Review: FlyTampa Las Vegas (P3D v4)

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Anfang 2017 haben die Entwickler von FlyTampa angekündigt, dass man mit der Entwicklung von Las Vegas begonnen habe. Nach Boston, Toronto und Montreal ist der Nordamerikanische Kontinent erneut Ziel des Teams um Emilios. Im Frühjar 2019 war es dann soweit und “FlyVegas Baby!” landete mit einem Feuerwerk in der Flugsimulator Community. Warum die neue Szenerie aus dem Haus FlyTampa so begeistert, hat sich Tom Götz angeschaut.

Eigentlich kann ich mich ja für jede Großstadt begeistern. Egal ob alt, traditionell und prunkvoll, oder modern, effizient und lebendig. Ob hübsch herausgeputzt, oder rein funktionell. Ich finde gerade die verschiedenen Charaktere der Städte faszinierend und habe deswegen auch gar keine Highlights oder eine Liste meiner Lieblingsstädte. Ganz im Gegenteil kann ich viel eher an einer Hand abzählen, welche Städte auf unserem Globus mich so gut wie überhaupt nicht zu einer Reise dorthin motivieren, und dazu zählt tatsächlich auch an vorderster Front Las Vegas.

Wenn ich an Las Vegas denke, dann habe ich das Bild einer rein künstlichen Stadt vor Augen. Nicht künstlich in dem Sinne wie es vielleicht Dubai, Abu Dhabi oder auch Brasilia sind, sondern auf eine ganz eigene Art künstlich. Mitten in der Wüste findet man hier “den” Eiffelturm, eine Pyramide inklusive Sphinx, einen antiken, römischen Palast, ein Märchenschloss und einen Nachbau der New Yorker Skyline. Dazwischen Wasserspiele, Achterbahnen, ein Vulkan und vieles mehr. Die ganze Stadt ist eine Kulisse für die circa 40 Millionen Touristen, die jährlich zum Spielen, Feiern, Heiraten und was nicht sonst noch alles nach Las Vegas kommen. Hier, mitten in der Wüste Nevadas, kann man sich einmal so richtig austoben und den spröden Alltag hinter sich lassen, denn: Was in Vegas passiert bleibt bekanntlicherweise in Vegas. Das ist sicherlich sehr Vorurteilsbehaftet umrissen, aber die 600.000-Einwohnerstadt in der Wüste von Nevada erscheint als reine Fassade ohne eigenen Charakter. Ob das verlorene Geld beim Glücksspiel, die Exzesse bei den allnächtlichen Partys oder die spontan geschlossene Ehe: Es ist eben ein Ort an dem man alles macht, was im Alltag keinen Platz hat, und an das man wahrscheinlich auch nicht im Alltagsleben erinnert werden möchte. Las Vegas scheint davon zu leben, dass alles schnell wieder vorbei und vergessen ist.

Als FlyTampa die Entwicklung von Las Vegas bekanntgegeben hat, habe ich mich trotzdem über die Entscheidung der Macher für die Wüstenstadt gefreut. Warum? Zum einen, weil der Flughafen McCarren einer der größten Origin&Destination-Märkte in Nordamerika ist und somit ein umfangreiches und abwechslungsreiches Streckenportfolio bietet, zum anderen, weil er sich in direkter Nachbarschaft zum “Strip” und der Skyline der Stadt befindet und deswegen spektakuläre An- und Abflüge vor beeindruckender Kulisse ermöglicht. Erfreulicherweise haben die Entwickler bereits mit der ersten Ankündigung vor gut zwei Jahren eben genau dies, nämlich neben der Umsetzung des Flughafens auch eine weiträumige Abdeckung des Strips und der Umgebung, bestätigt. Etwas, was mir beim, bereits seit langer Zeit verfügbaren, Konkurrenzprodukt gefehlt hat. Bei FlyTampa habe ich persönlich immer die grandiosen Szenerien von Kai Tak und Dubai vor Augen. Auch dort haben die Macher die Stadt mitumgesetzt und auf diese Weise eine einmalige Atmosphäre im Simulator geschaffen. Auf Las Vegas habe ich mich deshalb, trotzdem ich mich mit der Stadt selbst kaum identifizieren kann, lange gefreut. Nun hat das Warten ein Ende und ich freue mich, die Szenerie an dieser Stelle vorstellen zu können.

