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Review: FSAltitude Eastern und Western USA

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Inzwischen gibt es 4 Teile der FS Altitude Serie. Den Anfang machte Western Europe, das vor einiger Zeit bereits von uns rezensiert wurde (klick). Klaus Prichatz hat sich nun die Umsetzung USA mit den beiden Teilen Eastern und Western USA angeschaut. Ob er genauso begeistert ist wie Holger seinerzeit von Western Europe findet Ihr heraus, wenn ihr “weiterlesen” anklickt.







FS Altitude Eastern / Western USA

Der Traum eines jeden FS-Fliegers ist es seit Anbeginn der virtuellen Fliegerei, über Landschaften zu fliegen, die exakt dem realen Aussehen entsprechen. Mit einer Reihe von fotografisch genauen Szenerien hat die Softwareindustrie bisher versucht, diesem Traum nahe zu kommen. Leider handelt es sich bei den meisten dieser Addons allerdings um geographisch recht eng begrenzte Gebiete und eine Abdeckung z.B. eines gesamten Kontinents fehlte lange. Doch seit einiger Zeit tut sich etwas auf dem Markt der Fotoszenerien: So hat sich die französische Softwareschmiede France VFR die Aufgabe gesetzt, weite Gebiete der Erde für den Flugsimulator X fotografisch möglichst genau aufzuarbeiten, um dem Simflieger die Möglichkeit zu geben, über weite Strecken über eine fotoreale Erdoberfläche zu fliegen. Zwei Produkte dieser Reihe – FS Altitude Eastern USA und FS Altitude Western USA – habe ich einmal unter die Lupe genommen und geprüft, ob die hohen Erwartungen an dieses Produkt erfüllt werden können.

Kauf und Installation

FS Altitude Eastern USA und Western USA sind für jeweils € 49,90 im simMarket (Eastern Edition und Western Edition) erhältlich. Wer ohnehin die gesamten USA befliegt und etwas Geld sparen möchte, bestellt sich gleich das Bundle aus beiden Szenerien, wofür dann nur € 74,90 auf den virtuellen Ladentisch geblättert werden müssen. Eine Downloadversion wird aufgrund der riesigen Datenmenge nicht angeboten. Immerhin besteht das Bundle aus insgesamt 5 DVDs (Eastern USA: 2 DVDs, Western USA: 3 DVDs).

Die Installation ist denkbar einfach, wenn sie auch recht viel Zeit beansprucht. Nach Einlegen der ersten DVD startet automatisch ein Installationsprogramm.

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Es ist lediglich die Sprache auszuwählen (Englisch oder Französisch) und darauf zu warten, bis das Installationsprogramm zum Einlegen der folgenden DVD auffordert. Ein knappes Stündchen sollte man sich schon Zeit nehmen, bis die über 14 GB Daten der FS Altitude Eastern USA, bzw. die fast 19 GB Daten der Western USA-Ausgabe auf die Festplatte kopiert sind. Die Szenerie wird automatisch im FSX angemeldet, das eventuelle Aus- und Einschalten geschieht ganz simpel durch die Szeneriebibliothek des FSX, und ein Deinstallationsprogramm ist ebenfalls vorhanden. Zusätzlich wird im Hauptverzeichnis des FSX ein Ordner erzeugt, der eine französisch- und englischsprachige PDF-Datei enthält, in der auf 8 Seiten die Arbeitsweise des Produkts vorgestellt wird und Hinweise zur Optimierung sowie für die Feineinstellung des FSX gegeben werden.

Ein Handbuch ist nicht vorhanden und auch nicht notwendig.

