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Review: Status Quo der TFDi Design Boeing 717 (FSX/P3D)

Unser neustes Review-Team Mitglied Maximilian Haschke hat sich in seinem ersten Review die Boeing 717 von TFDI Design vorgenommen und analysiert für uns den Status Quo. Denn lange wurde auf die Umsetzung für FSX und Prepar3D von TFDi Design hin gefiebert, doch gleich nach dem Release zeigten sich bei einigen Usern massive Probleme hinsichtlich der Performance, Funktionalität des Produkts oder gar CTD’s beim Laden der 717. Auch wenn Sie in Europa mittlerweile ein rar gewordener Typ ist, wird sie für Nordamerika-Flieger wohl ein Muss sein und nicht nur diese sollten…

Die Boeing 717

Die zwischen 1998 und 2006 produzierte Boeing 717-200 gilt als Nachfolger der MD-90, ursprünglich entwickelt unter der Bezeichnung MD-95. Mit dieser verfolgte McDonell Douglas das Ziel, den 100-Sitzer-Markt zurück zu erobern. Direkte Konkurrenten der MD-95 waren der Airbus A318 sowie die Boeing 737-600. Nach der Übernahme von McDonell Douglas durch Boeing wurde das MD-95-Projekt unter der Bezeichnung Boeing 717 fortgeführt.

Entwickelt wurde zunächst die Boeing 717-200 als Basismodell. Weiterhin geplant waren sowohl zwei verkürzte Varianten (MD-95-20 bzw. Boeing 717-100X und Boeing 717-100X Lite) als auch eine gestreckte Variante (MD-95-50 bzw. Boeing 717-300X). Diese Programme wurden aber aufgrund fehlender Nachfrage eingestellt. Gebaut wurden insgesamt 156 Flugzeuge des Typs B717, von denen bis heute 154 im Liniendienst eingesetzt sind. Größter Betreiber ist Delta Airlines in den USA. In Europa wird die 717 lediglich von Voltea aus Spanien betrieben, soll dort aber durch Flugzeuge aus der A320-Familie ersetzt werden.

Angetrieben wird die Boeing 717 durch zwei Rolls-Royce-BR715-Triebwerke, welche am Heck des Flugzeuges montiert sind und bis zu 93,4 kN Schub liefern. Das Cockpit-Design orientiert sie sowohl an der MD-80-Familie als auch an der der MD-10 und MD-11. Piloten mit Typerating für MD-80 oder MD-11 können innerhalb weniger Ausbildungstage auf die Cat IIIb taugliche B717 umgeschult werden. Das Zwei-Mann-Flightdeck ist mit Flight Management Systemen von Honeywell sowie einem FADEC-System von BAE Systems ausgestattet.

Hinsichtlich der Geschichte und Charakteristika dieses Typs lässt sich echtes McDonell-Douglas-Feeling erwarten.

Kauf und Installation

Für 59,99$ rollt die 717 aus dem TFDi-Online-Shop Hangar. Nach dem erfolgreichen Kauf kann im Benutzerkonto der TFDi Addon Manager heruntergeladen werden. Dieser installiert, nach erfolgreicher Anmeldung, dann die 717 auf dem Rechner.

Neben dem Flugzeug selbst ist auch eine Zip-Datei mit den Handbüchern Teil des Downloads. Die Dokumentation umfasst eine ausführliche und sehr gut erklärte, aber etwas unübersichtlich gestaltete Checklist, verschiedene Switch Maps und eine Anleitung zur MCDU. Diese beschreibt die Bedienung der MCDU vom Einsteigen bis zum Abheben. Mögliche Einstellungen im Reiseflug, beim Approach und Go Around werden ausgespart. Auch zeugt die Checklist von diversen Schreib- und Tippfehlern. Performance Charts, ein Tutorial Flight oder ähnliches sind ebenso nicht in der Dokumentation enthalten.

Installiert wird zunächst nur die hauseigene Livery von TFDi. Im hauseigenem Forum werden weitere (reale) Liveries zum kostenlosen Download bereitgestellt. Diese müssen manuell installiert werden. Ein entsprechendes Tool, welches die Liveries automatisiert anmeldet, wäre schön gewesen. Zumal ein Programm zur Konfiguration und Flugvorbereitung mitgeliefert wird.