Das verspricht der Entwickler

Oftmals liest man in den Produktbeschreibungen unterschiedlichster Entwickler ellenlange Featurelisten, die jede, noch so kleine Aufwertung gegenüber dem Defaultzustand der Szenerie aufzeigen. Aus meiner Sicht ist das auch ganz verständlich, bedenkt man, dass in der Entwicklung der vielen Details hunderte Stunden an Arbeit stecken. Umso überraschender ist es deshalb, dass FlyTampa eine ganz simple und kurze Zusammenfassung des Szenerieumfangs auflistet und auch nicht weiter kommentiert:

– Las Vegas McCarran (KLAS) Airport Addon

– High Resolution surrounding Photo Scenery with custom mesh

– Las Vegas modeled with custom buildings and animations

– 3D Taxiway bridge,Animated Cars & Monorails

– SODE and Ctrl-J animated Jetways

– PBR Terminal windows and Dynamic lighting

Alle gängigen Prepar3D v4-Features, wie Dynamic Light, PBR und auch SODE sind also verbaut, zudem gibt es Animationen in verschiedenen Formen und die bereits angesprochene Abdeckung der Stadt Las Vegas. Ansonsten sprechen die Vorschaubilder und die Qualität der früheren Produkte für sich. Anzumerken ist allerdings noch, dass Las Vegas exklusiv für Prepar3D v4 entwickelt wurde und somit auch nur für diese Version angeboten wird. Eine 32-bit Umsetzung gibt es nicht, und wird es auch nicht geben. Eine X-Plane-Version ist dagegen wahrscheinlich, sind die Entwickler doch gerade dabei einige ihrer Szenerien für die Plattform fit zu machen. Eine Bestätigung hierzu liegt allerdings nicht vor.

Kauf und Installation

FlyTampa bewirbt die Szenerie übrigens ganz keck als “FlyVegas Baby!” und verlangt 34,51€ für das Ticket in die Wüste. Ich habe Las Vegas im simMarket bestellt, auf der Webseite der Entwickler ist die Szenerie aber ebenfalls erhältlich. Installiert wird über den neuen Universalinstaller. Hierbei handelt es sich um eine kleine Installationsdatei, die man herunterlädt, und anschließend dann den Download der Szeneriedaten übernimmt. Bei der Installation gibt man Email und Serialnummer ein, anschließend kann man einen Speicherort, Downloadserver und auch die gewünschte Version auswählen. Meiner Meinung nach eine praktische Option, so kann man ggf. ganz leicht wieder auf eine ältere Version der Szenerie wechseln, sollte nach einem Update etwas nicht so funktionieren wie gewünscht.

Im Anschluss hat man die Möglichkeit die Szenerie nach den eigenen Wünschen und an das eigene System mithilfe des Konfigurators anzupassen. Erstmals gibt es hier getrennte Karteikarten zwischen Stadtszenerie und Flughafenszenerie. Auf einzelne Optionen gehe ich an geeigneter Stelle noch ein.

Auch erwähnenswert: Auf der Webseite von FlyTampa gibt es für Las Vegas frei verfügbare PDF-Charts. Sowohl SID- und STAR Procedures, als auch Ground Charts sind enthalten.

Erster Eindruck

Kennt ihr eigentlich Ted? Mal ganz abgesehen von einem charmanten Architekten in New York, trug diesen Namen auch ein Tochterunternehmen der United Airlines bis 2008. Ted war als Lowcoster ausgelegt und bediente Punkt-zu-Punkt Verbindungen, hauptsächlich nach Mexico und in andere Ferienregionen der Amerikaner. Aufgrund des gigantischen Tourismusverkehrs, wurden zeitweise allerdings auch nahezu alle Unitedflüge von und nach Las Vegas durch das Tochterunternehmen bedient. Ganz im Charme der guten alten Zeit, habe ich mich für den ersten Eindruck deshalb einmal mit Ted auf den Weg nach Las Vegas gemacht.

Las Vegas ist allein deshalb eine Reise im Simulator wert, weil die Stadt umringt von einer interessanten Berglandschaft liegt. Der Flug von Denver führt über die Rocky Mountains, nahe am Hoover-Damm vorbei bis in die Sierra Nevada. Die abendliche Stimmung über der heißen Wüstenlandschaft tut ihr Übriges zur besonderen Atmosphäre der Szenerie.

