In einem aktuellen Videointerview wurde die Kooperation zwischen Aerosoft und dem Entwicklerteam von Toliss vorgestellt. Ziel der Zusammenarbeit ist die Veröffentlichung des „Airbus A340-600 Pro“ für den Microsoft Flight Simulator (MSFS). Torsten Liesk, Gründer von Toliss, gab dabei Einblicke in die Entwicklungsprozesse, technische Herausforderungen und neue Funktionen, die dieses Projekt mit sich bringt.
Zusammenfassung
Toliss kann auf eine mehr als 20-jährige Geschichte im Bereich der Flugsimulation zurückblicken. Das ursprüngliche Ziel war die Entwicklung eines realitätsnahen Airbus A320 für den PC, was später den Weg zu hochwertigen Simulationen für X-Plane ebnete. Gerade in der Zeit der COVID-19-Pandemie erlebte die Flugsimulations-Szene einen Aufschwung, da viele Piloten virtuelle Flüge nutzen konnten und wertvolles Feedback lieferten. Daraus resultierte eine beschleunigte Weiterentwicklung der Produktpalette.
Systemsimulation und Flugmodell
Beim Airbus A340-600 Pro steht die systemtiefe Simulation im Vordergrund. Knapp 200 bis 250 verschiedene Ausfälle sind darstellbar – darunter Triebwerke, Hydraulik und Navigationssysteme. Die Simulation dieser Fehlerbilder ist effizient und präzise möglich, was Testumgebungen für differenzierte Problemstellungen erlaubt. Einen besonderen Schwerpunkt bildet der Versuch, das authentische Flugverhalten der X-Plane-Modelle in die Welt des MSFS zu übertragen. Dafür wurde sogar ein eigenes Bodenmodell entwickelt, um bodennahe Effekte wie die Rollreibung möglichst realistisch zu simulieren – teils eine größere Herausforderung als die aerodynamische Modellierung selbst.
Die Validierung des Flugmodells erfolgte durch erfahrene Piloten. Überraschenderweise bedurfte es dabei nur geringfügiger Anpassungen, was auf die hohe Übereinstimmung beider Plattformentwicklungen schließen lässt. Dieser Schritt wird als bedeutsamer Fortschritt für die Entwicklung komplexer Flugsimulationen gewertet.
Herausforderungen der Plattformintegration
Die parallele Entwicklung für MSFS und X-Plane war mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Während X-Plane eine unmittelbare Datenverarbeitung ermöglicht, arbeitet der MSFS asynchron. Diese Tatsache führt zu Verzögerungen und erhöhtem Aufwand bei der Entwicklung – zum Beispiel bei der Integration von Geländeprofilen und verschiedenen Schnittstellen. Die plattformübergreifenden Unterschiede verlangten zweijährige Entwicklungsarbeit, um ein gleichwertiges Simulationserlebnis bieten zu können.
Externe Dienste und Benutzerfunktionen
Ein wesentliches Element der neuen Simulation ist die Integration externer Dienste wie Navigraph und Simbrief, die für ein besseres Nutzererlebnis bei der Flugplanung sorgen. Diese Integration soll stetig ausgebaut werden. Darüber hinaus hebt sich das Produkt durch vielfältige Funktionen hervor: Das FMGS (Flight Management and Guidance System) ermöglicht unter anderem sekundäre Flugpläne, Offset-Routen, temporäre Flugplanung und die Funktion „Jump to Next Waypoint“, mit der Piloten lange Reiseflugabschnitte effizient überspringen können. Das automatische Speichern schützt zudem vor Datenverlust bei Simulatorabstürzen.
Fazit
Die Zusammenarbeit zwischen Aerosoft und Toliss setzt mit dem Airbus A340-600 Pro einen neuen Maßstab für Langstrecken-Airbusse im MSFS. Durch die tiefe Systemsimulation, anspruchsvolles Flugverhalten und die enge Integration externer Dienste richtet sich das Add-on klar an erfahrene Simulationsfans, die Wert auf technologische Detailtreue legen.