Erster Eindruck

Bevor es los geht…

Nach der Installation von Flieger und Liveries ging es an die Einstellungen im Configuration-Tool, welches im TFDi Addon Manager integriert ist. Installiert war zu diesem Zeitpunkt die Version 1.0.5.1. Hier ein paar Eindrücke der Einstellmöglichkeiten.

Für die ersten Testflüge wurde die 717 in den Prepar3D geladen. Alles klappt, entgegen mancher Berichte im Forum hatte ich bei den Tests keine CTDs. Mithilfe des mitgelieferten Tools wird der Flieger beladen. Die 717 steht Cold and Dark bereit, nach dem Outside-Check wird die Checklist Punkt für Punkt abgearbeitet und die MCDU mit den notwendigen Daten „gefüttert“.

Hier zeigt sich schon die erste kleinere Schwierigkeit. Die durchaus ausführliche Checklist zeigt sich zwar als gut aufgebaut und logisch strukturiert, aber dennoch als ziemlich unübersichtlich. Im EFB-Tablet der 717 gibt es auch eine digitale Checklist. Diese ist jedoch in Gänze als eine Bilddatei mitgeliefert worden. Daher ist diese Checklist am 22‘-Bildschirm zunächst unleserlich. Mühsames Hineinzoomen und Suchen nach der jeweiligen Flugphase wird notwendig. Die Integration von einzelnen Checklisten für jede Flugphase hätte das Tablet zu einem tollen Tool werden lassen.

Wie sich die TFDi 717 im Flusi zeigt

Bei den ersten Testflügen auf realen 717-Stecken (z.B. CYUL-KATL, KSEA-KSAN oder PHNL-PHKO) war der VAS-Verbrauch vergleichbar mit Aerosofts Airbus oder PMDGs 737. Die Bildwiederholrate hält sich ebenfalls, in der Regel, am Boden zwischen 18 und 25 Frames/Sekunde. In der Luft liegt sie knapp unter den 40 begrenzten Bildern. Lediglich die Varianz, welche auch für ein flüssiges Fluggefühl wichtig ist, scheint deutlich erhöht.

Nicht nur das Flair des Flightdecks wirkt auf den ersten Blick authentisch und sehr gut gelungen. Die TFDi 717 liegt beim manuellen Fliegen, sowohl beim Takeoff als auch im Landeanflug, gut in der Hand. Ebenso wirkt die Soundkulisse, verglichen mit diversen YouTube-Videos, recht realistisch umgesetzt. Insbesondere die Warnung „Stabilizer Motion“ lässt McDonell-Douglas-Feeling aufkommen.

Auch das Außenmodell wirkt stimmig, sowohl hinsichtlich der Formen und Proportionen, aber auch des Detailgrades der Umsetzung. Den Entwicklern ist es gelungen, eine sehenswerte Umsetzung der Boeing 717-200 zu schaffen. Alle Türen lassen sich mittels des Tablets im Cockpit öffnen, GSX erkennt diese Türen auch sofort und dockt richtig daran an. Auf, meines Erachtens unnötige, Spielereien wurde verzichtet (z.B. Möglichkeit, Notausgänge über den Tragflächen zu öffnen). Einzig die in den Tragflächen verbauten Landing Lights erscheinen mir etwas „flach“ geraten, wenn man seitlich darauf schaut.

Was noch nicht umgesetzt ist, sind die Chocks sowie die Warnkegel (Cones) am abgestellten Flugzeug. Diese Funktion ist zwar bereits im Tablet auswählbar, zeigt beim Klick darauf aber keinerlei Wirkung.

MCDU und Flugführung

Das Eingeben der Route in die MCDU gestaltet sich insgesamt recht unproblematisch. Wie gewohnt werden alle Daten eingepflegt, mittels Klickspot an der MCDU können diese auch direkt über die eigene Tastatur eingetippt werden. Ein kleiner Wehrmutstropfen: zum jetzigen Zeitpunkt kann die MCDU nur im virtuellen Cockpit als eigene Sicht aufgerufen werden, was sich insbesondere bei Flügen auf einem der Online-Netzwerke als herausfordernd gestalten kann. Die Implementierung eines 2D-Panels ist aber bereits angekündigt.