Zunächst fällt auf, dass die Umgebungsszenerie von FlyTampa sehr passend auf Orbx abgestimmt ist. Den Übergang habe ich gar nicht spürbar wahrgenommen. Nur die Dichte und Qualität der Bebauung verrät das neueste Werk der Entwickler. Im Anflugbereich der 26er gibt es ein rechteckiges Loch (in einem der Bilder rechts unten zu sehen), das allerdings mit einem Update bereits behoben wurde.

Mit den unter Kauf und Installation dargestellten Einstellungen im Configurator fliege ich Las Vegas je nach Flugzeug mit bis zu 27fps an. Am Boden habe ich stabile 30 Frames. Das ist gut zu fliegen und sämtliche Optionen auf die ich verzichte (mit Ausnahme des Autoverkehrs) sind im Flugbetrieb ohnehin nicht prominent sichtbar. Aktiviere ich alle Optionen (sowohl Stadt, als auch Flughafen), lande ich bei 18 bis 20 frames.

Bei der Ankunft präsentiert sich die Szenerie ganz im Charme von FlyTampa. Wie erwartet sozusagen. Die Bodentexturen sind aufwendig und extrem passend umgesetzt, die Gebäudemodelle sind sehr plastisch konstruiert, halten viele Details bereit und wirken dank PBR auch sehr natürlich.

Hinter dem Flughafen dominiert in beeindruckender Weise die facettenreiche Skyline der Stadt. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Flughafen und macht die Atmosphäre und den Reiz des McCarren Airports überhaupt erst aus. Die virtuelle Umsetzung von FlyTampa ist umfassend, detailliert und spektakulär.

Der McCarren Airport

Las Vegas´ heutiger Verkehrsflughafen wurde in den 40er Jahren eröffnet. Anfangs trug er noch den Namen McCarren Field, benannt nach  Senator Pat McCarren, der als eine der führenden Kräfte beim Aufbau der Zivilluftfahrt in den Vereinigten Staaten gilt, bis er schließlich 1968 in McCarren Airport umbenannt wurde.

Das hohe Tourismusaufkommen aufgrund der Casinos und Clubs in der Wüstenstadt war von Beginn an Treiber des Flughafens. Im Laufe der Zeit wurde McCarren immer weiter ausgebaut um den wachsenden Besucherströmen noch gerecht werden zu können. Zuletzt im Jahr 2012, als das seit 2001 geplante Terminal 3 den Betrieb aufnahm.

Terminals

Man sieht dem Flughafen aus der Luft recht gut sein historisches Wachstum an. McCarren ist nicht auf dem Reißbrett geplant, wie etwa Charles-de-Gaulles, Madrid Barajas oder auch die neuen Mega Airports vom Peking und Istanbul. Hier wurde vielmehr im Laufe der Zeit ergänzt, was notwendig war. Mittlerweise verfügt der Flughafen über vier Start- und Landebahnen, die als zwei Parallelpaare in gestauchter L-Ausrichtung angeordnet sind. Nördlich der Bahnen 08/26 liegen die drei Terminals. Zwei Abfertigungsgebäude liegen mit ihren Pieren “im Knick” des L-Layouts, das neueste Terminal, Nummer 3, liegt etwas weiter westlich. Unabhängig davon liegt auf dem Vorfeld noch der Satellit “D”, der jedoch bereits vor Terminal 3 gebaut wurde. Zwischen den beiden Terminalbereichen verläuft ein Zubringer von der Interstate 215, der die beiden Bahnen 08/26 untertunnelt.

FlyTampa hat die großen Abfertigungskomplexe in mittlerweile souveräner Höchstqualität umgesetzt. Es fehlt an nichts. PBR-Fassaden und Fenster, modelliertes Innenleben, SODE-Jetways, Parksystem, Details auf den Dachkonstruktionen, Klimaanlagen, Lichtmasten, Kameras, Sonnenblenden, Unterführungen, Hinweisschilder, animierter Fahrzeugverkehr, statische Objekte, und so weiter und sofort. Einzig und allein die sonst optionalen 3D-Personen sind in Las Vegas nicht mehr dabei. Trotzdem: Die Terminals wirken plastisch und überzeugend. Sie verbreiten eine tolle Atmosphäre und sind schlicht realistisch.

