell bereits bestehende 3D-Straßenbeleuchtung aus diesen Addons ein. Manche Addons bieten übrigens die Möglichkeit, die eigene 3D-Straßenbeleuchtung zu deaktivieren, falls einem die Überschneidung weh tun sollte.

Natürlich hat der ganze Lichterglanz auch einen erheblichen Nachteil: Die Performance leidet unter den unzähligen neuen Lichtpunkten ganz erheblich! Deswegen bietet Night Environment Germany die Möglichkeit, die Intensität der Lichtpunkte in drei Stufen anzupassen. Es gibt keinen Richtwert, den ich für ideal halten würde – Flugzeuge mit geringem Komplexitätsgrad lassen mehr Rechenpower und Speicherressourcen für Night Environment Germany übrig, während komplexe Addons à la PMDG dies kaum tun. Deswegen ist eine Anpassung je nach verwendeten Fluggerät sinnvoll.

Ob Ihr lieber die Nachtaustauschtexturen von Night Environment Germany als Grundlage für die Lichtpunkte oder lieber andere Austauschtexturen verwenden wollt, ist natürlich Geschmackssache und Euch überlassen. Dementsprechend ist die Auswahl in der Szeneriebibliothek folgendermaßen zu verstehen:

  • “Germany Night Environment Base” muss immer aktiviert sein!
  • “Level 0” stellt die Austauschtexturen dar (sie werden quasi über die bestehenden Texturen als Layer eingeblendet)
  • “Level 1” ist natürlich mit “Level 0” kombinierbar und ist die geringste Intensität der Lichtpunkte
  • “Level 2” ist natürlich ebenfalls mit “Level 0” kombinierbar und stellt einen mittleren Wert dar
  • “Level 3” ist das absolute Maximum – vorallem in Kombination mit “Level 0”.

 

Beginnen wir mit den Bildern. Vergesst nicht: Mit Klick auf das Bild lädt es in einer höheren Auflösung! Ein Klick im linken Bildbereich lässt Euch sodann zum vorherigen Bild springen, ein Klick im rechten Bildbereich lädt das nächste Bild.

Meine Grundkonfiguration besteht auf den meisten Bildern aus Orbx FTX Global und openVFR Germany.

 

Westerland, Sylt (mit “Level 0”, den Austauschtexturen)

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Hamburg (mit “Level 0”, den Austauschtexturen)

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Leipzig-Halle (mit und ohne “Level 0”)

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Hannover (mit “Level 0”, den Austauschtexturen)

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Berlin (ohne “Level 0”)

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Köln – dieses Mal aus mittlerer Höhe; die Intensität der Lichtpunkte ist kaum noch wahrnehmbar  (mit “Level 0”, den Austauschtexturen)

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Dortmund – aus großer Höhe; die Lichtpunkte sind nicht mehr wahrnehmbar  (mit “Level 0”, den Austauschtexturen)

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Frankfurt (mit “Level 0”, den Austauschtexturen)

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[SCM]actwin,0,0,0,0;Microsoft Flight Simulator X fsx 02.04.2014 , 01:10:09

 

 

München, verschiedene Testszenarien

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Abschließend noch ein paar Worte zur Performance: Zwischen “wunderbar” und “völlig unfliegbar” ist alles drin! Wenn Ihr nachts mit komplexem Dickblech unterwegs seid, sind konservative Einstellungen empfehlenswert (“Level 1”, je nach Geschmack in Verbindung mit den Austauschtextuen von “Level 0”). Denkt immer daran: Die Lichtpunkte sind performance-hungrig, sehen aber auch verdammt gut aus!  Seid Ihr hingegen nachts in geringen Flughöhen VFR unterwegs, beispielsweise mit einem Hubschrauber, darf es je nach Rechenpower auch auf “Level 2” gehen. “Level 3” setzt wirklich sehr performante Hardware voraus.

Denkt in diesem Zusammenhang nicht nur an die Bildwiederholrate, sondern auch an den zur Verfügung stehenden Speicher: Komplexes Addon + AI Traffic + hohe Wolken- oder Bodentexturen + Night Environment Germany = OOM!