Bald nach dem Abheben wird in den meisten kommerziellen Flügen der Autopilot aktiviert. Das Auto-Flight-System der 717 wirkt, wie auch die anderen Systeme auf den ersten Blick, durch und durch realistisch umgesetzt. Nur die automatisierte Flugwegverfolung scheint fehlerbehaftet. Bei mehreren Testflügen wurde die Route, insbesondere im Bereich der SID, nicht exakt abgeflogen. Dieser Bug wurde auch mehrfach im Forum der Entwickler berichtet.

Auf Reiseflughöhe angekommen, stellt sich die Frage, „Wann bin ich eigentlich da?“. Normalerweise genügt ein Blick auf die ETA Daten in der MCDU, die für jeden einzelnen Wegpunkt und das Ziel ersichtlich sind. Bei der TFDi 717 ist das leider nicht möglich. Die ETA wird nicht angezeigt, eine Ergänzung dieser Funktion ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch angekündigt.

Das Gleiche gilt für die Anzeige des Top of Descend Punktes. Das vertikale Profil wird, gemessen an der üblichen Faustformel, dennoch ordentlich abgeflogen. Kritisch wird es, wenn das ILS angeschnitten werden soll. Das Abfliegen des Localizers braucht meistens einen zweiten oder dritten Versuch, bis die Maschine innerhalb üblicher Toleranzen den Localizer richtig abfliegt. Das korrekte Verfolgen des Glideslopes war bei keinem der Anflüge möglich. Meistens war die 717 etwas unterhalb des Leitstrahls unterwegs. Die Versuche eine automatische Landung zu simulieren mussten daher jedesmal abgebrochen werden. Aber auch hier ist Besserung versprochen.

Die Landung manuell durchzuführen war kein Problem. Hierzu ein paar Eindrücke vom Anflug auf den Kona International Airport.

Noch ein Punkt soll angesprochen werden: der Reverser. Diese Funktion scheint derzeit völlig fehlerbehaftet. Entweder reagieren sie gar nicht oder springen gleich in den Notfall-Modus und sind dann nicht mehr ohne Aufwand zu deaktivieren. Konsequenzen hat dieses Fehlverhalten der Reverser für den Flusi-Piloten dahingehend, dass ein direkt anschließender Weiterflug nicht möglich ist. In der realen Fliegerei würde nach dem Aktivieren des Notfall-Modus die Technik den Flieger untersuchen müssen und anschließend die Reverser wieder entriegeln. Für den Flusi-Piloten heißt dies: Neustarten des FSX oder P3D. Überdies war der Reverser-Sound selbst nach dem Abstellen der Triebwerke noch in der Außenansicht zu hören.

Was bleibt

Mein erster Eindruck von der 717 ist gemischt mit positiver Tendenz. Sowohl Performance-Probleme als auch CTDs sind – entgegen meiner Erwartungen und entgegen einiger Berichte im Forum – ausgeblieben. Ich konnte überzeugendes McDonnell-Douglas-Feeling am Produkt ausmachen. Cockpit, Sound und Modellumsetzung wirken stimmig und realistisch. Die Systeme zeigen einen ausgewogenen Tiefgang, sind umfänglich umgesetzt und funktionieren weitesgehend so, wie es erwartet werden kann.

Wie oben aufgezeigt, hat die 717 aus dem Hause TFDi natürlich auch ihre Schwächen: Probleme beim exakten Abfliegen des programierten Routings, fehlende Optionen in der MCDU sowie die fehlerhafte Funktionsweise der Thrustreverser. Auch die Probleme beim Fliegen eines ILS-Anflugs seien noch erwähnt.

Insgesamt jedoch überwiegt für mich der positive Eindruck. Die TFDi 717 bietet ein gelungenes Fluggefühl im Simulator. Diesen Flieger zu fliegen macht bereits jetzt ordentlich Spaß, auch wenn eine komplette realistische Flugabwicklung noch nicht möglich ist. Sollte der Etwickler – wie angekündigt – sich um die offenen Baustellen kümmern, wird sie es sicherlich schaffen, mich gänzlich von ihr zu überzeugen.