Auf der Landside sind mittlerweile auch die vor einiger Zeit geteaserten Air Berlin Schilder verschwunden. Das ist meiner Meinung nach tatsächlich eine Erwähnung wert, denn wie oft kommt es vor, dass sich im Laufe der Entwicklung Details am Flughafen ändern, die Entwickler an diese Stelle aber nicht mehr zurückkehren und man somit eine aktuelle Szenerie hat, die bereits veraltete Zustände abbildet. Tolle Detailsarbeit! Ebenfalls bemerkenswert an dieser Stelle ist, dass der dynamische Fahrzeugverkehr tatsächlich über die “Bumper” hopeln und an gewissen Stelle aus dem fließenden Verkehr ausscheren und am Terminal parken. Fein gemacht!

Einzig und allein etwas schade finde ich, dass die Entwickler ein Standard-Jetwaymodell haben, das bei vielen Szenerien herhalten muss. So auch in Las Vegas. Die gleichen Varianten (oder zumindest sehr sehr ähnliche) findet man auch auf St. Maarten, in Kai Tak, Sydney und Boston. Das ist aber Meckern auf ganz ganz hohem Niveau.

Bodentexturen

Stichworte zu den Bodentexturen? Farbig, exakt, scharf, detailliert, verschmutzt, nachvollziehbar, schlicht realistisch. Mir gefallen auch die öden Brauntöne, als Grundlage, die die gesamte Szenerie beherrschen. Das Wüstenfeeling kommt so sehr schön rüber.

In einer ersten Version gab es noch einen Fehler, der am Pistenende der Bahn 26R fälschlicherweise die Bahn 08L auswies. Diesen Markierungsfehler habe ich aber an das FlyTampa-Team weitergetragen und er wird im nächsten Update behoben sein.

Flughafengelände

Generell ist das gesamte Flughafengelände detailliert und üppig ausgestattet worden. Es gibt statische Fahrzeuge und Flugzeuge, alle Gebäude am Rande der Betriebsflächen sind umgesetzt worden. Das Areal ist außerdem komplett umzäunt.

Zwischen den Terminals verkehren animierte Monorailzüge und auf dem Vorfeld ziehen Flughafenfahrzeuge ihre Kreise. Für den Vorfeldverkehr gibt es im Konfigurator verschiedene Lichtoptionen. So kann man die Beleuchtung der Fahrzeuge komplett auf dynamisches Licht umstellen, was auf meinem System allerdings mit 17 Frames in der Nacht endete. Im nutze im Moment das einfache statische Licht für die Bodenfahrzeuge. Bisher bin ich mit der Qualität auch sehr zufrieden.

In verschiedenen Bereichen des Flughafens hat das Team von FlyTampa statische Flugzeuge verteilt. Besonders galant dabei: Es gibt im Konfigurator für alle Abschnitte einzelne Optionen. So kann man etwa die parkenden Southwest 737 abschalten, GA-Maschinen und UPS-Frachter jedoch aktiviert lassen. An der Westseite des Airports findet man die berühmten Janet-737 in ihrer klassischen Bemalung mit rotem Streifen. Sie starten von hier aus zur Nevada Test Side. Früher gab es auch Flüge zu anderen Militärstützpunkten. Die Modelle sind recht gut getroffen und lassen sich gut ansehen. Schön finde ich auch, dass eine der vier Parkpositionen offengelassen wurde. So kann man selbst den mysteriösen Shuttle zur Area 51 übernehmen und vom (mittlerweile nicht mehr so) geheimen Terminal starten. Auch die 737 von Southwest, die Businessjets und Hubschrauber machen einen guten Eindruck. Bei den UPS 757 stört mich das Fensterband…

Es ist zwar genau genommen eine Kleinigkeit, auf einem Qualitätslevel wie es die Entwickler von FlyTampa anstreben, möchte ich an dieser Stelle allerdings trotzdem die ebenfalls umgesetzte Flotte der Hotelkette Las Vegas Sands kritisieren. In FlyLasVegas wurde die Großraumflotte aus drei 747 zusammengestellt. Tatsächlich fliegt Sands neben diversen Businessjets zwei markante 747 SP und einen Airbus A340-500. Die besondere Formgebung der SP haben die Entwickler von FlyTampa leider nicht getroffen. Weder den eigenwilligen „Puckel“ vor dem Leitwerk, noch das Leitwerk selbst. Auch die Triebwerke stimmen nicht mit dem Vorbild überein. Tatsächlich wirken die Maschinen eher wie eine eigenwillige Variante der -300er Serie. Diese Feinheit der Modellierung (zumal die statischen Flugzeuge ohnehin zum Großteil für Las Vegas neu modelliert wurden) hätte ich mir schon gewünscht.

