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Review: iBlueYonder – Nantucket Island

Nantucket– das weit entfernte Land, so die Herleitung des Namens aus einer Indianersprache. Und in gewisser Weise stimmt es auch, betrachtet man sich die Szeneriedichte in anderen Teilen der USA. Ob sich die Reise in das weit entfernte Land lohnt, schauen wir uns an.

Geschichte

Nantucket Island liegt an der Ostküste der USA im Bundesstaat Massachusetts und ist etwa 125  Quadratkilometer groß. Dabei ist die Insel von prominenter Nachbarschaft umgeben, denn im Norden liegt Cape Cod und im Westen Martha´s Vineyard. Ursprünglich bevölkerten ca. 3000 Indianer des Wampanoag-Stamms die Insel, wobei sich das nach der in Besitzname durch den Engländer Thomas Mayhew im Jahre 1641 änderte. Schon immer lebte Nantucket vom Walfang. Anfänglich verarbeitete man angespülte Kadaver zu Tran, später dann fuhr man selber zur Jagd. Durch den Handel von Tran und Walrat sowie den Bau von Walfangschiffen erlebte Nantucket einen Aufschwung und galt vom frühen 18. Jahrhundert bis ca. 1830 als Walfang-Hauptstadt der Welt. Danach aber folgte der Abstieg durch Erdölfunde und leergefischte Jagdgründe relativ schnell. Auch die Untiefen vor der Insel verhinderten das Anlaufen größerer Fangschiffe, wodurch diese auf benachbarte Häfen auswichen. Dazu kam ein Großbrand um 1846, der Goldrausch im Westen und der Bürgerkrieg, all diese Faktoren ließen die Bevölkerung von ehemals 10.000 Einwohner auf nur noch 1.000 sinken.

Doch die Zeit heilt alle Wunden und so leben heute wieder über 10.000 feste Einwohner auf der Insel – die Zahl kann sich in den Sommermonaten sogar verfünffachen. Darüber hinaus ist Nantucket heute das County mit dem höchsten pro Kopf Einkommen in Massachusetts. Zu erreichen ist die Insel mit der Fähre und per Flugzeug. Dabei liegt der Nantucket Memorial Airport auf Platz zwei in Massachusetts, gemessen an den Flugbewegungen (ca. 163.800), direkt hinter dem Boston Logan Airport.

KACK – so der ICAO Code – wird durch die Gemeinde Nantucket betrieben und erfuhr im Jahr 2009 ein 28 Mio. $ teures Ausbauprogramm im Bereich des Terminals. Neben 8 Parkplätzen für die Cape Air Cessnas glänzt der Airport auch mit Parkpositionen für Dash 8, E190 und CRJ 200. Darüber hinaus stehen 3 Bahnen zum Starten und Landen zur Verfügung.

Kauf, Installation und Umfang

Der Ersteller Bill Womack ist kein Unbekannter: er hat neben Plum Island und Tongass Fjords X auch an verschiedenen ORBX Umsetzungen mitgewirkt bzw. diese auch selbst designt. Das neuste Werk Nantucket Island ist für 24,74€ bei simMarket oder für 24,95$ direkt auf seiner Seite iBlue Yonder zubekommen. Neben einem Handbuch, welches leider keine Charts enthält, gehört die gesamte Inselumsetzung sowie der Airport mit zum Lieferumfang. Darüber hinaus wird ein Konfigurator mitgeliefert, der es erlaubt, den Darstellungsumfang individuell anzupassen.

Die Installation verläuft problemlos und befördert neben den oben genannten Umfang auch ein Autogen-Configuration-Manager und ein eigens erstelltes DLL-Modul auf die Festplatte. Das DLL-Modul wird benötigt, um jahreszeitenabhängige Texturen zu laden und um andere bewegte Objekte darzustellen.

Ein paar Worte zum Autogen Configuration Manager

Für viele ist ein tiefer Eingriff in die Simulatorstruktur ein No-go. Nicht nur einmal musste man in der Vergangenheit den Simulator neu aufsetzen, weil ein Addon Teile davon zerschossen hatte. Wer eine Datensicherung gemacht hatte, konnte sich glücklich schätzen. Daher ist eine natürliche Skepsis gegenüber solchen Configuration Manager auch angebracht.