„Zweiter“ Eindruck

Vorbemerkungen

Inzwischen ist die Version 1.0.6.0 als „Community Opt-in Beta“ veröffentlich worden. Es ist sicherlich für viele in der Community schön, an der Weiterentwicklung und am Testen des Produkts mitzuwirken. Viele User können mit ihrem Wissen so die Entwickler bei ihrer Arbeit unterstützen und bekommen so für einige Bugs ein zügigeres Update, statt bis zum Ende der Entwicklungs- sowie Betaphase warten zu müssen.

Zwar wurde die 717 vom Entwickler, TFDi Design, zunächst als vollwärtiges Produkt veröffentlicht. Nachdem sich zeigte, dass die hausinternen Beta-Tests nicht ausreichend waren und somit zahlreiche Fehler bei den Usern auftraten, wurden auf dem Wege des „Community Opt-in Beta“ die User in die Tests mit eingebunden. Mit der Version 1.0.6.0 wurde daher eine Beta-Version veröffentlicht, die nicht nur Verbesserungen des bestehenden Produkts, sondern auch erste Neuerungen sowie Ergänzungen zu den bisherigen Features enthalten sollte. Bereits beim ersten Release der 717 hatten die Entwickler angekündigt, für sie sei die Kreation ihres Produkts nicht abgeschlossen. Vielmehr müsse mit Weiterentwicklungen und Verbesserungen gerechnet werden – wie es im Forum nunmehr an der stetig wachsenden Feature-Liste für die angekündigte v1.0.6.1 unschwer zu erkennen ist. Ähnlich der Grundtenor beim Statement der Entwickler Anfang März 2017. Bei diesem gesteht sich des TFDi-Team allerdings ein, ein wenig den Arbeitsaufwand dieses Projekts unterschätzt zu haben und bittet die Comunity daher um Nachsicht hinsichtlich der Entwicklungsdauer. Auch der Change Log im Forum von TFDi deutet darauf hin, dass rege am Produkt gearbeitet wird. Manche der darin aufgeführten Punkte sind Details, welche der Durchschnittsuser nur marginal bemerken wird. Einige der Hinzufügungen und Verbesserungen betreffen aber auch den normalen „Feierabendflug“.

Nach weiteren, ausführlichen Testflügen soll nun geschaut werden, ob die Entwickler ihre Hausaufgaben erledigt haben und welche Baustellen noch offen sind. Dabei konzentriere ich mich vor allem auf die erwähnten Schwächen der TFDi 717, sowie die Neuimplementierungen seitens der Entwickler.

Performance

An dieser Stelle muss ich leider von einer deutlichen Verschlechterung gegenüber der Vorgängerversion berichten. Am Boden bekommen ich – im Vergleich zu v1.0.5.1 – wieder eine stabile Framerate zwischen 18 und 25 fps (abhängig auch vom jeweiligen Airport etc.). Sobald der Flieger sich bewegt, spätestens nach dem Abheben, setzen Sprünge in der Bildwiederholrate ein. Diese bewegen sich zwischen den geblockten 40 fps und ca. 15 fps. Außerdem treten vermehrt Miniruckler auf, die Varianz befindet sich in schwindelerregender Höhe (zwischen 25% und 50%). Insgesamt bleibt die 717 mit dieser Performance zwar noch gut fliegbar, aber diese Negativentwicklung ist für mich eindeutig das größte Manko dieser Version.

Auch im Forum des Herstellers wird ähnliches berichtet. Für manche User ist die 717 in der v1.0.6.0 aufgrund der Performance nicht mehr fliegbar, andere wiederum berichten von keinerlei Performanceproblemen oder von ähnlichen Situationen. Zu beachten ist an dieser Stelle natürlich, dass es sich – wie bereits angemerkt – um eine Beta-Version handelt. Die Entwickler haben so die Möglichkeit, bereits bekannte und/oder neu hinzugekommene Performanceprobleme auszutesten sowie zu beheben.