 

 

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Vielen Dank für diese Orientierungshilfe! Wie sieht es denn aus mittlerer Höhe und mit Blick in mittlere Entfernungen aus (etwa FL150 und Blick nach vorne-unten bis ca. 40 km Entfernung aus dem Cockpit)? Nach meiner Erinnerung “leuchten” besiedelte Gebiete eher diffus, vor allem durch Reflexion in den bodennahen Luftschichten. Die Identifikation einzelner Lichtquellen gelingt doch meist erst bei weiterer Annäherung. Einen derartigen Effekt gibt es z.B. in der Kai-Tak-Szenerie von Fly Tampa.

Kann ein Add-on wie “Night Environment” so einen Effekt überhaupt leisten, oder habe ich jetzt völlig falsche Vorstellungen?

Hallo Stefan,

das kommt in erster Linie auf das verwendete Wetter-Addon an. Die Screenshots von Köln (FL150) sind mit FS Global Real Weather entstanden und zeigen eigentlich ganz schön, wozu Night Environment Germany imstande ist. Aus meiner Sicht ist das Ergebnis gut getroffen. Wenn man nachts im Winter, vor allem unter polarem Luftmasseneinfluss, eine Sicht “von Pol zu Pol” hat, dann leuchten Städte wirklich weit über 200km weit. Klar, dass man dabei noch nichts identifizieren kann… Städte in mittleren Entfernungen werden aber gut dargestellt.

Viele Grüße
Holger

Was macht man eigentlich bei den Gemeinden, die zwischen 23 Uhr ( oder auch 1 Uhr) und 5 Uhr die Lichter ausschalten? Sind immerhin 25% der Kommunen. Oder die Gemeinden, die auf Energiesparlampen umgerüßtet haben und dann in der Zeit die Intensität herunter drehen? Dies machen sogar 50%. Und selbst Belgien tut es inzwischen auf Teilabschnitten der Autobahnen. 😉

Hi Michael,
…siehe die Antwort von Mathijs. Das kann NEG nicht leisten.

Muss es ja auch nicht. Ich finde nur manchmal ist weniger mehr. Ist aber trotzdem schön, dass sich auch solcher Themen angenommen wird.

Sorry for replying in English.

First of all there is no available database that tells us what roads do have lights, what lights are on when and at what luminosity. We feel however that that’s not a huge problem. If you fly at night you soon see that all lights seem to be drawn towards roads. Not only cars, but also houses, industrial complexes, petrol stations etc. So even if roads do not have lighting they often show as a string of lights.

Look at it this way. Without NE-Germany you will probable see no streets whatsoever most of the time. With NE-Germany you might see a bit more then what real. The fine images in this quick review show the difference. What we feel is most important is that there is now ‘structure’ at night and no longer the murky blackness. You get the feeling of a living world beneath you. For a low cost add-on like this one (it’s 0.00013 cent per light, lol) we feel it really adds something that FSX was missing.

Indeed!

I do not see any problem. Why should I? Any movement in the direction of more reality is a good step for simulation. I just wanted to point out that the night has much more aspects than someone might think at first glance.

Soll ja gut kompinierbar sein mit Fotoscenerien. Wenn ich ein Addon mit Vectordaten verwende, kommt mir dies auch auf der Fotoscenerie zugute(mehr Lichter am richtigen Ort)?
Also z.B. VFR Germany + Night Environment Germany + ORBX Vector
oder nur VFR Germany + Night Environment Germany

Merci

Hallo,
da Luftbildszenerien georefenziert sind und auch Night Environment georeferenziert ist, wirst Du auf der Luftbildszenerie die Lichtpunkte an der richtigen Stelle finden (siehe meine Screenshots mit VFR Germany 3). Wenn Du zusätzlich auch noch eine Vektorszenerie aktiv hast, wie bspw. Orbx Global Vector, dann fügen sich die Lichtpunkte von Orbx und von Night Environment gemeinsam in die Szenerie ein. Da auch eine Vektorszenerie georeferenziert ist, geschieht dies an der richtigen Stelle.

Alles klar. Danke holger!