Erster Eindruck: Leonardo Software MD-83 & MD-88 Expansion (P3Dv4)

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Sehr pünktlich zu Weihnachten hat uns Leonardo Software aus Italien nicht nur mit einem umfassenden Update der MD-82 versorgt, sondern auch mit weiteren Varianten der MD-80-Serie (bisher aber nur für Prepar3d V4). Mal abgesehen davon, dass das Update natürlich sehr empfehlenswert (und für Bestandskunden der MD-82 kostenlos!) ist, weil es die MD-82 an die neuen Features von Prepar3d V4.4 anpasst und neue Features bringt, möchte ich knapp der Frage nachgehen, was denn nun die beiden neuen Varianten bieten und für wen sich das lohnt.

Was verspricht der Hersteller?

Folgende Punkte werden angeführt, wobei die letzten beiden (Eiseffekte als auch die PBR-Bemalungen) auch durch das Update kostenlos für die MD-82 verfügbar sind:

  • JT8D-219 engines option with specific and accurate flight dynamics.
  • Additional fuel tanks and Aux Fuel Pump system for the MD-83, with accurate burning schedule.
  • Automatic fuel balance system.
  • Updated load manager tool for fuel/load and route planning.
  • Updated MD-83 and MD-88 virtual cockpit, with specific MD-83 and MD-88 systems, instruments and switches.
  • Advanced icing simulation with visible visual effects on the external model.
  • PBR (Physically-Based Rendering) liveries (requires P3D v4.4 or above).

Im Wesentlichen gibt es also eine neue Triebwerkssimulation (das JT8D-219 hat 5% mehr Schub als das JT8D-217), für die MD-83 zusätzliche Tanks, ein automatisches System zum Umpumpen von Treibstoff zwischen den zwei Aux-Tanks und dem Center-Tank und für die MD-83, als auch für die MD-88, automatische Treibstoffpumpen für den Center-Tank.

Weiterhin gibt es neue Bemalungen, passend zu den neuen Varianten:

  • HB-ISX Swiss (MD-83)
  • EI-CEP Avianca (MD-83)
  • EC-FOF Iberia (MD-88)
  • EC-FLN Aviaco (MD-88)

Hier noch kurz ein Zitat aus meinem Review der MD-82 zu den einzelnen Varianten. Bei Leonardo ist es nun so, dass die MD-82 mit den JT8D-217A-Triebwerken fliegt, die anderen beiden Varianten mit den JT8D-219.

Schauen wir mal auf die Geschichte und Besonderheiten der MD-82 und ihrer Verwandtschaft, ohne das ich euch hier den Wikipedia-Artikel abschreiben wollen würde: 1965 flog die DC-9 das erste Mal. Ähnlich wie die Boeing 727 (Erstflug 1963)  war sie als Kurzstreckenflugzeug neben der DC-8 konzipiert, allerdings nur mit zwei Triebwerken. Die DC-9 war damals (im Gegensatz zur 727) eines der ersten Flugzeuge, das regulär nur von zwei Piloten geflogen wurde. Ende der siebziger Jahre kam die DC-9 in die Jahre und es stand eine grundlegende Modernisierung an. Passend zum anstehenden Jahrzehntwechsel und zur neuen Nomenklatur kam als Ergebnis die MD-80er-Serie auf den Markt:

  • MD-81: Andere Triebwerke gegenüber der DC-9, gesteckt um 4,5 m gegenüber der DC-9-50,
  • MD-82: Schwerer und stärkere Triebwerke gegenüber der MD-81,
  • MD-83: Schwerer und stärkere Triebwerke gegenüber der MD-82, höheres Startgewicht und längere Reichweite,
  • MD-87: Kürzer: Größe vergleichbar mit DC-9-50, Cockpit mit EFIS,
  • MD-88: MD-82 mit modernerem Cockpit (EFIS).