Wie auf den Bildern weiter unten zu erkennen, sind die Gebäude auf Nantucket Island angepasst und werden nicht aus dem P3D hauseigenen Autogen gespeist. Jedoch sind die Gebäude auf der Insel dennoch Autogen, und genau da liegt das Problem. Die Autogen-Dateien des FSX und P3D sind global und wirken sich auf alle Gebiete aus. Sobald ein Entwickler individuelle Autogen-Dateien in seine Szenerie einbaut und dabei einen Fehler macht, kann das Auswirkungen auch auf andere Szenerien haben. Nicht ganz uneigennützig hat Bill Womack dies erkannt und mit dem Autogen-Configuration-Manager ein Programm geschaffen, dass dieses Problem oder diese Fehlerquelle minimieren soll. Der Autogen-Configuration-Manager scannt beim Start, ob neue Autogen-Einträge hinzugekommen sind oder ob alte fehlen. Ist dies der Fall, berichtigt bzw. ordnet der Autogen-Configuration-Manager diese neu und wirkt so möglichen Fehlern entgegen. Im dazugehörigen Manual wird zwar von einem „Global approach“ gesprochen, allerdings darf vermutet werden, dass der Manager die Aufgabe momentan nur für die Nantucket Szenerie übernimmt. Bisher hat das ohne Probleme funktioniert, sowohl mit Orbx als auch Fly Tampa und weiteren Szenerien. Darüber hinaus werden auch Backups erstellt.

Die Insel

Im Anflug auf Nantucket erkennt man schon, das die Insel nicht all zu groß ist und von der Topographie her eher „flach“ . Doch umso näher man kommt, umso mehr Details fallen ins Auge. Als erster und auch größter Punkt sei hier das eben schon angesprochene, eigens erstellte Autogen genannt. Es ist abwechslungsreich und gibt, besonders farblich, den typischen Inselbaustil wieder. Die Platzierung ist sauber, genau und erzeugt nur in ganz wenigen Fällen Interferenzen mit der örtlichen Fauna.

Selbstverständlich sind auch Landmarken wie die drei Leuchttürme Brant Point, Sankaty Head und Great Point umgesetzt. Auch der Hafen Straight Wharf einschließlich ankernder Boote sowie verschiedene Kirchen sind vorhanden.

Das verwendete Luftbild entspricht dem aktuellen Stand der Technik und gibt die farbliche Zusammensetzung der Insel gut wieder. Dazu zählen auch Golfplätze, Sandstrände und andere spezielle Gemarkungen. Die Auflösung ist besonders aus größeren Höhen sehr gut, allerdings umso tiefer man fliegt, umso unsauberer wird es. Das fällt normalerweise dich die Farbgebung, über alle Jahreszeiten hinweg, nicht besonders auf. Nur im Strandbereich, wo sich ein starker Kontrast einstellt, sticht die Unschärfe mancherorts hervor. Davon merkt man im normalen Gebrauch – An-, Ab-, und Überflug – fast nichts. Auch die Scharfstellung funktioniert einwandfrei und erzeugt keine unscharfen Kacheln auf der Insel. Einen kleinen Ausrutscher gibt es dann aber doch, wobei der unter die Kategorie „Erbsenzählerei“ fällt. Im Bereich der nördlichen Bucht – Nantucket Sound – gibt es einen grünstickig eingefärbten Strandabschnitt, der beim Überflug doch etwas merkwürdig aussieht.

Bill Womack hat Nantucket Texturen für alle Jahreszeiten spendiert. Da es in den Wintermonaten durchaus kalt wird und Schnee keine Seltenheit ist, erstrahlt die Insel in den Monaten Januar und Februar in Weiß. Dezember und März hingegen tauchen den Inselboden in ein winterliches Braun. Im Frühling und Sommer wechselt die Insel dann in ein schönes Grün. Ein Qualitätsunterschied zwischen den einzelnen Textursets besteht nicht. Schön zu beobachten ist, dass im Winter alle Boote aus der Bucht verschwunden sind, da sie vermutlich außerhalb des Wassers überwintern. Die Nachtumsetzung ist gut, allerdings wenig spektakulär, da nur die Fenster der Häuser beleuchtet sind. Lichtpunkte wir bei Orbx existieren nicht, auch nicht durch FTX Global im Hintergrund.

Alles in allem ist die Inselumsetzung solide und braucht sich nicht zu verstecken, besondere Effekte oder Eyecatcher sucht man aber vergebens.