Besonderheiten des Produkts

Nun, was kann der User von FS Altitude erwarten? France VFR verspricht hierzu Folgendes:

  • Abdeckung von 9 Millionen km² mit fotorealen Texturen (5 Millionen km² für Western USA und den nördlichen Teil Mexikos, 4 Millionen km² für Eastern USA und Teile Kanadas). Die Grenze zwischen den beiden Szeneriegebieten verläuft etwa entlang des westlichen 95. Längengrades
  • Einfache Aktivierung/Deaktivierung der Szenerie durch die Szeneriebibliothek des FSX
  • Optimierte Ladezeit der Texturen
  • Optimaler visueller Eindruck aus großer Höhe
  • Nur Sommertexturen
  • Meeresküsten, Seen und Flüsse wurden durch eigene Wassertexturen ersetzt
  • Höchste Kompatibilität mit anderen Szenerie-Addons (Flughäfen, Höhenmodelle, Landklassen und weitere Szenerien)

Die Funktionsweise von FS Altitude

Der FSX benutzt bekannterweise eine Reihe von sich zufällig wiederholenden Bodentexturen, um die Oberfläche der Erde im Simulator abzubilden. Während man diese Wiederholungen beim Flug in niedriger Höhe kaum bemerkt, werden sie ab etwa 6000 m  (20.000 ft) Flughöhe besser sichtbar. FS Altitude ersetzt nun diese sich wiederholenden Texturen durch eigene Fototexturen, die das reale Aussehen der Erdoberfläche darstellen. Da die Datenmenge mit der Qualität der Auflösung dieser Texturen stark ansteigt, hat man sich dazu entschlossen, gering aufgelöste Satellitenbilder für die eigenen Texturen zu benutzen. Dieses bedeutet natürlich, dass FS Altitude für den 1.000 ft-VFR-Flieger nicht geeignet ist, da er beim Fliegen über die Texturen in geringer Höhe nur recht unscharfe Bodentexturen erkennen würde. Für diese Sim-Flieger ist die Szenerie aber nun einmal auch nicht gedacht. Also deaktiviert FS Altitude die eigenen Texturen beim Fliegen in geringen Höhe, so dass hier wieder die Standardtexturen des FSX sichtbar werden. Auch direkt unter dem Flugzeug zeigt FS Altitude in großer Höhe die Standardtexturen.

Deutlich wird die Arbeitsweise von FS Altitude an einem Testflug:
Ich starte am Flughafen Van Nuys im San Fernando Valley nördlich des Großraums Los Angeles:

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Im Hintergrund sind die Bergketten der San Gabriel Mountains erkennbar. Im Gegensatz zum Vordergrund sind diese bereits von Texturen des FS Altitude überzogen. Ein Blick aus dem rechten Seitenfenster zeigt ein ähnliches Bild:

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Nun geht es immer höher hinauf. Während des Steigfluges wird die Grenze zwischen Default- und FS Altitude-Textur deutlich:

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Das bergige Gelände vor der rechten Tragfläche ist im vorderen Bereich noch von der Default-Textur überzogen.
Ein Blick von außen auf das Fluggerät lässt erahnen, wie FS Altitude funktioniert:

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Unter dem Flugzeug wird quasi ein Kegel mitgeführt, in dem die Normaltextur abgebildet wird. Hierhin blickt man normalerweise beim Fliegen auch gar  nicht, da die Senkrecht-nach-unten-Sicht bei den meisten Flugzeugen nicht möglich ist. Je höher das Flugzeug fliegt, desto kleiner wird der Ausschnitt, der von der Normaltextur bedeckt ist:

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In diesem Screenshot wird auch schon ein großer Vorteil von FS Altitude deutlich, wenn man einmal die Farben  der Default-Textur mit denen des FS Altitude-Satellitenbildes vergleicht.
Ich schraube mich nun über Van Nuys weiter in die Höhe und schaue von oben auf mein Flugzeug:

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Deutlich ist hier der kleine übrig gebliebene Kegelausschnitt mit der Normaltextur direkt unter dem Fluggerät zu erkennen, während der große Rest des Bildes von der weitaus realistischeren FS Altitude-Textur eingenommen wird. Man vergleiche hierzu nur einmal die Struktur der Gebirgstäler, die in der FS Altitude-Darstellung fast plastisch hervortreten (besonders gut rechts vom Flugzeug zu erkennen).

