Review: FSDG Graz-Thalerhof (FSX/P3D)

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Es ist schon ein paar Tage her, dass FSDG den Flughafen von Graz-Thalerhof veröffentlicht hat. Mittlerweile gibt es schon ein Review im FS-Magazin (das ich aber bewusst noch nicht gelesen habe). Für eine zweite Meinung schaut doch bitte unter 

Graz ist eine bedeutende Wissenschaftsstadt in Österreich, mit einer weit über die Grenzen bekannten Technischen Universität, insbesondere in der Fahrzeugsicherheit (mein Job). Aus diesem Grund hatte ich schon mehrfach das Vergnügen, diesen kleinen Flughafen anzufliegen.

Graz eignet sich ausgezeichnet für Feierabendflüge: es gibt täglich mehrere Zubringerflüge aus Wien mit Dash 8-Q400, die nur etwa 20 Minuten dauern, es gibt kleinere Hüpfer aus München (CRJ) oder Stuttgart (auch Q400), und darüber hinaus Flüge aus Berlin, Frankfurt und Düsseldorf. Die Landebahn 17 C-35 C ist mit 3000 x 45 m auch für größere Maschinen geeignet, laut Wikipedia hat hier schon eine Boeing 747 aufgesetzt.

Graz ist mittlerweile nach Wien, Salzburg und Innsbruck mit knapp 1 Mio. Passagiere jährlich Nummer 4 der österreichischen Verkehrsflughäfen. In der Tat ist hier zu normalen Zeiten unter der Woche wenig los – in etwa 2 Stunden Wartezeit, haben wir nicht mehr als zwei Maschinen abfliegen gesehen. Dafür war offensichtlich ein Flugschüler im Helicopter damit beschäftigt das Schweben zu üben – die Atmosphäre in Graz ist also ein wenig verschlafen.

Die Lage des Flughafens südlich der Ausläufern der Alpen und insbesondere südlich der Stadt Graz sorgt dafür, dass An- und Abflüge selbst bei leichtem Rückenwind in der Regel aus und nach Süden durchgeführt werden. Ein Kraftwerk im südlichen Teil des Mur-Tals ist dann ein schöner Fixpunkt für den Anflug.

Graz komplettiert das ausgesprochen dichte Netz von – gerade in letzter Zeit – sehr gut nachgebildeten österreichischen Verkehrsflughäfen, und Graz liegt im Bereich der ausgezeichneten Fotoszenerie Austria Professional HD East von Flugwerk – das alleine ist schon ein Grund, öfters mal den Weg aus Wien hierher zu finden.

Das verspricht der Hersteller, Installation und Kauf

Es wird ein moderner und hochdetaillierter Flughafen, insbesondere mit Umsetzung der Umgebung (wie weit, darüber wird nicht gesprochen), saisonalen Texturen, hoher Ablaufgeschwindigkeit, animiertem Vorfeldverkehr – und Kompatibilität mit allen gängigen Flächenszenerien versprochen. Insbesondere die Kompatibilität mit Austria Professional HD hat mich dabei interessiert.

Der Kauf klappt ohne Probleme für gute 17 € im simMarket, bei Aerosoft oder direkt bei FSDG. Es gibt eine knappe Anleitung und einen neuen Eintrag im FSDG-Konfigurationstool – und außerdem ist eure Festplatte etwa 1,6 Gb an Daten reicher. Ich habe zum Test P3D 3.2 genutzt, dabei klappte die Installation problemlos. Und eines schon vorweg: Performanceprobleme konnte ich nicht erkennen – erstes Versprechen eingehalten.

Das Addon bringt übrigens – ohne das in der Beschreibung vorher besonders herauszuheben – Sportflugzeuge als AI-Traffic mit, die die beiden Graspisten beiderseits der Hauptbahn nutzen. Damit das klappt, gibt es neben LOWG selbst formal noch zwei weitere Flugplätze mit eigener AFCAD-Datei, jeweils für die Graspisten 35 R/17 L und 35 L/17 R – genaueres kennt das Handbuch. Charts kennt das Handbuch nicht, aber das ist in Österreich kein Problem – Austrocontrol stellt der VACC Charts zur Verfügung, die wir natürlich auch nutzen können.