MCDU

Eine positive Weiterentwicklung im Vergleich zur Version 1.0.5.1 zeigt sich hinsichtlich der MCDU. Diese ist nunmehr – ebenso wie die Displays des Cockpits – als 2D-Popup aufrufbar. Bei mir hat das Aufrufen der Popup-Gauges problemlos funktioniert, allerdings wird im Forum von FSX-Usern berichtet, dass diese schwarz bleiben. In dieser Version wird nunmehr auch an der MCDU angezeigt, ob die Keyboard-Eingabe aktiv ist. Weiterhing fehlen in der MCDU die Anzeigen hinsichtlich ETA und EFOB. Auch die händisch eingegebenen Speed restrictions werden nicht immer exakt abgeflogen.

Weitere Verbesserungen sowie die Neuimplementierung einer umfängliche REF-Page, als auch der fehlenden ETA- und EFOB-Anzeigen, ist im Forum des Entwicklers angekündigt. Bereits jetzt verrichtet die MCDU ihren Dienst, kommen die angekündigten Bug-Fixes und Neuimplementierungen mit der Version 1.0.6.1 tatsächlich, so ist das MCDU-System weitestgehend umgesetzt und lässt kaum noch einen Wunsch im Flieger offen. Ob es eine Schnittstelle in der MCDU zum hauseigenen ACARS-Tool smartCARS geben wird, ist noch nicht bekannt. Jedoch lässt die MENU-Page der MCDU eine solche Implementierung bereits erwarten, was für viele VA-Flieger letztlich nicht uninteressant wäre.

Flugeigenschaften und Flugführung

Die vor dem Start eingegebene Route wurde in Version 1.0.5.1 leider nicht immer richtig abgeflogen. Insbesondere im Bereich der SIDs und STARs wurde immer wieder von Problemen berichtet und auch bei mein eigenen Tesflügen haben sich diese Abweichungen mehrfach gezeigt. Dieses Problem wurde nun weitestgehend behoben. Die programierten Flugwege und insbesondere auch das ILS werden in v1.0.6.0 genauer abgeflogen. Leider erfolgt die Flugwegverfolgung insgesamt aber noch nicht optimal: Bei einem Testflug wich der Flieger unerwartet von der vorgegebenen RNAV-Route ab; schwerer fällt hierbei die beständige Abweichung des kleinen „Flieger“ am ND von der eingezeichneten Route ins Gewicht.

Eine weitere Funktion, welche noch nicht implementiert wurde, ist die Möglichkeit RNAV-Anflüge durchzuführen. Die Implementierung dieses Anflugverfahrens ist bereits für die nächste Release-Version angedacht.

Im MCP „eingedrehte“ sowie von der MCDU errechnete Geschwindigkeiten werden in dieser Version nun insgesamt genauer abgeflogen – so mein subjektiver Eindruck. Wie bereits erwähnt, passt allerdings die Zusammenarbeit zwischen MCDU und FADEC noch nicht hundertprozentig. Manuell in die MCDU eingetragene Speed restrictions werden weiterhin nicht immer exakt umgesetzt. Beim händischen Fliegen reagiert der Schub auf entsprechende Steuerbefehle bisweilen recht träge, Verbesserungen hinsichtlich dieses Bugs sind den Entwicklern bekannt. Positiv an dieser Stelle zu erwähnen ist, dass die Reverser nunmehr problemlos funktionieren, wenn man die etwas eigene Bedienlogik der Entwickler durchschaut hat. Je nachdem, wieviel Reverser Thrust vom Piloten benötigt wird, ist eine Kombination auf den Tasten F1 und F2 zu drücken. Leider wird das nicht im Manual erklärt, erst das Durchforsten des Forums gibt hinsichtlich dieser Frage Aufklärung.

Weiterhin erfolgt im ND keinerlei Anzeige des TOC bzw. des TOD mithilfe der üblichen „Pfeile“ am Flugweg. Bereits gut umgesetzt ist die Anzeige des vertikalen Flugprofils am rechten Rand des ND mittels des üblichen Indicators. Das Abfliegen des vertikalen Flugprofils stellt in aller Regel kein Problem für die TFDi 717 dar. Weitere Verbesserung sind jedoch versprochen.