Quer durch die USA

Bilder sagen mehr als 1000 Worte. Daher habe ich mich entschlossen, auf  mehreren Flügen quer über die USA nach Besonderheiten in diesem Addon Ausschau zu halten, wobei einem natürlich nicht nur positive Dinge ins Auge stechen, sondern auch das eine oder andere Negativum deutlich wird.
Das ist bereits nach dem Start in Los Angeles so:

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Einerseits fasziniert es mich, den Untergrund quasi wie in Wirklichkeit zu erkennen und endlich einmal auf die grauen Strichstraßen verzichten zu können. Trotzdem sind die Straßenverläufe nachzuverfolgen, die Ausdehnung der Stadt wird deutlicher, als es jede Landclass bisher darstellen konnte. Was mich etwas stört, ist der Farbverlauf im Hintergrund: Ist da mitten durch Los Angeles vielleicht eine andere Bodenart vorhanden, die den Untergrund gelblich erscheinen lässt? Ein Blick auf die geologische Karte der Umgebung bestätigt dieses nicht, also  wird es sich hier um einen Farb“fehler“ handeln. Offensichtlich hat man an dieser Stelle zwei Satellitenbilder aneinandergefügt, die zu verschiedenen Jahreszeiten aufgenommen wurden. Das ist an einigen anderen Stellen der Szenerie ebenfalls zu beobachten, allerdings kaum in der Deutlichkeit wie hier.
Wo wir gerade von negativen Auffälligkeiten sprechen (keine Anst, viel mehr gibt es auch nicht…):

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Beim Flug von LA nach San Francisco bemerke ich in Höhe von Monterey dieses Phänomen, wobei es sich um mitfotografierte Wolken handelt. Auch an einigen anderen Stellen bemerke ich diesen Fehler, so z.B. auch dann und wann später über den Appalachen.
Der Anblick der San Francisco Bay jedoch entschädigt mich vielfach:

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Was für ein grandioser Anblick! Aus über 20.000 Fuß sieht der Untergrund tatsächlich nahezu echt aus, der Unterschied zwischen Natur- und Stadtgebieten sowie kultivierten Landwirtschaftsflächen wird überaus deutlich.
Weiter geht es in Richtung Seattle am Mount Rainier vorbei:

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Die Vielfalt der Farben des Bodens in der Gegend um San Francisco – hervorgerufen durch die auf  nahem Raum beieinanderliegenden unterschiedlich feuchten Gegenden – ist hier im Nordwesten der USA einem satten Grün gewichen. Die Ausdehnung der Schneefelder am Mount Rainier ist typisch für die Sommerzeit in dieser Gegend.
Nächster Punkt der virtuellen Reise durch die USA ist die Halbwüsten- und Wüstengegend um Las Vegas:

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Ganz anders als der Nordwesten ist diese Landschaft von helleren Farben geprägt. Im Screenshot oben habe ich absichtlich den Default-Kegel im unteren Teil des Fotos einmal mit abgebildet, damit die Verbesserungen der Darstellung bei FS Altitude noch deutlicher werden. Auch hier wieder sind die Plastizität und die realistische Farbe der dargestellten Gebirgszüge hervorzuheben.
Besonders deutlich wird das auch über dem Grand Canyon:

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Am Rand der Rocky  Mountains vorbei geht es nun in Richtung Norden.

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Wer genau hinschaut, kann im ersten Bild einen feinen Farbunterschied feststellen. Hier wurden wieder zwei Bilder zusammengefügt, die zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen wurden. Andererseits sieht man aber auch, dass diese Farbunterschiede im größten Teil der Fälle nur schwach ausgeprägt sind und so gut wie gar nicht stören. Auf der anderen Seite könnte keine künstliche Textur die genaue Lage der zahlreichen kreisrunden Bewässerungsfelder in den Great Plains (siehe unteres Bild) darstellen.
Spaßeshalber fliege ich einmal so weit nach Norden, bis ich am Szenerierand angekommen bin:

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Das ist in der Nähe von Winnipeg in Kanada der Fall. Auf der linken Seite sieht man die Default-Bodentextur-Darstellung des FSX, rechts davon die realistische Darstellung des FS Altitude-Addons.
Über die Great Plains hinweg geht es nun nach Süden:

