Review: Justflight Tempest & Spitfire

Immer wieder finden sich Umsetzungen militärischer Maschinen für den eigentlich zivilen Flugsimulator. So auch ein Paket von Justflight: die Spitfire und die Tempest. Wenn auch der militärische Sinn der Maschinen im MS FS flöten geht (da nicht simulierbar), so kann das Flieger dieser meist hochgezüchteten Flugzeuge Spaß machen. Wer einmal mit einer Spit oder einem ähnlich schnellem Gerät kopfüber durch den Grand Canyon geblasen ist, weiß was ich meine. Eilke Nils Zeysing hat sich die Tempest und die Spit angeschaut und berichtet im Folgenden von seinen Erfahrungen.

Just Flight Spitfire + Tempest Review

Muss man die Spitfire in Fliegerkreisen vorstellen? Nein, muss man nicht. Dieses legendäre Jagdflugzeug aus der Ära des Zweiten Weltkrieges ist selbst manchem, der mit der Luftfahrt sonst nicht viel am Hut hat, ein Begriff.

Bei der Tempest sieht das da schon anders aus. Dieser erfolgreiche V1-„Wunderwaffen-Jäger” wurde von der Firma Hawker entworfen, die schon für die berühmte Hurricane verantwortlich war. Bei der Tempest war wohl das Konzept „Wir nehmen einen lahmen Entwurf – die Typhoon – und bauen den größten Motor ein, den wir im Königreich rumliegen haben” maßgeblich. Das Ergebnis war ein ziemlich schnelles Jagdflugzeug, das mit dem großen Luftkühler für das große Triebwerk aber auch ziemlich hässlich erscheint. Ab 1944 kamen diese hochgezüchteten Jäger zum Einsatz, um das britische Heimatland gegen die sehr schnell anfliegenden V1 zu verteidigen, und ergänzten gegen Ende des Krieges die in die Tiefflieger-Jagdbomber abgeschobene, leistungsschwächere Typhoon. Auch einige Düsenjäger vom Typ Me-262 konnte die Tempest aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit in geringen Höhen besiegen.

Sogar für den im Kern friedlichen Flight Simulator 2004 und FSX gab es bereits einige Umsetzungen der Spitfire. Die RealAir Spitfire Mk. XIV wird wohl unvergessen bleiben, so schön war sie innerlich und äußerlich umgesetzt, und so überzeugend war ihr Flugverhalten, gepaart mit der Möglichkeit, den Motor bei unsachgemäßer Behandlung kaputt zu machen und höheren fliegerischen Herausforderungen entgegen zu sehen.

Auch die gute Umsetzung von Plane-Design des Modells Mk.XVI kam nicht schlecht daher; Shockwave – sowieso bekannt für gute WWII-Modelle – brachte eine schöne MK.I heraus, und Just Flight veröffentlichte bereits einmal eine ganze Kollektion von Spitfires aller möglicher Jahre, Staffeln und Nationen.

Vor etwa einem halben Jahr brachte Just Flight dann ein weiteres Add-On auf den Markt, das neben einer Spitfire Mk. Vb auch die bereits vorgestellte Hawker Tempest Mk V enthält. Für inzwischen nur noch 14.95 Euro ist dieses Add-On als Downloadversion auf der Webseite von Just Flight zu erwerben. Gerade einmal 19 mb sind dafür herunterzuladen; in den heutigen Zeiten ist dies für ein Add-On doch recht wenig.

Zwar kann man nicht grundsätzlich sagen, dass ein großer Download ein gutes Add-On enthält und eine kleine Datenmenge ein schlechtes Add-On bedingt, aber manchmal ist dies schon ein Indiz für die Qualität des erworbenen Produktes.

Um auf den Punkt zu kommen: Dieses Add-On von Just Flight bietet nicht viel. Es gibt zwei Modelle der Spitfire – eine Standardausführung mit europäischer Tarnung und eine Wüstenversion mit großem Luftfilter unter der Schnauze (sehr hässlich) und Wüstentarnung – und eine Version der Tempest ebenfalls in europäischer Tarnung.

Die Spit und die Tempest von außen…

Die Außenmodelle beider Flugzeuge sind recht gut gelungen. Die Hauben lassen sich öffnen, ebenso die seitliche Einstiegsklappe, und bei geöffneter Haube lehnt sich die Pilotenfigur beim Rollen wegen der ungünstigen Sitzposition notgedrungen nach draußen, um links an der hoch emporragenden Schnauze (der Autor ist nicht vulgär, sondern benutzt übliches Fliegervokabular) vorbeizuschauen.