Nachtdarstellung

Nachts beleuchten schicke, dynamische Lichter den Flughafen. Galantt umgesetzt finde ich, dass Terminal 3 in grelleren Tönen beleuchtet ist, als die übrigen Bereiche. Das wirkt erstmal befremdlich, spiegelt das Vorbild aber viel besser wieder, da unterschiedliche Lichtfarben bei unterschiedlichen Beleuchtungsvarianten genutzt werden. Etwas schade ist, dass das Innenleben der Terminals bei Nacht sehr trostlos wirkt. Man hat zu dieser Zeit  einen ungehinderten Blick in das leere Innenleben. Tagsüber lassen die PBR-Effekte und der dunkle Fensterton kaum gezielte EInblicke zu. Zu nächtlicher Stunde wirken die Terminals doch sehr wie ein Geisterflughafen mit Fototapeten.

Die Rollfeldbeleuchtung ist mir persönlich etwas zu dunkel. Das ist in Sydney oder Toronto besser gelungen. Zum Teil habe ich wirklich Mühe in der Nacht die Orientierung zu bewahren, da die Taxiwaybefeuerung nur bei genauem hingucken zu erkennen ist. Die Runwaybefeuerung ist wiederrum gut gelungen.

Die Stadt

Um den Umfang der Szenerie und die fließenden Grenzen aufzuzeigen, habe ich einmal ein Video von Las Vegas aufgenommen. Leider entstehen auf dem Flughafen aufgrund der LOD-Einstellung anstelle der Terminals nach kurzer Zeit nur schwarze Umrisse. Das bitte ich zu entschuldigen.

Die jüngste Szenerie von FlyTampa lebt ganz klar von der Nähe zur ebenfalls umgesetzten Stadt. Wie schon beschrieben ist der Flughafen in Spitzenklasse umgesetzt, aber die Stadtszenerie setzt dem Ganzen noch einen drauf. Ich erinnere mich noch gut an die Releases von Kai Tak und Dubai v2 mit ihren ebenfalls beeindruckenden, umfassenden und detaillierten Stadtszenerien. Las Vegas punktet und begeistert ebenso, erweitert um alle Möglichkeiten und Techniken, die Prepar3D v4 mittlerweile hergibt. Hier profitieren wir wirklich davon, dass keine Rücksicht mehr auf 32-Bit genommen werden muss.

Die Kasinos, Hotels und Hochhäuser entlang des Strips sind mit realitätsnahen und überzeugenden Modellen umgesetzt worden. Um einer flüssigen Performance gerecht zu werden, sind die Gebäude nicht so komplex modelliert wie die Terminalstrukturen auf dem Flughafen. Auch die Texturen sind gröber und einfacher. Sie spiegeln aber dennoch ihre architektonischen Besonderheiten wider und machen, selbst aus der Nähe, durchaus einen realistischen Eindruck.

Die Fassaden sind mit PBR ausgestattet. Man kann im Konfigurator allerdings auch wählen ob man PBR-Texturen installiert, oder lieber auf die Effekte verzichten möchte. Mit der “neuen” Technik kommen die großen Hotels in der heißen Wüstensonne meiner Meinung nach aber noch besser zur Geltung. Gepaart mit abwechslungsreichen Texturen, passenden Farben und durchdachten Kontrasten ergibt sich somit ein realistisches und szenisches Bild der markanten Skyline.

Wirklich beeindruckend wird es allerdings bei Einbruch der Dunkelheit und Aktivierung der möglichen Optionen im Konfigurationstool. Die LED-Werbung blinkt, es laufen Werbespots, das berühmte Las Vegas Schild leuchtet, Wasserspiele sind zu beobachten und so weiter und so fort. Der Strip wirkt auf diese Weise wahnsinnig lebendig. Hier zeigt sich wirklich die Leistung der Entwickler: Es ist mit Abstand die qualitativ beste Stadtszenerie, die ich im Simulator bisher gesehen habe!

Toll ist auch die Fontänenshow am Belagio umgesetzt. Ein komplexes Wasserspiel mit verschiedenen Fontänen in unterschiedlichen Farben und Rhythmen ist hier zu den realistischen Vorführzeiten zu beobachten.