Angetrieben werden alle MD-80 von JT8D-Triebwerken, die es so auch schon in der DC-9 gab. Es sind Zweiwellen-Triebwerke, das Bypass-Verhältnis in der DC-9 war etwa 0.9:1, ist in den -200er-Versionen in der MD-80 etwa 2:1. Das bedeutet, dass zwei Drittel der angesaugten Luftmasse nicht durch die Brennkammer gehen, sondern nur vom Fan angesaugt und hinten wieder ausgestoßen werden. Zum Vergleich: Die CFM-56-Triebwerke der 737 haben ein Bypass-Verhältnis von etwa 5:1, die Rolls Royce Trent in der 787 fliegen mit 10:1. Die Wurzeln des JT8D liegen übrigens im militärischen Bereich, bei der A-6. Passt ja wieder zu unserem Lockheed-Martin-Simulator.

Download, Installation, Lieferumfang

Der Download des Addons klappt wie gehabt einfach im simMarket. Der aufwendigste Teil der folgenden Installation ist aber tatsächlich das Einspielen des aktuellen Service Packs der MD-82, das Voraussetzung für die Installation ist. Das Expansion Pack wird danach einfach zusätzlich installiert. Nach der Installation geht es an die Aktivierung. Es gibt eine eigene Seriennummer für die Expansion. Für deren Freischaltung muss im Load Manager bei der Registrierung einmal auf “Reset” geklickt werden (mir ist immer etwas unwohl, wenn ich irgendwelche Registrierungen resette, aber es hat funktioniert). Danach muss dann die zusätzliche Seriennummer eingetragen und beide Produkte nochmal registriert werden.

Danach ist der Load-Manager, der ja das zentrale Element der MD-82-Konfiguration ist, auf der Eingangsseite erweitert um die zwei neuen Varianten, die ganz normal betankt, beladen, konfiguriert etc. werden können.

Also was ist jetzt neu und für wen lohnt sich das?

Bei der Dokumentation, die mitgeliefert wird, kommen mir die Varianten leider etwas zu kurz. Ein schnelles CTRL-F in den einzelnen Dokumenten nach ’83’  liefert NUR (!) im User-Manual eine Fundstelle. In dieser wird darauf hingewiesen, dass die beiden Varianten zusätzlich erhältlich sind. Mir fehlt also eine Übersicht der Unterschiede zwischen den einzelnen Varianten (vor allem der genannten zusätzlichen Systeme, Instrumente). Eine Dokumentation des Fuel-Systems und auch die technischen Daten der Triebwerke habe ich nicht gefunden. In der Praxis ist das eigentlich nicht so tragisch, weil der Load Manager ja für die Flugplanung eingesetzt werden kann. Allerdings dann doch wieder etwas eigenartig bei einem Expansion Pack, dass ja nur wenige Unterschiede enthält und dennoch 30 Euro kostet.

Gefunden habe ich ein Dokument auf der Homepage von Leonardo, das eine knappe Übersicht der Unterschiede enthält.

Im Cockpit hat sich eigentlich nicht viel getan. Es gibt eine Anzeige des Füllstandes der Aux-Tanks sowie das Fuel Balance System in der MD-83, es gibt in MD-83 und MD-88 die automatischen Fuel-Pumps des Center-Tanks.

Außerdem gibt es bei beiden Varianten 5 % mehr Schub und bei der MD-83 ca. 500 NM mehr Reichweite (ca. 2500 NM gegenüber 2000 NM). Ihr könnt also beispielsweise Non-Stop von Dakar nach Frankfurt fliegen, oder einfach etwas mehr als 1 Stunde länger unterwegs sein. Mit den 5 % Schub sollten auch 5 % höhere Steigraten – bei gleicher Beladung – möglich sein. Und dann gibt es eben noch vier zusätzliche Bemalungen.

Bei einem Testflug mit ca. 2.000 LBs Treibstoff im Center Tank haben die automatischen Center-Tank Fuelpumps zwischen Köln und Barcelona nicht gestartet. Es kann sein, dass das so gewollt ist, aber aufgrund mangelnder Dokumentation kann ich es halt nicht einschätzen.

Fazit

Für wen ist das Upgrade nun sinnvoll? Da fallen mir zwei Gruppen ein:

  • Langstreckenflieger oder Flieger, die auf Grund der Realitätsnähe Wert auf die Varianten und Bemalungen legen, oder
  • Nutzer, die die MD-82 und die Updatepolitik von Leonardo für unterstützenswert halten.