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… und von innen

Im Flieger sitzend findet man bei der Spitfire ein 2D-Panel vor, welches fotoreal, aber nicht unbedingt gut aussehend ist. Überhaupt wird das vermeintliche Qualitätsmerkmal „fotoreal” oftmals überbewertet, weil die Umsetzung im FS fallweise nicht sinnvoll und ästhetisch gelingt.

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Das 2D-Panel der Tempest ist schlichtweg schlecht und entspricht in etwa dem Niveau von Panels aus dem CFS2 oder vergleichbaren Freewarepanels, bzw. erinnert an das kaum bessere Panel der Corsair aus dem FS2002. Fairerweise hat Just Flight auf seiner Produktseite ein Bild von diesem Panel veröffentlicht, sodass jeder Kunde weiß, was er da kauft.

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Im virtuellen Cockpit setzt sich der Trend fort. Das Cockpit der Spitfire ist noch halbwegs akzeptabel, wenn auch nicht grandios umgesetzt.

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Oben angeführte Konkurrenzfirmen haben bereits Monate und Jahre früher demonstriert, wie gut man das machen kann. Bei Just Flight hat man sich davon nicht beirren lassen. Dementsprechend ist das Cockpit der Tempest wiederum eher unschön und kein Ort, in dem man lange herumfliegen will.

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So fliegen sie sich

Bezüglich des Flugverhaltens gehen viele Rezensenten inzwischen den Weg, dem Leser einzugestehen, keine Flugerfahrung oder keine auf dem entsprechenden Typ zu haben und dementsprechend dazu kaum etwas sagen zu können. Dem muss sich dieser Autor anschließen. Zwar kann er auf genügend Flugerfahrung mit einmotorigen Maschinen und etwas Zweimot-Erfahrung zurückblicken, aber wer kommt schon in den Genuss, eine sündhaft seltene und sündhaft teure Spitfire mit ca. 1500ps am Propeller zu fliegen? Kaum jemand kann beurteilen, ob das Flugverhalten dem Original entspricht oder nicht.

Die simulierten Maschinen fliegen sich nicht unähnlich denen in Sturmovik, der wohl besten Simulation von Flugzeugen des Zweiten Weltkrieges. Das bedeutet auch, dass die beiden Flugzeuge bei Start und Landung nicht einfach zu zähmen sind. Vor allem darf man bei der Tempest nicht den Fehler machen, die Landeklappen zum Start auszufahren. Tut man dies, so bricht die Maschine beim Startlauf unbeherrschbar nach links aus. Realismus? Es ist schwierig vorstellbar, dass dieses Phänomen in der Realität durch die Landeklappen hervorgerufen würde, aber bitte, nehmen wir es so hin. Bei der Landung spielen die für Cessna-Flieger ungewohnt hohe Anfluggeschwindigkeit und Anfluglage dem Piloten übel mit, und wer auf kürzeren, holprigen Grasbahnen landen will, muss lernen, in einer sauberen Dreipunktlage aufzusetzen.

Ansonsten fliegen sich die beiden Maschinen im Normalflug unspektakulär. Loopings, Rollen und das ganze Jagdfliegergezaubere machen sie mit, und es ist mehr als einmal gelungen, die Spitfire in ein halbwegs sauberes, realistisches Trudeln zu bringen! Das ist angesichts der Grenzen, die der FS im Bezug auf das Flugverhalten setzt, durchaus erwähnenswert.

Soundcheck

Der Sound ist akzeptabel. In der Außenperspektive klingt er vertraut, sowohl im Leerlauf als auch im Überflug. So hat man die Spitfire schon bei einigen Flugshows gehört. Ob er im Inneren ebenso realistisch ist? Dort hört man jedenfalls laut zischend die Landeklappen ein- und ausfahren und das Fahrwerk mit einem mechanischen Quietschen in die gewünschte Position rasten. Bei beiden Flugzeugtypen klingen die Geräusche übrigens identisch, und es wird vermutet, dass das Geräusch für die Landeklappen doch sehr stark dem der DC-3 aus dem FS entlehnt wurde.

Was sonst noch wichtig ist

Was gibt es sonst noch? Man kann die Kanonen und Maschinengewehre mit der Taste I abfeuern. In der Außenansicht ist dies ein nettes Feuerspektakel, das hinter dem Flugzeug kleine Rauchwölkchen hinterlässt und unter dem Flugzeug die Patronenhülsen herausrieseln lässt. Auch ein lautes Kanonengeräusch gibt es dazu, aber das war es dann schon. In der Innenperspektive ist der Effekt kaum zu sehen, und natürlich schlagen die Geschosse auch nicht irgendwo ein.