Fazit

Als abschließendes Fazit kann wohl das festgehalten werden, was die Entwickler dieses Produkts selbst gesagt haben:

Since release, we’ve all (the TFDi team) come to realize that we were looking at the state of the aircraft the wrong way. In the professional software world, releasing an initial iteration of a program and adding features over time is not only acceptable but standard. This is exactly what we did. […] That leads to our shift in position – along with the community beta, which gave us a place to test things before we throw them into the official release, we’re working on not band-aiding bullet holes.

Quelle: TFDi-Homepage

Kurz gesagt: das Flugzeug wurde weitestgehend entwickelt, einige Features noch nicht veröffentlich und nach der Entwicklung nur kurz getestet. Es ist bisweilen erfrischend, dass die Entwickler der 717 so offen und ehrlich mit ihrem Fehler umgehen. Der doch eher überstürzte Release hat dem an und für sich insgesamt positiven Eindruck, welchen ich vom Flieger hatte, geschadet. Gerade bei der erstmaligen Umsetzung eines komplexen Flugzeuges für FSX und P3D hätten sich die Entwickler viel Zeit zum Testen nehmen können, um ein weitestgehend rundes Produkt auf den Markt zu bringen – die Community hätte es ihnen mit Sicherheit nicht verübelt. Es ist schön zu lesen und im Entwicklerforum auch bestätigt zu sehen, dass man sich bei der nächsten Version (1.0.6.1) nun doch mehr Zeit zum Entwickeln sowie Testen lässt. Auch das (freiwillige) Einbeziehen der Community in die Weiterentwicklung ist bei der von TFDi gewählten Art und Weise positiv zu beurteilen.

Zum Flieger selbst: Der erste Eindruck hat mich durchaus überzeugt. Schönes Model, guter Sound, weitestgehend gelungene Flugeigenschaften und eine durchwegs gute Performance hinsichtlich VAS und Bildwiederholrate. Beim genaueren Hinsehen haben sich durchaus einige Mängel gezeigt, die aus meiner Warte durch genaueres Testen vor dem Veröffentlichen den Entwicklern hätten auffallen müssen. Das in der gegenwärtig aktuellsten Version 1.0.6.0 insbesondere die Performance sich spürbar verschlechtert hat, ist wohl der Tatsache einer vorliegenden Beta- und damit Test-Version zuzuschreiben. Die in der letzten Release- und eigentlich auch noch in der aktuellen Beta-Version fehlenden Features sind zwar keine ohne die das Fliegen unmöglich wäre, aber mit ihnen ist es unmöglich einen realistischen Flug durchzuführen. Auch wenn der Spitzname „Angry Puppy“ durchaus im Flugverhalten der TFDi 717 wiederzufinden ist, fehlt der letzte „Feinschliff“, damit die 717 nicht nur Zähne zeigen, sondern auch wirklich Biss beweisen kann. Wäre der Release vor Weihnachten nicht so gehypt worden, hätten die Entwickler sich mehr Zeit zum Testen gelassen und wirklich darauf hingearbeitet ihren Kunden ein fertiges Produkt zu liefern, wäre die Flusi-Community um einen tollen Flieger reicher. Es hat aus heutiger Perspektive den schalen Beigeschmack, die Entwickler wollten das Weihnachtsgeschäft (Release am 23. Dezember 2016) noch abpassen. Insgesamt dürfte diese Vorgangsweise den guten Ruf von TFDi Design eher beschädigt haben. Umso besser, dass dieser Fehler vom Entwickler eingesehen wurde und jetzt intensiv an der Verbesserung und Weiterentwicklung des Produkts gearbeitet wird.

Informationen

Pro Contra
  • nicht alltäglicher Flugzeug-Typ umgesetzt; sehr gute Alternative für Kurzstrecke
  • es kommt beim Fliegen McDonnell-Douglas-Feeling auf
  • gute Systemtiefe
  • Flieger wird weiterentwickelt
  • Flugzeug noch nicht ausgereift
  • Ungenauigkeiten beim Abfliegen des  Flugweges (RNAV und ILS)
  • (noch) nicht alle Fähigkeiten des Originals umgesetzt
  • teilweise schlechte Performance
Informationen Testsystem
  • Entwickler: TFDi Design
  • Preis : 59,99$ (ggf. zzgl. MWSt)
  • Kauf: TFDi Design Shop
  • Intel Core i5 4690; 3,5 Ghz
  • NVIDIA GeForce GTX 760
  • Windows 10×64, 8 Gb RAM
  • P3D v2.5