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Die Entwickler der Szenerie empfehlen zwar die Verwendung des Addons ohne Wolken, aber auch mit einem gewissen Grad von Bedeckung wirkt FS Altitude fast noch realistischer.
Die ausgeschnittenen Küsten- und Flusslinien, die dann mit eigenen Wassertexturen versehen wurden, werden besonders im Bereich des Mississippi-Deltas und an der Ostküste Floridas deutlich:

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Hier im Osten der USA wird die Szenerie von der Farbe des Untergrundes her grünlastig, was der Realität entspricht.

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Dieser Screenshot zeigt noch einmal den Unterschied zwischen der Standardtextur (unten)  und FSAltitude. Die Standardtextur ist heller, aber unrealistisch. Wer schon einmal im Sommer über den Osten der USA geflogen ist, wird festgestellt haben, dass hier bis auf den Küstenbereich und dem Großraum Boston-Washington große Waldgebiete liegen.

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Hier über Georgia am Rande der Appalachen werden  die Konturen der Berge deutlicher als mit der Standardszenerie. Die weißen Flecken sind übrigens keine Schneegebiete, sondern wieder einmal Wolken.

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Einen hohen Wiedererkennungswert haben auch Washington, New York und Boston aus großer Höhe.

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Wer dem Straßenverlauf der Interstate 95 in 30.000 Fuß Höhe folgen möchte, kann dieses bei geringer oder fehlender Bewölkung ohne größere Schwierigkeiten hinbekommen.
Wirklich schön stellt sich auch der Küstenstreifen nördlich von Boston dar. Hier befinden sich herrlich weiß-gelbe Dünenstrände – mit dem FSAltitude-Texturen wunderbar auszumachen.

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Eine Runde über die reich gegliederte Küste des Bundesstaates Maine schließt meinen USA-Rundflug ab.

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Fazit

Was hat mich nun eigentlich besonders fasziniert an FSAltitude? Hier muss  ich das Bundle USA West und USA East getrennt betrachten.
Während ich an FSAltitude Western USA insbesondere die Plastizität der Gebirgsregionen und den Farbwechsel zwischen bewaldeten Gebieten, Gebirgen, Halbwüsten und Wüsten schätze, beeindruckt mich in FSAltitude USA East am meisten die detaillierte Wiedergabe der Küstenlinien am Golf von Mexico und an der Atlantikküste. Daneben macht es aber einfach Spaß, über Landschaften zu fliegen und das Gefühl zu haben, dass das „da unten“ dem Anblick in der Realität schon sehr nahe kommt. Waldgebiete, landwirtschaftliche Flächen und Bebauung bei Städten haben die realen Ausmaße, die Farben kommen der Realität auch recht nahe.
Schade ist eigentlich nur, dass ich diese Szenerie nur im FSX-Sommer und am Tag erfliegen kann, denn Texturen für die anderen Jahreszeiten und für die Nachtdarstellung liegen nicht vor. Wer sich mit diesem Umstand allerdings abfinden kann, wird trotz einiger kleinerer Schönheitsfehler eine Menge Flugspaß mit FSAltitude haben.

Pro

Contra

  • Niedrig aufgelöste Luftbilder als Bodentexturen
  • Keine Beeinflussung der Framerate
  • Szenerieabdeckung reicht über die USA hinaus
  • Durch Wassermasken detaillierte Küstenlinien
  • Weitgehend realistische Texturfarben
  • Keine Winter-/Herbst-/Frühjahr- und Nachttexturen
  • Vereinzelt mitfotografierte Wolken oder zu verschiedene Tageszeiten aufgenommene Texturen (dadurch leichte Farbunterschiede)

Informationen

Testsystem

  • Athlon 64 X2 Dual-Core Prozessor 4800
  • 2048 MB
  • NVIDIA GeForce 7600 GS Grafikkarte
  • Windows XP Prof.

Klaus Prichatz


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