Anreise

Zum Kennenlernen und als netter Feierabendflug passt die Anreise aus Wien mit Austrian Airlines Dash 8 Q400 sehr gut (ich bin noch mit der Pilot-Version unterwegs). Die Route läuft über Sollenau SNU, PUBEG, UMBIL nach Graz und ist etwa 100 NM lang. Da wir einige kleinere Berge überfliegen müssen, sollten wir uns über 14.000 Fuß halten.

Gate E45 in Wien passt ganz gut für die kleine Turboprop – von hier ist es auch nicht weit zur Startbahn. Los gehts:

Nachdem die Berge überflogen sind, geht es auch schon in einer Art rechts geflogenen Platzrunde zum Endanflug auf Runway 35 C – nur in dieser Richtung gibt es auch ein ILS.

Der Anflug führt uns links an einem weithin sichtbaren Kraftwerksbau vorbei.

Jetzt erreichen wir auch den vom Addon abgedeckten Bereich, gut erkennbar an den Werkshallen im Industriegebiet südlich des Flughafens und der Kartbahn kurz vor der Schwelle der Landebahn.

Texturen und Flughafengebäude machen aus der Nähe einen sehr guten Eindruck. Leider zeigt GSX nur die kleinen GA-Parkplätze am Mittelteil des Terminals an – ich wollte doch bei den großen Flugzeugen parken. Möglicherweise bin ich formal auf einem der beiden kleinen AFCADs gelandet?

Übersicht und Anpassung an Flächenszenerien

Wie schon vom Hersteller versprochen, konnte ich keine Probleme im Zusammenspiel mit Austria Professional HD East feststellen. Einzig die Farbtöne sind leicht unterschiedlich. Minimiert werden kann dies durch die Wahl von Sommermonaten im Konfigurator. Eine explizite Option zur Umstellung auf ATP HD East gibt es aber nicht.

Hier ein Bild mit ATP und absichtlich Einstellung auf Frühling, damit die Ausdehnung besser sichtbar ist.

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Die Abdeckung von LOWG Graz-Thalerhof reicht im Osten (unten) bis zur Bahnlinie, im Norden (rechts) bis zur Straße und endet im Süden kurz hinter der Kartbahn. Hier noch ein Foto von Süden mit Blick auf die Stadt Graz oben links im Bild.

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Hier die gleiche Perspektive bei Nacht.

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Mit FTX Global sieht das grundsätzlich auch gut aus, und es gibt dann natürlich auch Wintertexturen.

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Die Wintertexturen direkt am Flugplatz stellen sich leider nicht automatisch ein – hier steht der Konfigurator auch wieder bewusst auf April.

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Um zu zeigen, wie gut der Flugplatz bei korrekter Einstellung in die Landschaft passt ein paar Videos mit Landeanflügen. Zunächst Austria Professional HD East und Graz mit Einstellung Sommer  (leider ohne Ton):

Der gleiche Anflug mit FTX Global:

Mit FTX Global openLC EU sieht die Gegend grundsätzlich auch sehr gut aus, aber solche charakteristischen Bauten wie das Kraftwerk im Anflug fehlen natürlich (persönlich bin ich ohnehin ein Fan von Fotoszenerien).

Vorteil von FTX Global: Jahreszeiten! Anflug mit Piper im Winter:

Und nochmal bei Dämmerung:

Insgesamt stimmt es: die Anpassungen an die Umgebung sind gut gelungen. Schade, dass die Einstellung der Jahreszeiten nicht automatisch geschieht. Nutzer von Austria Professional stellen einfach auf Sommer, dann passt es.

Der Flughafen im Detail

Wichtigstes Gebäude am Platz ist – klar – das Terminal. Es ist ein kleines Terminal ohne besonders viel Einkaufsmöglichkeiten. Charakteristisch ist die Lounge im ersten Stock, die FSDG mit Inneneinrichtung modelliert hat. Gut erkennbar übrigens die Unmenge an Bussen. Das ist wichtig in Graz – hier fährt der Bus gerne auch mal nur 10 Meter vom Flugzeug zum Terminal, nur in Ausnahmefällen darf man laufen.

Die Besucherterasse in Realität und Simulation – ganz gut getroffen, auch die Lounge im Hintergrund.

Auf dem Vorfeld steht – außer Flugzeugen – wenig herum, was aber nach meiner Erinnerung auch der Realität entspricht. Die Qualität der Texturen, auch auf den Fahrzeugen, ist ausgezeichnet.