10 comments to Review: Status Quo der TFDi Design Boeing 717 (FSX/P3D)

  • Felix448

    Also, erstmal finde ich das Review gut und informativ geschrieben. Größtenteils deckt sich das auch mit meiner Erfahrung bezüglich der TFDI 717. Ich wollte den Leuten dort wirklich eine Chance geben und habe nach dem Release noch einige Monate mit einer Anfrage auf Rückerstattung gewartet. Leider hat sich seit dem Zeitpunkt der Veröffentlichung aus meiner Sicht nicht viel getan. Ein paar kleinere Schwächen wurden behoben, die großen Kritikpunkte stehen weiterhin im Raum. Besonders nervig fand ich persönlich vor allem das nicht akkurat umgesetzte FMS. Ich bin es zwar gewohnt mir z.B. den ToD selbst zu berechnen (bewege hin und wieder auch mal ältere Flieger aka L1011, DC9, Concorde) aber sich bei jedem Flug mit der fehlerbehafteten Flight Guidance und dem FMS rumschlagen zu müssen, hat mir dann auch irgendwann gereicht.

    Man sollte immerhin festhalten das die Leute bei TFDI für Kritik ziemlich offen sind, guter Support ist hier auf alle Fälle gegeben.

  • christian Klingbeil

    „Verschlimmbessert“ also, was die Performance anbetrifft, Nee, der Geldbeutel bleibt zu, Zumal der Test nicht so die Aussagekraft für mich hat da ich P3D v3 am laufen habe.
    Das Erstlingswerk ist aber sehr gut gelungen! Danke!

    • Felix L.

      Bei mir lief sie unter v3.4, das Review kannst du auch auf die aktuelle Version beziehen.

      MfG Felix

  • Marcel Kade

    Ich mag dieses Flugzeug sehr, habe es aber bis zu ordentlichen Updates im Hangar geparkt.

  • Stefan Benzinger

    Schönes Review! Danke dafür. Von dem Flieger lasse ich erstmal die Finger, aber auf weitere Artikel von Dir freue ich mich schon.

  • Walter Zach

    Sehr gutes Review – vielen Dank!
    Ich könnte gut – noch einen Kurzstreckenflieger gebrauchen- wobei es bei mir sehr auf ein adäquates Cockpitambiente ankommt.
    Leider kann ich auf den Screenshots fast nichts erkennen- da diese im Cockpitbereich stockdunkel sind. Das ist mir auch bei anderen Reviews schon aufgefallen- woran liegt das. Ist das im P3D so das übliche Erscheinungsbild?

    • Mika

      Nein, das ist nicht typisch P3D. Das Panel ist recht dunkel und möglicherweise ist auch ein cockpitabdunkelnder Shader im Einsatz (PTA oder so etwas in der Art).

      Das eigentliche Problem ist aber, dass die Cockpitbeleuchtung derzeit noch FS9 Niveau ist. Das heißt, dass man nur Licht im Cockpit hat, wenn der Flusi auf Nacht umstellt. Wurde bereits vielerseits moniert und war (ist?) auch großes Thema im hauseigenen Forum. Ich selbst habe erst einmal das Interesse an diesem Flieger verloren, da es einfach noch zu viele Baustellen gibt.

  • Oliver

    „In the professional software world, releasing an initial iteration of a program and adding features over time is not only acceptable but standard.“

    Dieser Satz beeindruckt mich am meisten. Ich möchte gerne wissen, in welcher „professionellen Welt“ das der Fall ist – in meiner ist das jedenfalls nicht so. Wenn eine Firma ein Stück Software kauft, um es produktiv einzusetzen, dann ist die Akzeptanzschwelle für Bugs extrem niedrig. Ein fehlerbehaftetes Release würde mindestes zu Regressforderungen, schlimmstenfalls zu einer Stornierung führen. Da geht es in der Regel um hohe Geldbeträge – das kann eine kleine Softwareschmiede schon auch mal die Existenz kosten.