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Review: Drzewiecki Design Baku X

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Wahrscheinlich hatte vor dem 57. Eurovision Song Contest im Jahr 2012 kaum einer etwas von Baku gehört. Vor einem Monat fand nun sogar das erste Formel 1 Rennen in der aserbaidschanischen Metropole statt. Baku scheint also durchaus interessant zu sein, sodass Drzewiecki Design sich gleich mal daran gemacht hat, diese Stadt und den Flughafen für die großen Simulatoren – FSX/P3D, FS2004 und XPlane – umzusetzen. Unser Rezensent Danny Schneider hat sich die virtuelle Stadt und das Land im P3D v2.5 einmal genauer angeschaut.

Drzewiecki Design hat sich mittlerweile als hervorragende Quelle für osteuropäische Destinationen etabliert und neben Tallinn und zahlreichen polnischen Flughäfen nun auch erstmals ein ganzes Land umgesetzt – Aserbaidschan mit der Hauptstadt Baku. Der Schwerpunkt liegt laut dem Entwickler eindeutig auf der Hauptstadt und dessen Flughafen Heydar Aliyev International Airport (UBBB), jedoch bietet die Szenerie auch eine fotoreale Abdeckung samt Mesh für die kompletten 80.000km² des Landes und Teilen von Iran, Armenien, Georgien und Russland. Das Team hat sich nach eigener Aussage mehr nach geografischen Gegebenheiten orientiert, weniger nach politischen Grenzen. Hinzu kommen 6 weitere Flughäfen, welche mit einem geringeren Detail umgesetzt worden als Baku, als auch 10 Flugplätze, die verbesserte AFD-Files und Gebäude aus der FS-eigenen Bibliothek verpasst bekommen haben. Baku X ist also nicht nur ein Flughafen, sondern ein Komplettpaket für Aserbaidschan.

Kauf und Installation

Für 33,84 € inkl. Mehrwertsteuer erhält man dieses Komplettpaket z.B. im Simmarket. Die Installation geht einfach und sauber vonstatten. Neben der Szenerie installiert sich auch die Dokumentation im PDF-Format sowie die SODE, die SimObject Display Engine, welche zur korrekten Funktion der Jetways benötigt wird. Für schwächere Rechner hat man während der Installation die Möglichkeit, den fotorealen Untergrund, den Nässe-Effekt der Runway und des Vorfeldes sowie die innere Darstellung der Terminals und statische Flugzeuge abzuwählen. Zusätzlich kann auch eine Light-Version der Texturen ausgewählt werden.

Kartenmaterial gibt es nur für den internationalen Flughafen von Baku, und zwar in Form von zwei Aerodrome Charts und zwei Instrument Approach Charts. Die Dokumentation erläutert die Installationsoptionen und gibt einen sehr großzügigen und interessanten Abriss der Geschichte von Aserbaidschan, von Baku und dem Heydar Aliyev International Airport. Das Kartenmaterial hätte allerdings gerne etwas mehr sein können.

Die Fototapete

Der fotoreale Untergrund kommt offensichtlich in zwei unterschiedlichen Qualitäten daher. Für den Bereich Baku ist sie höher aufgelöst, außerhalb der Stadt und im Gebirge gibt es eine geringere Auflösung. An sich in großen Höhen kein Problem, bekommt man jedoch beim Landeanflug auf einen der anderen Plätze Retro-Gefühle wie zu FS98-Zeiten. Autogen ist vereinzelt dargestellt, allerdings in sehr geringer Menge. Im Sommer sieht man auf den grünen Hügeln mehr Autogen als in den anderen Jahreszeiten. Das grün wirkt im Sommer recht satt und giftig, die helleren Sand und Steingebiete scheinen stark überbelichtet, erst recht wenn bei gutem Wetter die Sonne scheint. Fliegt man höher, macht das ganze schon einen viel besseren Eindruck, zumindest von der Schärfe her. Die zu starken Farben bleiben allerdings.

In der Stadt macht das Ganze schon einen viel besseren Eindruck. Die Auflösung ist viel höher, die Farben natürlicher, jedoch hier und da auch zu stark belichtet. Etwas mehr Autogen und viele speziell erstellte Gebäude runden die Sache dann ab. Der direkte Vergleich zeigt den sehr starken Unterschied der beiden Auflösungen.

Übergang von städtischer zu ländlicher Fototextur

Übergang von städtischer zu ländlicher Fototextur

Auch die unterschiedlichen Jahreszeiten wurden bedacht. Am besten gefällt hierbei der Winter. Die Farben der Fototextur wirken dabei am realistischsten, gefolgt vom Herbst und Frühling. Wie beschrieben, sind die Sommertexturen sehr hell/grell und gesättigt. Ein Vergleich mit Fotos im Internet zeigte hier einen deutlichen Unterschied. Nachts wirkt die fotoreale Stadtfläche, vor allem außerhalb der Innenstadt ziemlich dunkel und mag nicht so richtig zu einer Metropole passen.