Auf der Landseite von Graz-Thalerhof ist der Tower besonders markant. In der Realität hat er zusätzlich zur animierten Laufschrift einen LED-Bildschirm, aber das würde hier natürlich unnötig Performance kosten. Der Tower steht inmitten eines Parkplatzes, daneben das Parkhaus mit der Mietwagenstation.

Südlich des Terminals und der Hangars liegt ein Flugzeugmuseum, das hier mit den im Hof stehenden Museumflugzeugen (ausreichend gut detailliert) nachgebildet ist.

Weitere Flughafengebäude sind im Wesentlichen auch hervorragend detailliert: Hier das nördliche Vorfeld mit angrenzendem Gebäude, dessen Funktion ich leider nicht herausgefunden habe (Frachtabfertigung?).

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Ein Blick vom nördlichen Vorfeld entlang des Riegels mit Hangars und Werft.

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Hangars und Werftbereich:

Feuerwache und geparkter Tankwagen:

Letztendlich der Hangar des Rettungshubschraubers Christophorus 12 ganz im Süden des Flughafenkomplexes.

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Ganz im Norden liegt noch ein Bürogebäude, das aus der Luft eher grob rüberkommt, aus der Nähe aber wohl tatsächlich einfach so aussieht:

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Etwas außerhalb des Flughafens gibt es noch eine Tankstelle, ein Schnellrestaurant und die Kartbahn:

Der militärische Teil des Flughafens im Westen wird nicht mehr genutzt, seit die Eurofighter-Flotte nach Zeltweg, ca. 30 NM nordöstlich, verlegt wurde. Die Hangars sind trotzdem noch vorhanden und hier natürlich auch nachgebildet.

General Aviation

Für die Freunde der Kleinflugzeuge gibt es nördlich des militärischen Teils ausreichend Spielwiese: Es existiert ein kleiner Hangar, einige Nebengebäude, die Graspisten und auch Helilandeplätze. Leider entsprechen die Bodentexturen hier nur der Qualität des Luftbildes.

Texturen

Die Bodentexturen im gesamten modellierten Bereich sind – bis auf die geringe Auflösung im Bereich der General Aviation – ausgezeichnet. Schilder und dergleichen sind ebenfalls sehr gut getroffen.

Fazit

Graz von FSDG sticht aus der Menge der kleinen Flugplätze heraus. Die Detaillierung ist natürlich ausgezeichnet, aber es gibt eben auch ausgezeichnet texturierten und animierten Vorfeldverkehr, der die kleinen Graspisten nutzt. Als kleines Extra funktioniert die Laufschrift auf dem Tower.

Positiv ist die Kompatibilität mit Austria Professional HD East, das ist beileibe nicht selbstverständlich und die Performance ist niemals ein Problem gewesen.

Alles in allem ein Must-Buy natürlich für alle Österreich-Flieger, aber auch für diejenigen, die einen landschaftlich schön gelegenen Flugplatz zu schätzen wissen – gut erreichbar aus Norditalien und Süddeutschland.

Informationen

Pro Contra
  • Sehr gut detaillierter Flughafen
  • Eigener AI-Traffic
  • Hervorragende Kompatibilität mit Flächenszenarien
  • Gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • Texturumschaltung der Jahreszeiten nur manuell über Konfigurator möglich
Informationen Testsystem
  • Intel Core i5 3570K, 4 Ghz
  • GeForce 970, 4 Gb
  • Windows 10×64, 24 Gb Hauptspeicher
  • Intel SSD
  • Prepar3D V3.2, FTX Global, FTX Trees HD, FS Global 2010

Patrick Seiniger

Benachrichtigungen:
Baron Rot

Ich gebe dem Autor grundsätzlich recht. Wenn man den Flughafen öfters “in echt” anfliegt und vergleichet, fehlen nur die letzten und markanten Einfamilienhäuser im final vor der 17er Bahn (hier gibt es ab und zu Anzeigen wenn Flugzeuge Dachziegel “entfernen”) und die Kirche Feldkirchen.
…und wenn man schon motzen muss, alle Gebäude die noch im Nord Osten fehlen stören ein wenig. Da ist der Fotoguntergrund leer.
Sonst ist alles top!