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Eine Dokumentation, bei solchen Produkten in der Regel mit historischem Schwerpunkt, sucht man übrigens nicht vergebens, aber was man findet, enttäuscht schon wieder. Für beide Flugzeuge gibt es jeweils ein dreiseitges pdf-Dokument, das die technischen Daten kurz beschreibt und ein paar Sätze zum Flugzeug verliert. Gespickt mit einem Bild und der Information, wie man das leistungsmäßig Meiste aus seinem FS herausholt, war es das auch schon mit der Anleitung. Keine Hinweise, wie diese Maschinen zu fliegen sind, welche Prozedur beim Start oder bei der Landung einzuhalten ist, welche Triebwerkswerte beachtet werden müssen etc. Es spielt für diese Flieger auch keine Rolle, denn komplex sind sie nun wirklich nicht. Nur beim Starten des FS geht das Triebwerk aus, wenn der Leistungshebel auf Leerlauf steht, und dann klickt man sich verzweifelt durch das 2D-Panel, um den Motor irgendwie wieder zum Laufen zu bekommen. Wie die reale Prozedur aussieht, erfährt man ja nicht im „Handbuch”, und was welcher Schalter im Cockpit bewirkt, kann man dort ebenfalls nicht nachlesen.

Fazit

So unkomplex die Flieger auch sind, schwingt man sicht also zu einem zugegeben angenehm schnellen Rundflug auf, wenn man die Flieger heile in die Luft bekommen hat, fliegt ein paar Rollen und Loops, baut dann zwei, drei schlechte Landungen, ärgert sich wieder und wieder über die schlechten virtuellen Cockpits und schiebt dann nach einem halben Nachmittag die Flugzeuge in den virtuellen Hangar, um sie dann wahrscheinlich nie wieder hervor zu holen.

Der Autor hatte vor etwa zwei bis drei Jahren mal die Ehre, ähnliche WWII-Flugzeuge als Payware zu testen. Das Bild war das gleich wie heute: Die Spitfire und die Tempest von Just Flight entsprechen technisch gesehen einem mittleren Freeware-Niveau. Sie leben von einem relativ guten Außenmodell und davon, dass sie anspruchsvoll, aber schnell erlernbar zu fliegen sind. Dies entspricht aber auch dem, bereits seit vielen Jahren viele Freeware-Entwickler jeden Tag kostenlos zur Verfügung stellen. Mehr noch: Es gibt sogar Freeware-Entwickler, die solche Flugzeuge oder Szenerien zur Verfügung stellen, die es mit den besten Paywareprodukten aufnehmen oder diese sogar übertreffen. So reicht es nach Ansicht des Autors nicht aus, für ein Payware-Flugzeug nur ein schönes Außenmodell und ein fliegbares Flugverhalten darzustellen. Manche Hersteller rechtfertigen ein mittelmäßiges Produkt wenigstens noch dadurch, dass sie zahllose Repaints oder Untervarianten mit dazugeben, doch auch das fehlt hier. In Sachen 2D und 3D Cockpit und Dokumentation kann das Spitfire-Tempest-Paket nicht überzeugen.

Dem geneigten Käufer stellen sich viele Optionen dar. Mit diesem Produkt bekommt er zwei unkomplizierte, nicht so teure, aber nur halbgare Flugzeuge für einen schnellen Spaßflug zwischendurch – weil Loopings mit der Cessna so schlecht gehen und der Extra 300 das Flair fehlt?

Für noch weniger Geld könnte man sich aber auch gleich Sturmovik kaufen und dann eine Spitfire in einem Kampfszenario fliegen, wo sie wirklich hingehört.

Für gar kein Geld kann man sich kostenlos vergleichbare Warbirds mit ähnlicher, schlechterer oder auch besserer Qualität auf den einschlägigen Internetseiten herunterladen. Oder aber man investiert ein wenig mehr Geld und kauft sich die teilweise besseren bis hervorragenden Konkurrenzprodukte und tobt sich mit deren Spitfires aus.

Allerdings kommt der Autor auch wieder einmal zu der Erkenntnis, dass die Simulation von Warbirds nicht die wirkliche „Kernkompetenz” des Flight Simulator ist, doch das nur am Rande…


PRO


CONTRA


  • Gutes Außenmodell
  • Für Anfänger gut geeignet, geringe Komplexität
  • Sound ok


  • 2D Panels eher schwach
  • Virtuelle Cockpits eher schwach
  • Wenig Bemalungen
  • Kaum Informationen zur Bedienung, Flugleistungen, Prozeduren etc.


INFORMATION


TEST SYSTEM



  • AMD Athlon 3200+

  • ATI Radeon 9600 256 MB

  • 1,5 GB DDR RAM



Eilke Nils Zeysing

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