Nachträglich lässt sich der fotoreale Untergrund leider nicht deaktivieren, sodass bei Nichtgefallen die komplette Szenerie mit der entsprechenden Einstellung neu installiert werden muss. Dies ist an sich aber kein Problem, da lediglich der kurze Installationsprozess noch einmal gestartet und quasi „drüberinstalliert“ werden muss. Die korrekte Anmeldung in der Scenery.cfg geschieht automatisch.

Der Hauptstadtflughafen

Der Heydar Aliyev International Airport liegt an der östlichen Spitze von Aserbaidschan. Dies ist auch der Hub für die staatliche Fluglinie Azerbaijan Airlines, welche u.a. zwei Boeing 787-8, mehrere Airbus A320 und Embraer 170/190 betreibt. Somit eignet sich Baku beispielsweise als interessante Destination für die kommende QualityWings 787.

Das neue Terminal, welches 2014 den Betrieb aufnahm und für rund 6 Million Passagiere ausgelegt ist, hat eine beeindruckende Architektur. Drzewiecki Design hat hier versucht, dem realen Vorbild auch im Simulator gerecht zu werden und hat den Flughafen sehr detailliert wiedergegeben, ebenfalls außen wie auch innen. Rollt man an das Terminal heran, kann man durch die transparente Glasfront die Passagiere warten sehen, Geschäfte, Rolltreppen und Werbung entdecken. Nachts ist das Innere sehr nett beleuchtet und macht einen belebten Eindruck. Die Framerate bleibt dabei absolut stabil und nahezu unbeeinflusst.

Der Flughafen hat zwei Terminals, einen Frachtbereich und ein weiteres kleines VIP-Terminal. Vor dem Flughafen kann man allerhand markante Gebäude und Objekte wie das Sheraton Hotel, eine Moschee, ein Kongresscenter, einen vollgeparkten Parkplatz und vieles mehr entdecken. Hier sollte man definitiv mal den Hubschrauber aus dem Hangar ziehen und auch die Welt vor den Terminals erkunden.

Auf den Parkpositionen stehen einige Flugzeuge der Azerbaijan Airlines, wie z.B. die 787, aber auch IL-76, IL-18 und 747-400F von Silkway, welche gerade Beladen oder gar im Hangar einer größeren Maintenance unterzogen werden.

Zahlreiche Gebäude, Bäume und fahrende Fahrzeuge machen den Flughafen lebendig. Ein Abgleich mit realen Videos, welche auf Youtube zu finden sind, zeigen ein sehr stimmiges Bild der Drzewiecki-Umsetzung. Bei Regen werden die Bodentexturen des Flughafens etwas spiegelnd, was ein netter Effekt ist, der zudem auch noch in der Installation abwählbar ist, sollte es nicht gefallen. Nachts ist die Beleuchtung der Parkpositionen und der Flugbetriebsflächen jedoch leider zu schwach ausgefallen.

Spiegelnde Bodentexturen bei Regen

Spiegelnde Bodentexturen bei Regen

Mit Umschalt+D kann man an den Gates ein kleines Menüfenster aufrufen, ähnlich dem FS ATC-Fenster, mit dessen Hilfe man die einzelnen Finger an das Flugzeug heranfahren lassen kann. Das hat z.B. mit dem Airbus A320/321 von Aerosoft hervorragend geklappt.

Die Stadt Baku

Leider sieht man die wunderschöne Stadt Baku nicht besonders gut im Anflug auf den Flughafen. Von daher ein guter Anlass mal kleineres Gerät aus dem Hangar zu holen und eine ausgedehnte Sightseeing-Tour zu machen, denn zu entdecken gibt es viele eigens erstellte Gebäude mit atemberaubender Architektur. Ein richtiges Highlight werden diese Gebäude wie z.B Hochhhäuser, Stadien und Sehenswürdigkeiten aber nachts, wenn die vielen bunten Lichter die Blicke fangen. Es wirkt fast wie ein kleines Las Vegas in Osteuropa.

Autogen-Gebäude unterstützen dabei den städtischen Charakter, hätten aber noch gerne noch viel dichter sein können, um hieraus einen echten Hammer zu machen. Die Framerate ist so allerdings angenehm hoch und merklich unberührt von der speziellen Architektur.

