XP

Lesereindruck: Nimbus Bell UH-1

Heute mal Content der etwas anderen Art. Leser René vor der Brüggen hat uns seine Niederschrift seiner Eindrücke geschickt mit der Erlaubnis sie zu veröffentlichen. Es ist kein Review, es ist keine nüchtern gefasste Abhandlung über Für und Wider dieses Add-ons. Es ist viel eher ein Leserbrief, der ungefilterte erste Eindruck eines eingefleischten Flugsimulanten.

Es ging schon besonders los. Ich saß mit Schwiegermutter bei einem Tässchen Kaffee, als ein Freund mir berichtete, dass es die Bell UH-1 von Nimbus Simulation Studios endlich bei X-Plane.org im Shop für 37,95 US-Dollar gäbe. Sogar meine Schwiegermutter erkannte sofort das Potential: “Den kenne ich auch noch!” Also fix die 1,5 GB geladen und installiert. Schon während des Entpackens des Zip-Archivs gab es Flashbacks.

Wie ich als junger Sanitäter froh war über das näherkommende, fürchterlich klopfende Geräusch der zwei Rotorblätter am Hauptrotor. Denn diese brachten den Notarzt, den ich dringend für meine Patientin benötigte. Dieses Herzklopfen, wenn der Pilot schnell die unbekannte Landezone überfliegt und dieses Donnern Gänsehaut verursacht. “Ja, der Simulator wird mir sowas wohl kaum bieten können”, dachte ich. Doch weit gefehlt. Alles hat Nimbus daran gesetzt, mich voll mitzunehmen! Ich mag eigentlich keine “älteren” Flugzeuge. Der Charme von vielen runden “Uhren” wirkt nicht auf mich. Wenn kein Garmin an Board ist, hab‘ ich normalerweise schon keine Lust mehr. Hier ist es anders – auf eine unglaubliche Weise.

Schnell Ruder, Joystick und Pedale eingestellt und dreckig mit laufenden Rotoren begonnen. So stelle ich mir diese Maschine vor. Jede kleine Änderung an einem beliebigen Steuerelement wirkt sich tatsächlich auf das gesamte Flugzeug aus. Das ist Hubschrauberfliegen. Die Maschine fühlt sich, je nach Situation mal träge mal dynamischer an. Weder der Eindruck einen Bus zu fliegen noch ein nervöses Eichhörnchen bändigen zu wollen; hier ist meine Mitte. Das Abheben und Aufsetzen macht Laune. Der Rotation muss gut mittels Pedalen entgegengetreten werden, der seitliche Druck des Heckrotor ist überdeutlich. Hier wird man länger üben, um sauber abzufliegen, es wirkt aber irgendwie sehr ehrlich.

Und jetzt das Beste: Der Klang ist wirklich unglaublich! Vom Anlassen, bei dem übrigens auch das Licht auf Grund des hohen Strombedarfes dunkler wird, bis hin zu verschiedensten Flugsituationen. Ich mag diesen Vogel nur in der Außenansicht oder mit offener Tür fliegen. Gut, das wird meine Frau nicht erlauben, denn diese niederfrequenten Schläge gehen nicht nur in den Magen, sie füllen das ganze Haus. Also Türen zu, und die vielleicht etwas zu sehr gedämpften Geräusche innen genießen. Auch wenn ich Flachbildschirm und Navigationscomputer vermissen werde, gibt es doch noch einiges zu entdecken. Nimbus verzichtet auf einen Eintrag bei den Plugin-Menüs und stellt an der linken Seite des Bildschirms kleine Schaltflächen zur Verfügung. Hier kann man Personal ein- und ausblenden, Gewichte verteilen und ‘ne nette Checkliste inklusive einiger Leistungscharts entdecken. Mein Tipp ist, das bei stehenden Rotoren zu tun, denn eines ist Nimbus ebenfalls deutlich gelungen: Mir wird schlecht! Unglaublich invasiv wirkt dieses Schütteln, das man nie wieder vergisst, saß man einmal in diesem Hubschrauber. Ich bin fast nicht in der Lage die Instrumente ordentlich zu lesen. Glücklicherweise nutze ich Monitore und im Moment keine VR-Brille. Mit der soll dieser Hubschrauber ja auch gut zusammenarbeiten. Im Moment bin ich aber froh, dass dieses Wackeln wenigstens aufhört, wenn ich in eine andere Richtung sehe.

Nicht so gelungen finde ich Vibration und Klang nach dem Abschalten der Turbine bis zum vollständigen Halt. Das ist aber meiner Meinung nach auch wirklich nicht wichtig.

Seltsam finde ich, dass in der mir vorliegenden Version 1.0 der Taster zum Starten der Turbine am Steuerhorn fehlt. Das hier vorgesehene “Klickfeld”, auf das auch in der Checkliste verwiesen wird, ist funktionslos. Hier half nur eine Taste auf dem Joystick zu vergeben. Das müsste bei einer Verkaufsversion nicht mehr sein!

Trotzdem werde ich diesen Hubschrauber viele Stunden glücklich durch Platzrunden scheuchen und ihn stets als Tipp weiterempfehlen.

René vor der Brüggen

Benachrichtigungen:
Voyager

Ich bin eigentlich ganz begeistert von dem Helikopter und fliege mit meiner VR Brille mittendrin statt nur dabei. Nur habe ich dazu ein winziges Problem im Flugbetrieb, welches immer wieder zum Absturz führt und ich habe dazu noch keine Lösung ermitteln können.
Um aus der Reisegeschwindigkeit in den Schwebezustand zu kommen, muss der Hebel runter um einen allzu schnelles Steigen zu unterbinden. Und da passiert es mir ständig, dass die Leistung wegfällt und der Heli wie ein Stein zu Boden geht. Manchmal kann ich das noch abfangen, aber häufig auch nicht.
In der Bell 407 passiert mir das nie.
Ich gehe von einem Bedienfehler aus, die Technik ist ja nun etwas älter, aber dennoch die Frage nach Tipps und Tricks um im kontrollierten Zustand zu bleiben.

Vielen Dank!
Und im Übrigen: Danke für den tollen Bericht. Der spiegelt auch meine Erfahrung wieder. 🙂

René vor der Brüggen

Vielen Dank für das Lob. Vielleicht sollte ich öfter meinen Senf zu Hubschraubern teilen?
Wenn Du die Geschwindigkeit schnell herausnehmen willst, solltest Du nur so schnell verlangsamen, das Du die Drehzahl nicht stark überschreitest!
Werden die Rotorblätter alzusehr durch den anströmenden Wind gedreht, werden schnell alle physikalischen Eigenschaften überschritten!
Also langsam langsamer werden 😉.
Guten Flug und berichte bitte.