Denn eigentlich ist die MD-82 weiterhin ein vollständiges und tolles Flugzeug, noch dazu mit den neuen Features des letzten Updates. Mich hat leider die mangelnde Dokumentation des Expansion Packs gestört, das ist einer Study Level Simulation nicht würdig. Aber: Im Vergleich zur Preispolitik von anderen Addon-Herstellern für Expansion Packs (zum Beispiel hier) sind 30 Euro vertretbar. Ich hätte es mir aber sicher nicht geleistet, hätte ich nicht das Review der MD-82 damals geschrieben.

Informationen

Pro Contra
  • Vergleichsweise geringer Preis der Expansion Packs
  • Leider keine Dokumentation über die Unterschiede der nun insgesamt drei Varianten
Informationen Testsystem
  • Intel Core i5 3570K, 4.5 Ghz
  • GeForce 1080, 8 Gb
  • Windows 10×64, 16 Gb Hauptspeicher
  • Intel SSD
  • Oculus Rift CV1
  • Prepar3D V4.4, FTX Trees HD, FS Global 2010

Dr. Patrick Seiniger

 

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Felix448

Ein guter Überblick zu der MD83/88 Erweiterung! Ich muss jedoch kurz einmal den mehrfach erwähnten Punkt bzgl der Dokumentation / Gegenüberstellung der einzelnen Versionen auffassen.

Ich bin Teil der Leonardo Maddog Beta-Tester Gruppe, somit in gewissen Maße an der Entwicklung beteiligt, vorrangig aber natürlich für das Testen des Addons und entsprechender Updates zuständig. Zusammen mit der Ankündigung das Ende des Jahres (2018) die Erweiterung veröffentlicht werden sollte, tat sich selbstverständlich auch bei mir die Frage auf, welche Unterschiede nun eigentlich zwischen der bereits vorhandenen MD-82 und den neuen Modellen liegen. Wir haben uns natürlich im Verlauf der Testphase intern abgesprochen wie man eben diese nach außen hin darstellt. Daraufhin fiel die Entscheidung einen Vergleich in das erwähnte Dokument (Training Notes) einzubinden. Das spielt hier eine eigentlich wichtige Rolle damit die Verbindung zwischen Flugzeug / Pilot auch richtig klappt. Leider wurde die neue Version des Guides (die explizit zum Release der Erweiterung angepasst wurde) nicht in den offiziellen Ankündigungen erwähnt (ungünstiger Fehler). Daher ist ein “offizielles” Dokument nicht in der Installation enthalten.

Im Prinzip sind MD 83 und 88 halt “nur” aufgewertete MD-82, daher befindet sich zwischen den Flugzeugtypen auch simpel gesagt kein großer Unterschied als den im Beitrag bereits erwähnten Faktoren (Triebwerke/Zusatztank und dazugehörige Systeme). Eine MD-87/90 würde hier selbstverständlich deutlich mehr Neuheiten bieten. Welche Besonderheiten die neuen Flugzeuge trotzdem beinhalten lässt sich im Detail nur durch die Handbücher in Erfahrung bringen.

Kurz zu der Frage bzgl des CTR Tanks: Durch das Schalten der CTR Pumps in AUTO aktiviert sich automatisch der AFB (Alternate Fuel Burn Schedule). Der AFB sorgt für eine Nutzung des Treibstoffs in den CTR Tanks bis 10000lbs. Sobald die 10000lbs erreicht sind wird erst der Triebstoff in den Flügeltanks genutzt bis diese nur noch 4000lbs beinhalten. -> Ab diesem Punkt leert sich der CTR Tank wieder. Ich gehe daher mal davon aus das (da auf dem Testflug nur 2000lbs im CTR waren) für den ganzen Flug nur der Treibstoff in den Flügeln genutzt wurde.

Ich werde die Kritik bzgl der Handbücher / Erklärung natürlich weiterleiten und bin mir sicher das in Zukunft eine klarere Abgrenzung der Modelle ersichtlicher wird.

VG, Felix

Harald

Es wird immer das kritisiert was keiner so richtig braucht. Dokumentation gibt es genug für das Flugzeug und ich glaube so viele lesen sie gar nicht! Auch die blöde Kritik an Gebrauchsspuren im Cockpit! Die Just Flight Tristar sieht aus wie vom Schrottplatz, vor allem die Mittelkonsole. Das muss so nicht sein.