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Baku ist nicht alles…

Neben Baku, welcher mit „highest detail“ umgesetzt wurde, sind noch 6 weitere Flugplätze enthalten, welche als einfachere Szenerie mit eigens erstellten Gebäuden daherkommen. Einfacher heißt hierbei aber nicht, dass diese mit weniger Lust und Laune umgesetzt wurden. Auch hier gibt es allerhand Kleinigkeiten zu entdecken. So trifft man an einem Platz die VIPs, welche mit dem Heli eilig in die Stadt wollen, an dem anderen ärgern sich Mechaniker mit dem Triebwerk einer Saab 340 herum und wieder woanders wird gerade kleinere Fracht verladen.
Auch gibt es spiegelnde Flächen an den Gebäuden, statische Flugzeuge und Autos etc.
Lediglich die Einbettung der Plätze in die Fotoszenerie ist überhaupt nicht gelungen und sieht sehr unschön aus. Die gerade Beton/Asphaltkante gepaart mit dem giftgrünen Untergrund ist nicht zeitgemäß und erinnert auch hier wieder an ältere FS-Versionen. Hier hätte es sicherlich bessere Lösungen gegeben und verdient so leider ein dickes Minus.

Unschöner Übergang Vorfeld/Bodentextur

Unschöner Übergang Vorfeld/Bodentextur

Dann wären da noch zehn Flugplätze, hauptsächlich Militärbasen, welche nur mit neuen AFD-Files und ein paar Gebäuden aus dem Simulator-Baukasten aufgewertet wurden. Aber auch hier findet man die ein oder anderen zusätzlichen Objekte, wie zum Beispiel diese beiden Sukhoi samt Bodenpersonal und leider auch den schlechten Übergang zur Fotoszenerie.

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Fazit

Drzewiecki Design hat mit Baku X nicht nur einen Flughafen umgesetzt, sondern ein ganzes Land abgedeckt. Der fotoreale Untergrund hätte flächendeckend in einer höheren Auflösung sein können, die Farben sind im Sommer zu grell, jedoch gibt es die Möglichkeit, bei der Installation den Untergrund abzuwählen, sodass jeder nach seinem Geschmack diese Szenerie genießen kann. Das Mesh ist gut, nur einmal habe ich eine grobe Kante am Flughafen Nakhchivan entdecken können. Die Stadt ist mit sehr vielen und beeindruckenden Gebäuden umgesetzt und gerade nachts wird Baku zu einem kleinen Highlight. Der internationale Flughafen ist prima dargestellt, alle Gebäude und Terminals wurden dem Vorbild entsprechend umgesetzt und beeindrucken unter anderem durch das ausgebaute Innere. Die kleineren Plätze sind etwas aufgewertet worden, der Übergang von Asphalt zu Gras sieht allerdings sehr unschön aus. Die Plätze sind liebevoll mit einigen Details versehen, Textur-technisch ist aber noch viel Luft nach oben.

Baku X ist sicher kein Produkt für Simmer, die jeden Grashalm am Airport sehen möchten, aber ein sehr solides Komplettpaket mit einigen Eye-Catchern, das Spaß macht und viel zum Entdecken bietet. Fotorealer Untergrund, Mesh, eine Metrople, ein internationaler Flughafen und viele kleinere Airports – was will man mehr? Der Preis geht für die Fülle an Flughäfen und Objekten in Ordnung. Für Fans von Osteuropa und vielleicht auch zukünftigen 787-Piloten ist Baku X eine sehr interessante Szenerie, für VFR-Piloten sicher auch, dann sollte aber der fotoreale Untergrund deaktiviert werden, sonst kommen schnell FS98-Gefühle auf. Drzewiecki Design bietet übrigens eine Demo-Version von Baku X mit reduzierter Grafikqualität an. So kann man sich vorab auch selbst ein Bild von der Szenerie machen.

Informationen

Pro Contra
  • fotorealer Untergrund optional verfügbar
  • gutes Mesh
  • internationaler Flughafen gut umgesetzt
  • Terminal im Inneren detailliert
  • funktionierende Fluggastbrücken
  • viele kleinere Plätze aufgewertet
  • zahlreiche kleine Details
  • Hauptstadt mit vielen Custom-Gebäuden mit hübschen Nachttexturen
  • Fotorealer Untergrund viel zu unscharf, im Sommer zu grell und giftig (grün)
  • Übergang von Vorfeldern zu Gras bei kleineren Plätzen
  • Nachttexturen des Fotountergrundes zu dunkel, Airport als auch Stadt
  • wenig Kartenmaterial
Informationen Testsystem
  • Intel Core i7 4790, 3,6 Ghz
  • Nvidia GeForce GTX970
  • Windows 7×64, 16 Gb Hauptspeicher
  • P3D v2.5

Danny Schneider

Gutes Review, das sich fast genau 1:1 mit meinen Erfahrungen deckt. Die Fototapete fürs ganze Land habe ich sofort wieder deinstalliert, da ich auch viel VFR in Georgien unterwegs bin und es einfach nur schlecht aussieht. Da ist man selbst mit FTX Global besser dran. Auch die Stadt finde ich zumindest im Bezug auf Autogen sehr enttäuschend, da kaum vorhanden. Da zeigen andere Szenerien, dass das auch deutlich besser geht. Der Flughafen hingegen ist super, vor allem die SODE Jetways sind ein wahrer Genuss. Da können sich selbst große Sznerieschmieden eine Scheibe von abschneiden.

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