Wie schon an der Flughafenterminals bemerkenswert: Die Autos fahren nicht nur auf einem vordefinierten Pfad geradeaus, sondern vollziehen Spurwechsel und halten an Kreuzungen. Man muss allerdings auch anmerken, dass abseits des Strips sofort Schluss mit dem Verkehr ist. Hier gibt es keine Animationen mehr.

Wenn man noch etwas zu meckern finden möchte, könnte man an dieser Stelle die zum Teil unretouchierten Luftbilder betonen. Man findet immer wieder Parkplätze oder Grünflächen, die das zugrunde liegende Luftbild inklusive Autos, Baumkronen etc. zeigen. Das fällt sowohl weit außerhalb der Stadt auf, als auch direkt am Strip, zu Füßen der großen Kasinos. Ich möchte das hier aber gar nicht großartig kritisieren, sondern lediglich feststellen. Die Szenerie stellt solch ein beeindruckendes Gesamtbild dar und punktet mit aufwendigen Animationen, wirkt lebendig und stimmungsvoll, dass unbearbeitete Abschnitte der Bodentextur wirklich keinen merkliche Auswirkung auf den Genuss von FlyTampas neuesten Meisterwerk haben.

Fazit

FlyLasVegas Baby! ist eine der Szenerien, die wir auch in vielen Jahren noch nutzen werden, und die auch in vielen Jahren noch immer dem aktuellen Qualitätsstandard entsprechen wird. Das liegt zum einen daran, dass die Entwickler einen Paukenschlag gesetzt und einmal verdeutlicht haben, was mit der neuen Prepar3D-Generation alles möglich ist, zum anderen aber auch daran, dass die FlyTampa-Szenerien laufend kompatibel gehalten werden und nach und nach auch mit Features neuer Prepar3D-Versionen aufgebessert werden. Die knapp 35€ sind also langfristig angelegt und werden auch mit Prepar3D v5 weiterhin Spaß machen.

Las Vegas ist eine Szenerie, die von ihrer Atmosphäre lebt. Der Anflug ist nicht sonderlich kompliziert, lässt aber ein tolles Panorama auf die Skyline der Stadt zu, die von den Entwicklern in beeindruckender Komplexität umgesetzt wurde. Besonders die vielen Effekte und Animationen machen das Erlebnis Las Vegas im Simulator lebendig und überzeugend. Durch das umfangreiche Konfigurations-Tool kann die Performance wirkungsvoll nach den eigenen Vorstellungen angepasst werden. Außerdem lassen sich einige Optionen, wie PBR-Effekte, Jetways oder das Licht der dynamischen Fahrzeuge auch ganz nach eigener Vorliebe einstellen.

FlyLasVegas Baby! bekommt von mir eine ganz klare Kaufempfehlung. Hier fehlt es einfach an nichts.

Informationen

Pro Contra
  • Komplette Stadt umgesetzt
  • Umfangreiches Konfigurationstool
  • Charts mitgeliefert
  • Komplexe Modelle
  • Überzeugende Texturen
  • Realistische Atmosphäre und überzeugendes Feeling
  • Viele Animationen und Details
  • Langjähriger Support zu erwarten
  • Angenehme Performance
  • Nachtdarstellung ein wenig zu dunkel und in den Terminals teils leblos.
Informationen Testsystem

 

  • Intel I7-4790K @ 4,6 Ghz
  • 32GB DDR3-Ram
  • Geforce RTX 2080
  • Windows 10  64Bit
  • Prepar3D 4.5

 

 Tom Domenic Götz

Benachrichtigungen:
Harald

Von Fly Tampa kann man ohne bedenken alles nehmen. Corfu, Dubai und St.Maatens sind die Sahnehäupchen auf dem Simulator,und das waren die schon auf dem FSX! Ich war damals richtig Baff ,als ich mir Corfu zulegt hatte und dann dort hin flog, wie gut die das Umgesetzt hatten.

Commander-AUT

Das nenn ich wieder mal ausführlich, Dankeschön.

Wenn ich nicht schon gekauft hätte, dann spätestens nach dem Lesen dieses informativen Artikels

Chris

Danke für das ausführliche Review. Augenzwinker: der Typ hiess McCarran und hatte mit Karren nichts am Hut.