Nantucket Memorial Airport

Nachdem wir nun die Insel umrundet haben, begeben wir uns in den Landeanflug auf den Nantucket Memorial Airport. Beim Aufsetzen fallen sofort die scharfen Texturen der Landebahn inklusive Betonfugen und Ausbesserungen ins Auge. Auch die Landebahnmarkierungen sehen toll aus. Dies setzt sich auch auf dem Vorfeld fort, wobei hier ein ganz leichter Blau-Grün-Schleier auf der Textur liegt. Das fällt aber bei normaler Benutzung und Sicht aus dem Cockpit kaum auf. Wer die speziellen P3D advanced Ground Poly im Konfigurator ausgewählt hat, wird eventuell ein Flackern der Bodentextur bemerken. Dies ist bekannt und wird in einem Update behoben.

Das Luftbild ist etwas höher aufgelöst als das der restlichen Insel. Es ist allerdings dennoch an einigen Stellen relativ unscharf, da hilft auch keine Kiestextur um den Übergang zwischen Betonfläche und Gras abzumildern. Aus größerer Flughöhe ist das natürlich nicht mehr zu sehen.

Die Gebäude sind schön gemacht, egal ob Terminal oder Hangar. Die Texturen sind scharf, realistisch und entsprechen der Realität. Bei einigen Schildern, gerade bei prominenten wie dem Schriftzug am Terminal: Das Schild ist durchaus gut anzusehen und lesbar, aber die Textur ist aus einem Foto extrahiert. Besser wäre eine Neuerstellung des Schildes. Ansonsten gibt es bei der Texturierung nichts zu Meckern. Die Modellierung ist ordentlich, aber nicht herausragend. In den wenigsten Fällen sind Feinheiten modelliert, überwiegend sind sie nur als Textur auf dem Gebäude sichtbar. So sucht man z.B. Regenrohre, 3D-modellierte Schilder oder Ähnliches vergebens. Die Gewichtung, inwiefern das ein Nachteil ist, muss jeder selbst treffen. Den tollen Gesamteindruck mindert das aber nicht.

Die sonstigen Objekte wie Autos, Mülleimer und Pylonen sind detailliert und sehr sauber texturiert. Darüber hinaus ist die Platzierung und Anzahl glaubwürdig. Auch die farbliche Mischung der PKWs auf dem Parkplatz gibt ein schönes Bild ab. Darüber hinaus findet man hier und da Paletten und kleine Wagen, das trägt zum Bild eines belebten Platzes bei. Allerdings: Ferade auf solchen kleinen Plätzen vermisst man die nicht vorhandenen Personen schon arg. Animierter Bodenverkehr existiert leider ebenfalls nicht.

Schön umgesetzt ist die Nachtbeleuchtung. Neben unterschiedlichen Intensitäten sind auch verschiedene Farbtöne vorhanden. Kein Gebäude wirkt überstrahlt, auch die Landebahn- und Taxiwaybefeuerung weiß zu überzeugen.

Die Umsetzung der Flughafengebäude ist gut gelungen, sowohl in farblicher als auch in modellierter Hinsicht. Das gilt auch für die kleinen Nebenobjekte. Der Eindruck eines belebten Platzes bleibt, aufgrund mangelnder Animierung, etwas zurück.

Performance und Kompatibilität

Es konnte zu keiner Zeit Performanceeinbußen festgestellt werden. Darüber hinaus ist die Szenerie mit den Orbx Global Produkten kompatibel.

Fazit

Bill Womack hat mit Nantucket eine schöne Szenerie geschaffen, die das Flair der Insel gut einfängt. Die Umsetzung ist schön und kann im Bereich der Modellierung und Texturierung durchaus punkten. Bei dem Eindruck eines belebten Platzes, geht ihr aber die Puste aus. Auch die Umsetzung der Insel ist schön, aber keine virtuelle Offenbarung. Für New England Flieger ist die Anschaffung durchaus zu überlegen, auch weil sie als Ergänzung zur Orbx Bar Harbor und Block Island dienen kann. Für alle anderen ist es kein Must-Have, aufgrund der genannten Punkte. Dennoch ist es beeindruckend was Bill Womack hier als Einzelkämpfer auf die Beine gestellt hat.

Informationen

Pro

Contra

  • Flair gut eingefangen
  • Performance
  • Gebäude
  • abseits der Simulator Hot-Spots
  • Nachtbeleuchtung
  • Flughafen wirkt nicht sehr belebt
  • „Autogen Configuration Manager“

Informationen

Testsystem

  • Intel I5-4670K @ 3,8 GhZ
  • Corsair DDR3-1600 16GB
  • Geforce 970 GTX OC Edition
  • Windows 7  64Bit
  • Prepar 3D V3.4
  • DirectX 11

 


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